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Full text of "Thesaurus linguae prussicae. Der preussische Vocabelvorrath, soweit derselbe bis jetzt ermittelt worden ist, nebst Zugabe einer Sammlung urkundlich beglaubigter Localnamen"

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i 



THESAURUS LINGUAE PEUSSICAE. 



Der preussische VocaMvorrath, 



soweit derselbe bis jetzt ermittelt worden ist, 



nebst Zugabe einer Sammlung 



urkundlich beglaubigter Localnamen, 



gesichtet und zusammengestellt 



von 



G. H. F. Nesselmann. 



Berlin, 

Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung. 

Harrwitz & Gossmann. 
1873. 



'f|) 3 NOV 1939 1 

^.\ OF OXFOhD i" 




Vorwort. 

Was ich von den Ueberbleibseln der preussischen Sprache seit 1845 
successive zusammengetragen und was Andere mit mir seitdem nach 
verschiedenen Seiten hin verarbeitet haben, liegt in Büchelchen und 
Zeitschriften so vielfach vereinzelt abgelagert, dass es nachgrade an 
der Zeit erscheint, eine Hauptstation auf dem Wege zu machen und 
behufs bequemer Uebersicht das hier und dort Zerstreute, sich theils 
Ergänzende, theils Widersprechende in seinen wesentlichen Resultaten 
summarisch zusammenzustellen. Ich habe micli in vorliegender Schrift 
dieser Arbeit unterzogen, die bei den vielfach sich durchkreuzenden 
eignen und fremden Ansichten und Erklärungen nicht überall ganz 
einfach war. Durchweg bin ich dabei dem Grundsatze gefolgt, dass 
das Recht der Autorschaft einer neuen Anschauung oder Erklärung 
nicht demjenigen gebührt, der sie zuerst gefunden, sondern demjenigen, 
der sie zuerst veröflfentlicht hat; daher habe ich namentlich in allen 
denjenigen Fällen, in denen eine von mir längst gefundene und in 
meine Handexemplare eingetragene Erklärung oft viel später von einem 
Andern öffentlich ausgesprochen worden ist, immer durch ein Citat 
auf diesen Letzteren als Urheber hingewiesen. 

Den appellativen Wortvorrath habe ich vollständig, in Betreff der 
aus Provinzialismen erschlossenen preussischen Wörter vielleicht zu 
vollständig, aufgenommen; dagegen lag es von Anfang an nicht in 
meinem Plane, auch die zahlreich uns erhaltenen Personen- und Local- 
namen meiner Arbeit einzuverleiben, weshalb ich dieselben bei Beginn 
meiner Vorarbeiten geflissentlich ausser Betracht Hess; erst später 
entschloss ich mich, zum Theil auf fremdes Zureden, auch die Local- 
namen zu berücksichtigen, und raffte da zusammen, was mir eben noch 
zur Hand war; ich bitte daher, diesen Theil meiner Sammlung nur 
als eine freiwillige Zugabe zu dem appellativen Wortvorrath hinnehmen 



VI 

und beurtheilen zu wollen; Personennamen habe ich nur insoweit 
herangezogen, als Localnameu sich auf dieselben zurückführen lassen. — 
Ganz ausser Acht gelassen habe ich das von Simon Grunau's 
Phantasie geschaffene und durch seine Nachfolger im 16. und 17. 
Jahrhundert theils ebenfalls aus Phantasmen, theils aus littauischen, 
kurischen und slavischen zum Theil unlauteren Quellen kritiklos be- 
reicherte, jeder wissenschaftlichen Beglaubigung bare Heer angeblich 
preussisclier Götternamen. Wir kennen — und das ist meine volle 
Ueberzeugung — nur einen urkundlich beglaubigten preussischen 
Götternamen, nämlich CurcJie oder Cureho (s. d.), und gerade dieser 
ist zugleich der einzige, der in einer Reihe von Localnamen sich bis 
in die Gegenwart hinein lebendig erhalten hat. Ausserdem hat sich 
auf dem ganzen Gebiet der preussischen Mythologie in weiterem Sinne 
nur noch der Name der Kauken oder Küken (s. cauk-s^ kuke) ein 
urkundlich gesichertes Andenken zu wahren vermocht. Alles Andere 
fällt in den Bereich unbeglaubigter Fabelei. 

Ein grosses Hemmniss bei meiner Arbeit war für mich der Um- 
stand, dass ich den Elbinger Codex des Vocabulars in Folge einer 
schwer zu rechtfertigenden Verfügung des Vorbesitzers, weiland Stadt- 
rath F. Neu mann, nie dauernd zur Hand haben konnte, sondern mich 
damit begnügen nmsste, denselben bei wiederholentlich sich einstellenden 
Zweifeln nur sporadisch einzusehen, wozu jedesmal eine Reise erforder- 
lich war. Wie oft habe ich Neumann beneidet, der den Codex 
vierzig Jahre lang ungestört neben sich auf seinem Arbeitstische durfte 
liegen sehen. Er hat denn auch fleissig an den Vorbereitungen zu 
einer künftigen Herausgabe der Handschrift gearbeitet, aber völlig 
ziel- und planlos, so dass er auf dem von ihm eingeschlagenen Wege 
nie zur Vollendung gelangt wäre; das erhellt schon aus der Schilderung, 
welche Director Dr. M. Toppen im 6. Bande der Altpreuss. Monats- 
schrift S. 341 flgg. von Neumanns Art zu arbeiten giebt, noch mehr 
aber aus seinen hinterlasseuen Vorarbeiten selbst, welche Toppen zu 
Anfang Juni d. J. mir mitzutheilen die Güte hatte, freilich zu einer Zeit, 
als ich dieselben wenig mehr benutzen konnte, denn es waren inzwischen 
bereits mehrere Bogen gegenwärtiger Schrift im Drucke vollendet; 
aber auch bei rechtzeitigem Empfange hätte ich aus diesem Chaos 
wenig für meinen Zweck Geeignetes entnehmen können; sehr will- 
kommen sind mir die Berichtigungen der Lesung einiger Vocabeln 
gewesen, so z. B. seabre, sealtmeno^ eftrich (Art. perwios), eunitzc oder 



VII 

ennitze (Art. staydy)\ dagegen hat Neumann entschieden unrichtig 
gelesen kruhe für queJce^ taturwis für tatarwis^ woste für wosee u. a. Die 
von Neumann gesammelten Personen- und Localnamen konnte ich, 
da meine Arbeit formell bereits abgeschlossen und zum Theil gedruckt 
war, nicht mehr berücksichtigen. 

Auffallend ist die Erscheinung, dass, während die successive er- 
folgten Erweiterungen unserer Kenntniss der preussischen Sprache bei 
auswärtigen Gelehrten eine sehr lebhafte Theilnahme gefunden haben, 
die zumal seit der Veröffentlichung des Elbinger Vocabulars 1868 
sich immer noch zu steigern scheint, die Gelehrten unserer an der 
Sache zunächst betheiligten Provinz an diesen Erweiterungen fast ganz 
theilnahmlos vorübergegangen sind ; um so erfreulicher ist es mir, eine 
rühmliche Ausnahme hier namhaft machen zu können; es ist der 
hiesige Hofprediger G. Th. Hoffheinz, der theils durch die von mir 
bereits in der Altpreuss. Monatsschr. Band VI. S. 321 folgg. mit ge- 
bührender Anerkennung bezeichneten zahlreichen Beiträge zur Berich- 
tigung meiner Ausgabe des Vocabulars, theils durch seine mir zur 
freien Verfügung gestellten reichen Sammlungen preussischcr Provin- 
zialismen meine Arbeiten wesentlich gefördert hat. Auch darf ich 
dem Oberlehrer Dr. E. Volckmann in Elbing, der mich bei den 
wiederholt nöthig gewesenen Collationen des Elbinger Codex mit stets 
gleicher Bereitwilligkeit freundlichst unterstützt hat, meinen schuldigen 
Dank nicht vorenthalten. 

G. H. F. N. 



Abkürzungen. 



AMS. Altpreussische Monatsschrift von R. Reicke und E. Wiehert. 

Beitr. Beiträge zur vergleichenden Sprachforschung von A. Kuhn u. A. 

Bopp bedeutet immer dessen Schrift über die Sprache der alten Preussen, 
Berhn 1853. 

CdP. Codex diplomaticus Prussicus ed J. Voigt. 

DO. Danziger Codex des culmischen Rechts, s. Altpreuss. Monatsschr. VII. 318. 

Ench. Enchiridion, der kleine Katechismus Dr. Martin Luthers, Uebersetzung 
von 1561, abgedruckt in meiner „Sprache der alten Preussen*'. 

GDK. Gebser und Hagen Geschichte der Domkirche zu Königsberg. 

Gr. Das Wörterverzeichniss in der handschriftlichen Chronik von Simon Grünau, 
abgedr. in meiner „Sprache der alten Preussen*'. 

JKR. Jacobson Geschichte der Quellen des Kirchenrechts. 

Kat. 7., Kat. IL Die beiden Uebersetzungen des Katechismus von 1545, abgedr. 
in meiner „Sprache der alten Preussen"/ vj? <<.• -■.- /- ' r.- 

MhW. Monumenta historiae Warmiensis; wegen der sehr vollständigen Register, 
welche diesem trefflichen Werke beigefügt sind, habe ich bei den 
zahlreichen Gitaten aus demselben nur ausnahmsweise die Seiten- 
zahlen angegeben. 

Pierson. Da sämmtliche liieher einschlagende Arbeiten Piersons in der Alt- 
preuss. Monatsschrift erschienen sind, so habe ich hinter seinem 
Namen die Bezeichnung AMS. meistens weggelassen. 

FBI, Preussische Provinzialblätter. NPBl. Neue Preussische Provinzialblätter, 
a. F. andere Folge, 3. F. dritte Folge. 

Prov. Provinzialismus. 

SrP. Scriptores rerum Prussicarum. 

TcG. Toppen historisch-comparative Geographie von Preussen. 

Voc. Das Elbinger Vocabular. / • " 

[ ] Die eckigen Klammern enthalten von mir ergänzte Normalformen, die in 
den Urtexten nicht vorkommen. 



A. 

ab, Verbalpräposition, auch in den Formen eh, ep (litt. lett. ap, kslav. 
obu, in den neueren slav. Sprachen ob). 

abbainom,, abbans slcc, ^h ei deEnch.ßl. 69, 80; an letztcitirter Stelle steht 
abbaien en nouson etc.^ wo das wiederholte -en wohl Drckf. ist für 
abbai en nouson (litt, abh m., aU f., lett. abi m., abas f., slav. bba,bbje). 

abasus, Voc, 294, ahbas Gr., Wagen (litt, äbazas, poln. öboz, Feldlager, 
Heer, wohl auch ursprünglich Wagen, denn kslav. obozu, rviss. öboz, 
sarcinae, Bagage, russ. öbozny'i, Wagenmeister, Schirrmeister), Prä- 
torius XVI. 41 hat abazas, Wagen; er meint aber wohl das litt, Wort. 

abenda, Territorium in Samland, gleichbedeutend mit beten s. d., JDusb. 
HL 215; nach Toppen zu SrP. L 144 vielleicht Po wunden (?) 

aber, aber, Kat. L (in der Taufe), Germ. 

ab-glopte, ein Kranz, mit einem breiten weissen Tuch benäht, welchen 
die Neuvermählte, nachdem ihr das Haar abgeschnitten worden, auf- 
setzte. Pierson in AMS. VIL 594. — Hennig 316 schreibt, 
wohl als Drckf., abgloyte. Die etymologisch richtige Schreibung wird 
wohl ab-globte oder ab-globste sein, von litt. ap-gl6biu, -glöbti, um- 
fassen, umgeben, verdecken; vgl. litt, uz-glöbstis, Hülle, Decke, Vorhang. 

aboros (rofe) Voc. 228, die Raufe im Viehstall, dort neben der Krippe 
genannt. (Der Bedeutung nach etwas fern liegen litt, abarä, poln. 
böhm. obora, der Viehhof zwischen den Wirthschaftsgebäuden und 
Gartenzäunen, serb. obor^ sepimentum pro suibus, slov. obora^ Thier- 
garten ; kslav. obora, restis, Strick, als Grundbegriff sowohl von Raufe 
als von sepimentum; vgl. dazu Pauli Beitr. VH 180). 

abse, Espe, Voc. 606. (lett. apsa, apse, litt, apuszis, apusze, ahd. aspa; 
slavisch ohne b oder p, kslav. russ. ostna, poln. böhm. osiJcä). 
Hieher gehören die Localnamen abs-medie, s. d., und absch-wangen 
(d. i. abse-wangen) , Dorf im Kr. Preuss. Eylau, beide Espen wald 
bedeutend, vielleicht auch absowe s. d.; vgl. median, wangus, 

ab-sergtsnan, acc, Schutz, JEnch, 55, vgl. sergi-t 

ab'Signasnen, acc., Segen, JEnch, 76, vgl. eb-signäsnan. 

ab'Signätai, s. eb-signa-t. 

Nesselmann, Tbesaurus. 1 



— 2 — 

absJcande, Erle, Voc, 602. s. alskande. 

abs-medie, Wald im Kr. Allensteiu, MhW. IL 290, bedeutet Espen- 
wald, s. dbse und median, 

absowe campus östlich in der Nähe von Königsberg. CdP. L 146. 
NFBl X 173. TcG. 131. s. abse. 

db'Stocle nora., ai-stoden acc, Deckel, Deckbrett auf der Beute, 
Stürze, auf einem Kochtopf. Voc, 354. 395; an letzterer Stelle steht, 
offenbar fehlerhaft, ahstoUen; (litt, ist ap-st'egiu,'Stegti tröbqj ein Gebäude 
decken, unter Dach bringen, preuss. stogis, litt, stögas, das Dach; 
das entsprechende preuss. Verbum wird wohl allgemein bedecken 
bedeutet haben; die Suffixe -Jcle, -Mas bezeichnen im Litt, das Mittel, 
das Werkzeug, daher in etymologisch genauer Schreibung ab-stog-cle, 
das, womit man bedeckt, der Deckel); vgl. Burda Beitr. VI. 393. 
AMS, VIL 578. 

oder, adder, 1) oder. Ench 9. 16. 84 u. oft. 2) aber. Ench, 1 1. 12. 20. 
Auffallend ist die durchgehende Verwechselung der Partikeln oder 
und aber noch heute im ostpreuss. Volksdialecte; vgl. auch Hennig 7. 

addle, Tanne, Voc, 596 (poln. jodla, jedlina, serb. jedla, böhm. gedle 
und mit Ausstossung des d kslav. jeU, WXjv.jel, slov. jela, russ. eV; 
weiter ab liegen litt. lett. egle, womit vielleicht slav. igla, Nadel, 
s. aycula, zu vergleichen ist). 

aen, aesse, aese s. en, esse, 

aesse, aest s. assei, ast unter Wurzel as, 

ager s. ayers, 

agins, Auge, Voc, 80, ist der Form nach acc. pl.; vgl. acJcis im Ench,, 
wozu der acc. pl. acJcins, 

agio, Regen, Voc, 47, Neutralform für aglu? s. Pauli Beitr. VII. 158 
(griech. dx^vg, Nebel, Wolke, Dunkelheit). 

agnithe^ nom. viri, NPBl. a, F, VI, 173, daher agnitten, angnitten, 
Vorwerk im Kr. Preuss. Holland. 

ayern, ayers^ ayeris, ager (?), See und Flüsschen im Kr. Allenstein. 
MhW. IL HO. 155. 177. 178. 

[aycula] ayculo (nolde)^ Nadel, Voc, 470 (kslav. russ. poln. igla, cod. 
Östron, igülinu, kroat. ja^la, serb. jehla, johla, böhm. jehla), 

ain-s, nom. m. Ench, 1. 13. 19 und oft {ans 39 Drckf.), ainä, nom. 
f. 30. 39. 44. 54. 64, ainan, acc. 35. 51. 66 und oft {einan 73 
wohl Drckf., aynan, aynen Kat, IL), ainesmu, dat. m. 9. 31. 95, 
ainassei gen. f. 51 und (unrichtig gebraucht als) gen. m 82; 1) un- 
bestimmter Artikel, ein, eine, oft. — 2) Zahlwort einer, eines, 
32. 37. 68. — 3) jemand, 37. — 4) allein, 68. 83. — 5) einzig, 
15, 95. (goth. ains, griech. Big (für «rgl, lat. unus, alt oinos, m\tw 
als Vorschlag litt, "wenas, lett. weens\ s. Bopp Sprache der alten 
Preussen S. 42); vgl. er-ains, ni-ains, ter-ains u. die folgg. 

ainan- geminton acc, eingeboren. Ench, 91, s. gem-ton. 



— 3 — 

ainan-gimmmin ace, eingeboren. JEnch, 80, s gem-ton. 

aina-seiUngi, nom. sg. f., einsam. Ench, 64, s. seilingis, 

ainat, adv., allezeit. JEnch. 86. 

aina-wdrst, adv. einmal. JEnch. 37, s. wärst. 

aina-ioydanj -wydei, -widai, -weydi, adv. ebenso. ]E}ndi. 16. 18. 31. 70, 
aina-widai titet Jcai, ebenso wie 81. s. wida, widi. 

aina-wydi, nom. pi., einerlei Ench. 68. 

aina-uridiskan, ace, einig. Ench. 18, aina-widisJcu, dat. adv. ebenso, 
in gleicher Weise. 50. 

ainont-s, nom., ainontin ace, ainontsmu dat., ainontsi gen., jemand. 
JEWcÄ. 34. 50. 66. 69; ainontin reisan, jemals 70; vgl. ni-ainonts. 

aysmis, Spiess, Voc. 363 (litt, eszmas, j'esznias, lett. eesmSj Bratspiess); 
das Voc. unterscheidet unmittelbar neben einander aysmis, Spiess, 
und pagaptis^ Bratspiess ; wie es scheint, bezeichnet pagaptis s. d. 
den ganzen Apparat, aysmis dagegen speciel den eigentlichen Spiess 
oder Speer daran. 

ayte-genis (kleinespecht) Voc. 745, soll doch wohl der pia^fs minor sein ; 
der zweite Theil ist identisch mit genix, s. d., Specht, der erste 
Theil ist unklß,r. Pierson JMS. VII. 578 übersetzt Spitzenspecht, 
indem er für das preuss. ayte auf litt, jetis, Spiess, Spitze, für das 
deutsche auf mhd. Meine, Spitze, hinweist. 

aketes, pl, die Eggen, Egden. Voc. 255 (litt, aketes, akiczos^ ekeczos, 
lett. ezzeklis, ezzeschi, ahd. egidu). 

a>ckewystin, acc, öffentlich, Ench. 89, zu ackis, s. a^kywistu. 

axikis, nom. sg., ackins acc. pl., Auge, JEnch. 14. 49. 6t; vgl. agins. 
(litt. ak\s^ lett. azs, slav. oko^ lat. Dimin. oc-wZms, goth. augo, 
angels, aegh, eag). 

akystine (akystire)^ nom. viri, CdP. II. 173; daher wohl Dorf agstein^ 
Kr. Braunsberg. 

akitz lacus JSIhW. II. 132; das preuss. ackis hatte wohl, wie das litt, akis, 
die Nebenbedeutung Quelle, daher akitz, der quellenreiche See; über 
das Bildungssuffix -it, -itz und seine Bedeutung vgl. aumit, ausnitz. 

a>ckywistu, akiioysti, adv. öffentlich, Ench. SO. S9, s. ackewystin {folxi. 
oczymsty^ adj., oczywiscie^ adv., augenscheinlich). 

aclo \j-cordä\ -cordo, Leitseil, Fahr leine, Voc. 313. Pott will für 
aclo at«cZo, Halfter, lesen, und weist für den zweiten Theil auf poln. 
korda, Gürtel, kordel, Strick, htt. kardelius, Tau, hin ; nur entspricht 
diese Etymologie nicht ganz der Bedeutung; vgl. corda. 

accodisj Rauchloch, Voc. 214 (vielleicht die preuss. Präposition au 
mit der slav. Wurzel chod, gehen, also etwa Ausgang, poln. ^ichod, 
das Entweichen; vgl. litt, per-kadas, Pass, enger Weg, eigentlich 
Durchgang, poln. prze-chod; litt, pa-kadas, Gang, poln. po^hod; 
litt, da-kadas, Einkommen, Lohn, poln. dO'Chod)\ vgl. den Dorf- 
namen achodden im Kr. Orteisburg. 

1* 



— 4 — 

ackons, Granne, Aehrenhachel, Voc. Til (litt. aJcutas, lett. akots 
weichen im Bildungssuffix ab; vielleicht ist an kslav. honM, russ. 
Jconec, böhm. Jconec, poln. Jconiec, Ende, äusserste Spitze, zu denken). 

alia, alna, der Fluss Alle. MhW. L CdP. IL No. 1 und sehr oft. 

[alga nom.] algas gen., Lohn, JEnch. 52 (litt. lett. algä) s. algeniks 
und sorgaliofi, 

algemin [aljemin]^ das Territorium, welches die Gegend von Marien- 
burg, Stuhm, Christburg umfasste; so bei Jeroschin mSrP.L 462; 
auf dem Siegel des Ordensvogts von Stuhm von 1 388 findet sich die 
wahrscheinlich als Abbreviatur zu fassende Form aliem (SIGILLVM 
ADVOCATI IN ALIEM) füvaliemino; s. Vossberg preuss. Münzen 
und Siegel S. 32 ; aber Voigt's CdP, IL 79. 80 und dessen Burgen- 
karte, desgl. TcG. 13 und öfter haben alyem; Bush, IIL 143 schreibt, 
wahrscheinlich fehlerhaft, algent, 

[algeniks, der um Lohn arbeitet] nur in den Compos, deina-algeniks 
s. d. (litt, alginmkas, Tagelöhner). 

algent s. algemin. 

algetos, algetus vadum, MhW. J. 113. 

aliem, alyem s. algemin. 

ailing s. elling. 

alkinisquai dat. sg., Kummer, Ench. 11 (wohl eigentlich Hunger, 
vgl. das folg. und litt, älkstu, dlkti, hungern, dlkanas, hungrig, 
nüchtern, kslav. alukati, russ. alkäf, lett. salkt d. i. is-alkt, hungern, 
kslav. alkateVt, hungrig; durch Metathesis poln. laknqc, kslav. laknqti, 
hungern. 

alkins nom., nüchtern, eigentl. wohl hungrig. Ench.hX s. das \or. 

alkunis, Ellenbogen, Voc. 110. (litt, alküne, lett. elkons; vielleicht 
gleichen Stammes, mit der im Slav, allgemein beliebten Metathesis 
von al zu ?a, ist kslav. lakuti, russ. lokof, böhm. loket, poln. lokiec, 
Ellenbogen, und litt, ulektis, lett. ohlekts, Elle). 

almonia s. elme. 

alna s. alia. 

alne, Thier, Voc. 647. Ursprünglich bedeutet das Wort wohl Hirsch- 
kuh, litt eine, kslav. alunit, zu litt, elnis^ kslav. aluni, Hirsch. 
In der deutschen Jägersprache auch schon des Mittelalters wird die 
Hirschkuh schlechthin das Thier genannt; vgl. engl, deer, das sogar 
den allgemeinen Begriff bereits ganz verloren hat. Entweder hat 
nun der Zusammensteller des Vocabulars den Ausdruck Thier im 
Sinne der Jägersprache nicht gekannt und daher denselben miss- 
verständlich in dem allgemeinen Sinne von animal genommen und 
demgemäss den Artikel „Thier, a?ne" an die Spitze der ganzen 
Begriflfsgruppe gestellt, oder aber die Sprache selbst hat bereits den 
speciellen Thiemamen alne zu dem allgemeinen Begriff von animal 
erweitert (vgl. sanskr. mrga, Antilope, dann allg. vierfüssiges Thier) ; 



— 5 — 

der letztere Fall ist der wahrscheinlichere, weil die preuss. Sprache 
für Hirschkuh einen andern Ausdruck hat, nämlich glumbe, Voc. 652, 
neben welchem wir, abgesehen von der Stellung im Voc, nicht alne 
in derselben Bedeutung aufzufassen berechtigt sind. Vgl. Burda 
Beitr. VI. 393, Pierson ÄMS. VIl. 579 und meine Bemerkung 
ebend. VIII. 694. 

aloade, Haspe, Voc. 541. 

alow, dlowe lacus, MhW. IL 218. 219. 

alpus lacus, CdP. IV, 186. MhW. III. 29. 67. 

alskande, Erle, Voc. 602 (es steht zwar daselbst abskande, aber wohl 
als Schreibfehler, weil alle verwandten Sprachen, trotz mannigfacher 
Variationen in der Formbildung, ein l zeigen, wie litt. lett. älksnis^ 
elksnis, lett. auch elkschnis, walMchnis, kslav. oVtcha, russ. oVcha, 
poln. ölsm, böhm. ölsse, wolsse, serb. wolsa; vgl. auch ahd. alira, 
arila, holl. eis, eUenboom, deutsch prov. eller, lat. alnus u. s. w.); 
s. Pierson VII. 578. Ich glaube das Element alskande, litt. 
alksnis wieder zu erkennen in dem modernisirten Namen des Gutes 
alex-wangen im Kr. Fischhausen, im Sinne von Erlenwald; vgl. in 
littauischen Kreisen die Namen alexen, alex-kehmen, alex-meschkeit 

altars, altari gen. sg., Altar. Ench. 40. 

alu, Meth, Voc. 392 entweder verschrieben für al^ls (vgl. litt, allis, 
lett. alius, das selbstgebraute Hausbier), oder Neutralform auf u. 
Pott Beitr. VI. 122. Pauli VII. 157. 

alue. Voc. 647; dafür ist alne zu lesen. 

alms, Blei, Voc. 527. (kslav. olowo, poln. olow\ böhm. olowo, wölowo, 
Blei, dagegen litt, älwas, lett. alwa, russ. blowa, Zinn.) 

amsis gen., amsin acc. sg., Volk, Ench. 85. 88; im Abschnitt 28 
steht amsin als Drckf. für amsins, acc. pl. {amsis entspricht wohl in 
Collectivbedeutung dem kslav. mqU, poln. mqz, russ. böhm.mwl, Mann.) 

an, in Kat. I. II für en. 

anax in gerto-anax, s. d., für wanags. 

anbirgo s. aubirgo. 

[an-deiänst, verhindern] an-deiansts, part, pass., verhindert, Ench. 58, 
s. deiänst. 

ane (altmuUer) Voc. 172, d. i. Greisin, Grossmutter, Aelter- 
mutter (vgl. litt, an'j/ta, Schwiegermutter der Frau, ahd. awo, avus, 
äna, avia, nhd. ahn, Ahnherr, Grossvater, ähn-frau, lat. anus). 

anga, conj. ob, Ench. 34. 

angis, Schlange, Voc. IIA. (litt, angls, lett. ohdsa, poln. wqz, russ. 
U0, slov. wd0, lat. anguis, sanskr. ahis, griech. syjg.) 

angle (nölden) Nadel, Gr., vgl. aycula. 

anglis, Kohle, Voc. 34. (litt, anglis, lett. ohgle, kslav. qgU, russ. 
iigoV, poln. wqgl, wqgl, w^iel, böhm. uhel.) 

angol, Engel, Gr., s. engeis. 



— 6 — 

angsteina, angstainai, adv., frühe, morgens, Ench. 45; angsteina 
wird wohl auch in angsteinai zu ändern sein, als adverbial gebrauchter 
Dativ (litt, anksti, frühe.) 

angurys, Aal, Voc, 565 (es steht daselbst zwar angurgis, aber wohl 
als Schreibfehler; vgl. litt, ungur^s, kslav. qgrt, qgoriszM, qgcyriczi, 
russ. ügor\ poln. wqgorz, böhm. auhor). Hieher gehört der Name des 
Flusses angerap, d. i. angur-ape, Aalfluss, litt, ungure und ungurüpe; 
der Fluss ist noch heute sehr aalreich; dem entsprechend existirte 
wohl auch ein angur-pile, angerhurg, litt, ungura): vgl. wangrapia. 

dn-imt, s. en-imt. 

tm-TcaiUtj s. en-kaitU. 

cmhis (grif), der Vogel Greif, Voc. 708; es ist aber schwerlich an 
den fabelhaften ygiip zu denken, sondern das deutsche Greif be- 
zeichnet auch den Geier. Geieradler, vultur percnopterus oder 
vuUur aquilinus (kslav. nogu, inogü, inegU^ poln. nog, y^t'i/; (Aovwg^ 
solivagus, wozu Miklosich vergleicht goth. ainaha, ainakls, dazu 
ahd. einag, einig, angels, änega, unicus, einzig). In der Ausgabe 
des Voc. hatte ich aukis geschrieben, ankis ist aber unbedingt vor- 
zuziehen; ich bemerke hiebei, dass in der Handschrift des Voc. n 
und u mit dem Auge gar nicht zu unterscheiden sind ; s. Voc. S. 4. 

anxdris, Natter, Voc. 775; vgl. angis. 

ansalgis Voc. 506 ist wohl ausalgis zu lesen. 

ansis, Haken, Voc. 367; in der Zusammenstellung mit ra^msis, Kette, 
ist wohl an den Haken und die Kette zu denken, welche den über 
dem Peuer hängenden Kessel halten (litt, qsa, alt ansa, lett. ohsa, 
Handhabe, Henkel an einem Gefäss, lat. ansa, oder litt, wdsms, 
wqszas, Haken); s. Burda Beitr. VI 346, Pierson VIII. 362. 

antar-s, m. Ench. 2. 15 (anters Kat. I. IL), anters, n. 32, antra f. 21, 
nora., antran acc, 52, antersmu AdX., 29. 68. 71. 74. 75, der andere, 
der zweite; ains antran acc, 52 (falsch gebraucht, s. kurteiti), 
ains antersmu dat. 74. 75, einander (litt, antras, lett. ohtrs, ohtrajs, 
goth. anthor). 

an-terpinsqaan, mit Neg. ny a/nterpinsquan, unnütz, Kat. I. im zweiten 
Gebot; die der grammat. Analogie entsprechende Form dürfte wohl 
en-terpiskan oder en-terpinskan sein ; vgl. en4erpen, en-terpt, W. terp. 

änters-gimsennien , acc, Wiedergeburt, Ench. 30; vgl. gem-ton, 
gimsenin. 

antis, Ente, Voc. 720 (litt, dntis, kslav. qtica, russ. utica, utka, lat. 
anat, nom. anas, ahd. anut). 

ape (vlys), Fluss, Voc. 62 (litt, üpe, lett. uppe, dass., sanskr. ap, 
Wasser). Hieher die Flussnamen anger-ap (angur-ape), kaymen-ape, 
lauk-appe, wor-ape, vielleicht auch gold-ap (gold-ape). 

ape [-witwa] -witwo, Strauchweide, Uferweide, wörtlich Fluss- 
weide, Salix viminaliSj Voc, 605, s. witwa. 



•- 7 — 

api-sorx (ysinbart), Eisbart, Eisvogßl, cUcedo ispida, Voc. 772. 
Der Name hängt wohl jedenfalls mit ape, Fluss, Wasser, zusammen 
(russ. heisst der Vogel nach Nemn ich wodjanos, Wasserträger oder 
Wassernase und wodjanbi worobei, Wassersperling), preuss. vielleicht 
api'Sargs, Fluss- oder Wasserwächter, s. sargs, oder auch apirsarke, 
Flusselster, Wasserelster, Pierson VII. 597; — mhd. isin ist Adject, 
zu is, Eis, daher ysinlart nicht durch Eisenbart zu übertragen. 

apm (borne), Brunnen, Quelle, Voc, 64, vgl. ape. 

ardinghenen fliwius^ MhW, IL 365. 

ardinpa, s. d. folg. 

ardmana, ardmanna (a. Les. ardinpa) nom. loci in Samland, AMS. 
VII. 305 ; der erste Theil ard ist vielleicht identisch mit dem ersten 
Theil des Namens ard^appen, Dorf im Kr. Preuss. Eylau. 

arelie (are), Adler, Voc, 709, scheint verschrieben für arelis; vgl. 
geitye unter geit-s (litt, eris, erelis, arelis, lett ehrglis, kslav. orilu, 
russ. orel, poln. orzel^ böhm. orel, worel, goth. ara, ahd. aro, ari), 

aretis, Fluss in Galindien, jetzt poln. orjsic. TcG. 28. 

arganeyho, nom. loci in Samland AMS, VIL 308. 

arglohis, Scheitel, Voc, 76. (Der erste Theil, arg-, ist wohl kslav. 
wrwhU, wrüchu, böhm. u. slov. torch, russ. wer^ch, poln. wierzch, 
litt, wirsziis, lett. wirsus, Spitze, Gipfel, Obertheil, zu sanskr varh, 
wachsen; nun bietet sich kslav. wrüchu glawfii, wrüchu glawYnU^ 
und böhm. wrch hlatoy, Spitze, Gipfel des Kopfes, d. i. Scheitel dar, 
woran sich preuss. arg-globis (s. glawa) anschliessen könnte; aber 
die Identificirung von globis mit slav. und preuss. glawa, galwa 
scheint mir zu gewaltsam, daher trenne ich lieber mit Burda 
(Kuhn Beiträge VI.) das preuss. Wort in arg-lobis und beziehe 
letzteres auf kslav. lübU, russ. lob, böhm. poln. leb, Schädel, litt. 
lubas, Borke, harte Baumrinde, so dass arg-lobis, (wjarg-lobis einem 
slav. wrüchu lüba, Spitze des Schädels, entspräche. S. AMS, VIIL 695. 

arrientläku, Ench. 52 soll dem deutschen Text gemäss heissen er 
drischt. Der zweite Theil des Wortes weiset wohl unzweifelhaft 
auf kslav. tlükq, üjeszti, russ. tolkäju, tolkäf , poln. tlukq, (lue, 
schlagen, stossen, hin, während der erste Theil sehr entschieden an 
litt, ariü, drti u. s. w. pflügen (s. wni^x artoys) erinnert; ich denke 
mir nun die Entstehung dieses wundersamen Wortes so: Der Ueber- 
setzer hatte den bekannten Spruch vorsieh: „du sollst dem Ochsen, 
der da drischt, nicht das Maul verbinden"; nun hatte derselbe, der 
hiesigen Landessitte gemäss, den Ochsen zwar häufig zum Pflügen, 
aber nie zum Dreschen benutzt gesehen, daher übersetzte er: „der 
da pflügt", aria oder ähnlich, veränderte dieses aber nach noch- 
maliger Einsicht in den deutschen Text in tlaku^ vielleicht en-tlaku, 
so dass nun in seiner Handschrift und von da auch im Drucke beide 



- 8 - 

Formen neben einander stehen blieben und zu einem räthselhaften 
Compositum zusammenwuchsen. 

aringine, See im Ermlande. ÄMS, III. 645. CdP. IV. 186. MhW. 
III 29. 67. 

arys, das heutige Dorf arissau bei Thierenberg, Kr. Fischhausen. 
NPBl VIII 342. 

arcan acc, Arche. Ench. 86. 

ammo villa, das Kirchdorf arnau Kr Königsberg. AMS. VII 308. 

arohiten, arobofen campus, MhW, I, 152. 

arse fluvius am carneniswika castrum bei Insterburg. Dusi, III, 178. 

artoys, Ackersmann, Voc, 236 (litt, artöjis, Pflüger, von arih, drti, 
lett. arr% art, kslav. orati, russ. orät\ poln. orac, goth. ar/a?^, ahd. 
aran, lat. arare, griech. dgovv, pflügen); auch das preuss. Wort 
ist zu sprechen arto-i-is, artojis, vgl. gewineis, inedies, 

artue, von derselben Wurzel wie das vor., mit Suffix -tue gleich litt. 
'tüwe, 'tüwas, das Mittel bezeichnend, erscheint nur in pre-artue, s. d. 

artwes, Schiffsreise, Kriegsfahrt zu Wasser oder Ausrüstung einer 
solchen, Voc, 413 (litt, iriü, trti, rudern, \rtis, auf einem Ruder- 
schiffe fahren, lett. aireht, rudern, airis, Ruder, litt, arta, Segelstange, 
Suffix -fi(;e5 gleich litt. -tüwes,Tßl,). Vgl. Pierson ÄMS. VII, 579. 

ar-waykis, Füllen, junges Pferd, Voc. 434. Der zweite Theil ist wohl 
unzweifelhaft litt. walJcas, Kind, Junges, im Voc, 190 wahrscheinlich 
verstümmelt in wayklis, Sohn, s. d. ; für den ersten Theil bietet sich 
als naheliegend kslav. ort^ böhm. or, Pferd dar, so dass ar-waykis 
Pferdekind ist ; für den ersten Theil litt, arkl^s, Pferd, anzunehmen, 
würde eine zu grosse Verstümmelung voraussetzen. 

arwarbs (langwyt), Langwide, Langbaum, Langwagen, Foc. 301. 
(Die Etymologie ist unklar; unsichere Anklänge bieten litt, älwaras 
und per-waras, kslav. raz-worU, böhm. roz-tviyra in derselben Be- 
deutung.) Burda Beitr. VL 394. 

arwide, nom. viri, daher arweiden, Gut im Kr. Preuss. Eylau. NPBl, 
a. F. VI 174. 

arwis m., arwi n. und adv., wahr, wirklich. Ench, 14. 16. 18. 27. 
30. 40. 51, s. auch mit is- und per- (kslav. rawtnU, planus, aequalis, 
similis, russ. rawny'i, gleich, poln. böhm. rowny, gleich, eben, gerade). 

arwiskai, adv., gewiss lieh, Efich. 87; zwar 20. 24. 25. 43, s. auch 
mit iS' und per-, 

as, pron., ich, Ench, 11. 13 u. oft (Kat. II, es). — mien acc, 1. 11. 
u.oft. — mennei dat., 14. 18. 35. 48. 74. 89. maim dat. 46. 48. 74. — 
maisei gen., 35 — mss nom. pl., wir 12. 20 u. oft (Kat. I, mus), — 
mans acc. pl., 7. 9. 19. 20. 49. 78 (20 als dat. gebraucht). — noumans^ 
20. 21 u. oft. nümans 78, noümas 12. 24 u. oft (25. 26 als acc. 
gebraucht) nümas 77. naümans 26, dat. pl. (Rat. I, numons) — 
nouson sehr oft, noson 45, nousan 94, gen. pl., meist das pron. poss. 



\ 



— 9 — 

vertretend {nousou 40, Drckf. ; Kat L nuson, nusen, nusun, nusan), 
Gr. schreibt dafür nassen in der Phrase: sta nossen richte, das ist 
unser Herr, s. meine Sprache der alten Preussen S. X. (litt, asz, 
lett. 65, kslav. azU), 

as, durch den ganzen indogerm. Sprachstamm verbreitete Verbalwurzel, 
davon im Preussischen : asmai Enclu 14. 16. 35. 36. 37. 48, asmau 11, 
asmu 35, ich bin. •— assai 34. 72. 84. 85, assei 34. 46. 48. 95, 
assell^ essei 19, du bist {Kat IL aesse), — ast, er ist, sie sind, 
sehr oft {Kat, L einmal asch, Kat, IL aest, est, hest), — asmai 
24. 30. 31 wir sind. — astai 55. 69. 75. 88, asti 59, estei 82, 
ihr seid {astai 58 als imperat. gebraucht). — astits 51, er sei, 
30, es ist. — Vgl. astin, seiti, seisei, sents, sins, und Bopp S. 9. 28. 
Kuhn und Schleicher Beiträge I. 117. III. 478 flg. 

assa, praep. in Kat, I, II, für esse, 

rt55am5, Herbst, Voc, 14 (kslav. jesent, russ. bsen\ poln. jesieri, Herbst, 
goth. asans, Sommer); vgl. Pierson VII. 579. 

assaran, See, Landsee, VocßO (litt, ezeras, lett. esars, esers, kslav. 
jezero, russ. ozero, poln. jezioro). In urkundlich mitgetheilten Namen 
kommen die Nebenformen vor asere, azar, asir, asore, user (letzteres 
wohl Schreibfehler) ; vgl. dalwinge, loc-azar, lonh-asir, ring-asir, ring- 
user; ob aber der Name des grossen geserichsees nur eine Neben- 
form von assaran, litt, ezeras sei, dürfte zweifelhaft erscheinen. 

assegis (persJc), Bars, der Fisch perca fluviatilis, Voc, 572; im CdP.I. 
166 steht esoce als Name eines dort nicht näher bezeichneten Fisches 
(litt, ezeg^s, ezgys, poln. jazdz, jazgarz, böhm. gezdjh, der Kaulbars, 
perca cerntui; der Bars, p. fluv.^ heisst litt, eszer^s, lett. assers) s. 
auch Burda Beitr. VI. 394. 

ase-lauken, das Dorf aschlacken Kr. Wehlau. TcG, 212. 

asere, s. assaran und dalwinge. 

asy (reen) Rain zwischen zwei Feldern, Foc. 241 {Mtt.eze, lettescha, 
Rain, auch Furche zwischen zwei Gartenbeeten). 

asilis, Esel, Voc. 436 (litt, dsilas^ lett. ehselis, kslav. ostlii, rxis^.osel, 
poln. osiel, osiol, goth. asilus, ahd. esil), 

asymone, nom. viri, NPBl, 3. F. V 300; daher vielleicht das Dorf 
assmans Kr. Friedland, früher auch assims genannt; desgl. das Dorf 
aschmoneit Kr. Niederung. 

asir s. assaran, 

assis, Achse am Wagen, Voc. 298 (litt, aszts, lett. ass, kslav os^, 
russ. poln. os\ os, böhm. os). 

asch, Kat. I. für ast, s. die Wurzel as. 

asmai, asmau, asmu^ s. as, 

asmus nom., Ench. 8. Kat. 1. II., asman acc, Ench. 85, der achte 
(litt, obsol. aszmas, russ. osmy'i, osmöt, poln. osmy, der achte, kslav. 
osm% russ. osm\ wosem\ poln. osm, böhm. osm, acht). 



— 10 — 

asore s. assci/ran. 

a$t, astai, asti, astits, s. as. 

astin ace, Ding, JEnch. 30. 43. Handlung, 89; ast ist die wahr- 
scheinliche Infinitivform der Wurzel as, sein, welche substantivisch 
gebraucht den acc. astin, das Sein, bildet, wie der Infin. ist, Wurzel 
id, den Dativ istai. 

asswene, aswenus, MhW. J., bei Hennenb. II. 7 aschwein, IL 20 
schwena, heute schweine, See und Fluss bei Nordenburg; der Name 
steht wohl in demselben Verhältniss zu aswinan, wie der Name 
des dadei zu dadan, s. d. 

asmnan, Ef erdemilch, Voc. 694, spielte bei den alten Preusseneine 
grosse Rolle, s. BusK HL 5. Hen n ig 128; aswinan ist wohl Adject, 
und dadan, Milch, dabei zu ergänzen, (litt, aszwa, Zuchtstute, in 
russ -Littauen aszwinis, Pferd, zu sanskr. agva). Vgl. das vorige. 

at, Verbalpräposition, gewöhnlich et geschrieben. 

attere, atirs lacus MhW. IL 66. 282. 426. 

attolis, Grummet, Voc. 284. (litt, atolis, lett. atals, at-sals, russ. 
otäwa; vgl Pott de ling, lithuano-borussicae principatu p. 52). 

at'Skisenna nom., Auferstehung, Kat. J., als acc. gebraucht; vgl 
et-sMsnan. 

att'Skitvuns Kat, L. für et-sMuns, s. et-ski-t. 

at'trd' twei,SiX\tvf orten, Ench. 89, et-träi, sie antworten, 67, et-trais, 
imp. sg., antworte, 1 — 10 u. oft; at-traiti, imp. pl., antwortet, 90. 
91. 92, s. trä't, tarin (dass in at-trät, et4rais etc. die erste Sylbe 
Präposition sei, beweisen die verwandten Sprachen, welche alle die- 
selbe Präposition anwenden, wenngleich an verschiedenen Wurzeln; 
so litt at-sakpi, lett. at-hildeht, kslav. ot-wjetowati, russ ot-wjecmf, 
antworten, von sakpti, bildeht, wjetowati, reden, russ. wjetijä, Redner). 

at-werp in Kat. L für et-werp, s. d. 

au, Verbalpräposition in unbestimmter Bedeutung, oft dem deutschen 
weg-, ab-, ent- entsprechend. 

aU'bilUntis, -bilUntai s. nirau-bülintis und hilU-t. 

aubirgo (garbreter) Garkoch Voc. 347 (ob zu litt, wir-ti, kochen, 
mitPräp. aw.^ Die Femininalendung o [a.^] ist auffallend, vgL indess 
waldwico; das poln. öberza ist nicht in Betracht zu ziehen, weil 
dieses einfach dem franz auberge entlehnt ist) s. Pott Beitr. VI. 123; 
nach Pauli Beitr. VIL 164 wäre anbirgo zu lesen, und dieses stände 
für arbirgo von ahd. haribirgo; vgl. indess Pierson VII. 579. 

ai(rdä-t sien, sich begeben, sich verhalten, geschehen, Knch. 
27, aifndäst sien, es begiebt sich, geschieht, 20. 21. 22, ati-dä-sin 22 
und avrdasei 38 sollen Optativi sein, sind aber beide fehlerhaft ge- 
bildet, weil der ersteren Form die Optativendung, der zweiten das 
Beflexivsuffix fehlt; richtiger sind die entsprechenden Formen in 



— 11 — 

Kat L au-dassei'Sin, Kat IL aurdasey-sin. Es ist die Wurzd dc^ 

geben, mit Präpos. au, 
[au-gatc-t, gewinnen] au-gauuns, part, act., ast, er hat gewonnen, 

Ench. 16. athgatmintai, wir siegen ob, 25; vgl. gau-t 
[atigin-t, erziehen] auginnons, part, act., asmai, ich habe erzogen, 

geleitet, Ench. 36, augints^ part. pass, (mit jpo-), auginneit% imp pl. 

(mit pO'), (litt, augmti, lett. audseht, wachsen machen, erziehen, 

s. d folg.) 
atigiä, Wuchs, das Gewachsene, Schössling, in dagcHiugis s. d. (litt. 

diigtiy lett» au>gt, wachsen). 
aügus, geizig, Ench. 51 (etwa Mehrer, zu litt, dugti, atytnti?) 
aukis, Greif, s. ankis. 

[aucJa] auclo, Halfter, Voc. 451 (lett. auklis, Schnur, Band.) 
au-klexteSy pl (oherker) Oberkehricht, die beim Worfeln des Ge- 
treides von oben weggefegten Spreutheile, Voc. 280; vgl. klexta^ 

Kehrwisch, mit Präp. au-, etwa das Weggefegte, (litt. nukJasfos, 

n'Hklastai, dass>, von klastaü, klastpi, abfegen). Burda, Beitr. VI. 394. 
[atfrkUp-t, verbergen] avMipts, part, pass., verborgen, Ench. 88; 

s. klip-t 
auclö-corda, s. acl(hcorda. 
ait-ckopte, au^cupte, Name eines Baches oder Kanals, der von Schaken 

her in das kurische Haflf führt. AMS. VII. 304. 315, vgl. kop-t, kopte. 
[auda-Sy hoch] erscheint in den folgenden Ableitungen und Compositis 

(litt, dugti, wachsen s. unter augis, litt, dugsztas, gew. duksdas 

geschrieben, lett. augsts, hoch). 
aucktair&ikypkan acc, Obrigkeit, Ench. 23, s. audas u. rikis. 
aucta-kopSy Name eines Hügels ÄMS. VIL 297. 311, auch auctu-cape 

s. d., vgl. auctas und copo, cops, 
auctan, Foc. f^89, aucte, 6rr., Butter. (Pierson .4JtfS. VIII. 362 nimmt 

eine Metathesis aus litt, tdukas, Fett, an, mit Hinblick auf russ.- 

litt. kala-tauka, Butterfass; mir sehr unwahrscheinlich, zumal das 

dem litt, tdukas entsprechende taukis, Schmalz, im Voc. unverändert 

wiedererscheint.) 
aucte lacus, CdP. IV. 186 MhW. Ill 29. 67. 
audi campus, MhW L 114, „das hohe Stück''. 
aucktimmien acc, der Oberste, Vorsteher, Ench. 57 s. atictas. 
aUcktimmiskü, au^ktimmiskai, nom. sg., auktimmiskan, aucktimmiskan, 

acc, Obrigkeit, Ench. 54. 56. 57 (in 54 die Drckf. awcMmmmiai 

und auckstimiskan)\ s. atictas. 
aucto'lite^ ochto-Iite castrum im Territorium Wohnsdorf, das heutige 

Kirchdorf auklitten, auglitten im Kr. Friedland. Dusb. HL 75. 

NPBl. a. F. V. 325. 
audo-wangin, audo-wangoSj Ort in Samland, AMS. VIL 306. 315, wohl 

„Hochwangen, Hohenwange", s. audas und wangus. 



— 12 — 

atidurcape, Nebenform von auLcta-hops ; vgl. caj^, 

aucid locus MhW. IL 

avrcupte, s. athckopte. 

atirlaikings nom., massig, enthaltsam, Ench, 51, zu laikvr-t mit Präp. au. 

au'läur-t, sterben, E^ich, 31. aurlauuns, au-launs, part. act. nom. sg. m. 

Ench. 15. 91. {Kat I. aulaums)^ au-lause nom. sg. f. 64, au-laumsins, 

aurlausins^ acc. pl. 15. 18. 91 {Kat, I, aulauumssens^ Kat. IL au- 

launsins) gestorben, auch adject, todt, pl. die Todten (litt, lawönas, 

Leiche, liäuiti, lidutis, aufhören, weisen darauf hin, dass auiaut Com- 
positum einer Wurzel lau, inf. laut, mit der Präp. aur sei). 
aurlausennien acc, das Sterben. Ench, 16. 80. 83. 
aulinis, Stiefelschaft, Voc, 503, wohl Ableitung von dem folg. (litt. 

aulas, dass., awalai, dwolos, Fussbekleidung im allg., aunü, aiiti, die 

Füsse bekleiden). 
aulis (scheue), Schienbein, Voc. 141, s. das vor. 
aur-minius, betrübt, verzagt, Ench. 30, wohl fehlerhaft als nom. pl. 

gebraucht; [vgl. menen-twey, litt menu, mmti, gedenken, nusi-menu, 

verzagen, verzweifeln). 
au-müsnan acc, Abwaschung, Ench. 85, s. die Wurzel mü. 
[aU'paik-t, betrüglich abdringen] aU'paiche}nai, wir dringen ab, Ench. 

10, s. paik't. 
aU'pallai, er findet, Ench. 46. 48. 73. au-pallei sien, er befindet sich, 

37, aurpallusis, part, act, wirstai, ihr werdet finden, 84. Wurzel i^a? 

mit Präp. aur. 
aura fluvius, aurin lacus MhW. 183. 194. 
aursalgis (oder ansalgis) {guerder) das steife Hackleder am Schuh, 

Voc. 506 (litt, zalga, Stange?) 
\ausis, nom. sg., Ohr] ausins oder ausnis, Ohr, Voc. 83, ausins acc. 

pl., Ench. 14 (litt, ausls, lett. auss, slav. ucho, pl. us^i, uszy). 
ausis, nom., Voc. 523, ausin acc, Ench. 16, Gold (litt. duTcsas). 
[aursJcandin-t, ersäufen] aurskandinnons, part, act., assai, du hast 

ersäuft, au-shandints, part, pass., jpos^a^, ersäuft werden, Ench. 31* 85, 

s. skandin-t, skiend. 
aurskandinsnan acc, Ueberschwemmung, Sintflut, Ench. 80, 85. 

(in letzterem Abschnitt neben der richtigen Form der Drckf. 

austkandinsnan). 
aurschaudy4, aM-5CÄaw(i?-^w6i, vertrauen, aurschatide, er traut. Ench. 

1. 12. 30, s. schaudl't. 
aurschaudisnan acc, Vertrauen, Treue, Hoffnung. Ench. 19. 74. 

82. und die beiden Drckf. auschaudisinan 64, ausaudisnan 74. 
aurschaudiwings nom., aurschaudiwingin acc sg., aursclmudmingins 

acc. pl., treu; getrost, versichert. Ench. 23. 27. 
[aurschauteniks, nom. Schuldner] aurschautemkamans Aat.^l.^ Ench.2A. 

{Kat. I. auschantnikamans, Kat. IL anschauitinekamans^Qii.^ fehlerhaft.) 



— 13 — 

aurschautins, ace. pi. Schulden, Ench. 24. (Kat IL anschautins, 
fehlerhaft.) 

au'skiendlai, opt., er ersaufe, Ench, 86; s. skiend und au-skandint 

aiisklad, ausclode, auscloyde, ausclote (aysclode?)^ auwsMoss, ein See 
im Ermlande. MhW. L IL Henne nb. IL 7. 

amnit, ausnitz, Name eines Eichwaldes, AMS. VII 305. 315, ist 
offenbar appellativ und contrahirt aus ausonite, ausonice, von dem 
folg. Die Endungen -it, -ite, -itz kommen öfter in collectivem Sinne 
vor, s. akitz, lepiten, warnitz, mlkenit 

ausonis, Eiche, Voc. 590 (litt, duzulas, lett. ohsols.) 

[aunspand] aunschpandimai, wir spannen aus, schirren ab, JEnch, 
10. s. spand. 

[austd] austo nom., Voc, 89, austin acc, JEnch, 52. Mund, Maul 
(kslav. russ. böhm. ustä, Mund, litt, osta, lett. ohsta, lat. ostium, 
Mündung eines Flusses, sanskr. oshtha, Lippe); vgl. Pauli Beitr. 
Vn. 163. 

autre, Schmiede, Voc. 514, neben wutris, Schmied, s. d. 

au-werus (sindir) Metallschlacken, Voc, 529. (wohl zu litt, wwti, 
kochen, mit der preuss. Präpos. au-, das Weggekochte, durch Kochen 
Abgesonderte ; das von den Schlacken gereinigte Metall heisst deutsch 
das Gare, welchem Ausdrucke ebenfalls der Begriff des Kochens 
zu Grunde liegt; sehr nahe liegt in diesem Sinn poln. u-tvarzyc, 
u-wrzec, gar kochen, und lett. iswahres. Ausgekochtes), s. Pott 
Beitr. VL 125. Pauli VIL 179. 

au-um-pis, Flutrinne, Mühlenfliess, Mühlenkanal, Voc, 320, 
s. wirpis; vgl. CdP. II 41 : a canali in fluvio Weyska, quodvlutrinne 
vulgariter dicitur. 

atvilkis, Faden, Voc. 472 (vielleicht für au-wilkis, von litt, welkü, 
wMkti, ziehen, mit Präpos. aur; vgl. litt, welke, Strick). Pierson 
VIL 579. 

amne-medien silva, MhW. I 387, vielleicht in der Bedeutung Bock- 
wald, d. h. ein Wald, in welchem sogenannte Boekheiligungen vor- 
genommen wurden, s. das folg. 

awins (ster) Widder, Schaafbock, Voc. 679. (litt, dwinas, lett. obsol. 
amns, awens, jetzt auns, kslav. owinu, russ. illyr. owen, slov. owan, 
krain. ovn, zu litt, ams, Schaaf). 

awis, Oheim, Mutterbruder, Voc. 177. (litt, aw^nas, poln. wuy). 



B. 

ha, hah, hha in Kat. I für bhe, s. d. 

hah, Rauchstöpsel, habbe, Napfkuchen, Aschkuchen, Prov., 
ersterer im Ermlande, letzterer um Elbing und in Natangen üblich; 



— 14 — 

beide Ausdrücke stützen sich auf poln* baha, eigentl. alte Frau, dann 
auch ein aus Lehm roh gearbeiteter Rauchstöpsel, desgleichen eine 
Kohlenpfanne, in welche man, wenn sie erhitzt ist, Teig hineinthut ; 
das so erzeugte Gebäck heisst dann ebenfalls iaba, und ist mit der 
Namenform habe, babbe ins Preussische übergegangen ; böhm. heisst der 
Napfkuchen baba tepld. Vgl. Mühling NPBl a,F. VIL 436. AMS. 
VIIL 60. Hieher vielleicht der Name babben-Jcrug im Kr. Neidenburg. 

[baba] babo, Bohne, Voc. 263 (kslav. bobu, in den neueren slav. 
Sprachen bob; litt. lett. pupä, puppa). 

bäband, babant, babent, bawant lacus, CdP. IV, 186. MhW. IIL 29. 67, 
im Kr. Orteisburg. 

babazcin, babaczin, Dorf an der ermländisch-natangenschen Grenze, 
CdP. IIL 102. MhW. IL 528. 

habbe s. bab. 

bad, Wurzel in der Bedeutung stechen (litt, bad^ti, lett. baddiht, 
kslav. badajq, badati und bodq, bosti, russ. bodäf, poln. bodq, bosc, 
stechen, böhm. bod. Stich, kslav. bodlt, spina, russ. bodilo, Stachel) ; vgl. 
boadis und em-baddunsi, 

bJme, in Kat IL für bhe, s. d. 

baiin-t, nur mit po-, s. po-baimt 

bayse-lavken villa, MhW, LLL. 68. 70 und öfter, das heutige Kirch- 
dorf baeslack Kr. Rastenburg. 

baisen, bay sen, basien campus MhW. L IIL 

baytan, ein Gebäck, Voc, 346, durch das unverständliche deutsche zeeb 
erklärt; ich vermuthe, dass der Bretzel gemeint sei, mit Hinblick 
auf kslav. czepi, russ. cjep\ Kette, russ. ceplaf, poln* czepic, annectere, 
als ein Bild von an einander gefügten Kettenringen. Wahrscheinlich 
ist auch zeeb ein preussisches Wort, welches zur Zeit der Abfassung 
des Voc. den Deutschen um Marienburg bekannt und geläufig war, 
etwa wie damerau, kobbel, wepe, s. d. 

baite, boite, plur. baiten, baitin, boiten, badtschen, eine besondere Art 
von Wohnsitzen oder Etablissements in der Nähe der preussisch- 
littauischen Grenze, deren in den Wegeberichten des Ordensarchivs 
öfters Erwähnung geschieht, s. SrP. IL 662 flgg. Es waren wahr- 
scheinlich (s. Hirsch ebend. S. 682) längs der Grenze zerstreut 
liegende Wachthäuser oder Wachtposten; der Name erklärt 
sich aus litt, boju, böti, jetzt gewöhnlich da-böti. Acht haben, wovon 
da-böhle, Wachthaus; vgl. AMS, VIII 60. In der Form bauschen 
kommt das Wort noch als localer Eigenname vor, z. B für die 
Dörfer Gross- und Klein-Baitschen im Kr. Gumbinnen, am Einfluss 
der Schwentaine in die Pissa; dagegen gehört die in littauischen 
Localnamen häufig vorkommende Diminutivendung -wäiczei durchaus 
nicht hieher. Ein deutscher Ursprung des Namens baiten, etwa aus 
ahd. bitan, beitön, exspecta/re, nhd. heiien, warten, ist darum sehr 



— 15 — 

unwahrscheinlich, weil diese deutschen Verba alle die Bedeutung 
des Harrens, nicht die des Bewachens oder Hütens haben. 

ballayde s. pdlayde. 

balaw, halov, See und Fluss, MhW, IL 572. Hennen b. H. 7., der 
heutige Balauersee bei Christburg. 

baldingis campus, MhW. L 115, bei Tromp im Kr. Braunsberg. 

hdlere; in DC. heisst es: Balere, Begehret kein Recht, unrecht begehret 
sein Recht, das sein Vinantzen, Weder Form noch Bedeutung dieses 
Wortes sind bis jetzt klargelegt worden; der Ausdruck Vinantgen, 
d i. Finanzen, Finanzereien, wird hier provinciel in der Bedeutung 
von falschen Vorspiegelungen, Flunkereien, Kniffen, bes. auch von 
betrüglichen Geldschwindeleien gebraucht, ähnlich wie Finessen, 
woraus Finanzen wohl verstümmelt ist. Vgl. ÄMß, IV. 137. VH. 
318. 594. Vin. 61. 365. und balwe, 

balgewin s. salgewin, 

balgnan, Sattel, Voc. 441. {litt., bälnas, ohne g). 

balgninix, Sattler, Voc. 440. (litt. balnimnJcas.) 

balkom-barstum, MhW. L 387, eine Furt in der Alle (bis uf den uort 
der do heisit BalJcombarstum uf der alle), demnach ist barstum wohl 
Schreibfehler für brastum, s. brast, brasta. 

balsa, s. po-balsa und das folg. 

balsinis, Kissen, Voc. 490; vgl. po-balsa. 

balwe, balfe, in der älteren Hochmeisterchronik, SrP. III. 708 in dem 
Sinne von Geschenk behufs Bestechung, entsprechend dem litt. 
bälwas, lett. balwa; es heisst daselbst: „Item .... was yn demselbigen 
Werder eyn scheppen meister, der tat gar ungerechte gerichte, und 
nam gelt und gobe und balfe, und vorkarte dy gerichtet' Pierson 
VIH. 365 will auch im BC. balwe für balere lesen, welches letztere 
aber sehr deutlich dasteht; höchstens wäre daselbst die Annahme 
eines alten Schreibfehlers statthaft. 

banaw, banau, bamow. Flüsschen, das zwischen Braunsberg und Heiligen- 
beü in das Haff fällt. CdP. IIL 160. MhW. I IL 522. 

band, Wurzel in der Bedeutung versuchen (nur mit per-) \ bända, 
3. praes. Diese Form und das Subst. bandäsnan {mit per-) setzen 
einen Infinitiv bandat voraus (litt, bandpi, versuchen, lett. baudiht). 

bandadis, Urk. von 1249, NPBl. a. J?IX. 223, als Kirchdorf bezeichnet, 
nach Töppens Vermuthung das heutige banditten im Kr. Preuss. 
Eylau. 

bandan, bamdasnan, s mit per- und en-. 

bandeke, hom. viri NPBl. 3. F. F. 300; daher wohl 4as^ Dorf *ä»wKA^ 
im Kr. Marienwerder, und der Name eines Feldes und nicht mehr vor- 
handenen Dorfes bei Saalfeld, auch bandigen genannt. A MS. IX. 322. 

banga, Welle, Woge, s. pobcmgint. 

\bangin4]^ davon das part. act. banginnons mit po-. 



— 16 — 

hanow s. hanaw. 

banse, hanze locus, der heutige 6e*^sew-see im Kr. Kosenberg. TcG. 123. 
CdP. IL 36 flg., MhW, IL 66. 282. 

harba-lanha, harba-lanhe, haria-lenx, Name eines Pfades in Saraland 
in der Nähe der Haffküste, der die Strasse von Königsberg nach 
Fisehhausen kreuzt, AMS, VIL 294; der zweite Theil ist wohl 
lonki, s. d. 

hardia s. bartha, 

bareyhe, nom. viri, NPBL a. F. VI 174, daher das Gut bareuken 
im Kr. Fischhausen, und vielleicht pareicken, Gut und Dorf im Kr. 
Labiau, und Dorf im Kr. Wehlau. 

barne, nom. loci in Samland. AMS. VIL 296. 

bartha, barthe, barten, eine von den elf bei Dusb, LLL. 3 aufgezählten 
Hauptlandschaften Preussens, in den NPBL a, F. XI, 4 auch bardia 
geschrieben; der Name kommt aber auch noch heute als Stadt-, 
Dorf- und Gutsname vor in den Kreisen Königsberg, Wehlau, Rasten- 
burg, Mohrungen, ferner in der Ableitung bartehnen im Kr. Fisch- 
hausen, vielleicht auch in dem Dorfnamen bart-kam (-kaim) Kr. 
Elbing; s. auch das folg. Vielleicht sind alle diese Orte Ansiede- 
lungen von aus ihrer Heimath vertriebenen Bewohnern Bartens. 

barten-troben campus MhW. I IL 

bartinga, das heutige Kirchdorf bertung im Kr. Allenstein. TcG. 28. 

bartsch, Prov., eine compacte breiartige Suppe von gesäuerten rothen 
Rüben, ursprünglich ein littauisches Nationalgericht, aber auch bei 
den Deutschen der Provinz, wohl auch schon bei den alten Preussen 
bekannt und beliebt (litt, bärszcm, pl., poln. barszcz, ruthen. borszcz, 
dass., vom litt. sg. bärsztis, rothe Rübe). 

barutin, Ortname in Pomesanien. CdP. LL. 36. 

\batta] batto, Stirn. Voc. 11. 

bauda, bawda, baude, bawde, ein Flüsschen, das bei Frauenburg in das 
Haff fällt. CdP. IL Nr. 1. LIL 162. MhW. L LL III 

bawde, baude, Scharwerk. DC: „Hau kein fewer, und gebeut es sey 
Becht oder Unrecht 'y^ ScJiarwerck, es sey was es wolleJ' In diesem 
baude haben wir die Grundform des litt, baüdzawa, Scharwerk; 
(vielleicht zu litt, bauda, Züchtigung, Strafe, baudzü, baüsti, züch- 
tigen, strafen). AMS. VIL 319. 

[baudin-t, wecken] nur mit der Präp. et-; baudinnons, part, act., 
baudints, part, pass.; vgl. budi. 

baugen, bougen, bowgen locus. MhW. L LL.; vgl. bürgen campus. 

baulai, bausei, bauton, bauuns, s. bourt. 

bausennien, acc., s. busennis. 

bawant, s. baband. 

bovia aqua, der Fluss bauda? CdP. LL 105. 

be, bei, er war, s. boi^t. 



— 17 — 

hhe, und, im Ench. sehr oft (Kat. L bha, bah, ha, Kat IL hhae, hhe); 
hh ist hier nicht Bezeichnung eines aspirirten Lautes, sondern 
graphischer Missbrauch, wie in Kat L IL thatvas für täwas, in 
Kat L thou für tu, im Voc. tJiewis, thetis für tewis-, tetis, s. Bopp 
S. 50, 51 (litt, bei, und, bei enger Verbindung von zweien gebraucht). 

beber, bebir, bever, Flussname. CdP, IIL 159. MhW. L IL IIL 57. 

bebera, Ortname, das heutige beberhof bei Frauenburg. MhW, LLL,; 
vgl. bebrus. 

[beberniks, Biberfänger] kommt zwar nicht als Appellativ vor (litt. 
bebermnkas), wohl aber häufig als Personen- und übertragen als 
Ortsname, in den Formen beberniJc, bebmnig, bebirnigk, bebirnicg, 
bevernik, s. CdP. LLL 159. MhW. L 329. 330. 340. 423. IJ. 111. 
137. 305. 522. s. bebnis. 

bebbin-t, inf., spotten, Ench, 52. bebinninmi, wir spotten. 2. 

bebrus, Biber, Voc, 668 (litt, bebrus, bebrus, lett. bebris, kslav. bebru, 
bobrU, sonst slav. bobr). An die oben angeführten Ortnamen bebera 
(jetzt beberhof) und beberniks, s. d., schliesst sich noch bebers-bruch 
im Kr. Stuhm an, und die Flussnamen beber, bebir, bever, biber, 
bibra, biver, auch in der slavischen Form bober, s. d. 

begayne campus, MhW, L, 245; Yg\, J)oy{ begehnen, bejehnen Kr. Ragnit. 

beggi, denn. Ench, 24. 27. 30 u. öfter. 

bei, be, er war, s. bm4, 

bela, belats, er sprach, Kat L, s. billt-t 

belichow castrum in Pomesanien, Busb, IIL 148, das heutige Gut 
bialochowo im Kr. Graudenz an der Ossa. 

bengarten (deutsch?) Dorf zu Heiligenkreuz. GBK J. 135. 

bergue, s. birge, 

beria, Territorium in Pomesanien, vielleicht bärting im Kr. Mohrungen. 
TcG, 13. 

berlatsche, Prov., Pelz schuh (poln. berlacz, berlecie). 

ber-lauken locus, MhW, LL, 352. 

bernaüsch, adj. Prov,, finster, unfreundlich in Miene und Rede, 
stirnfaltend (poln. bierny, eigennützig, habsüchtig?). 

bernitzke, Prov., Preisseibeere, rothe Heidelbeere (russ. brusnica, 
brusnika, poln. brusznica)^ s. brunischke. 

berosky, Ortsname in Samland. Urk. von 1258. NPBt VLLL. 344. 

berse, Birke, Voc. 600 (litt, berms, lett. behrse, kslav. brjeza, russ. 
bereza, poln. broza, brzoza, böhm. briza, sanskr. bhürga, angels. 
heorse, ahd. bircha)^ sehr häufig in Ortnamen, wie bersnicken, bersla^k, 
berszlack, bersin, barsnicken, barseninken, barschnicken, barslak, 
brasnicken. 

herting, bertingen, bertung, lacus, campus, villa AMS. LLL. 635. MhW, 
LL. LLL., das heutige Kirchdorf und Vorwerk bertung im Kr. Allenstein. 

herwicze campus. MhW. L. 

Nesselmann, Thesaurus. 2 



— 18 — 

heseleda, von Bush. HL 174 als castrum bezeichnet, das heutige Dorf 
beisleiden im Kr. Preuss. Eylau. TcG. 19. 

beten, bethen, Territorium in Samland, östlich von pobeten, Dusb, III. 
108. 215. SrP. L 108. Note. 

betten-eden in Kat L für bitas-idin, s. d. 

beuta-medie, bewta-medie, nemus. AMS. HL 647. MhW. HL 30. 72. 
Vgl. beutaw, nom. familiae, MhW. ILL 274. 

bever, bevemik, s. beber, beberniks. 

biä'twei, bia-tm, fürchten, JSnch. 1—10. 12 (letzteres vielleicht Drckf.), 
bia, 3. praes., sie fürchten 50 (litt. Ujöti, lett. biht, bihjatees, kslav. 
bojati sq, russ. bojaf, poln. boic (bojq) und 6ac, sanskr. bhi). 

biäsnan acc., Furcht. Ench. 61. 

6*en ?^Wr, 6i6m, biver, Flussname. MhW. L 128. 180. 236. 398. 423. 
CdP. LV. 53, s. bebrus. 

bigune, nom. viri, NPJBl 3. J?l V. 300; daher vielleicht das Dorf 
bikühnen im Kr. Heiligenbeil. 

byla, Gr., bile, Voc. 533 (axej Axt, Beil (litt. fe^Z^, Germanismen). 

bilden, bylden, polca, d. i. Territorium in Samland, nicht mehr nach- 
weisbar. CdP. LL 51. MhW. L 2\% und Beg. 70; vgl. SrP. I. 
108 Note 2. 

feiß?-^, billi-twei, bilv-twei, bilt-ton, sprechen, nennen. Ench. 24. 35. 
38. 45. 47. 49. 50. 74. 94. billUon, entweder inf. oder part. pass, 
in der üebersetzung der Frage: was ist das? ka ast sta billUon, 
entweder: was ist (bedeutet) dieses Sagen? oder: was ist das gesagt? 
1—10. 12. 14. 16. 18-27 {billicon 6. Drckf.), vgl. Bopp S. 25. — 
bilUntis gen. sg. m., billintei gen. sg. f. des part, praes. act., s. 
ni-au-billmtis. — bilUuns, part, praet. act. ; wirsti (d. i. wirst di) 
billmns, wird man nennen, 68, tu assai billiuns, du hast gesagt, 84. — 
billi, bille, (auch mit empr%kin\ ich spreche, 75. 90. — büli, du 
sagst, sprichst (mit emprtkin) 90. — hillä, bilU, billig er sagt, er 
spricht 11. 23. 28. 29. 30. 31. 36. 38. 52. 59. 68. 69. 71. 72. 73. 77. 
kai bille dineniskas geits, wie, in welchem Sinne sagt er: tägliches 
Brot 23. — bilUmai, wir sprechen 95. — billitei, 2. pl. praes., als 
imper. gel^-aucht, sprechet 95. — billai, ich sprach 72. — bülä, 
er sprach, 68. 71. 72. (Kat I. bela, Kat. IL byla) — bille, er, sie 
nannte 59, (die Stelle ist durch Drckf. entstellt : kai Sara Abraham 
poklüsmai bhe, bebilU din Bikys, statt poklusmai bS, bhe bilU din 
rikys, wie Sara Abraham gehorsam war, und nannte ihn: Herr). — 
billäts, er sprach, 41. 73. 79 (Kat L. belats, Kat. LL. bilats, bylacd) 
s. Bopp S. 28. — (litt. b^lot% sagen, reden, veraltet, davon byla, 
das Reden, der Process, ne-byl^s, ne-bilkä, ein Stummer, lett. büdeht, 
anreden, at-bildeht, antworten). S. auch mit ni-ath, emprikin-, per-, preir. 

billisna, nom. sg. als nom. pl. gebraucht, Ench, 51. billysnans acc. 
pl. 39. Spruch, Sprüche ; s. auch prei-billisnä. 



— 19 — 

birdaw, birdawe lacus, MhW. L 255. IL 10. 

birga-karkis, Kelle, grosser tiefbauchiger Löflfel, Voc. 358; vgl. lapinis. 

birge, birgo, bergtie, wahrscheinlich Lager, Viehlager (litt, brigis, 
Streu im Stalle, Pferdelager); das Wort erscheint in den Ortnamen 
wose-birge, wosi-birgo, Ziegenlager, und in bruse-bergae, s. d. (Ob 
bei birge an goth. bairgs, ahd. berc, kslav. brjegU, collis, zu denken 
sei, dürfte zweifelhaft sein.) 

birgelow, birgelaw castrum im Kulmerlande, Dusb, HL 160. 164, 
das heutige Kirchdorf birglau im Kr. Thorn. 

biskops nom. sg., biskopins acc. pl., Bischof, Ench. 51, daher der 
Dorfname biskopnicken im Kr. Fischhausen, „die Bischöflichen." 

bitaiy adv., abends, Ench, 45. 47, vielleicht dat. zu einem nom. &i^^ 
s. d. folg. 

bltas-idin acc, das Abendessen, Abendmahl, Evich. 41. {Kat. L 
beUen-^den acc, Uetis eden gen , KcU. LL. bitans ydi acc, bytis ydi 
gen.), s. idis, 

Utk, Biene, Voc, 787, (litt. Ute, lett. Utte.) 

bittene nom. viri, NPBl a, F. VL. 174, daher oder direct von Utte 
der Dorfname bittehnen, Kr. Labiau u. Kr. Ragnit; vgl. Ut-källen, ebend. 

Ui-pelki, Ut-pelkis, „Bienenbi'uch", Name eines Wäldchens oder Ge- 
büsches in Samland, in welchem Bienen hausen. AMS. VLL. 306. 315. 
s. bitte und pelky. 

Uver, Flussname, gleich Über. 

bledaw, das Gut bledau, Kr. Königsberg. J^Bl 3. F. F. 301. 

blensky, Schilf, Voc, 286. 

\blinga\ blingo, Mutterlose, Moderliessken, Spierling, ein 
kleiner Fisch, cyprinus aphia, Voc, 580; s. d. folg. 

blingis, Blei, ein Fisch, cyprinus latas, Voc, 577. Nach Pott sind 
blingis, blinga nur geschlechtlich geschiedene Namen zweier ver- 
wandter Fischarten, nach der Analogie von wamis, Rabe, tmme, 
Krähe, litt, wämas, wdma, 

blodewe, Dorf bludau im Kr. Fischhausen. NPBl, VLLL 342. 

blodow villa, aqua. CdP, LL. 59. MhW. L. Reg. 75. 

hlott, Prov., Strassenkoth, vom Regen aufgeweichtes Erdreich, (kslav, 
blato, russ. bolbto, Sumpf, Morast, böhm. bldto, poln. bloto, Strassen- 
koth; die Wurzel liegt wohl in litt, balä, Moor, Torfmoor, wovon 
das adj. balütas, moorig) ; provinciel bildet man das adj. Uottig, vom 
Wege, von der Landstrasse gesagt ; vgl. Pott de lingg. lett. nexu p. 13. 

bludin Silva. MhW. LL 36. 342. 

blmne, Milz. Voc. 127 (litt, bluzne, bluinls). 

boadis, Stich, Stichwunde, Voc. 164; vgl. die Wurzel bad. 

böbahczyn stagnum. MhW, LLL. 291. 296. 

bober, Flussname, MhW. LLL. 72, s. bebrm. 

2* 



— 20 — 

hogathenis, logateiis campus, MhW, L 109. 131. 288. 289, das Dorf 
hogdainen im Kr. Alienstein (?). 

ioite s. haite. 

boytite, nom. viri, NPBl 3. F. V. 300 ; dazu Dorf und Gut leidittcn 
Kr. Friedland. 

loyan silva, NPBl VIIL 342. TcG. 136. 

hoyans pons, MhW. L Reg. 129. 

bochotin lacus, auch biichotin stagnum im Kr. Rosenberg, CdP, L 80. 
IL 36 flgg. MhW. L Beg, 14. TcG. 123. 124. 

bole-laukin campus MhW. J. 387. 

bolwan, Prov., Lockvogel, das ausgestopfte Bild einer Auerhenne, 
womit der Auerliahn in die Schussweite gelockt wird (litt, balwönas, 
lett. bulwahns, dass,, das litt, auch Götzenbild, kslav. balwanü, 
balUwanu, biiiwanii, stipes, statua, boluwanu, columna, poln. balwan, 
russ. bolwan, Klotz, Block, auch ein ungeschlachter Mensch); vgl. 
Pott de lingg. lett. nexu p. 51. 

bonk, bonJcer, Prov., Bremse, (poln. bqJc). AMS. VIII. 675. 

bonowe, Dorf bohnau zu German Kr. Fischhausen. Urk. von 1258. 
NPBl VIIL 344. 

bonse, nom. viri, Du^b. III. 190; vgl. die Güternamen bons-lachen, 
bonse-lacJcen Kr. Wehlau und bonschen Kr. Friedland. 

bora, borra, burr a , ein schlecht bestandener oder ausgerodeter Kiefern- 
oder Fichtenwald. CdP. IL 36. 172. NPBl 3. F. LL 368. Aus- 
führlicheres s. AMS. VIII. 675. (kslav. borije, pinus, slov. illyr. bor, 
Kiefer, russ. poln. bor, Kiefernwald, kassub. die Stelle, wo ein solcher 
gestanden hat, s. Mrong. poln.-deutsches Wtbch. s. v. bursdyn. 
Nemnich Polyglottenlex. S. 984 s. v. pinus silvestris: pinekim 
frondosis arboribus mixtum. Buss. bor). Hieher gehören wohl die 
Localnamen borin, borounten, borwyte, burwite, sämmtlich als campus 
bezeichnet, s. d., so wie der Name des Dorfes boritten im Kr. Fried- 
land, und der pleonastisch gebildete Name borr-walde im Kr. Brauns- 
berg; im polnisch redenden Theile der Provinz kommen die Namen 
borowo, boroiven, borowitz vor. 

bardus, Bart, Voc. 101 (litt, barzdä, lett. bahrda, bahrsda, kslav» böhm. 
brada, russ. borodä, poln. broda). 

borin campus, MhW. IL 15, s. bora. 

borJcan, s. burJcan. 

borowe, Wald wart, Prov. in Westpreussen (poln. borowy). AMS. 
VIIL 675. 

borowiten, borwyte, burwite, campus. MhW. I. 159. 216. 299, s. bora. 

bortschlch, burtschlch, ein unverheiratheter Bauersohn, der, meist nicht 
mehr ganz jung, in dem väterlichen Hofe, auf welchen sein Ver- 
mögensantheil hypothekarisch eingetragen ist, wohnen bleibt, wenn 
der Hof auch schon in den Besitz eines Biniders oder Schwagere 



— 21 — 

übergangen ist; Prav. bes. in der Weichselniederung, heute wohl 
wenig mehr im Gebrauch (ist wohl auf ein nicht mehr übliches litt. 
MrczaSy burceiJcas, Dimin. zu Mras, Bauer, zurückzuführen; da 
hwirtschhck auch als ehrender Anredetitel gebraucht wurde, so ist die 
Deutung Brummer, Zänker, von poln. 6«(rc;e?«^c, unwahrscheinlich). 

hosin Silva, MhW. L 386. 

lotte, Haus, Gr, für buUas. 

hotschwln, botschmng. Prov., dasselbe was bartsch, s. d. (vom poln, 
boctvina, botwina, lett. batschwinsch, russisch-littauisch batwyn^s, 
6a<j;2fM;iw^s, rothe Rübe, russ. botmne, das Rübengericht). Hennig 37 
enthält manches Unrichtige. 

bradde, bradde-netz, Prov,, das Watenetz, mit welchem in flachem 
Wasser gefischt wird, indem die Fischer watend das Netz ziehen 
(litt, bradinps, bradine, lett. braddinsch, briddens, poln. brodnia^ russ. 
breden, brednih, dass., von litt, brediiy brtsti, lett. brcenu, briddu, 
brist, poln. brodzq, brodsic, russ. brozü, brodtt, kslav. bredq, bresti, 
waten, kslav. brodü, russ. poln. brod, vadum; vgl. Pott de lettic. 
ling, nexu p. 71). 

bragen, Prov., das, was bei der Branteweinbrennerei nach der Gährung 
vom Maische übrig bleibt und als Viehfutter benutzt wird (lett. brahga, 
brehga, litt, bröga, brögas), 

braydis, Elen, Elch, Voc, 650 (litt, bredis, lett. breedis); vielleicht 
steckt das Wort in dem von Hennen b. II. 8 angeführten Namen 
breupfan, brepani, „das ist elend gebruch, jetzunder aber ist es ein 
grosses gesteigtes Wasser" ; der zweite Theil ist vielleicht pannean s. d. 

brahowe, broJcowe, Ortsname, CdP. IL 36, das Dorf brakau im Kr. 
Marienwerder. 

brand, brend, Wurzel mit dem Begriff des Seh we rs eins, dann des 
Kernansetzens von Getreide und Obstbäumen (litt, brafida, Kern- 
oder Kornansatz, brandülys, brendulys. Kern der Nuss, des Stein- 
obstes, brandüs, kernig, körnig, gefüllt, brendti, brendm, gew. br^stu, 
hrendau, bresti. Kerne, Körner ansetzen, sich füllen, brlndu, bristi, 
aufquellen durch Feuchtigkeit, lett. breestu, breedti, breest, quellen, 
an Dicke zunehmen); vgl. brandisnan, brendint, brende-kermnen, 

brandtsnan, s. po-brandisnan, 

brast, brasta, braste, Furt, seichte Stelle in einem Flusse, die man 
durchwaten kann. AMS, VII, 311 (litt, brasta, lett. braslis, dass. 
von bredü, bristi^ s. oben s. v. bradde), Hieher die Localnamen 
staborbrast, stabo-brast, stabo-braste, Steinfurt, singur-brast,Stie^l\tzen- 
furt, chttami'brast, Kaukenfurt, balhom-brastum (-barstum), rungen- 
brast (-brüst) s. diese. 

brathean, Burg bei Löbau, CdP, III No. 39. TcG. 174. Vossberg 
S. 33, jetzt Dorf brattian, brettchen, 

bräti voc, Ench. 35, brote nom., Voc, 173 Bruder (kslav. bratrU, 



— aa — 

bratU, russ. poln. brat, bohm. bratr, sanskr. bhrätar, preuss. Dimin. 
pi. bratrikai, u. s. w. ; litt, brölis, lett. brahlis sind aus dem litt. 
Dimin. brotelis verstümmelt, daneben aber hat das Litt, die Diminutive 
brotdüis, brotdtis, sogar broterelis, und die Ableitungen brotüszis, 
Vetter, brotüs^e, Base, slov, bratan, braue, Neffe, braiana, braticna, 
Nichte). 

bratrikai, voc. pl, Brüderchen. Ench. 53. s. das vor. 

brende-kermnen acc. Ench. 71 : Jean tou sen brendehermnen postäsei, 
nach dem deutschen Texte: wenn du schwanger wirst; brmde-hermnen 
ist demnach, wie aus der davorstehenden Präposition einleuchtet, 
Substantiv, und die Vergleichung von brand und kermens ergiebt für 
dasselbe die Bedeutung Fruchtleib, d. i. Schwangerschaft; 
der Satz heisst also wörtlich: wenn du mit Fruchtleib wirst. 

[brendinr-t, beschweren] brendmts part. pass, mit po-, s. d. und brand. 

[bremnt, fördern] brewinnimai, wir fördern. Ench. 5. 

breimngi, adv., förderlich. Ench. 9. 

brisgelan, Zaum, Voc. 450 (litt, brizgelas, dass. ; mit Wechsel von d und g 
kslav. brUzda, frenum, bruzdq, brUzditi, ^v^o%stv^ den Zügel halten, 
lenken, bruzdiniku, atmga); vgl. auch brusgis; BurdaBeitr. VI. 394. 

britsche, britschke, Prov., leichter, halb verdeckter Reisewagen (poln. 
bryczka, Dimin. zu bryka, litt, brika, brlkas, Lastwagen). AM&. 
VIIL 676. 

broakay, Bruch, das bauschige Hüftenstück, wie es ehemals an den 
Beinkleidern üblich war, Voc. 480 (mhd. bruoch, Zeug, das man um 
die Hüften bindet, cingulum, niederd. brook, Hosen, Beinkleider, kelt. 
lat. braccae). Pott Beitr. VI. 113. 

brokis, Schlag, Hieb, Voc. 165 (litt., bei Szyrwid, braukis; vgl. 
bratAkiü, brahkti, streifen, streichen, Flachs schwingen). 

brokowe, s. brakowe. 

brote, Bruder, s. bräti. 

bromna vallis MhW. L 53, etwa das Dorf bromn Kr. Neidenburg, 
oder bromna Kr. Thorn. 

brücke, s. wrucke. 

brun campus MhW. L 225. 

bruneS'berch, bruns-bergk die Stadt Braunsberg, s. bruse-bergue. 

[bruneta] bruneto, Haselhuhn, Voc. 769 (von litt, briünas, braun, 
kslav. brunat^nU, caeruleus, fuscus? poln. brunatka, muscicapa fusca, 
Braunellchen?); vgl. Pierson VH. 579. 

brunischke,brunitschke, Prov., Steinhromheere^ rubus sa^xatüis (ähn- 
liche wilde Beeren heissen russ. brusnika, brusntca, poln. brusznica, 
litt, ohne Zischlaut brukne, bruknis, lett. bruJiklenes) ; vgl. bernitzke. 

brunyos^l,^ Brustharnisch, Voc. 419. -äfÄTT. J. 105: thoraxquialio 
nomine, brunnia nuncupatur (kslav. brünija, brünja, Panzer, lett. 



— 23 — 

hrwä'fiaSy Rüstung, Harnisch, goth. hrunjo, ahd. hrtmja, mhd. brumge, 
hrünje, im Voc. selbst durch bronigen erklärt). 

hrunse, Pletze, Rothauge, ein Fisch, cyprinus efythrqpMhalmus, 
Voc. 573 (litt, britmsjsls, hriüisge, briums, briüiie). 

hruse-hergue, wahrscheinlich Braunsberg, in einer Urkunde von 1249, 
TcGk 17. Sr.P. L 119; vgl. dagegen Mülverstedt iVPBü. a. F. 
XI. 181. Der zweite Theil ist wohl identisch mit hirge, s. d.; der 
erste Theil ist unklar, denn dass an den Bischof Bruno von Olmütz, 
der erst 1254 nach Preussen kam, nicht zu denken ist, bemerkt 
bereits Toppen a. a. 0.; eine Urkunde von 1251, MhW. L No. 26. 27 
hat bereits den Namen hrunesberch, brunsbergk, Dmb. III. 27. 140. 
brunsbergh). 

&rw5gfis. Geissei, Peitsche, Foc. 315. {zw. brisgelan? oA'&r Mit. brussga^, 
Stumpf von abgehauenem Gesträuch?). 

bu, bou, Verbalwurzel, wovon boü-t, boü-ton, bü-ton, baurton inf., sein 
Ench. 9. 14. 27. 37. 51. 71 u. oft. — boü-uns, baiiruns part, act., 
(ismai boüuns, asmu baüuns, 35. 37, assai boüuns 34, ich bin, du 
bist gewesen, stai wirst boüuns, sie werden sein 68. — boü-lai, baur 
lai opt., er sei 69. 80. — b&Sirsai, boü-sei, boü-se, baü-sei opt., er 
sei, sie seien 46. 48. 54. 57. 59. 61. 68. 69. 70. 72. 97. — be, bei 
aor., er war 59. 73 (über den Drckf. in 59, s. billi-f) (sanskr. bhü u. s.w.) 

buhehnen silva, das heutige Dorf bubainen Kr. Insterburg. TcG. 214. 

bude, sie wachen, Ench. 53. (sanskr. btidh, erwachen, litt, btmdii, 
budeti, wachen, btmdü, budaü, büsti, erwachen, büdinti, erwecken; 
lett. buddindht, erwecken, ermuntern; kslav. bUdjeti, wachen, btiditi, 
wecken; russ. bdjef, wachen, budif, wecken; poln. budzic, wecken, 
budzic siq, erwachen) ; vgl. ba/udin-t 

[btiga] bugo, Sattelbaum, das hölzerne Sattelgestell, besonders der 
in die Höhe gebogene Theil des Sattels, Voc. 445. (ahd. sateh 
pogo, mhd. satehboge, auch pogo, bogo, böge allein, der Sattelbogen). 

bu/gen cam/pus, MhW. I 225., vgl. batigen. 

bu/güt, bugüsnan s. dm-biigüt. 

buccorreisis, Buchnuss, Voc. 593., s. bums, reisis. 

bucorwarne (hölckro d. i. Holzkrähe) wörtlich Buchenkrähe, Voc 
723., aus bucus und warne; es ist wahrscheinlich der Eichel- 
häher, auch Holzhacker genannt, corvus glandarius, der auch 
Buchnüsse liebt. Die Schreibung holcJcro für holczTcro hat in dem 
Voc. keine Analogie, es sei denn in mercUne für merczline, s. 
rnelcowe. 

huchotin sta^num s. bochotin. 

hichowe, Ort in Pomesanien CdP. II. 11 flgg. 

btuMs, Buche, Voc. 592. (litt, buka, russ., poln., böhm., serb. buTc, 
slov. bukwa). 

bulgaym, nom. loci, NPBl. 3. F. V. 301. 



— 24 — 

bundotaneys campus im Ermlande. MhW. L 37. 159. TcG. 17. 

burra s. bora. 

burai, iiom. pi., schüchtern, scheu, JEnch, 59; in dem folgenden 

Abschnitt 60 steht in derselben Bedeutung dürai; eines von beiden 

dürfte fehlerhaft sein. 
bmdeyn, Kammeramt der Comturei Elbing, TcQ. 190, das heutige 

Dorf bordehnen Kr. Preuss. Holland. 
burgelin, burgelyn lacus im Ermlande CdP. IV, 186. MhW, HL 

29. 67. 
burhan, borkan^ porkan, Frov., Mohrrübe, gelbe Rübe, (lett. 

burkane, burkahne, bohrkahne, bohrkans, russ. barkän, dass., litt. 

burkantai, Pastinak, burökas, poln. burak, rotheRübe, russ. burakl, 

Suppe davon). 
bu/rtschick, s. bortschlck. 
bw-walkan, Hof, Bauerhof, Ench, 14.23. Prätorius XVI. 46. führt 

bur-walckas als eine neben dwdras und muzia übliche Benennung 

eines Bauerhofes an; von den drei Benennungen ist dwdras littauisch, 

muzia (myza) russisch und burwalckas preussisch (aus litt, buras, 

Bauer, und vielleicht waldzä, Herrschaft, Gebiet, s. preuss. wald- 

niks, und vgl. Pierson ÄMS, IX. 163). 
burwite campus s. borowiten. 
busennis, bousennis nom. sg., busennien, bousennien, bausennien acc. 

sg., busenniens, acc. pl., das Wesen, der Stand. Mich. 34. 36. 

51. 66. 67. 69. 71. 73. 90. vgl, bü, bau und salaubai-, sallübai- 

busennis. 
[buttas nom.] buUan acc, Haus, V. 193. Ench. 9. 14. 23. 65. 

(Kat. IL butten) botte Gr. (Utt. bütas, Haus, lett. bute, Heimath); 

s. die folgg. 
buUa-rikians acc. pl, Hausherren, Ench. 62, s. rikys. 
buUas-tapali nom., Haustafel, Ench. 51. s. tapali. 
buUaS'taws^ buUa-tawas, buUan-täws, butte-tawas, buUi-täws nom., 

Hausvater, Ench. 1. 13. 19. 28. 40. 45. 49. s. tawas. 
buttaS'Waispattin acc, Hausfrau, Ench. 62. s. waispattin. 
buie nom. viri, TcO. 12; daher Dorf und Gut but-laken Kr. Wehlau» 
but'Sargs nom.. Haushalten Ench. 51. s. sargs. 
bidskas s. pra-butskas. 
[bu/win-t, wohnen], buwinanti, Ench. 58. unfehlbar Drckf. für bum- 

naiti imp. pl, wohnet (litt, büwis, büwas, buwalne, Wohjiort, Auf- 
enthaltsort, buwimas, das Verweilen, der Aufenthalt, von buwaü, 

praet. zu büti, sein.) 



— 25 — 



da, Vei'balwurzel, wovon: dä4, dä4on, dä4un, dä4wei, inf., geben, 
JEnch, 8. 24. 33. 53. 55., mit folgendem Infinitiv lassen, 22. 76. 
94. — däuns, part, act, ast, er hat gegeben. 14. 69. 87. er hat 
lassen (kommen) 94. asmai däuns, ich habe gegeben 36., ich habe 
lassen (thun)35. dauns mrst, er wird geben. — däts 41. 42. ddton, 42. 
part, pass., gegeben (Kat IL daeczt), — däse, du giebst 49. — dast, er 
giebt. 21. 23. 29. 46. 50. 63. 80., er lässt 23. 52. — däsai, dasei, 
däse opt., er^gebe. 6*6. 76. 97.— dai, aor., er gab. 41. er Hess. 68. 
— daits, dayts, Kat L IL, daitz Kat, L aor., er gab. — dais, 
imp. sg., gieb 23. (Kat, LL. days), lass 37. — daUi imp. pi., gebet 
55. 58. 74, lasset 61. 78. 84. 87. (sanskr. Wurzel da, dieselbe im 
Pers., Griech., Lat., Litt., Lett., Slaw.) vgl. mit den Präpos. au-, 
en-, per-, po-, sen-, und daian. 

dahher, noch. Ench. 14. (litt, dabär, jetzt, nun, poln. dopiero, eben 
erst), 

dadan, Milch, Voc. 687. 690. vgl. rtietan dadan (kslav» dojq, doiti, 
russ. dojü, dmf, poln. dojq, doic, melken, sanskr. dhe (dhajämi, dia- 
dau), griech. d^äo/j^t^ saugen; sanskr. dhätri, kslav. döilica, dmlt- 
nica, nutrix, russ. dbinaja korbwa, milchende Kuh; sanskr. dadhi, 
geronnene Milch, vgl. Piersons Erklärung AMS. VIL 579. Hie- 
her vielleicht dadei^ Name eines Sees bei Bischofsburg, also der 
„Milchsee", vgl. asswene. 

daengon s. dangus. 

daeczt s. unter da, 

[dagoes'] da^is, Sommer, Foc 13; auf einen a-Stamm weisen die 
Composita daga-gaydis und da^o-av/gis hin (litt, dagä, ddgas, Ernte- 
zeit, zu degü,, degti, lett. degt, brennen). 

daga-gaydis, Sommerweizen, Voc. 260; s. das vor. und gaydis, 

daggat, auch daggert gesprochen, feiner Birkentheer, Prov. (litt. 
dagütas, degütas, lett. degguts, poln. dsiegiec, dass., russ. degot\ Theer, 
Wagenschmiere; zu litt. lett. degti, degt, brennen.) 

dago-at4>gis, Sommerlatte, diesjähriger Schössling am Baume, wört- 
lich Sommerwuchs, Voc. 638; s. da^as und attgis (analoge Bezeich- 
nungen für dieselbe Sache sind litt, wasar-augis, aus wasarä, Som- 
mer, und dttgti, wachsen, kslav. Ijeto-rasli, russ. Ijeto-rasV, poln. 
lato-rosl^ böhm. leto-rosl, aus Z/e^o, to^ö, Sommer, und rasfö, rose, wach- 
sen; lett. wassar-audsis kummelsch^ Füllen, das nur einen Sommer 
alt ist), s. Burda Beitr. VL 394. 

dai, dais, daiti, daits s. unter da. 

daian acc. sg, daians acc. pl., Gabe. EncJi. 18. 49. 84; unklar ist 
die Ench. 78 vorkommende Form daiai, die an und für sich nom. 



- 26 - ^ 

sg. sein könnte; es heisst daselbst: tennan etntstis Wie daiai stesses 
crixtisnas madlit turrimai, wir sollen ihn um Gnade und Gabe der 
Taufe bitten; offenbar sinnlose Verwendung der Casus. 

daisan s. per-daisan. 

dakowe, Ortname in Pomesanien CdP. IL 36; das Dorf daJcau Kr. 
Rosenberg. 

dalptan, Durchschlag, ein Schmiedeinstrument, mit dem man Löcher 
durch Eisenplatten schlägt, Voc, 536. (russ. dolblf, poln. dlubac, 
aushöhlen, ausstochern; böhm. dldbati, russ, imf'dälbiwaf,wp-d'OlUf, 
ausmeisseln ; kslav. böhm. dlato, russ. dolotö, poln. dloto, Meissel, 
haben das b verloren). 

dalwinge MhW. IIL 29, 67, ein See im Ermlande; in der Hand- 
schrift steht dalwinge asere (a. L. osere)^ d. h. der See (assaran) 
Dalwinge; die Herausgeber der MhW. machen daraus die Namen 
zweier Seen ; Voigt in CdP, IV, 186 verbindet beide Worte, schreibt 
aber das erstere dalvunge, 

[damha] damho, Grund, niedrig gelegenes Terrain zwischen Hügeln, 
Voc, 29 (vgl. litt, dumbh, dübti, hohl sein, einfallen, von Gräbern, 
daubä, Grund, Thal, düb'e, Grube); s. smch pordanibis und dtmipnis; 
hieher gehört wohl der Ortname dambitzen bei Elbing; s. Pier- 
son Vn. 579. Pauli Beitr. VH. 160. 

damer au f., in Urkunden damer aw, dameravia, damer oa, damer ova, dar 
merovia, damerowe MhlV. L 236. 351. 395. 423. 580. IL 22. 42. 
192. 322 und öfter, ein schlecht bestandener Eich wald, dem latein. 
merica, mirica entsprechend, und sehr häufig als Localname vor- 
kommend. Ausführliches darüberhat F.Neumann NPBl F. 241 
flgS- gegeben. Das Wort entspricht dem poln. dqbrowa, Eichwald, 
von dqb, Eiche (kslav. dqbU, arbor, qt^tercus, lignum, dqbrU, dqbrawa, 
nemus, silva); ob aber die Umgestaltung von dqbrowa zu dameraw, 
damerowa ein Werk der Preussen oder der Deutschen gewesen sei, 
könnte zweifelhaft erscheinen, wenn nicht das so sehr häufige Vor- 
kommen des Namens auf preussischem Gebiet es unwahrscheinlich 
machte, dass derselbe erst von den Deutschen sollte eingeführt wor- 
den sein, zumal er für diese ja doch ein Fremdwort wan In dem 
Elbinger Vocabular 588 steht zwar dem preuss. wangus in der 
deutschen Columne dameraw gegenüber, daraus folgt aber nicht, 
dass dameraw ein deutsches Wort sei, vielmehr hat der Zusammen- 
steller des Vocabulars das in seiner Heimath Marienburg unbekannte 
preuss. wangus durch das ebenfalls preussische , aber den Deutschen 
jener Gegend wohlbekannte synoyme dameraw erklärt; vgl. das ähn- 
liche Verhältniss bei pasta und wepe, bei baytan und zeeb, bei 
haywe und hobele, bei clenan und Meet. Die Sache wird durch 
einen Blick auf die Landkarte aufgeklärt. Wie damerau, so er- 
scheint auch wangus, theils allein, theils in Compositis und Ablei- 



— 27 - 

tuDgen nicht selten als Localname, aber letzteres in einem sehr 
enge abgegrenzten Theile der Provinz ; die mit und von wangus ge- 
bildeten Namen beschränken sich nämlich auf den keilförmigen 
Landstrich, der durch die Kreise Wehlau, Labiau, Königsberg, Fisch- 
hausen, Heiligenbeil, Friedland, Preuss. Eylau, Rastenburg, Rössel 
gebildet wird, während nicht nur in diesen genannten Kreisen, son- 
dern noch theils weithin östlich in den Kreisen Insterburg und 
Goldap, zumal aber westlich durch ganz Ermland, Pogesanien und 
Pomesanien bis an die Weichsel hin, und südlich bis in den Kreis 
Orteisburg hinein der Name Damerau auftritt. In den südlichen 
Theilen der Provinz, in Masuren und Kulmerland, sowie westlich 
von der Weichsel erscheinen dafür die polnischen Grundformen 
dombrowen, dombrowa, dombrowken, im 15. Jahrhundert noch dam- 
braw, s* A MS. VIIL 434. 437; von damerau kommen auch die 
deutschen Composita netirdamerau, sckön-damerau, finster-damerau 
vor. 

dcmga, der Fluss dange bei Memel. CdF. 87. 89. 

dangus, Himmel, Gaumen, Voc, 3. 95., nom., dangon, Ench. 13. 
15 und oft, dangan 26. dengan 96., acc. (Kat IL daengon, dengon, 
dengan) Himmel (litt, dangus in beiden Bedeutungen) s. auch 
deng.,. 

danti-max, Zahnfleisch, Voc. 93; s. das folg. und ma^. 

dantis, Zahn, Voc. 92 (litt, dantls.) 

dargnen, Dorf bei Fischhausen, heute dargen, AMS. VII. 309. 

dargowayn villa, im westlichen Samlande, NPBl. X. 189. 

dasei s. daisan, per-daisan. 

dawe s. taure. 

dauris, das grosse Thor, Hofthor, Voc. 211. (die Worte dauris, 
Thor, und warla, Thüre, haben im Preuss. und Litt, ihre Bedeu- 
tungen vertauscht; litt, ist dürys, pl. (lett. du/rris, durwis, kslav. 
dwirt), die Hausthüre und wärtai ph, das grosse zweiflügliche Hof- 
thor); vgl. warta, und Pauli Beitr. VH. 192. 

daüsin s. dusi, 

deMkan, dehykan, debbikan, debykun, debeikan acc., gross. Ench. 25. 
30. 39. 43. 80. 82. 85. debica Gr. (kslav. debelU, russ. debelyi, eras- 
suSy kslav. debelt, moles, tumor). 

degune, dygune, nom. viri, NPBl. 3. F.V. 300. 302; daher Gut dey- 
guhnen Kr. Angerburg. 

dei, Ench. 78. unklar, vielleicht für deigi; vgl. auch di. 

deiänst s. en-deiänsts. 

deyen, Tag, Gr. s. deina. 

deyg, deigi, s. digi. 

deigiskan acc, mild, freigebig, Ench. 49; das Wort ist wohl de-t- 
giskan für ursprüngliches de(w)igiskan zu sprechen und zu der 



— 28 — 

Wurzsl da zu ziehen (lett. detmgs, freigebig, dem ein litt., bis jetzt 
aber nicht nachgewiesenes dawingas entsprechen würde). 

deiektas^ deichton, beide als acc. neutr. gebraucht, etwas. Ench, 66. 
69. — deicktan, deickton, deicton acc, die Stelle, 68 , m. d. Präp. 
6n, anstatt; en stessei deicktan, an seiner Statt, 89. en ainassei 
nialnykas deicton, an eines Kindes Statt, 82 (litt, detktas, Ding, 
Sache, Ort) vgl. Bopp S. 12. 

dein s. denaw, 

[deina nom.], ddnan acc. sg., deinans acc. pl., Tag, Eitch, 3. 15. 

18. 46. 48. 64. 88. 91; Kat L entweder als Drckf. oder Locativ 
tirtin deinam, am dritten Tage, deyen, deyn Gr, — schan deinan, 
heute, Ench, 23 (Kat. L schin deinan, Kat IL schian deynan); 
deinan Wie nacktien adv., Tag und Nacht, 64, (litt, denä, lett. deena, 
kslav. d%n^, russ. den\ poln. dzien (acc. dnia)^ böhm. den, sanskr. 
dina)\ vgl. die folgg. und dineniskas. 

deina-algenikamans dat.pl., Tagelöhner, Ench,ß\; s. algeniks, alga, 
[deynayna] deynayno, Morgenstern, Voc, 5 (s. die ähnliche Bildung 

im russ. denmca, böhm. dennice^ Morgenstern, von den', Tag). 
deinennin, deinennien acc, täglich. Ench. 23. 
deineniskan acc, deineniskai, deinenisku adv., täglich, Ench. 14. 18. 

19. 31. 80, s. dineniskas. 

deininan Kat. L, deyninan Kat. IL acc, täglich. 

deini/tiisku adv., täglich. Ench. 24. 

deiri-t, dyri-twei inf., sehen (mit en-)^ dereis, Ench. 73, dirts (mit 
en-), imp., sieh; deirä (mit ew-), er sah (litt, dairytis, sich obenhin 
umsehen); s. en-deirit, en-dyrU, en-dirisna. 

deiwa-s, Ench. 66., deiws 11. 14 und oft, deywis Voc. 1., dewus Gr. nom., 
Gott. — deiwa, 35. 84. deiwe, 49. 76. deiws, 50. 84. 85, voc. — 
deiwan, 1 — 10 u. oft, acc. — deiwas, 2. 15. 20 u. oft, gen. — 
deiwans, 1., acc. pl. — (Kat. I. deittan, Kat. II. deywan, deywas) 
(sanskr. devas, litt, d'eivas, lett. deews u. s. w.); s. die folgg. und 
7iideiwiskan. 

dei/wa-deiwütskai adv., gottselig, Ench. 96; der zweite Theil wohl 
fehlerhaft für deiwütiskai, s. d. 

deiwiskai adv., göttlich, Ench. 21 \ s. auch ni-deimskan. 

deiwut'S nom., Ench. 29, deiwütei adv. 81, selig. (Kat. II. deywuts). 

deiwütint, s. ep-deiwütint. 

deiwutiskai, deiwutisku nom. sg., Ench.A2,. — deiwütiskan acc, 14. 16. 
29. 56. 66. 83. 85. — gen. pl., 78. — deiwutiskai adv., 66. selig; 
göttlich; Seligkeit; s. diwutiskan. 

dein, etliche, Ench. 51, als gen. pl. gebraucht. 

[delli-t, theil en] dellieis, 2. sg. imp., theile mit, Ench. 52, aber als 
3. opt. oder imp. gebraucht, ein ähnlicher Uebersetzungsfehler wie 
in den alten litt. Katechismen und Bibeln, in denen es heisst: luk 



— 29 — 

szwenc^amas tawo wardas^ ateik tawo haralyste, huk tawo wale; vgl. 
Bopp S. 32 (litt dalytij lett. dalliht, kslav. djeliti, russ. djelif, 
poln. dzielic, theilen, litt, dalts, lett. dallay kslav. djelu, russ. dolja, 
poln. dzial, böhm. djly Theil, goth. cfaSs, Theil, dailan, theilen). 

delltks, dellyJcs, dellycks nom. sg., delUkans ace. pi., Theil, Stück, 
Artikel, Ench, 13. 15. 17.32. 43. (Mit dahjkas, höhm. djlek, Theil)', 
s. das vor. und galwas-deUiJos. 

demyta campus, das heutige Dorf demuth im Kr. Braunsberg. MhW, 
L 192. 

denaw, denow, MhW. L IL HL laciis, camptis; Nebenform dein 
MhW. L 495, dena, Hennenb. II. 9. 

dengan, dengon, s. dangus u. die folgg. 

dengenennis nom. sg., himmlisch, Ench. 21. 48; s. dengnennis, 

dengennenisJcans acc. pl., himmlisch, Ench, 95. 

dengnennis, dengnennissis nom. sg., himmlisch, Ench. 20. 46. 49; 
die letztere Form entspricht der litt, bestimmten oder emphatischen 
Adjectivform. 

dengniskas gen. sg., dengniskans acc. pl., himmlisch. Ench 83. 84. 

denicze scheint Unterlage, Unterbett, Matrazze zu bedeuten. 
In E. Volckmann „das älteste geschriebene polnische Rechts- 
denkmal" S. 16 heisst es: Stirbet ouch eyn gebuer, der keinen zon 
enJmt, syn herre nymt syn gut, doch sal her dem wyhe gehin ere 
küssen unde ere hanclaken unde eyn ding heiset denicze, do man 
uffe slefet (poln. dennica ist das Bodenbrett im Wagen, von poln. 
russ. dno, kslav. duno, dno, litt, dugnas, Grund, Boden.) 

denow, s. denaw, 

dereis, s. deirt-t 

dergS, sie hassen, Ench, 11. dergSuns, part, act., ast, er hat gehasst 70 
(litt, dargüs, hässlich). Pierson VII. 591. 

[derk'f] dSrkts, part, pass., mit er-, s. d. 

derne, dernen, ein Landstrich westlich von Königsberg, am Pregel ent- 
lang, Urk. von 1258. NPBl VLLL 344. 353. X. 163. 164. 172. 
Dieser Landstrich hat zum grossen Theil Wiesen- und Torfboden, 
daher vgl. kslav. driinu, caespes, russ. dem, poln. dam, Rasen, Torf. 

dessimton \iom., dessimtons Sicc, (so wenigstens im Gebrauch geschieden) 
zehn, Ench. 1.34.46, vgl. Bopp S. 45. (Kat. L. dessenipts, Kat.LL 
dessimpts nom.) (litt, deszimfs, deszimt, lett. desmits, desmit). 

dessimts nom., dessimton acc, der zehnte, Ench. 10. 52. 78. (Kat.L. 
dessimts, Kat. LL. dessympts) (litt, deszlmtas, deszimtäsis, lett. desmitajs). 

äeunnthe, dewinte, dewitte silva. AMS. VLL. 305. 

dewisin, s. nordewisin. 

dewithen, dewythen, diwitten lacus. MhW, II, HL — dewitte, s. dewinthe. 

deumne, dewyne rivus, bei Bischofsburg. MhW. IL 69. 299. 

dewus, s. deiwas. 



— 30 — 

di, dei pron., man, Ench. 32. 33. 56. 81 ; toirst di, wird man, con- 
trahirt in wirsti, 68. — vgl. din, dien. 

dien, diens, s. din. 

dtgi, dygi, deigi, auch. Ench. 12. 22. 33 u. oft (Kaf. I. deyg, Kai. IL 
deygi). 

[digna] digno (gehilce), hölzernes Gefäss oder Heft des Degens. 
Voc. 427. 

dygune, s. degune. 

[dyla, nom.] dtlan, dylan, acc. sg., dilas, gen., dilans, dilins acc. 
pl., Werk, Arbeit. Ench. 6. 34. 35. 46. 53. 90. (kslav. djelati, 
russ» djelaP, machen, arbeiten, kslav. djelo, russ. djelo, poln. dssielo, 
böhm. dilo. That, Werk, böhm. dilna, Werkstatt); s. die folgg. u. 
na-dele. 

dilants, nom., Arbeiter, Ench. 52., Form eines part, praes. act. 

dyla-pcigaptin acc, Werkzeug, Ench. 58. s. pa-gaptis. 

dUeitishan acc, Handthierung, Ench. 51; im Texte steht, wohl als 
Drckf., diseitiskan. 

[düin-t, arbeiten, bewirken] dUinai, er bewirkt, Ench. 29. vgl* 
dilants. 

[dUniks nom. sg.] dilniJcans acc^ pl., Arbeiter. Ench. 61. 

dymber, dimmer lacus. CdP. IV. 186. MhW. III. 29. 67. 

din, dien acc. sg., ihn, sie, cum, earn; dins, diens acc. pl., eos. 
Ench. 53. 54. 59. 68. 73. 79. 81 ; der Form nach acc. zu di, s. d. 

dineniskas nom., täglich, Ench 23., s. deineniskan. 

[ding-f] s. po-dingai, po-dingan. 

[dingaur-t] davon dingausnan, s. po-dingausnan. 

dinkau-t, danken, Ench. 14. dinkama^ dinckama, ich danke, 46. 48. 
(trotz des zweimaligen Vorkommens doch wohl Drckf. für dinkawa) ; 
dinkaumai, dinkauimai, wir danken, 2. 50; dinkauti imp. pl., dan- 
ket, 50; dinkauts aor., er dankte, 41 (Kot. I. dinkowats, dinko- 
watz, Kot. II dinkautzt, dinkatACzt) (poln. dziqka, litt, dekä. Dank, 
poln. dziqkowac, litt, dekawoti, danken, Germanismen). 

dinkavrsegisnan acc, Danksagung (wörtlich Dankthuung), ^cA. 56. 
s. segU. 

dinkatisnan, dinckausnan acc, Dank* Ench. 23. 94. 

dinckun, acc, Dank. Ench. 95. 

dins s. din. 

dinskins (?), Ohrenschmalz, Voc. 84, in beiden Sylben m ohne 
i-Zeichen. 

dirhinsnan acc, das Zittern, Ench. 61, weiset auf einen inf. dirbint 
hin (litt. drehUi, lett. drehheht, zittern). 

dyrt-t, sehen, s. deirit, en-4ei/rU. 

dirisna s. en-di/risna. 

dirse, nom. viri NPBl. a. F. VI. 173, daher vielleicht die Ortnamen 



— 31 — 

dirsen, dirszen, Dorf im Kr. Ragnit, dirsch-keim, Gut im Kr. Fisch- 
hausen; dieses aber hiess nach TcG. 143 früher dirsune-kaym, 
also wohl nach einem Preussen Namens dirsune benannt. 

dyrsos gyntos, from man, Or. s. gyntos. 

dtrstlan acc*, stattlich, kräftig, Eneh. 83, (litt, drqstis, drqstus, 
kühn, freudig, getrost, dristü, dr{st% kühn sein, wagen, russ. ders- 
kit, kühn, derzäf, wagen, kslav. drUzU, audax, drtmti, drüznqti, 
audere). 

dirsune-kaym, alter Name des Guts dirschkeim, s. dirse. 

diseüiskan s. düeitiskan, 

dissemen campus. MhW. I, 308 

dits s. sen-dits. 

ditwo, Fluss in Galindien, heute skwa. TcG. 28. 

diwan, nom. viri, Dusb. HL 89 u. oft; daher wohl das Dorf diewens, 
Kr. Fischhausen. 

dmite campus, Mh W, L, das Kirchdorf diwitten Kr. Alienstein ; vgl. 
dewithen. 

diwutiskan acc, selig. Euch. 26, neben dekvtäiskan. 

doacke, St aar, der Vogel, Voc, 732 (vgl. ahd. daha, täha, Dohle, 
mittellat. tacula; analog litt, wamenas, Staar, zu wämas, Rabe, 
Warna, Krähe. Pierson u. Pauli ziehen aus meinem Wörterbuch 
der litt. Sprache litt, dukas, Rohrdommel, zur Vergleichung herbei, 
aber dieses dukas ist bei Szyrwid s. v. hqk, woher ich es entnom- 
men, Drckf., wie mir eine spätere briefliche Mittheilung aus russisch 
Littauen sagt, und ist dafür bukas zu lesen). 

doalgis, Sense, Voc. 546 (litt, dälgis, lett. dalgs), 

dobrinqe rivus, MhW. L IL 

dock, duck, duch, Prov. in Samland, Iltis; Mühling NPBl. a, F. 
VIIL 173. 

dockem, s. ducker, 

dochti, Tochter, Gr, s. duckti. 

dolu, Galle, Voc. 135, wahrscheinlich Neutralform. Pauli Beitr. VII. 
157. (litt. tül'Us liegt wohl fern.) 

dorne, nom. loci, AMS. VLIL 304. 

dominaw, domminow, dompnaw, dumpnaw, alter Name der Stadt, ehe- 
maligen Ordensburg domnau. Vo ss be rg Münzen und Siegel S. 44. 
50. AMS. VL 344. - 

dmip, Name eines Ackerstücks, NPBl. XI. 74. 

dompnaw, s. dominaw. 

dompne, in dem Ortnamen helle dompne SrP. LI. 684. vgl. dumpne. 

[donga] dongo (refe), wahrscheinlich ein in der Küche befindliches 
Gestell zum Aufstellen der Gläser, Teller u. dergl, ein Gläser- 
oder Tellerbrett, Voc. 403; vielleicht das auf dem Lande übliche 
Eckspind mit quadrantförmigem Boden und eben solchen Gestell- 



— 32 — 

brettern (dann vielleicht zu kslav» dqga, russ. dttgä arcus); vgl. 
auch Pierson VIII. 363. Burda Beitr. VI. 395. 

drdbenow, drdbinow, drdbnow, drebenow^dramenow, nach CdP, IL 130. 
territorium, nach Bush, IIL 107. AMS. VIL 296. 297. villa, Dorf 
drebnau (Gross- und Klein-) zu Kumehnen, Kr. Fischhausen. 

dragios pl., Hefen, Voc. 386 (kslav. drozdi, pl. droMijq, russ. 
drozzi, poln. droMzy, böhm. drozdi, serb. dro^da), 

dramenow Bush. IIL 107 s. drabenow, 

drastus, Wanst, Foc. 130 (Pierson AMS. VIII. 580 vergleicht litt. 
drustu, drutau, drusti, bei Szyrwid,, stark werden, schwellen, zu 
litt, drütas). * 

[drand, Verbalwurzel, wehren] davon dravdieiü imp. pl., wehret, 
driaudai (vielleicht in dravdiai zu corrigiren), aor. sie wehrten, hin- 
derten Ench, 79, m. d. gen. construirt, ni dravdieti steison (litt. 
drattdzü, draüsti, wehren, verbieten). 

dratigi, zusammen, mit, nur in dem folg. Compositum, (litt, draü- 
gas, Gefährte, Theilnehmer, drauge, zusammen, mit, lett. draugs, 
kslav. drtigü, russ. dritg, Freund, poln. drugi, der zweite). 

draugi-waldünen acc. Miterbe, Ench. 83; s. waldüns u. sen-draagi- 
weldnihai. 

drawanta s. drewante. 

drawine (boete) Beute, wilder Bienenstock auf Bäumen im Walde, 
Voc. 393, in der Ausgabe des Voc. von mir falsch erklärt, s. Pier- 
son AMS. VLI. 580, dazu ebend. VLLL. 77. (litt, drdwis, lett. 
drawa, dass., litt, drdwininkas, lett. drawineeks, Beutner, Bienen- 
züchter, vielleicht zu kslav. drjewo, russ. derewo, drewo, poln. 
drzewo, Baum). 

drebenow, drebnow s. drabenow. 

drewante, drewanz, drewenz, drawanta, driwante, driwanza^ der Fluss 
Drewenz in Pomesanien u. Kulmerland. Dusb. IIL 277. 360 CdP. 
IL 53. GDK. L 1 9. Mh W. II; denselben Namen führt ein Neben- 
fluss der Passarge, an dem Wormdit liegt. 

driaudai s. drattd. 

drimbis, Schleier, Voc. 483 (lit. drimbh drtbti, hangen, stal-drimbe, 
Tischtuch, ap-drlmbele, Umhang, mit Verlust des Nasals lett. drebbe, 
Gewand, Zeug, pl. Kleider, litt, drebüzis, drabum, Kleid, Kleidungs- 
stück) s. silkas-drimbis. 

driwante, driwanza s. drewante. 

droanse (snerher), Schnarrvogel, Schnarrwachtel, rallus crex, 
im Volksmunde schnerz genannt, Voc. 749. (litt, grczle, lett. greese, 
dass.; vgl. Pott de ling. lett. nexu p. 60. 61). 

dröffs, der Glaube, Kat. I. s. druwi, drutm-t. 

drogis, Rohr, Voc. 285. 

drogowitegen (?) villa. Cd.P. I. 182. 



— 33 — 

drowe Kat J. drowy Kat, II. s. druwt-t, 

drovinen moter, Ortname in Samland. Urk. v. 1258. NPBl. VIII. 
344. 

druhs, Prov., Schlag, Faustschlag, Stoss. Hennig 54. vgl. 
duks. 

druktaij drücktai, adv., fest. Ench, 22. 32. (litt, drütas, nach Kur- 
schat driütas, zem. drüktas, stark, fest, hart.) 

drüektawingiskan, acc, strenge, gestrenge, Ench. 85. 

[drüktin-t, fest machen] drüktinai^ 1. sg. praes. (mit jpo-). 

drumber s. silkas-drimhis, 

druppis, Name eines Sumpfes und Ortes in Samland. AM8, VIL 303, 

drusa, drusena, drusen, dnisina, drusin, driisne, drusnie stagnum, der 
Drausensee. DusK IIL 15. CdP, IL 25. GDKL\^. MhW.LIL 
Vgl.den grossen u. kleinen dri^55ew-see bei Sensburg. iVPBZ.öt.i^. IIL22b. 

äruwi f., druwis m. nom. (Kat L draffs), druwien, acc. {Kat. II. druwin 
als nom. gebraucht), der Glaube. Ench. 13. 18. 22. 30. 38. 39. 44. 
45. 47. 86. 88. s. das folg. und ni-drutmen. 

dnmi-t, inf. glauben, Ench. 18. 19. 32 (an der letzten Stelle fehler- 
haft gebraucht), -druwtntin, acc. sg. part, praes., glaubend, gläubig 
(mit m-). — druwS, ich glaube 13. 14. 16. 91. 92 (Kat L drowe, 
Kat II. drowy); du glaubst 91. 92, er glaubt 29. 43. 44. (Kat I. 
drowe); sie glauben 29. — druwSse, du glaubst 38. — druwSmai, 
wir glauben 21. — druwetai, ihr glaubet 73 (ssihskr. dhruva, sicher, 
goth. travan, ahd. trawen, trauen). 

drwwingin, acc. sg., druwingi, nom. pl. (mit wi-), druwingins, acc.pl., 
druwingimans, dat. pl., druwingin^ gen. pl. (mit ni-) gläubig. Ench. 
18 44. 85. 86. s. ni-druwingi. 

druwtsnan, s. na-, po-druwtstian. 

duhbas, Prov.^ polnisches grosses Flussfahrzeug, etwa 30 Last haltend 
(poln. duhas). 

dubelis, der Döbel, cyprinus dobula, Voc. 581; es steht daselbst zwar 
neben einander halbvischz-dubelis, tobel-stroysles, augenscheinlich aber 
sind die Bedeutungen vertauscht; s. Pierson AMS. VII. 590 (poln. 
dtd)iel). 

dubna, nom. loci. MhW. IL 

duck, duch s. dock. 

ducker, dockern, ein Pelzwerk, Hirsch, Handelsgesch. 166. 260 (lett. 
dukkeris, Otter). 

dunere s. po-ducre. 

duks, m., Schlag, Faustschlag. Pr(yo. neben druks, dulks s. d. (lett. 
dukka, duJcsts, dukstinsch, Puff, Faustschlag, Rippenstoss, auch dunksch, 
dunkschkis). 

duks, m. Prov.^ geheimes Einverständniss mit einander demjenigen gegen- 
über, der sein Recht sucht, Hennig 54; man sagt: du kannst von 

NesBelmftnn. Thesaums. 3 



— 34 — 

einem Herrn zum andern gehen, es hilft dir nichts, sie haben alle 
einen Duks (litt, mwo duJcü elti, nach seinem Kopfe handeln; nach 
Ruhig und Mielke: sdwo doJciä, freiwillig; vielleicht zuruss. poln. 
duck, kslav. ducM, Geist?) s. Pierson IX. 164. 

ducMi^ nom. sg. und pL, Tochter, Ench. 34. 59. dochti, Gr, (sanskr. 
dukitar u. s. w., litt. duMe, gen. dukters, dukteres, Nebenform dukre) 
s. auch dttcre in po^mre. 

dulks, Schlag, Faustschlag, Prov., vgl. druks, duks. 

dulsis, Spund am Fasse. Voc. 399. 

dumine fluvius, bei Preuss. Holland. MhW. L 87. 

dumis, Rauch, Voc. 39. (saxiskr. dhümas, litt, dümai, pl., lett. duhmi, 
pl., kslav. duimu, böhm. deym). 

dumphis, Lohe, Gerberlohe, Voc. 512 (die Lohe wird aus Eichen- 
rinde bereitet, daher poln. dqbnica, Lohe, von dqb, Eiche; dahin 
gehört auch litt, dübai, dobai, Lohe, Beize). Pott. Beitr. VL 113. 

dumpnaw s. dominaw. 

dumpne, dumpnis (Variante dummis für dumnis, vgl. umne neben 
umpna, umpnis) Thal, Sumpf (?), in den Localnamen montileytis- 
dumpnis, mu/ntüeitis-dummis, curwe-dumpne, s. d. ; vgl. auch dompne. 

dumsle, Harnblase, Voc. 134; vgl. Pier son's Conjectur ÄMS. 
VII. 580. 584. 

dups, Prov., der Hintere, podex (poln. dupa). 

dürai^ nom. pl., schüchtern, scheu, Ench. 60, vgl. burai. 

düs, dous, Prov.^ Iltis, auch als Familienname vorkommend (vgl. russ. 
dus/sü, dusdf, poln. dus^q, dusic, würgen) s. AMS. VIII. 611. 

düsai-surgawingi^ nom. pl., Seelsorger, Ench. 52, statt des acc. oder 
dat. gebraucht; vgl. surgaut u. das flg. 

dusi, nom., Voc. 153, düsin, dousin, daüsin^ acc., Seele. Ench. 14.26. 
46. 48. 53 (litt, dussia, lett. duhscha, kslav. russ. poln. dussa). 

düschak (sch=ii) Prov. plumper, dummer, unbeholfenerMensch. 
(litt. diAzas, dick, beleibt, daher ungeschickt, plump), s. AM8. VII. 594. 

duikis, Hamster. Voc. 669 (nicht dutkas, vielleicht aber du^ikis zu lesen). 

dwai, zwei, der Form nach nom., der Construction nach acc. für dwans 
nach Analogie von abbai, nom., abbans, acc. Ench. 32. 37; vgl. Bopp 
S. 43 (sanskr. dvi, dvau u. s. w.) vgl. dwi-bugüt, dun-gubbus. 

dwarg, twarg, pl. dwarge, kleinerKäse, der nicht aus frischer, son- 
dern aus geronnener Milch gemacht wird. Prov. (lett. twahraka, 
kslav. twarogu, russ. twarbg, tworog, poln. twarog, böhm. twaroh, 
die geronnene Milch, der Käsebrei, deutsch quark, mhd. auch twarc, 
gen. twarkes)\ dwarg wird hier hochdeutsch in 0werg verballhornt; 
vgl. glomsd. 

dwi-bugü-t inf., zweifeln. Ench. 32 falsch gebraucht ; dwi-gubbu {vfohl 
fehlerhaft für dwi-bugü, aus Verwechselung mit durir^ubbus, s. Bopp 
S. 43. 44), er zweifelt, Euch. 44 (poln. bujac, sich schaukeln, schwe- 



— 35 — 

ben, baumeln, unstät umherschweifen, daher dwirhugüt, zwischen 

zweien schwanken). 
dwi-hugüsnan s. per-dwi-bagüsnan, 
dm-gubhus, gen., doppelt. Ench. 52 (litt, dwi-guha.% doppelt, kslav. 

gubiti, su^ubiti, duplicare, sti-guhU, duplex, su-gubu, plica, stiguibati, 

plicare). 

E. 

eh, auch ep, ab (litt, ap) Verbalpräposition, den deutschen ab- und be- 
entsprechend. 

ebangelion, Evangelium, Ench, 52. 78. 80; vgl. euangelistai. 

[eb'inir-f] eb-immai, er begreift, enthält, en sien, in sich, Ench. 32; 
s. im-t 

[eb'Senclit, bezeichnen] ebsencliuns, part, act., assei, du hast be- 
zeichnet. Ench, 76. 85. Im Texte steht eb-sentliuns, aber s. senclit. 

[eb-signä-t, segnen] eb-signäuns, part, act, assei, du hast gesegnet, 
Ench. 76. eb-signäts nom. sg., ab-signätai nom. pl. part, pass., ge- 
segnet 73. 81. eb'Signä, er segnete 79. eb-signäsi opt., er segne 97; 
s. signä't 

eb'Signäsnan, ab-signasnen, acc, Segen. Ench. 76. 84. 

[eb-winü-t, beschuldigen] eb-winüts, nom. sg., eb-winütei, nom. pl. 
part, pass , beide Formen nur mit m-, s. ni-ebwinüts. 

edeiUe, Kat L, für ideiü, s. id. 

eden, Kat. I. für idin, s. d. 

ei-t, inf., gehen (nur mit ^er-), eisei, du gehst, Ench. Albeit, ergeht, 
es gehe (auch mit per-) 4. 60, eimai, wir gehen (mit per-), jeis 
imp. sg., geh 38 {Kat. I. geis, mit per-)^ jeiti, imp. pl., gehet 28. 
{Kat. I. jeithy\ eilai^ opt., er gehe 86 (auch mit per-)^ eysey, opt , er 
gehe [Kat. IL mit par-)^ eukete^ komm her Gr. (soll heissen : gehet, 
ist aber keine preussische Bildung, sondern das litt, eikite) (sanskr. 
i, praes. emi, inf. etum, litt. eim\, jetzt einü, inf. eiti u. s. w.) 

ei4ng-iskai aus der Wurzel ei (ei-t) gebildet zunächst durch Suffix 
4ngas, dann durch daran gefügtes Suffix -isJcas, wie laust-ingis, 
laust-dng-iskan, poJclusnir-ings,poMusm'ing'isJcan,teis-ingi, teis-ing-iskas, 
wert-ings, wert-ing-iskan; s. par-ei-tngiskai. 

eissannien, eisennien, das Gehen, s. mit en- und is-. 

[eyswa] eyswo, Wunde, Voc. 159 (kslav. russ. jäzwa, böhm. gizwa, 
dass.; vielleicht lett. aisa, Riss, Spalte). 

etbing, elbinga, elbingum, Ordenshaus und Stadt, und elUng, elbingus, 
Fluss Elbing. Dusb. III. 15. 16 und sehr oft in CdP. und in 
MhW. desgl. SrP. IL 121; bei Wulfstan heisst der Fluss ilfing, 
NPBl a. F. VI 291. 

3* 



— 36 — 

eldithen, elditten campus MhW. L, das heutige Kirchdorf eldiUen, 
Kr. Heilsberg. 

elling, ailing, See bei Hohenstein. MhW. IL Henne nb. H. 10. 

elme, elmone, almonia, Fluss. MhW. L Hennenb. II. 6., auch ylme s. d. 

em, Nebenform der Präpos. en vor labialen Consonanten. JEnch. 25 
em perbandasnan, so auch in den folgg. Compositis. 

em-baddtisisi, er steckt, JEnch. 80. 82, mit en c. dat. construirt; es 
scheint eine Reflexivform mit fehlerhaft wiederholtem Reflexivsuffix zu 
sein, für em-haddttrsi, er steckt sich hinein ; der Uebersetzer hat offen; 
bar die deutschen Verba stecken und stechen miteinander verwech- 
selt; s. die Wurzel bad und litt, i-badaü, d. i. in-badaü, hineinstechen. 

[emslna] emelno, Mistel, Schmarotzergewächs auf Bäumen, viscmn 
album, Voc. 646, hier im Volksmunde allgemein mi^el gesprochen 
und so auch im Voc. geschrieben (litt, emalas, dmalis, lett. ahmuls, 
ahmuls, russ. omela, poln. jemiola, böhm. mylj, m^lj). 

emmens Kat. I. IL, emnes JEnch. 20, nom., Name, emnen JEnch. 2. 
20. 28. 38. 66. 69. 75. 86., emnan 2. 22. 88. 92 (Kat L emmen) 
acc. ; — emmens, nicht emnes, scheint die ursprüngliche Nominativ- 
form zu sein, dazu acc. entminen, contr. emnen; Ygl. Jcermens, nom., 
Jcermenen, contr. kermnen, acc, Jcermenes, gen. (Wurzel sanskr. mnä, 
gedenken, davon kslav. imq, gen. imene, poln. imiq, russ. imja, Name). 

em-perri, adv. zusammen, JEnch. 75 ; vgl. pyrint, peroni u. die hier folgg. 

emrpyreisku, dat. mitPräp. en, en empyreishu, in Summa. Ench. 26, 
s. das flg. 

emrpyrint, inf., versammeln, als part. pass, gebraucht. JEnch. 82. 

emrprtki, em-prtkin (auch mit ^ in 2. Sylbe), dagegen, dawider, 
mit den Verben as, billtt, stallU, waitiat, s. die flgg. und priki. 

[emprikin-billU, entsagen, sich \o sssigen] emprikin-büle, Ulli, ich 
entsage; emprikin-hilli, du entsagst. JEnch. 90. 

empriki-sins, nom. sg., emprtki-sentismu, dat. sg., gegenwärtig. 
JEnch. 81. 83. s. sins. 

[empriki'StalU't, widerstehen] empriki-stalle, -stallai, er widersteht, 
JEnch. 54. 63. 

empryki'StalUsnan, acc, Widerstand. Ench. 83. 

[emjpr^Ä;i-M;«i^ia^, widersprechen] empryki-waitiaintins, acc.pl. part, 
praes. act., die Widersprechenden. Ench. 51. 

en, praep. c acc. und c. dat., in, an, auch in der Verbalcomposition, 
dafür zuweilen an, vor labialen Conson. em. Ench. oft. (Kat. L an, 
Kat. IL. an, aen, en), en-stan, hinein, darin 66. 79, en-stesmu, daran, 
darin 32. 76. 

en-bändan, adv. unnütz. Ench. 2, im Kat. LL. en-baenden mit doppel- 
ter Negation, tou ni tu/r... ni enbaenden westwey; ein Wort un- 
sicherer Etymologie; mit der Wurzel band, versuchen, ist es nicht 
füglich in Verbindung zu bringen. 



— 37 — 

[en-^lort sien, sich begeben], en-^ast sien, er begiebt sich (in einen 
Kampf). Emh. 88. s. dä-t 

en-deiri't, en-dyri-twei, inf. ansehen, Ench, 24. 86. en-deirä, er sah 
an, 73, en-^iris, imp. sg., sieh an, 34. s. deirU. 

en-dyrt'twei, en^iris s. erirdeirv-t 

en-dirisna, nom., das Ansehen. Ench. 62. 

en^ssannien, ace, Eingang. Ench. 87; s. ei-t. 

[en-gaur-t, empfangen] en-^aunai, enr-gaunei, er empfange 84* 86. s. 
gattrt 

engels, nom., Engel, Ench. 46. 48, angol Gr. (litt, ängelas, lett. 
engelis, kslav. antgelU u. s. w.) 

enr-gemmons, part, act., angeboren. Ench. 86. s. gemr-ton. 

[en-gerdau't, ansagen, erzählen] en-gerdam, imp. sg., sage an, er- 
zähle. Ench, 37. s. gerdatd. 

[en-^raudi-t, sich erbarmen] en-graudls, imp. sg., erbarme dich 
Ench. 35. s. graudi-t. 

en-graUfdisnan, ace. (auch mit y), en^raudtsnas, gen., Barmherzig- 
keit. Ench. 80. 81. 85. 86. 

en-gravdtwingSy nom., barmherzig. Ench. 95. 

m-im-t, en-im-ton, inf. annehmen, jFncA. 83, ew-immaw5, part, act., 
astai, ihr habt angenommen; en-imts, an-inds, part, pass., an- 
genommen, genommen, und adj. angenehm 72. 73. 82. 88. en-fm- 
mimai-sin, mit vorangehendem mans, wir nehmen uns an, 78. s. im-t. 

evirimmewingi, adv., angenehm. Ench. Tl. s. d. vor. 

en-imumne (?Drckf.?) angenehm. Ench. 56. 

[en-JcaitU, anfechten, quälen] en-kaiütai, an-kaiütai, nom. pl. 
part pass., angefochten, gequält, geplagt. Ench. 25. 39. vgl. 
TcaitU. 

en-kausint, anrühren. Ench. 79. s. Jcausint. 

en-kermenintSj en-Jccrminints, nom. sg. part, pass., einverleibt. 
Ench. 88. 95. s. Jcermens. 

[m-Tcop-t, begraben] en-kopts, part, pass., begraben. Ench. 15. 31. 
91. (Kat. I. encqps, Kat. IL enquoptzf] s. hop-t. 

[en-laiJcut, anhalten] en-laikümai, wir halten an, ermahnen, Ench. 

10, cn-läihuti, imp. pl., haltet an. 65. s. laiktht 

[en-laipint, anbefehlen] en-laipints, part, pass., anbefohlen, I}nch. 

11. en-laipinne, 66. nach dem Deutschen, sie fangen an, begin- 
nen (den Ehestand im Namen Gottes), der Uebersetzer hat aber 
wohl etwas anderes ausdrücken wollen, s. laipint. 

[en-mig-t, einschlafen] en-migguns, part, act, Imperativisch ge- 
braucht: eingeschlafen! Ench. 48. s. mig-t; vgl. grimons, gubas. 

ennoys (calde), Fieber, Fieberfrost, Voc. 158. (litt ynis, russ. 
\nea, Reif an den Bäumen, kslav. inije, pruina, nix confertim ca- 
dens). Pierson VIL 580. 



— 38 — 

[en-sadin-t, einsetzen] en-sadinnons, part, act., assei, du hast einge- 
setzt, Ench. 85. en-sadints, en-sadinton, part, pass., eingesetzt. 40. 
67. s. sadint 

en-sadinsnan, ace, Einsetzung. Ench. 76. 77. 

ensaif adv. auf, in der Verbindung immais sten ensai, nimm ihn (den 
Täufling) auf. Ench, 84: vgl. unsai. 

ensus, vielleicht en-sm etymologisch abzutheilen, adv. umsonst, 
Ench. 54. (russ. w-süe, umsonst, vergeblich, suetä, Eitelkeit, kslav. 
sm, vanus, wü-siije, frustra, sujeta, vanitas); das auslautende s in 
ensits ist auffallend. 

[en-teiku't, verordnen, anordnen] en-teiJcüunSy part, act., assei, du 
hast verordnet, Ench. 76, en-teiküton, part, pass., ast^ es ist an- 
geordnet, 54. s. teiku-t 

en-teiMsna, nom., cn-teiJcüsnan, acc. sg., en-teikusnans, acc. pl, Ord- 
nung Ench. 54. 57. 66. 77. Weise 39. Form 77. Orden 51. 
s. d. vor. 

[en-tensit, einfügen, einfassen, einschliessen] en4ensits, nom. 
sg., en-tensitai, nom. pl. part, pass., eingefasst, umfasst, einge- 
schlossen, inbegriff'en. Ench 28. 65. s. tensi-t. ' 

[en-terp't, nützen] en-terpo, es nützt, Ench. 29, wo das o am Ende 
vielleicht Drckf. für a oder e ist; s. terp-t 

en-terpen, cn-terpon, nom. neutr., nütze, nützlich. Ench. Titel, 42. 
s. d. vor. und an-terpinsqimn. 

en-tickrikai, adv., flugs, Ench. 48, ist vielleicht zu trennen : en tickri- 
kai; s. tickars. 

en-tlaku, er drischt, s. arrientlaku, und tlaku. 

[en-waidint, anzeigen, andeuten] en-waidinnons, part, act., assei, 
du hast angedeutet, Ench. 85. s. waidint. 

\en-waitiät, anreden] en-waitia, er redet an, Ench. 69. s. waitiät, 

[en-wackit, anrufen] en-^acke, sie rufen an, Ench.bO.^ en-wa^kemai, 
en-wackeimai, wir rufen an, 2. 84. s. wacki-twei. 

en-wertinnewingi (teckint) abwendig (machen), Ench. 10. ist wohl 
Drckf. für ep-wertinnewingi, weil die Präp. en- nicht dem deutschen 
ah' entspricht. 

ep, praep., s. eh, ab. 

ep'deiwütint, inf., beseligen. Ench. 86. s. deiwut-s. 

ep-kieckan, acc, Laster. Ench. 25. 

ep-mentimai, wir belügen, Ench. 8, s. mentinmi. 

ep'ivarisnan, ep-warrisnan, acc, Sieg. Ench. 25. 83., s. warrin. 

ep'Wertinnemngi (teckint), abwendig (machen) ist Ench. 10 zu 
lesen statt en-tvertinnewingi, s. d. und wartint. 

er, praep. 1) bis, immer in Verbindung mit einer zweiten Präposition, 
er in, bis in, er prei, bis an, bis zu. Ench. 22. 87. 2) Verbal- 
präposition, dem deutschen er- entsprechend; vgl. ergi. 



— 39 — 

er-ains, nom., er-ainesmu, dat., jeder. Ench. 6. 54. 55. 61. 65. 66; 

(wörtlich: bis auf einen?) s. ain-s. 
ereyno, erino, eryno, alter Name der Burg rinow, s. d. ürk. v. 1258. 

NPBl VIIL 342. 344. 
er-derkts, part, pass., vergiftet, Ench. 81. s. derk-t 
ergi, praep., bis, ergi en, bis in. Ench. 11. s. er. 
erino s. ereyno. 
eristian, Lamm, Voc. 681. (litt, eras, eris, lett. jehrs); -istian 

ist Diminutivendung zur Bezeichnung des jungen Thieres, s. g&rti- 

stian, wosistian, dg\.prastian, werstian; vgl. indess Pott Beitr. VI. 1 18. 
[er-kinint, erledigen] er-kmina, er erledige, befreie, Ench. 83; der 

Uebersetzer ist an der Stelle aus der Construction gefallen, welche 

den Infinitiv erfordert; s. Mnint. 
er-laiküt, erhalten, bewahren, aufrecht erhalten, Ench. 25. 

55. 83 (in 83 als part. pass, gebraucht); er-laiküuns, part., act., 

ast mien, er hat mich erhalten, 18. er4äiku, er erhalt^ 18. s. laiktht 
er-längi, er erhöhe, erhebe. Ench. 63. 97. s. läng, 
ennen camptis. MhW. IL 
ermyni, die Ermeländer, aus dem Dusburgschen Epitomator, Voigt 

Gesch. Preuss. II, 615. NPBl. a. F. XI. 72. 
er-mirit, erdichten. Ench. 37. s. mtrit. 
er-nauntsnan, acc, Erneuerung, Ench 30, wo er-nauntsan Drckf. 

ist; das Substantiv setzt einen Infinitiv er-naunU voraus, s. naun-s. 
[er-nertU, erzürnen] er-nertimai, wir erzürnen, trans. Ench. 4. er-ner- 

ttuns, part, act., asmai stans, ich habe sie erzürnt, 35; asmai sen 

maisei polltgun er-nerttuns, ich habe mit meines Gleichen gezürnt, 

gehadert, intrans. 35. s. nertt-t, nertien. 
[er-pilnint, erfüllen] er-pilninaiti, imp. pl., erfüllet. Ench. 73. s. 

pilnan, pilnint. 
er-sinnat, erkennen, Ench. 23. 83., er-sinnimai, wir erkennen, 33. 

er-sinnati, ihr erkennet, 53., s. sinnat. 
[er-swaigstint, erleuchten] er-schwäigstinßi, er erleuchtet, Ench. 18. 

er-schwaisttuns, part, act., ast, er hat erleuchtet, 18; beide Formen 

stimmen nicht zu einander; denn abgesehen von dem im part. act. 

ausgefallenen g setzt das Präsens einen Infin. schwaigstint, das 

Partie, einen Infin. schwai(g)stU voraus; s. swaigstint, po-schwaig- 

stint, 
[er-trap't, übertreten] er-treppa, sie übertreten, Ench. 12; s. trap4. 
es, Kot. II. für as, ich. 
esse, praep., von, c. acc. u. c. dat. Ench. 8. 49. 54. 55 und oft; esse 

Adam, von Adam her, 80. (Kat. I. assa, Kat. IL assae, aesse, aese, 

haese, assa), 
essei, assei, du bist s. as. 
esketres, der Stör, adpenser stwrio^ Voc. 567. (litt, in zwei Formen, 



— 40 — 

erszhetras, von erszketis, Dorn, Stachel, und asetras, kslav. jesetrU, 
russ. osetr, poln* jesiotr, böhm. gesetr). 

esoce s. assegis. 

estei, astai, ihr seid. s. as. 

eS'teinu, von nun an, JS'wcä. 87., wohl für is (einu, s. teinu. 

[estureyta] estwreyto, Eid exe. Voc, llß (kslav. jaszterU, jas^terka, 
russ. jäszczer, iäszczerica, poln. jaszczur, jaszczurha). 

eswiten, Dorf zur Kirche Heiligenkreuz. GDK L 134. 

et, Verbalpräposition, entspricht theils litt, at, auf, in die Höhe, zurück, 
wider, theils deutschem ent-. 

\et-baudint, aufwecken], et-hauäinnons, part, act., wirst, er wird auf- 
erwecken, Ench, X^^et'haudints, part, pass., auferweckt 31, s. haudint, 

et-gimsannien, acc, Wiedergeburt, Ench. 84, s. gem-ton (litt, at- 

glmti, renasd). 
et'kümps, adv. wiederum. Ench, 24. 31. 72. 95. s. Mmps. 
[et-laikut sien, sich enthalten] et-läihthsin, er enthalte sich. Ench. 

66. s. laiJcidrt 
etneiwings, nom., gnädig. Ench. 22, s. etntwings, 
etnistin, etnystin, etmstan, acc, etnistis, gen., Gnade, Segen. Ench. 

12. 14. 26. 66. 78. 81 u. oft (über 78 s.daian). Das adj. etntwings etc. 

lehrt, dass in etnistis die Endung -stis Wortbildungssuffix ist (kslav. 

otUnesq, otu-nesti, auffere, ahditcere, etwa peccata?). s. ni-etntstis. 
etmstiS'laims, nom., gnadenreich. Ench. 30. 
etntwing-s, etnymng-s, nom., gnädig. Ench. 22. 38. 94. 97 (94 als 

adv. gebraucht); Nebenform etneiwings s. d. 

etntwingisJcai, etniwingisku (auch y für ^), adv., gnädig, gnädigli eh. 
Ench. 48. 76. 86. 95. 96. 

[et-sM4, aufstehen, auferstehen] et-skmns, et-sktans, part, act, 
auferstanden. Ench. 15. 16. 91 (Kat. I. att-sktwuns, Kat. IL et-skyuns), 
et-sMsei, du stehst auf, 45, et-sktmai, wir stehen auf, 31. s. skt-t. 

et-sktsnan, Sicc., Auferstehung. Ench. 17. (Kat. L at-skisenna, Kat. IL 
et-skysnan). 

et'träi, et-trais, s. at-trä-twei. 

[et-wer-t, öffnen], et-were, du öffnest, thustauf, Ench. 49, et-werreis, 
imp. sg., öflfne 84, et-wiriuns, part, act., wirst, (man) wird öffnen, 84. 
s. wer4. 

et-werp't, et-wierp-t, erlassen, vergeben, Ench. 24. 48. 83 {etpwerpt 
83 Drckf.), et-merpons, part, act., ast, er hat vergeben 93, et-wierpton, 
part, pass., ast, als pl., sie (die Sünden) sind vergeben 32, et-werpe, 
ich vergebe 38, et-wierpei, er vergiebt 18, et-werpimai, wir vergeben 24 
(Kat L at-werpimay, Kat. LL. et-werpymay); et-werpeis, imp. sg., 
vergieb 24 (Kat. L at-werpeis). s. werp-t, tvierp-t. 



- 41 — 

et-werpsenninj -werpsennien, -werpsennian, ace, Vergebung. Ench. 17. 

29. 32. 35* 37. 41. 43. 92. (Kal I. at-werpsannan, att^,) 
et-werpsna, nom., Vergebung. Ench. 38. 42. 
et'Winut, entschuldigen, JEnch. 8. s. tvinü-t 
et-mriuns, s. et-wer-t. 

euangelistai, nom. pi., die Evangelisten, Ench. 40, vgl. ehangelion. 
eukete, s. u. ei-t 
emng, ewynk locus bei Saalfeld. CdP. IL 107. 108. ÄMS. IX. 323. 



F. 

falsch-wideJcausnan, acc, falsches Zeugniss, Kat.L; der erste Theil 

ist deutsch; vgl wydikausnan, redde-wydikausnan. 
valx s. unter W. 



[gahawa] gabawo, Kröte, Voc. 779. (russ. mba, poln. mbsJco, Kröte, 
kslav. poln. böhm. illyr. mha, Frosch, böhm. zemsha mha, Kröte). Die 
Begriffe von Kröte und Frosch laufen in den balto-slav. Sprachen 
durch einander; vgl. crupeyle, und auf germ. Gebiet seh wed. pag, 
Kröte, mit niederd. pogge, Frosch. 

gadint, verderben, nur in po-gadint, s. d. (litt, gadinti, pa-gadinti, 
verderben, tödten ; vgl. kslav. gaditi (praes. gazdq) vituperare, dbominari, 
kroat. gaditi, inquinare). 

gaydiSy Weizen, Foc. 259, s, dagorgaydis. Gr. verwechselt die Namen 
für Weizen und Gerste ; er giebt geyde, Gerste, und mayse (s. moasis) 
Weizen ; an gaydis erinnern die Dorfnamen geid-lauken, jeydow, geidau. 

gayle campm. MhW. L 

gaylis, weiss, Voc. 459 (durch Verschiebung des Anlauts kslav. 6je?Ä, 
russ. hjelyi, poln. hialy, böhm. bild, litt, bäl-tas, lett. bal'ts\ Pierson 
VII 580 u. Pauli Beitr. VII. 190 wollen im Voc. gay sis lesen); 
hieher vielleicht der Name gail-garben, geil-garben „der weisse Berg", 
heute gallgarben Kr. Labiau. 

gayliten villa, MhW. IL, etwa das Dorf galitten Kr. Friedland. 

gaylux, Hermelin, Voc. 661., wohl etymologisch zu gaylis gehörig; 
die Form ist Diminutiv „das Weisschen''; vgl. wosux. 

gaitiss, Name eines Ackerstückes. NFBl. XI. 74. 

gallan, acc, Tod, Ench. 15. 16. 29. 31. 81. 9t, im Voc. golis, s. d.; 
vgl. gallin-twei (litt, galas, lett. gals, Ende, lett. gallcht, endigen). 

galanda, galendia, galindia (galindo ? TcG. 7), die Landschaft galindien. 
Dusb. III. 3 u. oft. MhW. L 61. 89. 90; vgl. golmtz. 



— 42 — 

gallans, ace. pi., die Tod ten, Ench. 31; vgl. die analoge Bildung 
gywans, die Lebenden, zu giwei nom., giwan ace, das Leben. 

[galb't, helfen] galbton, part, pass {mit po-); galhimai, wir helfen, 
Ench. 5 7, galbse, 2. sg. opt., als imp. gebraucht, hilf. 20, galbsai, 
galbse, 3. sg. opt., er helfe. 45. 47. 74. (litt, gelbeti, lett. glahbt, 
helfen, lett. gelbeht, retten, glabbaht, hüten, beschützen); \^, po-^albany 
po-galb't 

{galba\ galbo, Haupt, Gr,\ vgl. gallü, galiva, glawa. 

[galda] galdo, Mulde, Voc. 365. (litt, gelda^ gelde). 

gaU'lauken campus bei Ragnit. NPBl. a, F. IV, 38. 

galendia s. gdlanda. 

gallias^ Prov,^ ein flaches Schiff, auf welches das auf den Haflfkähnen 
ankommende oder abgehende Getreide verladen wird, um durch die 
flachen Flussmündungen transportirt zu werden (kslav. galija, golija, 
yaXia, triremis, mhd. gälte), 

gallin-twei, tödten, Ench, 5 (Kat, I, II, gallin-twey), s. gallan. 

galind, galinde, gdlindin, gdlind silva. AMS, VII, 299. 300. 312. 

galinden, gallinden, mehrfach vorkommender Dorfname, z. B. für das 
heutige Kirchdorf gallingen Kr. Friedland. CdP. III. 161. MhVf. 
I, IL 526. 

galindia, s. galanda, 

galintcze, gdlyncze, gelland lacus MhW. III, 

galms, nom. viri, CdP, IL 182; daher Vorwerk gallmen, Kr. Preuss. 
Holland. 

gallü, nom., das Haupt, Ench, 70; in der Flexion jfa?t<;a s. galwas- 
dellths, und vgl. galba, galwa, glawa, per-galms (litt, galwä, lett. 
galwa, kslav. glawa, poln. glowa, russ. golowa, böhm. hlawa, Kopf, 
russ. glawa, Hauptstück, Capitel). 

[galwa] galwo (vorfues), Vorstück, Kopfstück am Schuh, Voc. 504, 
der den vordem Theil des Fusses bedeckende Theil des Schuh's oder 
Stiefels, in dem die Zehen stecken ; vgl. deutsch „vorschuhen", russ. 
golowy, Vorschuhe an den Stiefeln; s. gallü, glawa. 

galwaS'delUks, Hauptstück, Ench. 43. s. dellths. 

galwone, älterer Name des Dorfes galwunen bei Rastenburg; vgl. 
wallewona, NPBl. a. F. XL 191. 

gammer e, gamür, gaumir aqua. MhW. I. 

gannan, gannai, gannans s. genna, 

gandams, der Storch, Voc, 716 {gandams steht sehr deutlich in der 
Handschrift ohne i-Zeichen, trotzdem wäre man berechtigt gandanis 
zu lesen ; es ist aber überhaupt zweifelhaft, ob das Wort dort richtig 
geschrieben ist ; das litt, gändras führt auf die Vermuthung, dass 
gandams Schreibfehler für gandarus oder gandaris sei). 

gande-lawken s. grande-lauke, 

ganner^ Prov. im Ermlande, ein Mann, der gegen eine sehr massige 



— 43 — 

Wohnungsmiethe seinem Vermiether für einen festgesetzten Tage- 
lohn stets zu Dienste sein muss, und nur dann zu andern Herren 
in Arbeit gehen darf, wenn jener nichts für ihn zu thun hat; ein 
solcher Ganner ist also ziemlich dasselbe, was man in andern 
Gegenden Ostpreussens Instmann nennt; (ursprünglich bezeichnete 
das Wort ganner wohl einen Hirten, von litt, ganaü, ganyti, lett. 
gannu, ganniht, hüten, lett. gans, pl. ganni, Hirte), s. ÄMS. VIIL 677. 

gannikan, acc, Weibchen, Weiblein, als Geschlechtsbezeichnung, 
Ench. 73; vgl. genna und wyrikan. 

gäntsan, acc, gantsas, gen., gantzd, dat. adv, ganz. Ench. 81. 96. 
Germanism. 

gaj)4, s pongaptis. 

gapotüido silva. MhW. L 

garbe, gar bis, garbs, garbes, garwe, Berg, sehr häufig in Urkunden 
und Localnamen; vgl. die urkundlich belegten Namen yra-ga/rbis, 
Jcale-garbs, lade-garbe, lage-garbs, layde-garbe, layge-garbes, läppe- 
garbe (lappchgarwe, leppen-garbe), leJce-garbe, lule-garbis (lule-garbs, 
luge-garbs), mante-garbs, smayd^-garbs (-garbe), swente-garben ; un- 
belegt sind vorläufig die heutigen Namen an-garben, gail-garben, 
gal-garben, galt-garben, cum-garben, lam-garben, mod-garben, rück- 
garben, sans-garben, schmül-garben ; mit umgestellten Elementen haben 
wir garb'Seiden, po-garb-lauken, ferner die grammatischen Ableitungen 
ga/rbeniken, garbnick, garbow, garbkk; auf littauischem Gebiet haben 
wir den Namen des Guts szrmr-garbs an der Deime, von den Deut- 
schen schnerberg genannt. Das Voc. giebt gräbis, Berg, s. d., eine 
Form, die in Urkunden und Localnamen nicht vorkonmit. 

garbkk, ehemalige Heidenburg in Samland in der Nähe des heutigen 

Kranz, TcG. 20; der Name könnte Diminutiv zu garbs sein. 
garbow^ nomen loci. AMS. VIL 308. 
gardenga fluvius. MhW. L 

garrewingi, adv., brünstig Ench. 86; vgl. gorme, gora. 
garge^ d. i. wohl garie, Baum, Nebenform zu garrin, garian^ acc ; in 

einer Urkunde von 1330, ÄMS. VII. 295. 310, wird ywo-garge, 

ywe-garge durch houwinboum glossirt, s. ywa; und ebenda S. 306 

finden wir leke-garge als Nebenform zu leke-garbe. 
garian^ Voc. 628., garrin Ench. 72, acc, Baum; s. das vor. (litt. 

gtria, gtre, Wald; vgl. median), 
garkity, Senf, Voc. 269 (kslav. gorucha, russ. poln. gorczyca, litt. 

garstpis). 
garxede, garxyede lacus. CdP. IV. 186. MhW. Ill 29. 67. 
garzanum clatistrum in Pomesanien, das heutige Kirchdorf gross-garz, 

Kr. Marienwerder. CdP. IL 11 flgg. 
[gasta] gasto (stmke), Ackerstück, Voc. 238 (lett. pa-gasts, herr- 



— 44 — 

schaftliches Gebiet, kslav. po^ostt, regio, russ. po^bsf, Kirchspiel). 
Pierson VIII. 363. 

gattamnt, bereiten (mit ^o-), gattatvints, part. pass, (mit ^o- und ni- 
po-), gaUawinlai, opt. (mit po-) ; (litt, gdtawas, lett. gattaws, kslav. 
gotowu, russ. gotbwy'i, poln. gotowy, bereit, fertig; litt, gatäwytij 
kslav. gotomti, gofowati, russ. gotbmf, bereiten) s. po-gattawint, 

gaurt, inf., empfangen (mit ^o-); gauuns, part, act., «(;irs^, er wird, 
sie werden empfangen (auch mit au- und po-)^ Ench, 54 61; jfawfe, 
nom., gauton^ acc, gautei^ nom. pl. part. pass, (nur mit jpö-) ; gaunai, 
gaunei, gauni, er empfängt, er empfange (mit m- und po-); gaunimai, 
wir empfangen (mit aur und ^ö-) ; (litt, gdunu, gawaü, gduti, em- 
pfangen, lett. obsol. gauju, gahwu, gaut, haschen, fangen). • 

gaudeke, gaudiJce^ nom. viri, NPBl, 3. F. F. 300, daher gaudecken, 
das heutige Vorwerk gaifken, Kr. Fischhausen, NPSl. a. F. IV. 369, 
bei Hennenb. 147 noch gaudtke genannt. 

gauladin campus NPBl. 3. F. V. 301, etwa das Dorf gauleden, Kr. 
Wehlau. 

gawlne [gaulne] nom. loci in Samland. ÄMS. VIL 308. 

gaumir, s gammere. 

geasnis, Schnepfe, Voc. 753. 

geauris, Wasserrabe, Voc. 1hl \ in der Handschrift steht deutlich 
-ralCj sonst könnte man wegen der Nähe des Wasserhuhns an die 
Wasserralle, rallus aquaticus, denken; s. AMS. VI. 319. 

gedaute, geduthe, nom. viri, NPBl. 3. F. V. 300 301, daher Dorf 
gedauten, Kr. Baunsberg, Dorf giedauten, Kr. Fischhausen. 

gedawe, nom. viri, NPBl. a. F. VI. 174 und 3. F. V. 301 ; daher 
vielleicht Gjit und Dorf gedau, Kr. Heiligenbeil; indess wird dieses 
gedau in der Urkunde MhW. II. 522 jeydow genannt. 

gedete, jedete, nom. viri, Dush. III. 219. NPBl. 3. F. V. 300, dazu 
vielleicht Dorf gedaithen, Kr. AUenstein. --NPBl. a. F. IV 373. 377. 
werden die Personennamen gedete, gedaute, jode, jodite, jodute einer 
Conjectur zu Liebe mit einander identificirt (!). 

gedylgen, gydiligeyn campus.^ villa MhW. Z, gedilgen, Dorf im Kr. 
Braunsberg, unzweifelhaft zu gedilie^ nom. viri. NPBl. a. F. VI. ML 

gedune, jedun, nom. viri, Dusb. Ill 71. NPBl. 3. F. V 301. TcG. 17, 
daher Dorf geduhn-lauken Kr. Labiau. 

geduthe s. gedaute. 

geeyse, Reiher, Voc. 718 (litt, gersze, gensze, gerne, lett. dsehse). 

gegalis, der kleineTaucher, colymbus minor, Voc. 759 {lett gaigala, 
gaigalis, Taucher, litt, galgalas, Enterich, russ. gbgoV, anas clangula). 

geguse, Kukuk, Voc. 731 (litt, ge^e, gegu^e, lett. dsegguse). 

geide, 3. praes., sie warten, no, auf etwas, Ench.bO., gieide, erwartet 
49. (lett. gaidiht, kslav. zdati, Udati, kdati, russ. zdaf, o-Sidäf, warten, 
erwarten, harren ; litt, geidm, gelsti, gaidduti, lüstern sein, sich sehnen). 



— 45 — 

geyde, bei Gr, irrthümlich Gerste; es ist der Weizen, s. gaydis. 

geydowe, das Dorf geidau bei Fischhausen, NPBL VIII. 342; vgl. 
jeydow. 

geyserich s. geserich. 

geit'S, nom., Brot, Ench. 2S,geytye Voc. 339 (verschrieben einsgeytys?\ 
geytho Gr. — geitin, geitien, geitan acc, Ench. 23. 40. 41. 72 (Kat. L 
geittin, Kat. II geytien, geytiey) (Pott de ling. lett. nexu p. 55 
erkennt geits wieder in litt, pipzr-getis, Pfeffernuss, Pfefferkuchen; 
sonst vgl. kslav. russ. Mto, frumentum, poln. 0yto, böhm. ii^o, Getreide, 
Roggen). 

geytis, Huhn, Gr., s. gertis, gerta. 

geiwan^ geimn, geywas, geiwans, s. giwei, gywans. 

geJceritten campus, MhW. I, Dorf gegriUen Kr. Braunsberg. 

gelland s. galintcze. 

gelatynan, gelb, Voc. 464 (litt, geltas, geltonas, lett. dseltens, seitens, 
russ. ^elty'i, poln. 0oUy, kslav. Hütit, böhm. Muta). 

gelMneis s. gemneis. 

gelditen granicia. MhW. I. 

gelle-koUe, gelle-hollin, das Dorf kreJcoUen, Kr. Heilsberg. CdP. III. 
161. MhW. 11 526. 

[gfeZsa] gdso, Eisen, Voc. 522 (litt, gelem, geUls, lett. dsefee, kslav, 
hljezo, russ. zeljezo, poln. zelazo, böhm. hlezö). 

geltän (gältän) Prov., ein Gespenst, das häufig in den Volksmährchen 
genannt wird; es ist das litt, giltine, giltine, die Pest- oder Todes- 
göttin der Littauer; die Deutschen der Provinz deuten es jetzt 
missverständlich, als ob es plattdeutsch wäre, durch Gelb zahn. 

gem-ton, inf., gebähren, JEnch. 71. — gemmons (auch mit 6W-), gemmans 
(auch mit nauna-), part. act. in pass. Sinn: geboren 15. 16.80.91. 
93.95., einmal, 93, in activem Sinn: gemmans ast, hat geboren. — 
gimmicsin, acc. part. act. (mit ainan-). — gimton^ nom. part. pass, 
geboren (mil naunn-), geminton, acc. part. pass, (mit ainan-). (litt. 
gemü, g\mti, lett. dsemu, dsimt, geboren werden; litt, gammti, lett. 
dsemdeht, gebähren, zeugen; vgl. gennan, gannan, sanskr. gan)\ s. 
gimnis, gimsennien, und die Compos, mit ainan-, anters-, en-, et^, 
nauna-, per-, prei-. 

gemente lacus MhW. III 29 {CdP. IV 186 hat gemsrite). 

genna Gr., genno Voc. 188, nom., Weib, gennan, gannan, acc. sg. 
Ench. 10. 14. 68. 70. 71. 72. 73. 76. — gennas, gen. sg. 51. 70. — 
gennai, gannai, nom. pl, 59. 70. — gennans, gannans, acc. pl. 58. 
69. 70. — gennämans, dat. pl. 59 (sanskr. ganz, kslav. russ. zenä, poln. 
Iowa, goth. quino, griech. yvvij u. s. w., von sanskr. ^an, lat. gen- 
uit, griech. i-yev-ofAfp^ u. s. w.), s. gannan, gannikan u. das folg. 

gennenisJcan, acc, weiblich. Ench. 58. 

genix, Specht, Voc. 742 (litt, genp, lett. dsennis\ s. auch ayte^enis. 



— 46 — 

gentars, Bernstein, alte preuss. Bezeichnung, FBI XIV. (1835) S, 191. 
Pierson Elektron S. 48. ÄMS. VIL 595. IX, 180 (litt, gentdras, 
gintdras, lett. sihtars, sihters, dsinters, russ. jantär\ laus» jantar). 

gerb't, sprechen, JEnch, 45. 47. 49. 87 (auch mit prei-)^ gerbais, imp. 
sg , sprich, 74, gerbaiti, imp. pi., sprechet, 87 (litt, gärbinti, loben). 
s. auch prei-gerbt 

gerbaisa, (das) Beichten Gr, s. d. vor. 

gerdaut, sagen, JEnch. 67. gerdatvi, ich sage, 79. gerdam, gerdawie, 
er sagt, sie sagen (mit po- und prei-)\ gerdaus, imp., sage, 35. 37 
(auch mit en-) (sanskr. gard^ sonum edere) ; s. en-, po-, preingerdaut. 

gerdavia, gerdawen, s. girdaw. 

gerko, nom. viri, CdP. IL 40, daher gerkin (a. L. cierJcin) forum^ 
Dusb. III. 133., wohl Dorf görJcen Kr. Preuss. Eylau bei Dexen; 
vgl. auch Dorf gerkienen, Kr. Gerdauen. 

[gerta] gerto, Henne, Voc. 764. s. das folg. u. laiica-gerta. 

[gertas] gertis, Hahn, Wetterhahn, Foc. 203. 763., Gr.; auf einen 
a-Stamm, gertas, weiset das Fem. gerto, d. i. gerta, hin. Bei Gr. 
steht neben gertis in einer sonst guten Handschrift geytis, was aber 
wohl zu verwerfen ist, weil in den Handschriften r und y leicht 
verwechselt werden. 

gerthin aqua. MhW. II. 

gertistian, Küchlein, Voc. 765; vgl. eristian. 

gert'lauken campus, villa^ MhW. 11. Dorf im Kr. Labiau, „Hühnerfeld"? 

gerto-anax, Habicht, Voc. 713, nach Pott Beitr. VI. 116 wohl für 
gerto-wanags, Hühnerhabicht, entsprechend dem litt, unsjd-^aruigis; 
s. auch sperglorwanags und wanags, und ÄMS. VI. 319. 

gerwe, Kranich, Voc. 715. (litt, gerwe, lett. dsehrwe, böhm. gerzab, 
kslav. hraw^, zerawU, slov. ^erjaw, serb. 0era/w, russ. zwäw', mräwlt, 
poln. 0uraw\ zoraw'). 

gerzitten, gerzithen (nicht ger ziehen) mons. MhW. I. 

geserich lacus, Urk. von 1317, CdP. IL 95, der grösste der pomesa- 
nischen Seen, in Urkunden von 1327 und 1 334 ^e^sericÄ geschrieben. 
ÄMS. IX. 330. 332. 

geten, eine Art Gräber bei den heidnischen Preussen, ÄMS. IV. 156. 
VIIL 62; vgl. cappyn. 

gewelta, eine Furt in Sudauen, CdP. V. No. 86; vgl. gwalte-wesse. 

[gewin-t, arbeiten] gewinna, sie arbeiten. JEnch. 52. 53. 

geunneis, Knecht, Foc. 191, wörtlich Arbeiter, aus dem vor., mit einem 
dem litt, -'(ijas, -ejis entsprechenden Ableitungssuffix, daher wohl 
geunne-is zu sprechen, vgl. artoys, medies; der Schriftzug der Hand- 
schrift würde auch gestatten, das Wort gelbineis zu lesen und durch 
Helfer zu übersetzen, von galbt. Mit. gelbet% helfen; aber einerseits 
haben wir in den preussischen Ableitungen von galbt sonst nirgend 
den Umlaut e, wie er im litt, bei dieser Wurzel vorherrschend ist, 



— 47 — 

andererseits würde bei einer Herleitung von galbt die Ableitungs- 

sylbe 'in- sich nicht füglich erklären lassen. 
gidan, acc, Schande, Scham, Ench.2b (litt, gcda); vgl. ni-gidings, 
gidatd, inf., gydi, 3. sg. opt., nur mit sen-, s. d. 
gydüigeyn s. gedylgen. 
gidings zu gidan, s. ni-gidings. 
giiide s. gfewfe. 
gübede, gilben, gühes, gilMng, gilwe lams. MhW, IL CdP. IL 36 flgg. 

s. güme. 
güde-stäbs, güdi-stabe locus, AMS. VIL 305; s. stabis, Stein; der 

erste Theil ist vielleicht identisch mit galda, vermittelt durch litt. 

gelda, gelde, Mulde, so dass die Bezeichnung gilde-stabs, Muldenstein, 

von der Form hergenommen wäre, wie bei umpna, tamus-galwo, 
gile, Eichel, Voc. 591. (litt, gtle, lett. sihle, in den slav. Sprachen 

mit Zusatz von nd^ kslav. hlqßi, russ. 'kel^^d\ poln. Isolqdz), 
gülin, acc, tief, Ench. 68. (litt, gilüs, lett. dsilsch m., dsilla f.). 
gilme, gilmen locus, MhW. IL identisch mit güwe, gilbede^ gilben, 
gilwe s. gilbede, gilben. 

gim-ton, acc. part, pass., s. gem-ton, nauna-gimton. 
gimmans, acc. pl., s. per-gimmans. 
gyme, gymen locus. CdP. IV. 186. MhW. III. 29. 67. 
gymmer locus. MhW. IL 
gimnis, gen., s. mit per- und mit prei-. 
gimsonnien (mit et-)^ gimsenin, gimsennien (auch mit onters-)^ acc, 

Geburt, Ench. 30, s. gem-ton. 
gimmusin, acc. part, act., (mit oinan-)^ s. geni-ton. 
ginneunngiskan, acc. adv., freundlich, Ench. 80. 
ginnetoings, noni., freundlich, Ench. 50. 
ginnis, voc. pl., ginnins, acc. pl., Freunde, Ench. 23. 80. 88; vgl. 

milas ginnis s.- v. mil-s und gyny, voc sg., AMS. VIL 594 (litt. 

ginü, gmti, hüten, beschützen, ginejos, Beschützer). 
ginniskan, acc, Freundschaft, iJwcA. 89. 

gyntos, Gr. in der Verbindung dyrsos gyntos, from man (zu gyntos 
ist vielleicht litt, gentls, Verwandter, zu vergleichen). 

gir-twei, loben, Ench. 14, girrimoi, wir loben, 2. (litt, ^mw, gfir^i, 
loben, rühmen, sanskr. grinämi, ich preise, singe, gir, giro, Stimme, 
Lied, Loblied) ; s. girrien, girsnan. 

gtrbin, acc, Zahl, Ench. 86. 

girdow, girdawe, nom. viri, daher girdaw, girdawia, gerdovia, gerdawen^ 
girdouge castrum. Dusb. III. 113. 360. Vossberg Münzen S. 44. 
AMS: X. 84. Schloss und Stadt Gerdauen. 

girrien, acc, s. po-^irrien. 

gyrme, Urk. v. 1258, NPBl. VIIL 344, girmow, gyrmow, Urk. v. 1330. 



— 48 — 

AMS. Vir 297. 299. 300. Dusb, UI. 68, das Kirchdorf, ehemal. 

Kammeramt germau, Kr. FischhauseiL 
girrnis. Made, Voc, 786. (litt Jtirmis, kimiinas, iirmele, Wurm, Made, 

lett. zimiis, zirminsch. Worm im Obst und Getreide, sanskr. hrimiy 

lat. vermis, goth. vaurms ; die slav. Sprachen haben ir für m, kslay. 

czrlici, russ. poln. czerw\ böhm. czenc). 
girnoywis (quimej, Quirl, Handmühle, Voc, 317 (litt ginws, lett 

dsima, dsinius, dsiniaica, poln. zama, russ. zenwica, kslav. zrünüicu, 

böhm. zemow, goth. quaimus, ahd. ^»m). 
girsnan, acc., Lob, £ll^/^. 57. 66, auch in üblem Sinne tcargan girsnan, 

bösen Leumund, 8. s. gir-tupei, po^irsnan, po-girschnan. 
gifieniten, girtinytin, Ortname in Samland. AMS. VIL 297. 
[jfisla] gislo, Ader, Voc. in pette-gisla s. d. (litt, gysla, lett. dsiksle, 

dsihgsle, in den slav. Sprachen ohne s, kslav. russ. zila, poln. zyla, 

böhm. ^J^). 
gywans, geitaans, acc. pL, die Lebenden, die Lebendigen, Ench. 

15. 91; vgl. gallans; s. ^iiri-^. 
giwantei, dat. adv , s. unter giun-t. 
[gitoatä] giwato, das Leben, Foc. 152 (litt gywata, kslav. iwfi^ö), 

s. ^Jii^e*. 
^'M7€ji, nom., das Leben, Ench, 42, giwan, gywan, gywin, geiican, acc. 

17. 18. 46. 56. 80. 86 u. öfter (KcU. L geiwin, Kat IL geywien); 

giwas, gywis, geytcas, gen. 14, 30. 58. 88, s. giwi-t. 
giwirt, leben, Ench. 16 (als 1. sg. praes. gebraucht; es ist wohl ein 

Hilfsverbum ausgefallen); giwantei, dat. sg. part, praes., adv., lebendig 

64., giwassi, giwasi, gium, du lebst, 4. 50. 60. 72, giwa, gvwe, er 

lebt, 16. 20. 31. 49. 64., giwammai, giwemmai, wir leben, 6. 20. 21. 

(litt, g^was, lebendig, gywata, Leben, gytvoti, noch am Leben sein, 

lett. dsihwökt, kslav. ziwq, ziti, russ. zitüü, zif, poln. zywic, leben 

u. 8. w.); s. die vor. 
{ßlabü-t, umarmen], glabü 3. aor. (mit ^); s. po-glabüt (litt gMbti, 

glöboti, umarmen). 
gland-s, nom., Trost, Ench. 73 (vgl. wieüeicht k&\aiY,gladiti,laevigare, 

russ. glädif, poln. gladzic, glätten, Flecken tilgen) s. AMS. TIL 592. 
glande, nom. viri, NFBl. a, F. VL 173. Dmb. LH 89, daher die 

Dörfer und Vorwerke glandau, Kr. Preuss. Eylau, glanden, Kr. Brauns- 
berg, Mohrungen, Osterode. 
glandemngei, adv., getrost, Ench. 19. 
glandin-t, trösten, Ench. 39. 
glappo, nom. viri, capitaneus Warmiensium, Dusb. III. 136; glapponis mons, 

noch zu Dusburg's Zeit üblicher Name eines Hügels in Königsberg 

auf welchem 1272 besagter glappo gehängt worden ist; es ist der 

heutige Rollberg. SrP. I. 118. 
Ißlassa] glasso, Glas, Gr. German. 



— 49 — 

glausote moter, samländischer Ortname, Urk. v. 1258, NPBl. F/ZX 342. 

[ßlawa] glawo, Haupt, Kopf, Voc. 68; vgl. gallü, galwa, gallo, 

glebisken, glmviske campus. MhW. I. (litt, glemhü, glebti, schlüpfrig sein). 

glenptene, Strichbrett am Pfluge, das den abgeschnittenen Erd- 
streifen umwendet. Voc. 247. 

globte, glqpte, s. ah-glopte. 

globune, nom. viri, NPBL a. F. VI. 173, daher Dorf globunen Kr. 
Preuss. Eylau 

[iglodana], glodano, Blindschleiche; so ist im Voc. 778 wahrschein- 

- lieh zu lesen für glosano, das dort steht (vgl. litt, glodenä, gludenä, 
lett. glohdens, vielleicht zu litt, gludas, glüdnas, glatt). 

glode paliis. CdP. II. 36 flgg. 

glockstein lacus, MhW. II., auch knogstein, wohl schwerlich mit dem 
deutschen Element -stein gebildet ; es liegt wohl vielmehr die preuss. 
Endung -eine, -aine, -ayne vor. 

glomsd, gloms, f. Prov.^ verhochdeutscht glumse, Quark, Käsebrei, 
die käsigen Theile der Milch, die nach Absonderung der Molken 
zurückbleiben (poln. glomzda); s. AMS. VIII. 64 s. v. dwarg^ 
und ebend. S. 678. 

glopte s. ap-glqpte. 

{ßlosana] glosano, Blindschleiche, s. glodana. 

glossis, Haarweide, Korbweide, salix rosmarinifolia, Voc. 604 
(litt, glüsnis, der gemeine Weidenbaum, salix alba). 

\glosta'\ glosto, Wetzstein, Voc. 373 (litt, galqstuwas von galändu, 
galqsti, wetzen, lett. gallods, Wetzstein ; desselben Stammes ist wohl 
litt, glöstyti, lett. glahstiht, streicheln). 

gloUovia territorium Warmiensc, Dusb. III. 275. 360, darin Guttstadt 
liegt, das heutige Kirchdorf glottau. 

glumbe, Hinde, Hirschkuh, Voc. 652 (vgl. litt, glümas, glümzas, 
hornlos, während der Hirsch, ragingis, specifisch der Gehörnte heisst) 
vgl. Pierson VU. 580. 

gnäb'Sem, Hanf, Gr., nach Pott Beitr. VI. 113 wohl eigentlich ein 
Compositum aus gnab = knapios, Hanf, und semen, s. d., also Hanf- 
samen; aber zwei Handschriften des Gr. lesen resp. gnäb-som, 
gnab-son. 

flfnCfecÄ,JRr(w., zornig, heftig, malitiös (wahrscheinlich im gmwtsch, 
von kslav. gnjetvU, russ. gnjew, poln. gniew, Zorn, Grimm, kslav. 
gnjewati sq, russ. gnjewät sja, zürnen); so in Westpreussen; in Sam- 
land undNatangen istgnitsch nicht zornig, sondern still malitiös, 
hinterrücks feindselig, in Handel und Wandel benachtheiligend, 
adjectivisch so ungefähr dasselbe, was das folg. substantivisch ist; 
(auch in Meklenburg bekannt, wohl ebenfalls aus slav. Quelle). 

gniwJce, m. Prov., ein Mensch, der in rücksichtsloser malitiöser Weise, 
nur auf seinen Vortheil bedacht, Andere zu beeinträchtigen und 

Nesselmann, Thesaurus. 4 



— 50 - 

Alles an sich zu raffen trachtet und versteht ; der Begriff des slav. gniew, 
Zorn, Grimm, hätte sich demnach in den der Bosheit modificirt, ähnlich 
wie in dem litt, gnetvyti, Einen kränken, ihm einen Possen spielen. 

gnode, Teigtrog, Backtrog, Voc. 338 (poln. gniotq, gniesc, kneten, 
kslav. gnetq, gnesti, russ. gnetü, gnesü, comprimere, drücken), s. Pott 
Beitr. VI. 113. 

gnüsel, Prov,, gleich gnüschke s. d. 

gnüschke, Prov,, ein kleiner, im Wachsthum verkümmerter, auch ein 
träger phlegmatischer Mensch, HennigSS. AMS. VIL 595. VIIL 
678 (poln. gnusny, faul, träge, gnusnik, Faulenzer; diese Bedeutung 
scheint im preussischen sich vermengt zu haben mit kslav. gnv^inu, 
russ. gnüsnyi, hässlich, ekelhaft, kslav. gnusü, gnust, russ. gnus\ 
Hässlichkeit, kslav. gnusiti, dbominari; auch gehört zu letzterer Be- 
deutung wohl litt, gnüsas, russ. gnus\ slov. gnus, Ungeziefer). 

gohis, Gut in Pomesanien. SrP. L 56. 

gobrio, gen. gobrionis, Dusb, JJJ. 111. 355., ghobar, chohar, ib. 144, gubyr 
vadum, AMS. X. 83 Fluss in Barten, die Guber {Bush. HL 114 
gobonis, gen., fehlerhaft). 

göbuns s. gubons, 

goducke, jodtmi, Dusb. IIL 76. 362, godeko, CdP, IL 11., nom. viri, daher 
Dorf godocken Kr. Rastenburg. 

golentz, in einer Urkunde von 1255, CdP, L No. 102, TcG, 21, die 
Landschaft Galindien, s. galanda. 

goUmban, blau, Foc, 462. (russ. göluVn), vgl. AMS. VIL, 580. VLLL. 363. 

golind s. galind. 

golis^ der Tod, Voc. 168, s. gallan, 

goluba castrum, Dusb.LLL 268.279, AMS, FIT. 304, die Stadt Go 11 üb. 

[gora] goro (vuerstant), Voc, 42; die richtige Erklänmg dieses Wortes 
giebt wohl Pierson AMS. FJJJ. 363 nach Prätorius Schaubühne 
IV. 76, woselbst es heisst : „Hiebey (nämlich wenn die Frauen Abends 
das Feuer verscharren) ist zu wissen, dass in Nadrauen die Leute 
ein sonderliches Loch auffm Herde halten, worinn sie das Feuer ein- 
scharren, und wenn ein solch eingescharrtes Feuer aussgegangen und 
man den folgenden Tag kein Feuer in dem Loch auf dem Herde 
findet, halten sie es vor ein böses Zeichen." Dieses Loch auf dem 
Herde wird es wohl sein, was im Voc. unter goro, deutsch vuerstant, 
verstanden wird; vgl. gorme. 

gorin lacus, CdP. IL 36 im Kr. Rosenberg, bei dem heutigen Dorfe 
guringen, TcG. 124. 

gorme, Hitze, Voc. 41 (sanskr. gharma, dass., kslav. gorjeti, ardere, 
grjeti, calefacere, russ. gorjef, poln. gorq, gorzec, brennen, lett. gars, 
Hitze) vgl. garrewingi, 

gosen, ein Dreck, Gr. (litt, gum, nach Ruhig und Mielke ein Haufen 
Ungeziefer). Pierson VIL 591. 



— 51 — 

grahis, Berg, Voc. 28, ganz vereinzelt stehende Form, sonst überall, 

unzähligemal in Urkunden, garbis, garbs, garhe u. s. w. (sanskr. 

grävan, Berg, kslav. griihvt, dorsum, russ. gorh\ bölim. hrb, Buckel, 

Höcker; in der Bedeutung Berg in den slav. Sprachen ohne &, kslav. 

russ. gorä u. s. w.). 
grabis, Hagebuche, Spindelbuche, s. in wosi-grabis. 
grabisco, Ortnarae in Poraesanien, CdP, IL 36 flgg. 
grabwe, Rippe, Voc. 121: vielleicht steht in der Handschrift grabwe 

für grawwe, grauwe; vgl. grauwus und greiwa-JcauUn, 
gramboale (webil), Käfer, Korn wurm, Voc, 781. 
gramme, grammer lacus MhW> IIL 29. 67. CdP. IV. 186. Hennen b. 

H. 12. 
grandan, acc, Bräutigam, Ench. 74 (kslav. grqdq, grqsti, venire, 

grqdq-szPt, veniens, futurus, der Zukünftige). 
grande, nom. viri, NPliL 3. F. V. 301, daher grande-lauke, grande- 

lauJcen nemus, locus, MhW. IL 119 (a. L. gande-lawken wohl 

fehlerhaft). 
[grandica] grandico, Bohle, dickes Brett, Voc. 632 (litt, granda, grinda, 

grindts. Gebrücke, Bohlenbelag im Stalle, lett. grihds, dass., kslav. 

grqda, grqdU, trabs, russ. grjada, tabulatum, stratum, auch Gartenbeet). 

grandis, Ring, Grindelring am Pfluge, der den Pflugbaum mit dem 
Vordergestell verbindet, Voc. 251; bei der Ausgabe des Voc. hatte 
ich fälschlich graudis gelesen (litt, grandis, f., Ring, Reifen, Armband). 

granstis (nebiger) Bohrer, Nagelbohrer, Voc. 535 (litt, grqsztas, 
Bohrer, von gr^sdi, drehen, bohren; lett. greesnis, Drillbohrer, ^reescī*, 
greest, drehen). 

granwus s. gratuvus. 

grase-lauJcen, -lauhe, crase-lauhen, GDK. I 71. 135. CdP. IL 126, 
Name eines Dorfes, dessen Lage der des heutigen kreislachen Kr. 
Fischhausen, zur Kirche Heiligenkreuz, entspricht. 

grasuni campus MhW. I. 

grauden, grawden, m., Benennung einer Art von Wäldern, deren charak- 
teristisches Merkmal nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann; 
der Ausdruck kommt häufig vor in den Wegeberichten des Ordens- 
archivs, s. SrP. II. p. 665 flgg., auch in der Chronik des Wig and 
von Marburg, ebend. S. 509, und in der Reimchronik des Peter 
Suchen Wirt, ebend. S. 167 Vers 473 („ein wildnuss haizt der 
grauden''); an vielen Stellen, so auch an der letztangeführten, ist 
deutlich eine bewaldete Sumpffläche so benannt worden, doch er- 
scheinen auch hin und wieder gute oder gut steende grauden, durch 
welche ein trockner guter Weg führt. In einer Verschreibung von 
1284, MhW. I. 112 wird im Ermlande ein campus graude gensinnt; 

auch auf littauischem Terrain, im Kr. Ragnit, findet sich ein Gut 

4* 



— 52 — 

grauden, und noch östlicher in russisch Littauen ein territorium 
pchgrauda. Bush. III. 259. 289. 311. Vgl. ÄMS. VIIL 62. 

[jgraiidi-t mit en-, erbarmen] ^raweZ^s (mit ew-), imp. sg. (litt gratidüs, 
wehmüthig; kläglich, zu Herzen gehend; graudzü, graüsti, weh- 
müthig sein). 

graudis s. grandis, 

gratidlsnan s. en-graudtsnan. 

graudvwings s. en-graudimngs. 

gramous (gramrns?) Seite des Körpers, Voc. 120; vgl. grdbwe, 

grawyne, Tunkbrett (Dungbrett ?), bewegliches Seitenbrett im Bretter- 
wagen, Voc. 304; etwa zu grauwm, Seite? vgl. Pierson VII. 580. 

greanste (greatiste) (mtte)^ Strick von zusammengedrehten Reisern, 
Voc. 305 (litt, grqziü, grqszti, lett. greeschu, greest, drehen, litt. 
grisztCj Wickel, zusammengedrehtes Flachsbündel, gr{szt\ne wirwe, 
gedrehter Strick). Pierson VII. 581. Pauli Beitr. VII. 168. 

grehyn, Burg zur Comturei Balga, unbestimmt. TcG. 206, 

grebowe, grehow, greybow, das Mühlengut greibau zu Wargen, Kr. Fisch- 
hausen. NPBl. VIIL 346. ÄMS. VII. 294. 

grmoa-Jcaulin, acc. sg. und gen. pl., Rippe, Ench. 68; trotz der 
starken Vocalverschiebung vgl. grabwe (grauwc) Rippe, grarjmus, 
Seite, also greiwa-haulin, Seitenknochen; (dem analog gebildet sind 
litt. szon-Tcaulis, lett. sdhn-Jcauls, Seitenknochen, Rippe) vgl. kauian. 

grehoy, Sünde, 6rr., grecon, grekun, gen. pl., Kat. L; s. griJcan, 

gremsle (nasczule) Nasensäule, d. i. Nasenknorpel, Voc. 87 (es steht 
daselbst zwar deutlich gremsde, aber litt. kremsU, kramsle empfiehlt 
die Correctur in gremsle). 

grensings, nom., beissig, Ench.bl (ksisLW. grUizq, grUisti und gruizjq, 
gruizatij russ. gryzu, gryst\ beissen, litt, greziu, greszti, lett. graisiht, 
greest, mit den Zähnen knirschen, litt, griduziu, griduszti, nagen). 

griJcan, grykan, acc., grikas, gen., griku, dat. sg., griJcai, nom. pl., 
grtkans, gryhans, acc. pL, griJcan, grykan, gen. pl. (Kat. II. griquan, 
Kat. I. grecon, grekun), Sünde, Ench. 11. 17. 29. 32. 33. 41. 42. 
46. 81. 83 und oft (litt, gr'ekas, lett. grehks, kslav. grjechu, russ. 
grjech, poln. grzech, böhm, hrjch) vgl. grekoy. 

grikau-t, beichten, Ench. 32. 33. 35 (litt, grekäuti). 

grikausna, nom., grikausnan, acc, die Beichte, Ench. 32.35. 37. 39. 

grikken, Prov., Buchweizen (litt, grlkai, lett. grikki, poln. gryka); 
daher grikken-mehl ; vgl. gritschan. 

grikenix, nom., grtkenikan, acc., Sünder, Ench. 35. 38. 

[grtkirt^ sündigen] grtkimai, wir sündigen, Ench, 24, sien grtki-si, 
sie versündigen sich (mit doppeltem Reflexivausdruck) 24. (lett. 
grehköht, litt, greszyti, kslav. grjesziti, russ. grjeszlf, poln. grzeszyc; 
das litt, hat das Verbum erst später aus dem slav. entlehnt, nach- 
dem das ursprüngliche k bereits in sz übergegangen war). 



— 53 — 

{jgrim, Wurzel in der Bedeutung singen] grtmons, part, act., nach 

dem deutschen imperativisch gebraucht: gesungen! Euch, 46; vgl. 

en-migguns, gubas, (kslav. grimati, sonare, griptanije, strepitm); s. 

das folg. 
grimikan, acc, Lied, wohl Dimin. Liedchen. Ench. 46. 
grinds s. pa-grimis. 

grynsse (grynsze?) nom. loci et paludis, ÄMS. VII. 308. 
griselanos fluvim, Nebenfluss der Drewenz, CdP. II. 53, später grisla 

genannt, TcG. 120. 
gritegrucz granida MhW. IL 
gritschan, gritmn, Prov,, ein Kuchen von Buch Weizenmehl, (poln. gryczak, 

grycmnehj von gryhij gryczka, Buchweizen, grycmny, von Buchweizen 

gemacht; russ. grecza, grecdcha, Buchweizen). Hennig 91; vgl. 

grikken. 
grobene, das heutige Gut gruhno im Kr. Kulm. TcG. 168. 
gröbis, Darm, Voc, 129 (litt, grobas). Burda VL 402. 
grodd, Prov,, bröckelig, auch substant. gebraucht. Zerbröckeltes, 

Brocken. Hennig 90. Pierson AMS. VII. 595; man sagt z. B. 

Leinewand, Bindfaden reisst wie grodd. (litt, graudüs, spröde, leicht 

brechend, wie Eis; litt, grudas, poln. kslav. gruda, gefrorener Erdkloss). 
grock,groch, Prov., die Rohrdommel, s. AMS.VIII. 678 (litt, griqju, 

griöti, krächzen, schelten, poln. gruchac, girren, sich hören lassen). 
grosis. Reif, gefrorener Thau, Voc. 58. 
gm, Prov., (an der kurischen Nehrung), der Fisch Sand aal, auch 

Kahlbart genannt, ammodytes tobianus (litt, grüi^nas, kahl, gruirnys, 

Kahlkopf), s. auch suter AMS. VIIL 679. 
grudentz, grtidencz, Dusb. III. 187, graudenc, Vossberg Münzen 

S. 37, grudzanz, TcG. 9, die Stadt Graudenz. 
grumins (dunreyn), leiser femer Donner, Voc. 51 ; es grummelt, Prov., 

es donnert von fern (litt, grumenti, leise donnern, grollen, kslav. 

grUmjeti, donnern, gromU, russ. poln. grom, Donner); s. Pierson 

Vn. 581. 
grundalis (grundel) Gründling, ein Fisch, cyprinus gobio, Voc. 578 

(litt, gründelis, gründulis). 
gründe campus MhW. /., vgl. Dorf grund Kr. Heiligenbeil. 
gnmow, Kirchdorf grwnau zwischen Braunsberg und Heiligenbeil, 

MhW. IL 521. 
gruntari, acc, Grund, Ench. 78 (derselbe Germ, auch in den halt. 

und slav. Sprachen). 
grunt-pomrpun, -pomrpingin, acc, grundlos, Ench. 76. 86, s. po-wirps. 
\3ub-t, gehen, mit per-, kommen] gübons, gübans, gubas, part, act., 

gegangen seiend, unsairgübons, aufgefahren (gen Himmel), Ench. 15. 

91 (Kat. L gobuns); gubas 46. imperativisch gebraucht: gegangen! 

wie grtmons, en-migguns; s. per-güb-t 



— 54 — 

guter, Nebenfluss der Alle, MhW. L IIL, in AMS^ X. 83 gtihyr, bei 

Dusb, gobrio, ghohar, chöbar, s. d. 
guhbus s. did-gubim, 
[ßüdas] gudde, Prov., gemeiner zerlumpter Mensch: er ist ein rechter 

gudde. Hennig 91 (litt, giidai, die poln. Holzflösser, Flossknechte, 

in Tilsit, Memel; über die umfassende Bedeutung, welche Pierson 

dem Namen güdai giebt, s. dessen Elektron). 
giiMe, Busch, Gebüsch, Voc, 587; vgl. die Ortnamen gud-lacken, 

gttdnicJc, gudnichen und den Namen des Waldes lattde-, leväe-gvidien 

(vielleicht steckt dasselbe Element in litt. gitd-harUis, Salweide, und 

güd-notere, eine Nesselart). Pierson VII, 581. 
gudehus campus, MhW, IL IIL 
gulbis, Schwan, Voc, 717 (litt, gülbis, gülbCy lett. gulbis)\ hieher der 

Name des Gutes gulbien im Kr. Rosenberg, und vielleicht golbitten, 

zwei Dörfer, im Kr. Preuss. Holland und Mehrungen, jedoch kann 

gulbe auch Personenname geworden sein , ähnlich wie tolk s. d. 
gulsennin, gulsennien, acc, Schmerz, Euch 71. 
gumule, gummel s. hummel, 
gun-twei, führen, treiben, Ench, 51, gunnimai, wir führen, treiben 

(Abgötterei) 2. (litt, guinii, güiti, lett. dsennu, dsiht, kslav, 0enq, 

gnati, und gonjq, goniti, russ. gnaf, gonjät, poln. gonic, treiben, 

jagen) s. AMS. VII. 592. 
gundeynis s. guntho. 
gundow castrum im Territorium Wohnsdorf, Busb. III 75, das heutige 

Dorf gundau Kr. Wehlau. 
gun-lauke terra, gun-lauken, gune-lauhen villa, MhW, IL III AMS, 

III 635. Territorium in Galindien um Wartenburg. TcG. 29. 
gunsix, Beule, Spur eines Stosses oder Schlages, Voc, 162 (litt, ^w^as, 

Knorren, Geschwulst, Beule; Kurschat schreibt güms; poln. gm), 
guntho (guncho?), nom. viri, CdP, II 170; daher guntein, guntieynis, 

gundeynis villa, CdP. IL 51, GDK, L 62, AMS, VLL 304, das 

Gut guntehnen. Kr. Königsberg; vgl. auch gunten, Vorw. im Kr. 

Preuss. Eylau und gunthen, Dorf im Kr. Rosenberg. 
gurdiatygien pratum, MhW, L. 
gurtns, nom. sg., gurynai, nom. pl., gurinans, acc. pl., arm, Ench.db. 

80. 81. 
gurcle, Gurgel, Voc. 97 (litt, gurkl^s, gerkle, lett. obsol. gerkle; die 

slav. Sprachen mit Verlust des k, kslav. grulo, russ. gorlo, poln. garlo, 

böhm. hrdlo). 
gwalte-wesse pratum in Samland. AlMS. VII. 308 ; vgl. gewelta. 



— 55 — 

H. 

haese, in Kat IL für esse, von, s. d. 

Imltnyha s. maltnyka, 

hest, in Kat. IL für ast, ist, s. Wurzel as. 

Mfftmannin, ace, Hauptmann. Ench. 57. 

honeda, das Gebiet huntau bei Brandenburg, nicht alter Name von 

ftaZ^a, wie vielfach angegeben wird. NPBl. a. F. V. 323; vgl. 

wuntenowe. 
humrnel, Prov., Kuh ohne oder mit nur einem Horn (litt, gumul'e, dass., 

poln. gomoly, hornlos, litt, durch Metathesis glümas, daher wird auch 

wohl im preuss. ein Wort gummel, gummule, von den Deutschen 

hummel gesprochen, existirt haben). 
humula, das Flüsschen himmel bei Elbing. MhW. J. 91. 



i. 

[id, Verbalwurzel] davon ts4,is'twei, is4we, inf. essen, JEnch. 40. 72, 
auch substant. gebraucht, das Essen, 14. 23. 43, selbst im dat. 
istai 43. — iduns, part, act., assd, du hast gegessen 72. — ideiti, 
idaiti, imp. pl, esset 41. 52 (Kat. L. edeitte, Kat LI ydieyti) (litt. 
edUy alt edmi, esti, lett. ehdu, ehst, kslav. jami, jasti (für jadmi, 
daher jad^, Speise), russ. edäf, poln. jadac, sansk. ad, lat. ed^re, 
goth. itan u. s. w.); s. tdis. 

idis, nom., Idtm, acc, idai, nom. pl., das Essen; die Speise. Ench. 
41. 42. 43. 50 (Kat L eden, Kat IL ydi). 

ikai, ickai, conj., wann, ob. Ench. 25. 29. 66, vielleicht auch ver- 
kürzt ik, s. i-qtm. 

iccroy, Wade, Voc. 142. wohl pl. {ittroy in der Ausg. des Voc. ist 
fehlerhaft) (lett. ikkri, russ. ikry, poln. ikra, sämmtlich Plurale). 
Pauli Beitr. VII. 177. 

irqim tu, Ench. 45. 47, conditionaler Zwischensatz, willst du, d. i. 
wenn du willst, graphisch contrahirt aus ik qum tu^ s. ikai und quoit. 

\yla'\ ylo, Ahle, Pfriem, Voc. 510 (litt, ylä, lett. ihlens)\ daher 
vielleicht, etwa als Spottname, die Dörfer ilnicken, Kr. Fischhausen, 
ilischken, Kr. Wehlau, wohl auch, von seiner Gestalt benannt, das 
Ackerstück illau, NPBl XL. 74. 

ilant0 lacus, CdP. LL. 95, bei Preuss. Eylau. 

ilaw, ilavia, ylavia^ Eylau, sowohl Preuss. Eylau, MhW. LL. 519. 
AMS. LT. 513, als auch Deutsch Eylau, CdP. LL. 95, Vossberg 
Münzen 38. 

ilfing s. elbing. 



— 56 — 

üga, ilgi, adv. lange, Ench. 460 (litt. Ugas^ lett. ügs, lang; vgl. 
Schleicher Kirchenslav. S 40); s. kurilgimai, sturügimi und zum 
Theil die folg. Namen. 

ylga locus, SrP. IL 194, 

ylga-sil silva, SrP. IL 674 s. syla, „die lange Heide". 

ilge, ylgen locus. MhW. LL. 

ilgenif, See bei Olezko. Hennenb. IL 12. 

ilgen-pelke, nom. poludis, ÄMS. VLL. 308. 317; s, pclky, „der lange 
Bruch". 

ilgi locus, SrP. IL 194. 

ilgimai, ilgimi, s. mit kur und stur. 

ilginiki locus, SrP. IL 194. 

ylgone locus, MhW. LH. 29. 67. CdP. IV. 186. 

Uing, Prov,, Windsbraut, plötzlicher heftiger Windstoss (Litt ylingis, 
^linge; aber auch schwed. il, ilning). 

ilinis s. ilmis. 

ylme rivulus, MhW. II 525. CdP. III. 16l,Nebenfluss der Alle, jetzt 
auch elm genannt; vgl. elme. 

ümis oder ilinis (nur auf dem letzten Strich vor dem s steht ein 
i-Zeichen) (hork) Scheune ohne Wände, aus einem auf vier Pfählen 
ruhenden Dache bestehend, zum Aufbewahren von Stroh u. dergl., 
Voc. 234; vgl. colene^ steege. 

ylmune fluvius, MhW. I. 

imrt, im-ton (auch mit ew-), nehmen, vornehmen, Ench. 66. — 
immans (mit ew-), immusis,'pzxi. act., vnrstoi^ ihr werdet nehmen 84. — 
imts (mit en-, on-\ part, pass., m., imto, f., genommen 68. — imma^ 
ich nehme 74. — immoi (mit en\ er nimmt; — immo, er nahm 41. — 
immimai (auch mit en-) wir nehmen 7. 49. — immoti, ihr nehmet 82. 
— immots, aor., er nahm 41. 68 (Ko^. I. ymmits, jmmitz, Kot. II. 
ymmeits, ymmeyts). — imloi, opt., er nehme 26. — imois, immds, 
imp. sg., nimm 37. 84 (Gr. ymoys); imaiti, immaiti, imp. pl., nehmet 
41 (Ka;t. L ymeity, jmmoiUy, Kot. IL ymait% ymmayti) (litt. imÄ, 
\mti, kslav. imq, jqti und imojq, imoti, jemojq, jemoti, russ. imjeju, 
imjef, poln. imom, imoc und jqc, lett. 1^emmu, nemt (von Manchen 
jemt gesprochen), nehmen ; lat* em-ere, goth. niman, ahd. neman). 

immeurings s. en4mmewingi. 

indisse, indissie locus. CdP. IV. 186. MhW. III. 29. 67. 

inoccze, Niere, Voc. 128 (litt, inkstos, lett. ihkstis). 

inson, acc, kurz, Ench. 35 (lett. ihss, m., ihso, f.) 

instixs, Daumen, Voc. 114 (litt, n^ksjstis, lett. ihkschkis). 

instran (justron?) Schmeer, Voc. 133; vgl. mynsis. 

instrud, instrut,deY Fluss Inster GDK. L 97. CdP. III. 93. MhW.L 
(litt, i&rä, die Inster, ^rutts, Insterburg). 



— 57 — 

• 

insums, Zunge, Voc. 94 (das preuss. Wort stimmt im Anlaut zu den 
slav. Sprachen, kslav. jq^üiM, poln. jqisyJc, russ. ja^t/k, böhm. gaisyJc, 
im Bildungssuffix zu dem litt, lezüms; das im litt, anlautende l 
scheint radical und erst im slav. zu j erweicht worden zu sein ; vgl. 
litt, l'eziü, leszti, auch laiSaü, laizpi, lett. laisiht, kslav. lizati, russ. 
liisät\ poln. lizac, sanskr. lih, lat. lingere, goth. laigon, ahd. lechon, 
lecken, lat. lingua; vgl. auch Miklos. rad. p. 111 unten). 

inwis (iwenbom), Eibenbaum, Taxus, Voc. 599. 

ir, conj., und, auch, nur einmal, Ench. 76: ir prei stan, und dazu, 
und ausserdem, (litt, ir, und, auch). 

yrorgarbis montimlus, ÄMS. VIL 302. 313 (fehlerhafte Varianten 
yre^aps, miegarbs) s. garhis. 

irbhe, praep., ohne, Ench. 21 (litt, irbo, irbu, in russ. Littauen üblich), 

irmo, Arm, Oberarm, Voc. 109, wahrscheinlich neutraler -ew- Stamm, 
so dass das o der Endung dem litt. Nominat. auf -4 entspricht. 
Pauli Beitr. VII. 164. (poln. ramiq, böhm. rameno, serb. ramo, rame, 
Arm, kslav. ramo, ramq, russ. ramo, Schulter, Achsel, litt, ri/myti, 
r^moti, sich auf den Arm, auf den Ellenbogen stützen; goth. arms, 
ahd. aram, lat. armus). 

yrce-, irczc-kapinis, ird-capinis^ nom. loci, ÄMS. VIL 303. 3 1 4 (fehler- 
hafte Varianten irte-kapinis, ird-capinis) ; s. kapinis. 

is, praep., aus, m. d. Acc. u. Dat., Ench. 14. 18 u. oft. istesmu für 
is stesmu, daraus, Kat IL ; auch Verbalpräposition (litt, isz, lett. is, 
kslav. izU, russ. iz, poln. z, ze). 

is-arwis, is-artoi, nur mit Neg. ni-is-arwis, -arm s. d. 

is-armshis, nom., wahrhaft, wirklich. Ench. 16, is-artoiskai, adv., 
treulich 96. 

iS'dsennien, acc., Ausgang, Ench. 87; s. eir-t, eisannien. 

isldaitints s. is-sklaitints. 

is-quendau, adv., woher, Ench. 15. s. quei, quendau, stwendau. 

[iS'laikut, erhalten] is-laiküuns, part, act., assai, du hast erhalten, 
gerettet, EncJi. 85, is-laiku, du erhältst, m. d. gen., kai tu twaias 
klrkis etntwingiskai islaiku, dass du deine Kirche gnädiglich erhältst 
oder erhaltest, 14. s. laikvrt. 

\iS'lt-t, ausgiessen] is-ßwws, part, act., ast, er hat ausgegossen, Ench. 
30. s. li't. 

is-maitint, verlieren, Ench. 80, fälschlich als part. pass, gebraucht; 
is-maitinton, acc. sg. part, pass., verloren 16. s. maitint 

[is-mig-t, entschlafen] is-mige, er entschlief, schlief ein; Ench. 68; 
s. mig-t. 

is-mvkint, erlernen, Ench. Titel, s. mukint. 

iss-pres-tun, inf., verstehen. Ench. 80. s. pret, prestun (dieses und 
die folgg. sind im Ench. ungenau geschrieben mit ss statt mit ein- 
fachem s der Präpos. is-). 



— 58 — 

iss-pressennien, iss-presennien, iss-pressennen, ace, Vernunft, Ench. 
14., Weise 35., adv. nämlich 43., sen iss-pressennkn, nämlich 82. 

isS'presnan, is-presna (a für an), ace, Vernunft, Verständniss. 
Enck 15. 58. 67. 

isS'preUtngi, adv., nämlich. Ench. 42. 60. 

is-ranhU, erlösen, Ench. 80, fälschlich als part, pass gebraucht; is- 
ranJcmns, part, act., ast, er hat erlöst, 16. %\ . is-ranhinna, er erlöst. 29, 
is-ranJcilai, opt., er möge erlösen, 26 (wo der Drckf. israikilai steht), 
is-ranJceis, imp., erlöse 26. und Kat. I. IL (scheint zu ränJcan, Hand, 
zu gehören, also etwa: aus der Hand, aus den (feindlichen) Händen 
nehmen oder entreissen). 

is-ranktsnan, acc, Erlösung. Ench. 15. 

[is-sMaitinf, ausscheiden] is-sTclaitints, part, pass., ausgeschieden, 
Ench. 86., wo der Drckf. isJclaitints, mit einfachem 5, steht; s. 
sMaitin-t, 

iS'StallU, ausstehen, bestehen (einen Kampf). Ench. 88. ^.stalli-t. 

iS'Stwendau, adv., von wo, woher, Ench, 80 {isstwendan Drckf.) s. 
stwendau. 

ist, istai, istwei s. id. 

is-winadu, adv., auswendig, äusserlich. Ench. 44; s. winna. 

yttroy in der Ausg. des Voc. irrthümlich für yccroy. 

[ywa, ywas] ywe, ywo, Uhu, Eule; im samländ. Theilungstractat von 
1330, ÄMS. VII. 295. 310 wird der Name eines Baumes ywe-garge, 
ywo-garge glossirt durch huwinboum^ d. i. Eulenbaum, Baum, in dem 
Eulen nisten, von ahd. üvo, mhd. huwe, nhd. uhu, (litt, ^was, Uhu) ; 
vgl. garge. 

yvanthi rivus, MhW. I. 

ywe-garge, ywo-garge, s. ywa. 



J. 

ja, dem deutschen ja entsprechend, Ench. 38. 67. 73. 90. 91. 92, Germ. 
\jagna] jagno, Leber, Voc. 125; daselbst ist lagno geschrieben, aber 

die verwandten Sprachen weisen mit Evidenz auf ein anlautendes j 

hin {Mit jeknos, lett. aknis, sanskr. jakan, jakrit, \2ii. jectir, gen. 

jecin-oris; vgl. jimay). Pott Beitr. VI. 114. Pierson AMS. VII. 

583. Pauli Beitr. VII. 163. 
jagoris aqua. MhW. I. 
jacuan, jecuan terra, das Jadzwingerland, d. i. Sudauen ; jacuitae, die 

Jadzwinger, Urk. v. 1420. TcG. 31. 
janthyn villa CdP. IL 171. 
jau, schon, Ench. 30; im deutschen Texte steht je im Sinne von 

schon (litt. lett. jau^ schon). 



— 59 — 

jange, Prov,, Brachstube, Trockenscheune. Hennig 108. AM8. 

VIIL 63 (litt, jauja, jatigia) ; hieher wohl der Dorf name jattgehnen, 

Kr. Fischhausen. 
jaukint, üben, Ench, Titel (litt, jaukmti, gewöhnen, jauJcmtis, sich 

gewöhnen, sich üben, jünkti, lett. juhM, gewohnt werden). Pierson 

VII. 592. 
jaus, nom. pl., ihr, Ench, 58. neben jous, 
jedete s. gedete. 
jedun s. gedune. 

jeydow villa, ÄMS, VIL 300, das heutige Dorf geidau Kr. Fisch- 
hausen, in der Urk. von 1258 geydowe s. d. genannt. — desgl. das 

Dorf gedau Kr. Heiligenbeil, MhW. IL 522 {CdP, IIL 160 u. 

TcG, 128 lesen inydow^ n für e) 
jeis, imp. sg., geh, Ench, 38, jeiti^ imp. pl., geht, Ench, 28 (Kat, L 

jeithy)\ s. ei4, 
jecitan s. jaauan, 

yellow lacus, CdP, IV, 186. MhW, III, 29. 67. 
jest, er ist, ör., für ast s. d. 
jestock, Name eines Ackerstückes. NPBl, XI, 74. 
Jesus, Jesu, Jesum, auch Jhesus geschrieben, Ench. oft. 
jodisacko, yodisakka, nom. fontis, JJfS. FJJ. 308 (a. L. josidipais) ; 

vgl. Pierson AMS, VIL 602, der an litt, judas, schwarz, und 

akis, Quelle, erinnert. 
jodithe, joduthe, juditte, nom. viri, NPBl, a, F, IV, 373 flg., VI. 174, 

daher Gut juditten Kr. Friedland und Kirche judiUen bei Königsberg. 
Joes für jous, ihr, s. d. 
jonicke, nom. viri, NPBl, a, F, VI, 173, daher jonickam, jonikam, 

Dorf im Kr. Preuss Holland; mit der litt. Dimmntiyeudung jonikaiten 

(jonikdiczei) Kr. Tilsit. 
jonyte villa MhW, LL 524 {CdP. LLL 160 hat jotyne), 
josidipais s. jodisacko. 
Jude, nom. viri, NPBl, a, F, VL, 173; daher Vorw. Juden, Kr. Preuss. 

Holland. 
juditte s. jodithe, 

jümans, joumans, joumas, joumus, dat. zu Joii5, s. d. 
jumprawan, acc, Jungfrau, Ench. 15. 91. ^JEa^. J. junckfrawen, Kat. 

LL. jungprawen). 
jwriay, nom. (pl?), Voc, 66., jwrm, acc. sg., Ench. 73. 85. Meer; im 

Voc, steht als offenbarer Schreibfehler lu/riay ; vgl. jagna. (litt, juries, 

jüres, pl., lett. juhra, Meer). 
j(m5, jai«s, nom. pl, ihr, Ench. 53. 55. 58. u. oft (Kat. L.yous, Kat. 

LL. Joes). — jouson, jousan, gen. pl., euer. 61. 73. — jümans, 

joumans, joumas, joumus, dat. pl, euch. 35. 36. 79. 84 u. oft. — 

wans, acc, pl., euch. 35. 41. u. oft. (litt, jus, lett. juhs). 



— 60 — 

jcyus, m., jousä^ f., nom. sg. pron. poss., euer, Ench. 58. 73., joman, 

jouson^ ace, 53. 62., jommu, dat., 60., jomai, gen., 61., jousans, 

jousons, ace. pi., 53. 58. 60. 69. 
jme (juche) Fleischbrühe, Voc, 311 (litt, jusze, schlechte Suppe von 

Sauerteig, sanskr. jüsha, Fleischbrühe, kslav. russ. poln. jitcJia, dass., 

litt. juJcä, poln. juszka, Blutsuppe). 
justran, Voc. 133, vielleicht zu lesen für instran. 



K. 

ka, interrogativer und relativer Pronominalstamm, daher : kas, nom. m., 
Enck 13. 15 u. oft (Enck 73. fälschlich als nom. pl. gebraucht), 
ka, kai, neutr., 35. 36. 55, 61. u. oft (Kat L kha), quai, qtm, nom. f. 
sg., 54. 69. 84.; kan, ka, kai, acc. neutr., 24. 43. 52. 55. 61. 73., 
kasmu, dat. 55. 80., quai, qtm, nom. pl., 11. 12. 50 u. öfter (ka 43. 
wohl fehlerhaft), kans,a.cc. pl., 33. 1) interrog. wer? was? 2)relat. 
welcher, welche, welches; en kasmu, worin. 80 (litt, kas, ka, 
interrog., lett. kas, inter r. u. relat. u» s. w.) vgl. kawids, kaden, kai, 
käigi, quei, quendau, ku. 

kaäuhri, nom. pl. (der Stellung nach acc. pl.). Dornen. Enck 72. 
s. kaules. 

kdbacke, kabache, f , Prot;., schlechtes, baufälliges Haus, das sich bereits 
schief geneigt hat, wohl von kabi-t, hangen (litt, kabänczos aüsys, 
herabhangende Ohren; russ. poln. kahak, Krug, Dorfschenke). 

\kaU4, hangen] koMuns, part, act., ^mst, er wird hangen, Enck%%. 
(litt, kabü, käbeti, hangen). 

cäbi-caym, kdbe-kaymen, käbo-caym, campus et silva MhW. L IL, das 
heutige Dorf kapkeim, Kr. Heilsberg ; vgl. Gut kapkeim Kr. Wehlau. 

kadan s. kaden. 

kadegis {eynholz, NPBl XI. 362. AMS. VII. 309. eynbernstruch), 
Wachholder, juniperus communis, Voc. 608., hier provinciel all- 
gemein kaddig genannt und zum Räuchern benutzt, (litt, kadagp, 
von kslav. kaditi, russ. kadif, poln. kadzic, räuchern, kslav. kadilo, 
poln. kadzidlo, Räucherwerk, Weihrauch, und dieses wiederum ins 
litt, übertragen kodylas, russ. kadMo, Rauchpfanne) ; hieher wohl die 
Ortnamen kadgienen (kadegienen) Kr. Labiau und kaddig-haus Kr. 
Wehlau. 

kaden, kadden, wenn, wann, als, Enck 21. 22. 26. 37 u. öfter 
(Kat. I. kadan); kaden ni, wenn nicht, nisi, 80 ; Pott erklärt kadden 
durch kad-den, quo die (litt. lett. kad, dass.). 

kägi Enck 22. wohl für kaigL 

kai, dass, damit, Enck 14. 16. 19. 32. u. oft, wie? interrog. 20. 21. 
22.23.; wie, gleichwie, sowie, 24. 51. 59. 65.66. demgemäss 



— 61 — 

was, 84.; als nach dem Comparativ 81.; als, tanquam, 20.; Icai 
qtm, als welche, quippe qui, 53. ; ni Jcai, nicht wie, 20 (Kat L hey, 
kay, Kat IL Jcay) (litt, kai, lett. Jca, wie). 

katdi, wie, EncJi. 18, wohl Drckf. für käigi. 

Migi, wie, gleichwie, sowie, Euch. 1. 16. 19 u. oft; interrog. wie? 
43.; gleichsam 43. 51.; wie, quam, vor adj. 80; als, tanquam, 
53. 79. 88.; zum Beispiel 46.; Nebenformen, vielleicht fehlerhaft, 
sind Mgi 22. kaige 58. 

caican, Pferd, m pausto-caican s. d. (lett. kaikaris, Schindmähre). 

kayles DC: ,yKayles Vnd Paschkeyles, Ist ein tug&nd da laster ein 
Ehre sey" ; noch immer unklar; vgl. AMS. IV. 137. 138. VIL 318. 594. 

kailüstiskan^ acc., Gesundheit. Ench. 23. Vgl. kslav. cjelu, totus, integer, 
salvus, sanus, litt, c'elas, ezelas, ganz, sanskr. kalja, gesund, goth. hails. 

kaima-lüke^ er sucht heim, Ench. 11.; der erste Theil scheint zu 
caymis^ Dorf, kaimtnan^ Nachbar, zu gehören und dem deutschen 
j^im, heim zu entsprechen, der zweite Theil schliesst sich wohl an 
lauM't^ suchen, an; s. luke. 

cayme^ kaimen^ caym^ das Kirchdorf kaimen^ Kr. Labiau, Urk. von 
1258, in^Bl rilL 344. 346. Dusb. IIL 71.; s. caymis, also das 
Dorf xat* i^ox^v. 

kaymen-ap^ caymennippe^ Name eines Baches, AMS. VIL 296. 310, 
wohl durch Dorfbach, DorfBiess zu tibersetzen, aus kaimen^ adject. 
Ableitung von caymis^ und ape^ Fluss. 

kaimtnan^ acc. sg., kaimtnans^ acc. pl., Nachbar, Ench. 23. 36; 
eigentlich wohl Dorfbewohner, Bewohner desselben Dorfes, von caymis 
(litt, kaim^nas^ lett. kaiminsch, Nachbar). 

kaymino stagnum, MhW. I. 

caymis^ Voc. 797., cayms 6rr., Dorf (litt, veraltet kaimas^ gewöhnlich 
kernels, lett. 0eems^ Dorf, goth. haims, ahd. haim Haus); daher der 
Name des Kirchdorfs kaimen s. d. und die in Dorfnamen sehr häufig 
erscheinende Endung -kaym^ -cayme^ -keim^ verkürzt -kam; so in 
den urkundlich beglaubigten Namen cabi-caym^ kaho-caym^ kabe- 
kaymen, layt-kayme^ leyt-kayme^ tris-kaym^ trium-kayme^ treon-kaymyn^ 
weder-kaym^ wedir-kaym^ wüke-kaym^ mlrcayme^ (d. i. tmlk-kaym^), 
urinde-kaymCy wor-kaym^ femer in den heute üblichen Namen batt- 
keim^ both-keim^ dol-keim^ dommel-keim^ gahl-keim^ kal-keim^ kat-keim^ 
kaiZ'keim^ kos-keim, kui-Jceim, mux-keim, met-keim^ sonnig-keim (zon- 
keim)^ striU-keim, tappeUkem, wami-kaim (wamik-keim) u. a., und 
mit der verkürzten Endung kam die Namen bart-kam^ döl-kam^ 
jonio-kam^ peis-kam^ porsch-kam^ wami-kam (wamik-kam)^ u. a.; 
femer gehören hieher die grammatischen Ableitungen kaymiten 
campus, kaymino stagnum^ kaymen^p^ s. dd. 

hiymiten campus^ MhW. L s. d. vor. 

caymoys^ Achsel, Voc. 105. (lett. kammesis^ fl. kammeeschi^ Schulter). 



- 62 - 

Pott Beitr. VI. 113 ; caymoys ist wohl eine aus caymoyses contrahirte 

Pluralfomi; vgl. crays neben dem Sing, craysi, desg, pallaips für 

pallaipsas, Pauli Beitr. VII. 195. 
Icaynyn campus, MhW. IL; vgl. die Dörfer hainen im Kr. Allenstein 

und im Kr. Heiligenbeil. 
hais'imn s. pra-Jcaisnan, 
[MitU, anfechten, quälen], davon haiütai, nom. pl. part, pass., mit 

an- und ew-. (lett. halte, Leid, Plage, Jcaitinahf, betrüben, Jcaiteht, 

schaden, litt. Jcattinti, heiss machen, brennen). 
Jcaywe (köbele), Stute, Voc, 433. (lett. Jcehwe), 
haldn-t, Tcackin-t, greifen, prei m. d. acc, zu etwas, Ench, 66. 67., 

hachinaiSy imp., reiche dar, 84. (litt, hahh, haheti, und JcanJcü, JcäJcti, 

wohin gelangen, etwas erreichen, Mkinti, hingelangen lassen). 

Pierson VII. 592. 
Jcalabian, Voc. 424., Jcalbian^ acc, Ench 54., das Schwert (litt. 

kaldwijas, zu kalü, Jcdlti, schmieden? Pauli Beitr. VI. 444). v» 
calie, halben lacus MhW. III. 29. 67. {CdP. IV. 186. bat Jcawe; 

vgl. gewineis, swerlhinte) 
JcalieJcen, Frov., unnützes Zeug schwatzen, grundlos zanken, (litt. Jcalh'eti, 

reden, imp. halbeh). 
halbian s. haldbian. 
calde palus, calden, caldin, kaldeyn, Jcaldeynen villa, kalideyn Name 

des Besitzers (?), das heutige Gut hallen bei Fischhausen. AMS. 

VIL 300. 
hale-garis mons, neben der andern Lesart lule-garbis, AMS. VII. 299; 

s. garhis. 
calene, Scheune, Voc. 231.; vgl. ilmis, steege, und den Dorfnamen 

callehnen Kr. Wehlau. (poln. holnia, mitteld. colne. Stall, Holzstall, 

kslav. helija, russ. heVja, helema, Zelle; litt. Monas, Ort hinter der 

Scheune). 
halet, haleter, Prov., nach Hennig 114. ein ganz dünnes Getränke 

(Bier), fast dem Halbander gleich, welches für die, so in der Com- 

munität (akademischer Convict) zu Königsberg speisen, gebraut wird. 

(poln. halecmy, krüppelig, verstümmelt, haleczyc, russ. haljeczit\ ver- 
krüppeln, verstümmeln, also holet, Krüppelbier). 
calige villa, Dusb. IlL 98., das heutige Gut halgen bei Königsberg, 

ehemals sclunien genannt, s. d. 
halinhen-baum, Prov,, wilder Schneeball, viburnum opulus. (russ. hallna, 

halinih, poln. böhm. kalina); hieher wohl der Dorfname halinhen, 

Kr. Graudenz. 
halis, Wels, ein Fisch, silurus glanis, Voc. 569. 
calmoy lacus. CdP. IV. 186. 
halmus, Stock, Voc. 633 (litt, helmas, Stubben, Baumstumpf?) vgl. 

kalpus. 



_ 63 — 

hdlo-peiliSy Hackmesser, Voc. 369 (litt, halü, hdlti, lett. halt, häm- 
mern, hauen, und litt, preuss. petlis, Messer) s. Pauli Beitr. VII, 211. 

Jcalpus, ßungenstock,der bewegliche Querblock über der Axe, in welchem 
die Rungen stecken, Voc. 302. (litt, kalpa). Burda Beitr. VI. 395. 

[Jcalsa] halso, Fladen, Voc, 345.; vgl. kolatsch. 

Jcalsiwingiskan, acc, hxltzimngiskai, dat. adv., lauter, rein, Ench. 
14. 20., beruht wahrscheinlich auf einem Irrthum des Uebersetzers, 
indem er in Folge des Lautanklanges die deutschen Wörter lauten 
und lauter mit einander vermengte; s. kaltza, kelsai 

calte, ein Margk, Gr. 

caltestis-MoJcis, Zidelbär, Voc. 656, eine kleinere Art von Bären, 
Bienenbär, Honigbär, von mhd. mdel, Biene; vgl. clohis; der erste 
Theil ist unklar, wahrscheinlich Adjectiv. 

haltzäj kelsai, sie lauten (die Worte), Ench. 29. 43. (russ. gläsif, 
lauten, gblos, poln. glos, Stimme). 

kaltzimngiskai s, Jcalsiwingiskan. 

kaluppe, Prov., schlechtes Haus, hinfällige Hütte, (litt, kalüpa, poln. 
böhm. chalupä). 

[kamata] kamato (fenchel), Voc. 267 ; das Wort steht neben prassan, 
Hirse, daher ist wohl nicht der Fenchel, foeniculum, sondern der 
Fench, Pfännig, panicum, Aehrenhirse, Hirsengras, Fuchsschwanz 
gemeint. 

kamenis, Feuermauer, Esse, im Hause und in der Schmiede, Voc. 
222. 515 (litt, kdminas, russ. kamin, poln. komin, dass., kslav. 
kamina, böhm. kamna, Ofen, wohl von kslav. kameni, poln. kamie^, 
u. s. w. Stein, wie preuss. stabni, Ofen, von stahis, Stein). 

cameniswika, caminismka castrum, Bush. HL 178., der kamswikus- 
berg bei Insterburg; vgl. NPBl. III. 179. TcG. 24. 

[kamerta'] kamerto, Kammer, Voc. 208. (litt, kamarä, lett. kambaris, 
kambars, kslav. kamara, komora u, s. w.). 

kamynes lacus, MhW. IL 

camnet^ Pferd, 6rr.; das Wort hat fast jedes der zahlreichen Citate 
aus Gr. in seiner eigenthümlichen Weise verstümmelt, theils aus 
Unachtsamkeit, theils aus Conjectur. 

campain villa, AMS. VIL 300. GDK L 179, das heutige Dorf 
kompehnen Kr. Fischhausen. CdP. IL 71 hat campaginis (ebenso 
die sehr deutlich geschriebene Urkunde). 
kampe, kämpe, f., Prov., Flussinsel; besonders heissen kampen die 
zahlreichen Inseln, welche die Weichsel und die Nogat bei ihren Aus- 
mündungen in das Haf bilden (poln. kqpa, dass., böhm. kampa, 
Name einer Moldauinsel in Prag, litt, kampas, mit Gebüsch be- 
wachsene kleine Insel an der Mündung eines Flusses); hieher der 
Name des Dorfes kampenau. Kr. Preuss. Holland, am Drausen. 
campe-latiken, das heutige Dorf kamplack Kr. Rastenburg. MhW. IIL 



— 64 — 

kampen, m., Prov., eine Ecke, ein Abschnitt von Brot; Hennig 
115 hat kampgen wohl als Dimin. (litt, hämpas, Winkel, Ecke, 
Brotschnitt). 

kampenkyn, einst Ort auf der Nehrung, ürk. v. 1258, KPBl. VIIL 
342., vielleicht untergegangen. 

camstian, Schaf, Voc, 678; daher soll nach Hennenb. 43. der Name 
des Dorfes Jcamstigäl auf der Nehrung, d. i. Schafskopf (camstirgalwa) 
entstanden sein. AM8. VIIL 78. 

camus, Hummel, apis terrestris, Voc. 788. (litt, kamane, lett. kammins, 
wilde Biene, Waldbiene). 

han, wann. Ench. 71. im Sinne von Tcaden. 

canden, candeyn, hmdeynen, Gutsname, AMS. VIL 294. GDK. L 
142., das heutige Gut condehnen, Kr. Fischhausen. — Dusb. IIL 71. 
hat candeym. 

Jcanxt'S, nom. m. (mit wi-), Tcanoda, nom. f., kanxtai, kanxtei, dat. adv., 
fein, ehrbar, züchtig. Ench. 37. 44. 49. 50 (lett. kaunigs, 
züchtig); vgl. nirkanxts u die hier folgg. 

hanxtin, acc, Zucht. Endi. 23. 

kanxtinsna, nom., Zucht. Ench. 44. 

JcanxtisJcu, dat., Zucht. Ench. 60. 

kanowe, Tonne, Voc. 397 (poln. konew', höhm. konew, kanew, Kanne). 
Burda Beitr. VI. 395. 

kansinge, kansis, zwei Seen im Ermland. MhW. IIL 29. 67. (CdP. 
IV. 186. hat ransinge, ransys). 

kanten, Ortname, CdP. IL 36flgg., Dorf im Kr. Mohrungen; derselbe 
Name kommt auch in den Kreisen Preuss. Holland und Fisch- 
hausen vor. 

kape, kappe, cappis, Hügel, in den Verbindungen auctvrkape (a. L. 
aitctorcops), wosgowS'Cappis, s. dd.; vgl. kapinis, kapnis,kepynis, ccps. 
(In dem litt, kdpas, Grab und Hügel sind zwei Wurzeln von ver- 
schiedener Grundbedeutung in eine nur zufällig gleichklingende 
Lautgruppe zusammengeflossen: 1) kdpas, in russ. Litt, käpas, lett. 
kaps. Grab, litt, kapine, lett. kappenes, kapsehts, Kirchhof, preuss. 
cappyn, Gräber, capeme, Begräbnissstätte, en-cop-ts, part, pass., be- 
graben, copte^ Graben, au-copte^ Name eines Kanals oder Baches, 
litt, kapuczus, Todtengräber ; alle* diese Wörter (die lett. mit kurzem a) 
wurzeln in kslav. kopati, russ. kopäf, poln. k(ypac, graben, litt. 
kapoti, lett. kappaht, hacken. — 2) litt, kdpas, Hügel, kdpinti, Hügel 
aufschütten, kdpczus^ lett. kaptschis, poln. kopiec^ Grenzhügel, lett. 
kahpa^ steiler Ort, kahps^ Stufe, Treppe, preuss. kape^ cappis^ kapinis, 
kapms, kepynis, cops, Hügel, kslav. kapisde, deluhrum, statua, 
columna, templum, litt, köpos, kqpai, die Sandhügel der Nehrung, 
die Dünen, kapurnai, Mooshügelchen auf den Wiesen; diese zweite 
Gruppe von Wörtern (die lett., mit Ausnahme von kaptschis, mit 



— 65 — 

langem a) wurzelt in litt. h6pt% lett. hdhpt^ steigen, sich erheben. 
Das deutsche Compositum Grabhügel hat wohl dazu beigetragen, 
die litt. Begriffe von käpas. Grab, und Mpas^ Hügel, zu verwirren; 
vgl. AMS. VIIL 679. 680). 

capemen, capemewe^ nach Hennig 44. Begräbnissörter der alten 
Preussen, aber ohne Angabe einer Quelle, daher sehr zweifelhafter 
Beglaubigung; vgl. kape und cappyn. 

cappyn^ eine Art heidnischer Gräber, die mit geten zusammen genannt 
werden in den ÄrticuU per Prutenos tenendi et erronei contra fidem 
äbjiciendi des Bischoffs Michael von Samland (1425 — 1441). J.KB. 
I. Anh. 126: Item ut nuUus pruthenus vir aut mulier in siluis 
quoscunque abusus aut abhoniinaciofies de cetero exerceat juxta ritus 
paganorum^ cum ipsi christiani sint effect^ presertim juxta tumulos 
et sepulcra eorum^ qui vel que Geten vel Cappgn juxta ydeomata 
eorum nuncupantur etc. Vgl. AMS. IV, 156. VIIL 62. und oben 
kape (litt, kapine, lett. kappenes, Kirchhof). 

kapinis^ capinis wohl adjectivische Ableitung von kape, Hügel, in dem 
Ortnamen yrce-kapinis^ irci-capinis^ s. dd. 

kapness, Name eines Ackerstücks. NPBL XI. 74. 

kapnis in dem Namen ivosegowis-kapnis, Nebenform zu wosgows-cappis^ 
s, kape, 

kapornen^ kapurnen, nicht, wie Pierson VH. 595 erklärt, Gräber 
(s. capernen\ sondern Hügel, bes. künstlich aufgeschüttete Erdhügel; 
auch Prätori US VI. 49. XVI. 27 erklärt kapurnai als aufgeworfene 
Erdhügel, (litt, kapurnai^ Mooshügelchen auf den Wiesen); daher 
der Name des Guts kaporn, Kr. Fischhausen. 

capostete castrum im Territorium wohnsdorf. Dusb, IIL 74. NPBL 
a. F. V 325. 

karbatsche, Prav., geflochtene Lederpeitsche (ein weit verbreitetes 
Wort, litt, karbocms, karhäczus, poln. karhacz, korhacZy böhm. karabac, 
türk. karavazza, auch in Oberdeutschland bekannt). 

karben, karbis, karbs s. karwan. 

karete, f. Prov., Wagen, Spazierwagen; man hört auch das Verbum 
kareten, umher-kareten, oft und ohne Ziel spazieren fahren, (litt. 
ka/reta, lett. karreete, russ. poln. kareta, Wagen, Kutsche; die Wurzel 
kar ist zwar der italischen, keltischen, germanischen und slavischen 
Sprachfamilie gemein, der specielle Stamm karet aber scheint der 
baltisch-slavischen Familie eigen anzugehören). 

[karia] karya, Heer, steckt als Grundelement in karyago, karia-woytis, 
karige-wayte ; als Simplex giebt das Voc. die durch Metathesis ent- 
standene Form kragis (krajis?) (vgl. litt, kdrias, lett. kafsch, gen. 
kaf^a, Krieg, ^em, auch Armee) s. auch kariausnan. 

[karyaga] karyago (reise), Heerzug, Kriegszug. Voc. Ali, s. d. vor. 

Nesselmann, Thesaurus. 5 



— 66 — 

hariausnan, ace., Streit, Kampf, Ench, 88., setzt einen Infinitiv 
Jcariauf, streiten, voraus, (litt, kariduti, kriegen); vgl. haria. 

Tcaria-wojftis, Voc. 416., karige-wayte, SrP, IL 710 (letzteres wohl 
verschrieben für karije- oder karye-wayte, vgl. indess Pauli Beitr. 
VII. 210) nach dem Voc. Heerschau, nach SrP, Ansprache 
(gespreche) an das Heer; wörtlich würde es Heersprache heissen; 
vgl. wayte, waitiät und JJfÄ IV. 152. 

karige (ebirhoem) Eberesche, sorhus aucuparia. Föc. 610. 

karige-wayte s. karia-woytis. 

kariote, kariothe, nom. viri, NPBl 3. F. V. 300. 302; daher Dorf 
karioth'kehmen Kr. Darkehmen; vgl. koriofhe. 

karis s. pa-ccaris (karis zu litt, kariü, kdrti, aufhängen). 

korke, carken, karx lacus MhW. IL Hennenb. II. 13. 

karkis s. in birgorkarkis. 

karkleck, Name eines Ackerstückes NPBl. XI. 74. 

carsovia castrum am kurischen Hafl* zwischen Memel und Ragnit. 
Bush. in. 285. 297.; vgl. indess TcG. 39. 

kartai, nom. pl., bitter. Ench. 58 (litt, kartüs). 

[kartana] kartano, Stange, Foc. 636. (litt, karte, karfis, lett kaJirts). 

kartis s. pra-cartis. 

karwan, karben, karbis, karbs hiess zur Ordenszeit das Vorwerk neben 
dem Amtshause eines Gebietigers, welches als Rüsthaus oder Schirr- 
kammer diente, worin Alles, was zur Kriegsausrüstung und zum 
Betriebe der Ackerwirthschaft gehörte, aufbewahrt wurde, wie Pferde, 
Reitzeug, Waffen, Wagen, Ackergeräthe u. s. w. Im Jahre 1400 
wurde dem Orden eine Quantität Getreide, welche in den Karbens- 
höfen bei Marienburg aufgespeichert war, durch Brand vernichtet; 
S. Grünau tract. 14. c. 3. Hennenb. 268. Der Aufseher eines 
karwan hiess magister karuani MhW. I. 183. 377. CdP. F. 22., 
magister karnanorum MhW. L. 378., deutsch karuanshere, ka/rwans- 
here, AMS. IX. 325. 328., später Karbsherr, Karbesherr, Karbis- 
herr; ein solcher hatte Sitz und Stimme im Rathe der Stadt. 
Hennig 116. Das Wort erscheint noch in einer Anzahl von Güter- 
und Dörfernamen, so karwen oder karben bei Heiligenbeil, bei Brauns- 
berg, bei Wormditt, bei Sensburg, selbst in Pommerellen, Kr. Neu- 
stadt karwen, karwen-hof, karwen-bruch ; desgl. in den Ableitungen 
carwiUen im Kr. Preuss. Holland, carmnden im Kr. Preuss. Eylau, 
desgl. po-karben^ bei Hennenb. po-karwen, beiDwsft. po-carwis bei 
Brandenburg, wohl auch corbis-dorf bei Wormditt AMS. VIII. 437. 
und carwom-cholmike s. d.; vielleicht auch kerbs-walde bei Elbiug; 
vgl. die karwen-stut, d. h. das Gestüt auf dem karwan, die Acker- 
pferde, Toppen AMS. IV. 689, aus dem Inventarienregister von 
Me we 13,9i6. Die Etymologie des Wortes ist unsicher: Pierson 



— ^1 ^ 

ÄMS. YIIL 366 erinnert an litt, smrwas, Rüstung, szarwat, Waffen, 
szärw-weU^ Zeughaus. 

carwom-cholmike villa MhW. J. 112 bei Mehlsack; vgl. Tcarwan. 

[karczemd\ karczenio, Krug, Schenke, verbunden mit Victüälien- 
verkauf, Voc. 382. Sachlich Ausführliches s. Toppen AMS. IV. 
513. (litt, karczamä, poln. karczma, russ. korczmäj böhm. krcma, kslav. 
krucz^mtnica, dass. (krucztma, potus inehrians), aber auch mhd. 
kretzem, kreczym, daher die deutschen Familiennamen kretschmer, 
kretschmann, d. i. Krüger). 

kas s. ka. 

kasschis, nom., kassin, acc., Schoss, Abgäbe Ench, 55., wohl das 
deutsche Gasse. 

kaschulle, koschuUe, Prov,, ein von Bast geflochtenes Kästchen, mehtien- 
theils eine Elle lang und zwei Hände breit. Hennig 118. (litt, 
kaszeUy ein Speisekober, Dimin. des weniger gebräuchlichen kaszüs, 
grosser Korb, grosser Kober; poln. kosz, Korb, koszalka, flacher Kotb 
von Binsen, mit zwei Henkeln, den Arm durch beide zu stecken; 
kslav. kosza, koszt, Korb, koszulja, Körbchen). 

cassoye, Messing, Voc. 526. 

[catta] catto^ Katze, in der Verbindung pausto-catto s. d. (litt, kate, 
kslav. russ. poln. kotka fkotüka)^ Katze, litt, kdfas, kdtinns, lett. 
kattins, russ. poln. kot, lat. catus, Kater); ob die Ortnamen kat- 
keim, kat-Uick, kat-medien hieher gehören? oder zu kauthie, nom. 
viri, s. d.? 

katte-medien, cathe-medie, kathe-medien, kat-niedie, cath-medien campus, 
villa, CdP. Ill, 162. MhW. II, III, Gut ia^madiew im Kr. Rössel; 
s. median. 

catils, Kessel, Voc, 355. (litt, kdtilas, lett. katls, kslav. koMU, rüöS. 
slov. kotel^ poln. kotl, kociel, kociol, böhm. kotel, goth. katils, ahd. 
chezil, niederd. ketel). 

kat-medie, cafh-medien s. catte-medien, 

katthow territoriimi Nadrowiae Dtisb. III, 177, das Kirchdorf A^^enaw 
Kr. Stalupöhnen. 

[kauk'S] cawx, Teufel, Voc, 11; Teufel ist aber wohl schwerlich die 
genau entsprechende Uebersetzung des preüss. cawx, dieselbe scheint 
aber unter den Deutschen der Ordenszeit hier verbreitet und üblich 
gewesen zusein; vgl. cuken-brast, kuke (litt, kaükas, gew. pl. kauka\, 
unterirdische Männlein, Alraune, Kobolde); hieher der Flussname 
kattc-stim, kauc-sirin, und der Localname caucaliskis s. d^.; im 
Littauischen, Kr. Niederung, haben wir das bekannte Kirchdorf 
kaukehmen, d. i. kaiik-kemei „Kaukendorf", und das Dorf kaük-tvUe, 



n 



Kaukenstätte . 



camorliskis, kawca-liszkis (Varianten kanta-liskis, kautä-liskis), Name 

eines Sumpfes AMS. VII, 298. 311., „Kaukenlager", s. liskis, 

5* 



— 68 — 

kauC'Stirn, kauk-strin, geschwächt caustir, Name eines Flüsschens, 
rivulus, in Samland, ÄMS. VIL 300. 312; vgl. kauxter, Flüsschen 
hei Kreuzburg, und caustir; der erste Theil des Namens ist offenbar 
auch kauks s. d., der zweite Theil unklar. 

caulan, Voc. 155., kaidan, acc. sg., kaulei, nom. pl., kaulins, acc. pl., 
Ench, 50. 68. Bein, Knochen, (litt, käulas, lett. kauls, sanskr. 
kuljd)\ vgl. greiworkaulin. 

kaules (pl.?), Dorn, Voc, 6Ö9. ; vgl. kaäubri; an das deutsche hein- 
hölz für liguster oder auch heckenkirsche ist wohl kaum zu denken. 

caune, Marder, Voc. 663. (litt, kidune, lett. zauna, poln. böhm. slov. 
serb. kuna, kroat. kuna, kunica, russ. kunica, Marder, kslav. kuna, 
kunica, felis): vgl. die folgg. 

kaunyne fons, CdP. IL 82. MhW. L 284. s. das vor. 

kawnitten campus MhW. L, das heutige Dorf kmiiUen Kr. Heilsberg; 
gleichnam. Vorwerk im Kr. Preuss. Eylau. 

kaupen, Name eines Ackerstücks. NPBl XI, 74. 

kaupiskan, acc, Handel, Ench. 7. (kslav. kupiti, kupowati, kaufen, 
kupiciy Kaufmann, kupU, kupija, kuplja, Handel, Kauf, russ. kuplit\ 
poln. kupic, kaufen, russ. kupec, poln. kupiec, Kaufmann, russ. kuplja, 
poln. kupia, kupla, Handel, Kauf, lat. caupo, goth. kaupön, ahd. 
chaufon) vgl. kuppeln, kupschell, 

[kausint, rühren] s. en-kausint (litt, küszinti, lett. kusteht, anrühren, 
bewegen, litt, kuszu, kuszeti, lett. kustetees, kuschnotees, sich rühren, 
kslav. kuszq, kusiti, tentare, gustare). 

kausche, Prov,, hölzerne Kanne (litt, käuszas, hölzerner Schöpf- 
löffel, hölzerne Trinkschale, Dimin kauszele, lett. kausis, Napf, Schale, 
Becken, sanskr. koshas, Behältniss zum Aufbewahren, Tresor). 

caustir, kausfer, caustere, caustre, kaustrin CdP. II. 89. Dush. III 27. 
Flüsschen bei Kreuzburg, heute kauxter, kauxte; vgl. kaucstirn, 

kauthie, nom. viri, NPBl 3. F. V. 300.; daher kautyn campus. MhW. II 

kawtds, kawyds, nom. m., Ench. 51. 60. 81. 84 88 {kuwyds 60. Drckf.), 
kawtds. 37. neutr.; kawida, nom. f., 64. 68. 84.; kawydan. 28 74. 
nom. neutr.; kawtdan, kawydan, kawyden, acc. sg., 14. 30. 37. 68. 
71. 74. 75. 87. 88.; kawydsa, gen. sg 59.; kawidsmu, kawydsmu, 
dat. sg. ni., 18. 72. 78. 83. 85. 88.; kawydsei, kawtdsu, dat. sg. f., 
SO. 82. ; kawidai, nom. pl , 29. 34. 39. 43. ; kaw1dans,kawydans, acc.pl., 
33 37. 49.51. pron. relat., welcher, welche, quixm^qualis; znka. 

kauHC'lowken [-lauken?] campus. MhW. L 

kaczin^ katzin, Ortname, CdP. III. 161. MhW. II 525., Dorf kaizen 
Kr. Heilsberg. 

keykante lacus, MhW. III 29 67 {CdP. IV. 186 hat leycante). 

keycara s. keytara. 

keyse s. kresze. 

keiserin, acc, Kaiser. Ench. 55. 



— 69 - 

keysonis campus, MhW. L 

[Jceytard] keytaro (vielleicht Tceycaro zu lesen), Hagel, Voc. 54. 

keekers, Voc. 264., keckirs, Gr. (erweis, arwes) Erbse, (lat. deer, 
deutsch kicher, poln. cieciorka, decierzyca, Kichererbse, Ziererbse); 
vgl. licut-kekers. 

kexti, Zopf haar, Voe. 70. (lett. zekkuls, Zopf, Troddel, zeggiims, Zopf 
am Pferde, kslav. küika, kuiku, küku, coma, russ. kika, slov. kecka, 
serb. kicica, böhm. kstice, Haar, Kopfhaar; vielleicht ist zu ver- 
gleichen litt, kasä, slav. kosa, Zopf, Haarflechte). Burda Beitr. 
VI. 395. 

kekulis, Badelaken, Voc. 495. (litt, kiklikas, Leibbinde, Brustbinde, 
kslav. czechlu, böhm. cechlik, velamsn, russ. czechbl, Ueberzug, poln. 
czechel, czechlo, Hemd, Kittel) Burda Beitr. VI. 395. Pierson 
AMS. VI. 582. 

kelan, Rad, Voc. 295. (kslav. poln. böhm. slov. kolo, russ. koleso)\ 
s. maluna-kelan u. das folg. 

kele [-ranka] -ranco, Runge, Voc. 303., etwa „Radhand", aus kelan, 
und ranka? 

kelian, Speer, Voc. 422 (litt, gelu, Stachel?). 

kelks, nom., kelkin, acc, Kelch. Ench 41. (Kat I. kelchs, kelkan, 
Kat. IL kelkis, kelkan), German., litt, kylpkas, u. s. w. 

kel-laxde, Speerschaft, Voc. 423., aus kelian und laxde. 

kelmis, Voc. 474., chelmo [kelma], Gr., Hut. (goth. hilms, poln. heim, 
kslav. chilemu^ chlumu, szljemU, litt, szälmas, russ. szlem, galea). 

kelsai s. kaltzä. 

kems campus. MhW. I. 

[kenta] kento, s. keuta. 

kentaris, s. keutaris. 

kenthen, Dorfname. NPBl 3. F. V. 301. 

kepynis, Nebenform zu cappis, kapnis, in dem Compos, wosegoms- 
kepynis, daher auch wohl, aber mit Vocalumlaut, Ableitung von 
kape, cappis s. d. 

keps, köps, m., pl. kepsen, Prov., die kleineren Heuhaufen auf dem 
Felde, in welche das Heu bis zum Einfahren aufgestellt wird (nicht 
der grosse Heuhaufen, der für den Winter stehen bleibt) (litt, kupeta, 
kupeüs, dass., küpä, kupä, kaüpas, lett. kohpa, kohps, poln. kupa, 
Haufen, Häuflein im allg. ; böhm. kupec, Maulwurfshügel, litt, kupti, 
kaüpti, häufen, kupinti, aufhäufen). AMS. VIII. 682. 

kerler se, ker-berse (wirsenhölz), Birkengestrüpp, oder richtiger 
Gestrüppbirke, Strauchbirke, Voc. 614.; der zweite Theil ist 
ler'se, Birke; für den ersten Theil ist entweder litt, keras, Baum- 
stumpf, oder böhm. ker, poln. Merz, Staude, Busch zu vergleichen; 
beide Vergleichungen würden dieselbe Bedeutung ergeben, entweder 
das aus dem Baumstumpf ausgeschlossene Birkengestrüpp, öder das 



■=== TO — 

nicht als Baum, sondern als Buschwerk wachsende Birkenholz; das 
deutsche mrsen-hölz bezeichnet allgemein schlechteres Holz, von 
ahd. mrs, schlechter, geringer; vgl. indess Pauli Beitr. VII. 170; 
s. auch Pierson VII. 582. Nach dem Deutschen könnte man auch 
an Wersendorn, Wersenbeerstrauch, d. i. Kreuzdorn, Schwarz- 
dorn denken. » 

kerdan, acc, Zeit, Ench. 49. 63. 66. 79. en kerdan, zur Zeit, enstan 
kirdan, zu der Zeit, prei swaian kerdan^ zu seiner Zeit. 

\kerkd\ kerko, Taucher, ein Vogel, colymhus, mergus, Voc. 758. (litt. 
krykU, Krickente, böhm, krechar, russ. krochal,TR\xchev) s. Pierson 
Vn. 582. 

kerkus campm, MhW. L 

kermen-s, nom., kermenan, kermenen, kermnen, acc , kermenes, gen., 
Leib, Körper, Enck 5. 14. 23. 26. 40. 41. 46. 48. 70. 76. (kslav. 
kromfnu, externus); s. die folgg. und brende-kermnen, 

kermeneniskan, acc. sg., kermeneniskai, nom. pL, kermeneniskans, kernte- 
niskans, acc. pl. 1) fleischlich, leiblich, JEnch. 5. 23. 43* 44. 
61. — 2) Fleischlichkeit, Sinnlichkeit, 22. 

kermenints, kerminints, part, pass., s. en-kermenints. 

kermeSy kermasse, kirmas, kinnes^ kirmys, See und Flliss im südlichen 
Ermlande, MhW. L IL Hennenb. II. 13. 

kerpau, das beutige Gut kerpen, Kr. Mehrungen. TcG, 182. 

kerpetis, Hirnschädel, Voc. 72. (russ. poln. czerep, dass., kslav. 
czrjepUy poln. skorupa, Schale, Scherben, Muschel). 

kerse, nom. viri, NPBl a. F. VI. 173., 3. F. V 300; daher die 
Dörfemamen kerschen Kr. Heilsberg, kerschitten, Kr. Preuss. Holland^ 
letzteres TcG. 182. auch kirsitten genannt. 

kerscha, kerschan s. kirscha. 

kersle (howe, sulaxe) Hacke, Axt, Voc. 534. 549.; sulaxe, sulaxt, 
vom niederd. sule, suwel (lat. subuld)^ Pfriem, ist diejenige Axt, 
deren sich die Maurer zum Abbrechen von Gemäuer bedienen, und 
deren Kopf nach einer Seite in^ eine querstehende Axtschneide, nach 
der andern Seite in einen starken pfriemartigen Zapfen ausläuft 
{kersle von litt, kertü, klrsti, lett. zehrtu, zirst, hauen); s. kirt 

kerthein, Name der Strasse, die von Königsberg nach Powunden durch 
die heute sogenannte Fritzensche Forst führt, ÄMS. VII. 308; vgl. 
602., daher vielleicht zu litt, kertü, klrsti, hauen, Holz fällen, also 
Durchhau durch den Wald ; vgl. preuss. ki/rt, kirtis, kersle, u. das folg. 

kertene silva bei Bartenstein. Diish. III. 174. 

kerweyken, kerwoyken, kerwick, kerwicke (kerwuke?) lacus. MhW. HL 
TcG. 188. 

keesze s, kresze. 

kethin TcG. 212. Dorf kothen oder köthen, Kr. Wehlau. 



— 71 — 

kettwirt-s, m*, ketmrta, f. nom., ketwirtin, ace, ketunrtsmu, dat., der 

vierte. JEnch. 4. 11. 23. 31. (Knt. I. ketwerts, Kat IL ketmrta) 

(litt. ketwirtcLS u. s. w.). 
ketmrtire, Donnerstag, Voc. 21., von ketwirts, der vierte, nämlich 

von Montag an gezählt; vgl. pentinx (im lett. werden die Namen 

aller Wochentage ausser Sonntag's aus den Zahlwörtern gebildet, 

indem man Montag als ersten Tag zählt ; litt, ketwergas, czetwergas, 

Donnerstag). 
kewsis locus. MhW. IL 
[keuta] keuto, Haut, Voc, 156. 497., ist wohl an beiden Stellen zu 

lesen, nicht kento (litt, kiaütas, Hülse, Schlaube, lat. cutis; keuta 

vielleicht wie ke-üta, ki-üta zu sprechen). Burda Beitr. VI. 396. 
kmtaris, Ringeltaube, Voc. 762., wohl besser als kentaris; auch die 

Handschrift, obgleich in diesem Puncte nicht massgebend, zeigt 

sehr deutlich eu. 
kewtir,lacus,fluvius,vüla. CdP.LLL. 160. MhW. IL 524. {B,.L.kowtir,s.i,). 
hiawte campus, CdP. I. 116., Dorf und Gut kiäuten Kr. Fischhausen. 
kibiten, kiuntten campus et villa, MhW. L LL., Kirchdorf kiwitten Kr. 

Heilsberg. 
kieck, unbestimmte Wurzel, s. ep-kieckan. 
kykimnne campus, MhW. IL 
[kyla] kylo, Bachstelze, Voc. 771. (litt. k'Me, lett. zeelawa)\ daher 

vielleicht Dorf kielischken. Kr. Orteisburg. 
ktlke, pl. f. (verhochdeutscht keilchen) Prov., kleine Mehlklösse. Hejinig 

119. (litt, kplikas). 
kimenow, kymenow, Territorium in Sudauen. Dusb. LH. 194. 217. 
kymis, Hosenleder, Voc. 501. Neumann vermuthet die Bedeutung 

Schurzfell. 
kiiHchel, vielleicht kunchel zu lesen, da die Handschrift kein i-Zeichen 

hat, Gelenk, Fersengelenk, Voc. 144. (litt, ktnka, Kniegelenk); 

Pauli Beitr. VH. 206 will kimchei^ nom. pl., lesen. 
kympone lacus, CdP. LV. 186. MhW. LLL 29. 67. 
[kininf] s. er-ktnint 
kiosi, Becher, Voc. 402. (litt, kiaüszas. Schale vom Ei, von der Nuss, 

vom Krebs, käuszas, hölzerne Trinkschale, poln. kusz, Becher, Trink- 
schale). Pierson VH. 582. 
kyosniff lacu^ s. koysnick MhW. 29. 67. 
Urdi-t, kirdtrtwei, hören, Ench. 35. 78., ktrdimai, wir hören, 80., 

kirddti, kirdyti, imp. pl, höret. 67. 69. 71. (litt, girdml, girdzü, 

gird'eti, lett. dsirdeht). 
[kirki, kirkis'] kyrkoy, G^r., nom., ktrkin, kyrkin, acc. sg., JEnch. 17. 67. 

88. 92., ktrkis, gen. sg., Titel, 66. 95 (kirki 76. als gen. sg. wohl 

fehlerhaft), kyrkin, gen. pl. 77 (Kat LI. kirken), Kirche, German. 
kvrUS'teikusnan, acc, Kirchenordnung, Emh. Titel, 66. 



— 72 — 

hirmas, kirmys s. kermes, 

[kirna] kirno, Strauch, Föc. 637 • {litt kirnas, Weidenruthe zum Auf- 
stellen des abzumessenden Holzes); vgl das folg. 

kirne, kirno silva, MhW. L 386. 387. s. d. vor. 

kirpeine, kirpaine, nom. viri, NPBl. a, F. VI. 174., daher kirpain 
campus MhW. L, das heutige Gut kirpehnen, Kr. Fischhausen. 

kirssen, kirsin, kirsyn, kyrsin, Name eines Baches und Sees CdP. IL 
172. MhW. L IL vgl. kirsno. 

kirsitten, TcG. 182., das heutige Vorw. Ä:^r5cÄi^ew, Kr. Preuss. Holland, 
s. kerse. 

kirscha, kirsche, kirsa, kirschan, kerscha, kSrschan, praep. über, c. acc. 
Ench. 1— 10. 53. 54. 73. 76. 84. 97. 

kirsnan, schwarz, Voc. 460.; hieher gehört vielleicht kirsna, der 
Name eines Nebenflüsschens der Deime, mit den Namen der daran 
liegenden Orte in littauischen Wortformen kirsna-bekei, kirsna-kaimei, 
kirsfirupenai; vgl. kirssen, kirsne, kirsno. 

kirsne campus, MhW. IL 389. ; vgl. das Gut kirschnehnen. Kr. Fisch- 
hausen. 

kirsno locus, MhW. I. 387.; vgl. kirssen^ kirsnan. 

kirsovia, kirsuovia, territorium Sudaviae. Bush. III. 218. 

kyrsuthe, nom, viri, NPBl. 3. F. V, 299. ; daher Dorf kirschitten Kr. 
Preuss. Eylau. 

\kirt, Wurzel, schlagen] kyrteis,im^.^ slo, d. i. schlage, Gr. (litt. 
kertii, ktrsti, lett. zehrtu, zirt, schlagen), s. das folg. und kersle, 
kerthein. 

kirtis. Hieb, Hiebwunde, Voc. 163 {[\\X. Idrtis, kirt^^s, \tii. zirteens) 
s. d. vor. 

kirwaite, kirwaide nach S. Grünau der Oberpriester der heidnischen 
Preussen, sonst kriwe genannt; s. tract. HI. cap. 2: „Ls wardt von 
Anbeginne von dem Lrsten Konige und Kirwaiden irkant vor das 
beste etc.'' s. Sprache der alten Preussen S IX. Und bei Hennenb. 
Erclerung 465. heisst es : „bei dieser (Fiche) wohnete der Kirwaytte, 
auch wohneten herumbher eitel Weydelotten etc." Hennenb. beruft 
sich am Rande auf S. Grünau, dieser aber nennt an der ent- 
sprechenden Stelle tract. H. cap. 5 den kirwaiten nicht, sondern 
sagt nur, nachdem er die heilige Eiche beschrieben: „Vmbvndvmb 
in ihren gezelten wonten die Waidelotten". — vgl. kriwe, krywaiten, 
und Pierson ÄMS. IX. 163. 

kirwaiten, Benennung eines Opferschmauses, der nach vollzogener 
religiöser Ceremonie gehalten wurde; s. S. Grünau tract. IH cap. 2. 
zu Ende: dornach sie heben an zu irincken und zu essen, und dis 
sie nennen kirwaiten, und muss io niemandt nuchter Sondern 
gantz truncken heimgehen, s. Sprache der alten Preussen, S. XI. 



— 73 — 

kisses^ pi., Pelz, Voc. 478 (kslav. russ. poln. kom, kuza, böhm. Ärwia, 

Fell, Haut, lett. kaschoks, kslav. kozuchU, kozina, poln. koSitch, böhm. 

kozick, vestis pellicea, Pelz rock). 
ktsman, kystnan, Zeit, Weile Ench. 67. 69. 72. 81. 88. 89. 94., 

nur in den Verbindungen stan ktsman, stan kysman, stan kisman 

kai, die weil; s. das folg. 
kismingiskai, adv., zeitlich, Ench. 21. 
kittan, ace. sg., kittans, ace. pi., ein anderer. Ench, 1. 25. (litt, kits^ 

kita, lett. zits, zitta), 
kittchtvidin, kitte-widei, adv., anders, auf andere Art. Ench. 20. 82. 
kitawidin4un, ändern, Ench. 66.; im Texte ist dieser Form das 

reflexive -sin, welches bereits am Hauptverbum haftet, noch einmal 

pleonastisch angefügt : et-ldiku-sin deickton prei kitawidintun-sin, er 

enthalte sich etwas zu ändern (nicht: er enthalte sich, sich zu 

ändern). 
kiUe-widiskai, adv., anderweit, von neuem. Ench. 93. 
kiwitten s. kiiiten. 
kytz lacus, MhW. IL 
[daytoia] claywio (sitevlcysch), Seitenfleisch, Rippenstück, Voc. 

375 (litt* kliwas^ krumm, krummbeinig?). 

klantt-t, fluchen (mit per-)^ klanttuns^ klantttmtns, part, act asniai, 
ich habe geflucht, Ench. 35. 36. 37 (auch mit per-) ; klantUs, nom., 
klantUon, acc. part. pass, (mit per-); klantemmai, wir fluchen 2, 
(auch mit per-), (kslav. klinq, klqti, exsecrari, jurare, russ. Menü, 
kljasf, poln. klnq, hlqc, fluchen, kslav. klqtwa, poln. klqtwa, russ. 
kljatwa, der Fluch; die slav. Wurzel ist also kln ohne t, während 
das preuss. Wort das t in die Wurzelsylbe hineingezogen hat, als 
wäre preuss. klant erst auf die slav. Substantive klqt-wa, klqt-wa 
basirt). 

klanttsnan, acc, das Fluchen, Ench. 35. s. per-klanttsnan. 

clapathiten. Ort in Pomesanien, CdP. IL 23. 

Mätke, Vogelbauer, klätke, Gefängniss, Prov. ^beide sind zurück- 
zuführen auf litt. kUtkä, poln. klatka, russ. kljetka, böhm. klec, 
Käfig, Vogelbauer, kslav. kljetüka, cella, kljeta, decipula, slov. 
kletka, cavea). 

clattoy, Klette, Voc. 292. ist wohl nom. pl. (litt, kliüte, Hinderniss, 
an dem man hängen bleibt; oder aus dem Deutschen?) Pierson 
VII. 582. Pauli Beitr VII. 177. 

Uaust-ton, hören, erhören, gehorchen, Ench. 27., klamtuns^ part, 
act., assai, du hast gehorcht, 72. ; klausimanas, part, praes. pass. 
{mit po-) s. Bopp S. 34.; klausemai, wir hören, 3.; klausieiti, imp. 
pL, gehorchet 53. (litt, klausyti, lett. klausiht, hören, gehorchen). 
Vgl. po-klausU, po-klusmai u. die folg. 



— 74 — 

dausie, nom. viri, NPJBl a. F. VI. 173. u. 3. F. V. 301., da'hei^ 
clmieinen, heute Tdosehehnen, Gut im Kr. Friedland. 

hlausysnan, ace, s. po-klausysnan. 

dawsieten, dawsyten, Ortname, CdP, III. 160. MhW. II. 522., das 
heutige Dorf dmisitten im Kr. Braunsberg; gleichnamige Dörfer 
finden sich in den Kr. Heilsberg und Heiligenbeil; vgl. dussite. 

Mausiwinks, Mamiwings, nom., klausitmngin, Mausywingin, acc. Maust- 
toeniki, dat., eig. der Hörer, dann der Beichtvater. Fnch. 32. 33. 
35. 37. 38. 39. 

dawoge, datoogen locus. MhW. II. 

[klexta] klexto, Kehrwisch zum Reinigen des Backofens, Voc. 333. 
(litt, klastpi abfegen, klast^kle, Abfegebesen); Pierson VII. 582; 
s. au-klextes. 

denan (Meet), Nebengebäude, Vorrathshaus, Speicher, Voc. 
1 94 (wohl zu kslav. cMjewina, Haus, Häuschen, cMjewU, russ. chljew, 
poln. chlew, Stall). 

klente, Voc. 673., clynfh Gr., Kuh; dazu wohl der Ottname AKni^Äewm, 
Dorf im Kr. Gerdauen. 

Meppe f., Mep^arn, Prov., eine Art Fischemetz, mit dem am Ufer 
entlang in flachem Wasser gefischt wird. Hennig 125. (kslav. Mep[ca, 
tendicula, za-klepu, slov. sa-klep, kroat. zaMop, retinaculu'm, kslav. 
zorklopiü, slov. 0arkUpati, serb. zorklapati, daudere, russ. Mjapma, 
Haken, Mepcy, Wolfsfalle, Mjap, Knebel, Spannkette, Maulkorb). 

d€pyn aqua CdP. II. 41., der Fluss Meppe, der von Osten in den 
Drausen fällt; an demselben das gleichnamige Dorf kl^ipe und die 
Mühle Meppien. 

Meet steht zwar Vot. 194. in der deutschen Columne als Erklärung 
von dena/n, ist aber jedenfalls auch ein preuss. Wort gewesen, da 
litt. kUtis, lett. Mehts, kslav. Mjett, russ. kljef, dieselbe Bedeutung 
haben, die oben bei denan angegeben wird; vgl. das Verhältniss 
von danierau (s. d.) zu wangus, u. a. ; im mhd. haben wir glet in der- 
selben Bedeutung. 

dines, pl., Kleien, Voc. 336. (litt. Mynes, klijes, lett. Mijas). 

clynfh s. klente, 

[Mip't, verbergen], klipts, part. pass. (m. aur)^ s. d. (litt. sUpti, lett 
slehpt, griech. xalvmstv^ xlimstv). 

cloytus, stagnum, läcus MhW. I IL 

dokis, Bär, Voc. 655. (mit Verlust des anläutenden k litt. lok^s,l6Us, 
lett. lahzis)\ s. caltestis-klokis. 

klockis pratum, MhW. IL; etwa das heutige Gut klock€n,KY. Mohrungeii. 

dochoten moter, Ortname in Samland; Urk. von 1258. NPBl. VI IL 344. 

dopien; clupien campus MhW. L, wohl das heutige Dorf Möpien 
(klobchen) im Kr. -Brannsberg. 

klqpotiten, dopetiten campus. MhW. L 



— 75 — 

« 

klotainen s* cltdeyne. 

klumpe, gew. pi. klumpen, Holzschuhe, auch Schuhe ohne Hackstück 
von grobem Leder mit hölzernen Sohlen, Prov, (litt, klümpes). 

dumpis, Stuhl, Fbc. 216. (kslav. klq^i, scamnum). Pott Beitr, VI. 114. 

[klumstin-t, anklopfen] klumsUnai, er klopft an, JEnch, 84., klu/ni- 
stinaüai (für klumsUnaiti) imp. pL, klopfet an. 84. (litt kltmbenti, 
klcmibenti, dass.). Piei'son VH. 592. 

klimker, f., gew. pl. klunkern, Prov., Werg, das, was von der noch 
einmal durchgehechelten Heede (so heisst hier und auch in Nieder- 
sachsen der in der Hechel zurückbleibende Rückstand des Flachses) 
in der Hechel zurückbleibt ; daraus gesponnenes Garn heisst klunker- 
garn, aus diesem gewebte Leinwand Ä:?wwÄ:er-feiww;awrf. Hennig 126. 
(litt klunktdrei, dass. was klmikem und klunker-gam, kslav. klüku, 
trama, russ. klok, Büschel, Lumpen). 

clupien s. clapien. 

klupstiß. Knie, Voc. 140. (litt, klüpoti, knien, klupotms, in knieender 
Stellung, hUiüpti, Mmptis, niederknien). 

clussite, clussyte, nom. viri, NPBL cu F. VI. 174 und 3. F. V. 299*, 
daher der Ortname clawsyten s. d. 

klusmai, klusmings s. mit po-, zu klausi-t 

duteyne, klutein, campus, kluttein^ klotainen villa, deutsch goldberg, 
MhW. L U. NPBl a.F. XL 289, das Gut klotainen Ki\ Heilsberg. 

knaistis, Brand, angebranntes Scheit, Voc. 36. (ks\2L\,gnjetiti,accenclere). 

knapios, Hanf, Voc. 268. {litt kandpes, \eitt. kaMepes, ks\a,\.konoplja, 
russ. konopljä, konopeV, poln. konop\ böhm. konopä, griech. xdvvaßog, 
lat. cannapis, ahd. hanaf) s. gnai-sem. 

knauen, nauen, Prov., miaueli^ von der Katze (litt, kniat^u, kniauti, 
davon kniauka, die Katze, als ßäthselwort) Pierson VIL 596. 

knieipe, er schöpft JEwcä. 73. 

knich TcG. 213, alter Name des Guts und Vorwerks gnie (gross- und 
klein-) im Kr. Gerdauen. 

knipabe, knypdbe, kniepab, kneypaie, heute kneiphof, eine seit 1327 
bebaute und als Stadt privilegirte Pregelinsel in Königsberg, ehedem 
auch pregor-munde oder vogts-werder genannt, GDK. L 89. 109. 
114. 116. TcG. 214, Hirsch Handelsgesch. 281.; der Name kommt 
auch anderwärts als Localbezeichnung vor, s. NPBl. VIII. 107. 460. 
IX. 96., wodurch sein preussischer Ursprung unsicher wird. 

kniwdn, Prov., etwas vorhaben, das viel Geduld erfordert, bes. eine 
Arbeit, zu welcher die Finger gebraucht werden, z. B. einen ver- 
wirrten Knoten auflösen; daher kniwd-arleit; Hennig 128 (litt. 
knlbti, knibineti, knebinUi, lett. knibbeht, knibinaJit). 

knogstein, knoxstein, knogstin locus, MhW. IL s. glockstein. 

coaris, Banse, Fach in der Scheune neben der Tenne, Voc. 232. 

chobar s. gobrio. 



— 76 - 

hobel, hobele, kbbil, Stute, im Voc. 433. 435. 694 als deutsches Wort 
gebraucht; kbbbel ist heute noch allgem. üblicher Provincialisraus 
für Stute; in Urkunden, bes. in den Inventarienregistem kommen 
häufig die Pluralformen kobeln, köbelen, kobiln, köblin vor (kslav. 
kobuila, kobuilica, russ. poln. köbyla^ böhm. köbylkd)\ vgl. auch die 
Ortnamen kobbel-bvde, kobbel-grube, kobbel-hals, kobbel-kampe, 

kobilke, Prov,^ Reiherente, Quakente, nach Mühling, s. AMS. 
VIIL 681; wahrscheinlich eine aus dem Volkswitze hervorgegangene 
Bezeichnung, Siu^ fo\n, kobylka, junge Stute, „dasKobbelchen"; auch 
Nemnich führt unter anas clangula die deutsche Benennung ioftfte^ 
ente an; in ähnlicher Uebertragung, nur auf einen andern Gegen- 
stand angewandt, finden wir das poln., russ., böhm., slov. kobylka 
in der Bedeutung von Heuschrecke, Grashüpfer; ich erinnere als 
Analogen an das deutsche Herrgotts pferd eben, womit man den 
Blattlauskäfer, coccinilla, bezeichnet. 

kodesnimma, Kot. L, kudesnammi, Kat IL, so oft als; in Ench. 41. 
fehlt die üebersetzung der Worte: so oft ihr es trinket. 

coestue, Bürste, Voc. 559., s. coysnis, 

kogge, ein Handels- und Lastschiff, ein im Mittelalter fast über 
sämmtliche Küstenplätze des atlantischen Meeres, der Nord- und 
Ostsee verbreitetes Wort, das sich auch in der lettischen und 
preussischen Sprache eingebürgert hat, lett. ktuffjis, Lastschiff, 
Kauffahrteischiff, und davon die wie von einem einheimischen Worte 
sprachgerecht gebildete Ableitung kuggineeks, Schiffer: in Preussen 
kommt es vor in einer Verschreibung von 1366 MhW. IL 4*21: 
daz zcwey und dremchzte teyl an eyn koggen, und SrP. IV. 647. 
AMS. IX. 296 Ein lied vom Koggenuffrur a®. 1456, dessen Anfang 
lautet: de kogge ist ein farschip old; auch hat es sich hier zahlreich 
in Localnamen erhalten; in Königsberg triebt es noch eine koggen- 
gasse, in Danzig ein koggen-thor, eine koggen-brücke, ein koggen- 
quartier; ferner das Vorwerk koggen am Pregel, Kr. Königsberg, 
bei Frauenburg an der Baude das dem Dome zugehörige Etablisse- 
ment koggen-busch, am Ausfluss des Elbing in das Haff das Bürger- 
gut koggen-höfen. Im littauischen habe ich das Wort noch nicht 
ermitteln können, es wird aber auch da wohl vorhanden gewesen sein. 

cogeno silva^ MhW. L 

koyden campus MhW. I., das Dorf koiden, Kr. Osterrode; vgl. koydikc 
nom. viri, NPBl. 3. F. V. 300. 

koyk campus MhW. J. 

koysnick, koysnig (kyosnig) rivus, lacus. CdP. IV. 186. MhW.ILIIL 

coysnis, Kamm, Voc. 557., wohl desselben Stammes mit coestue (litt. 
kasmti, kaspti, kratzen, striegeln, lett. kassiht, schaben, harken, 
kslav. czesati, russ. czesäf, poln. czesac, kämmen, kratzen, Utt. 



— 77 — - 

kastüwas, Striegel (Suffix 4mvas, -tuwe- gleich preuss. 'ttie\ kslav. 
czeslu, slov. czeslo, czesen\ böhm. cesadlo, Kamm). Burda Beitr. 
VII. 396. Pierson AMS, VIT. 582. 

koytu Gr. s. qtioit. 

Tcock, kockow, kokowge, l<zcm. MhW. L 

kokoschke, Prov,, eine Garbenpyramide, (niederd. mite)^ in welche 
in manchen Gegenden die Roggen- und Weizengarben aufgestellt 
werden, indem etwa fünf Garben mit den Aehren nach oben zusammen- 
gestellt und eine sechste, mit den Aehren nach unten, als Dach 
darüber gebreitet wird; das Ganze hat von ferne betrachtet das 
Aussehen eines hockenden Vogels, daher wohl der Name von poln. 
kokoseka, junge Henne, oder russ. koküszka, Kukuk. (kslav. kokosm, 
kokoszi, kokoszXka, Henne); kokoschken kommt auch als Dorfname 
vor z. B. im Kr. Danzig, desgl. kokosken, Kr. Stargard und Kr. 
Orteisburg. 

koldtsch, koUdtsch, Prov., Paarsemmel, Hennig 130. 131. (russ. 
kaläcz\ poln. kolacz, kslav. kolac^t, Kuchen, Fladen) ; vgl. kalso und 
Pott Beitr. VI. 113. 

coleen, heute Dorf callehnen, Kr. Wehlau. TcG. 212. 

colkstitien campus, MhW. L 

colm, colme, colmen, cholmun (cholinun wohl Schrbf.), und culm, culmen 
(lat. flectirt: in cölmine, in culmine)^ die Stadt Kulm, terra colmsnsis, 
das Kulmerland, civitas colmensis, cholmensis, die Stadt Kulm, juxta 
cholmen dvitatem, etc. Dusb. IL 5. HL 3. 8. 9. 10. 35. 36. 40. 44. 
Voigt Gesch. II. 170. 214. III. 389. CdP, 7.67. Vossberg Münzen 
S. 30. NPBl 3. F. F. 72. ÄMS. L 338. {VL 50., LX. 594., SrP, 
L 237.); der Name ist wohl slav. Ursprungs. Lateinische Wilkühr- 
bildung ist culmigeria, Kulmerland. NPBl. a. F. XL. 72. 

colmense, colmse, colmsee, culmense, die Stadt Kulm see. Dusb. LLL. 
153. 154. 309. Suppl. 27. Vossberg S. 32. 

colosey, cölosoy, alter Gutsname in Pomesanien bei Riesenburg. CdP. 
LL 23. 170, 

cdowach, Ortname in Samland. Urk. 1258. NPBl. VLLL. 344. 

kölpack, kolpacken s. kulback. 

col-warnis (rucke) Saatkrähe, corvus fru^ilegus, Voc. 726, provinciell 
noch jetzt ruche, rurch-vogel genannt, in manchen Gegenden Deutsch- 
lands kol-rabe, kolk-rabe; vgl. wamis, warne. 

komaters, Voc. 183., corwa^er, G^r., Gevatter (}\ii. kümas,\eXX. kuhms, 
kslav. kümotru, m., kumotra, f., poln. böhm. kmotr., m. kmotra, f.). 

komor territorium in Pomesanien, heutige Kolonie komrau Kr. Stuhm. 
TcG. 12. 

konagis, König, Voc. 405. (lett. kungs, Herr, litt, künings, Pfarrer, 
mhd. chuninc, König), 



— 78 — 

[kop-t, graben], kopts, part. pass, (mit en-), s. en-kop-t, kopte, au- 
ckopte, und vgl. kape; {kslB,y. kqpati, russ. kopaf, polo, jfcopac, graben, 
litt, kapotiy lett. kappaht, hacken). 

copa s. warnay-copa. 

copo, cops J Hügel, in den Localnamen aneta-cops, papme-, poyme-copo, 
pil-kop, pille-kop, letztere bei Hennenb. 335. 

köps s. keps. 

kopte, kupte, Graben, fossatum, ÄMS, VIL 304. 315. s. kop4, au- 
ckopte, ati-cupte. 

corbis (vlecJde), Korbgeflecht am Wagen, Voc, 306; torUs ist da- 
selbst Schrbf. (litt, kürlas, lett. kwrwis, russ. korob, kslav, krabii, 
litt, kärbija, deutsch korb). 

[corda] cordo, wahrscheinlich Strick, maclo-corda. (poln. iorda, Gürtel- 
strick der Mönche, kordel, Strick, litt, kardelius, Tau, Schififstau, 
russ. kardely, pl., grosse Taue, lett. kehrdums, Taugewinde auf den 
Schiffen). 

koriote, koriothe, nom. viri, NPBl. a. F. VI. 174.; korioth existirt 
hier auch noch als Familienname; daher Gut korjeiten Kr. Fisch- 
hausen (früher korjoiten?); vgl. kariote. 

korke, Prov., Pantoffel, Weiberschuh ohne Hackleder (litt, kürke, 
kärke) ; Sache und Wort haben mit dem Korkbaum, Korkholz gar 
nichts zu schaffen. 

corpe, Schuh, Gr. s. kurpe. 

cort lacus s. curtoy. 

[korta] korto (hayn) Gehäge, eingehägtes Jagdrevier, Voc. 698. (die 
slav. Sprachen haben statt k und t die entsprechenden weichen 
Consonanten g und d, kslav. graditi, poln. gradzic, einhägen, um- 
zäunen, poln. grodz, grodza, Gehäge, kslav. gradU, russ. gorod, Stadt, 
poln. grod, Schloss, Burg); vgl. po-corta und curt-medien. 

kose, Prov., Ziege (kslav. russ. poln. böhm. u. s. w. koza, lett. kasd) 
vgl. wosee. 

cosy, Kehle, Voc. 96, nicht tosy zu lesen, (litt, kosere, Luftröhre, 
köseti, kösyti, lett. kahseht, husten, kahsa, der Husten). Burda Beitr. 
VI. 406. Pierson VH. 589. 

kbschel, (seh = z) Prov., ungeschickter Fuss, Bocksfuss; koscheler 
(z), die auf einen solchen passende Fussbekleidung; (poln. kosla, 
koszla, Bocksfuss, koslawy, krummbeinig, wohl zu russ. kozel, pol. 
koziel, koziol, Ziegenbock). 

koschulle s. kaschulle. 

kosno lacfus, MhW. HL 

kote, Dohle, Voc. 724. 

kotin, Ort in Pomesanien CdP. IL 36. 

koUir, Gut in Pomesanien CdP. LI. 23. 

kowtir s. kewtir. 



— 7« — 

kocen locus MhW, IL 

kraddeln, Prov., stehlen. Henaig 132 (kslav. kradq, krasti, russ. 

kradu, krast\ pol», kradnq, krasc, stelilen, kslav. krad^ba, russ. kradba, 

Diebstahl, kslav. kradico, böhm. krddce, Dieb). 
kraeuwiey s. crauja. 
crcLglien mlla, CdP. II, 68. 

kragis, Heer, Voc, 410, vielleicht richtiger krajis, krayis s. karia. 
kragis, Voc. 400, cragge, Gr., Krug, Kanne (litt, krdgas). 
crays, Heu, Voc. 289. s, craysi und crayse-wisse, 
crayse, Brey, Gr. (irrthümlich für Heu?). 
crayse-msse, crayse^esen, craysze-weyszen, Heuhafer, Halmhafer, 

in dem grossen Zinsbuche des Archivs S. 195. u. öfter; s. Toppen 

A MS. IV. 151 ; die vorkommende Lesart crawsze-wesen ist im ersten 

Theil Schreibfehler; vgl. wyse. 
craysi, Halm, Voc. 275; vgl. crays; wahrscheinlich ist craysi Sing. 

zu dem Plur. crays, letzterer contr. aus crayses, craysis, Pauli 

Beitr. VH. 195. ; vgl. caymoys u. pallaips. 
krajis, krayis s. kragis, Heer. 
\kracca] kracco, Schwarz sp echt, picus martius oder jp. niger maxinms, 

Voc. 744; es steht in cTer Handschrift zwar deutlich kracto, aber 

flennoch ist wohl richtiger kracco, d. i. kra^ca zu lesen (litt, krake, 

krakis, esthn. kärrik, Schwarzspecht, litt, kärkti, lett. krdhkt, kslav. 

krakati, russ. krakaf, krächzen); vgl. krakotin. 
krakkeln, Prov., schwer athmen, sich würgen (litt, krokiü, krokti, 

lett. krahzu, krahkt, auch krahkeleht, schnarchen, röcheln, schwer 

athmen). 
kraclan, die Brust, Voc. 118; s. das vor. 
krakotin, krakotyn silva, in der Gegend von Rastenburg und Rössel, 

auch Dorf oder Vorwerk gl. N. im Kr. Rastenburg, MhW, L 62. 

63. 478. IL 528. CdP. IIL 162.; vielleicht zu kracca. 
cra^ow lactis MhW. IL 
krakthoy lacm MhW. IL 
[kracta^ kracto s. kracca. 
krälik, nom. viae. NPBl. XL 74. 
cramptis (nayl) Nagel, nach der Stellung vielleicht Riegel im 

Schlosse, Voc. 539; deutsch krampe, 
crancow rivus, MhW. IL 
krarhz silva MhW. LL; vgl den Badeort kränz, auf älteren Karten 

kranZ'kuren. 
crasC'lauken s. grase-lauken. 

crasima territorium Sudaviae. Bush. III. 209. 211. 
kraten, Prov., Gitter vor den Fenstern, (litt, krätas, krdta, krdte, 

gew. pl. hcakCt, krdtos, krdtes, poln. krata, dass.) 
kraugen s. cratya. 



— 80 — 

[crauja] crauyo, Voc, 160., krawia, Ench, 40., nom., krawian, ace. 16. 
41. 88., Blut (Kat 7. kraugen, Kat IL kraeuwiey) (litt, kraüjas, 
kslav. kruw^, russ. krow\ poln. böhm. krew\ dass., litt, krüwinas, 
blutig). 

crauya-mrps, Aderlasser, Voc, 551. s. das vor. und mrpis. 

crausy, Birnbaum, Voc, 617. (litt. kräuszis\ s. das folg. und kruschke; 
hieher vielleicht die Localnamen kraussen, Kr. Königsberg, krausen, 
Kr. Gerdauen und Rössel. 

crausios, Birne, Voc, 618, wohl vielmehr plur. Birnen (litt, kräusle); 
s. das vor. 

krawia s. cräuja. ' ^ 

krepsch, Prov,, Ranzen, Handsack, den man als Reisenecessär mit 
sich trägt, (litt, krepsms, kräpszas), 

kresze, wie es scheint, Benennung irgend eines heidnischen Festes. Es 
heisst in den Articuli per Prutenos tenendi des Bischofifs Michael 
(s. s. V. kappyn) in JKR. I, Anh. 127: Item ut de cetero in silvis 
aut nemoribus nullas faciant congregationes seu celebritates contra 
statuta sancte matris ecclesie, et cor um kresze amplivs non celebrent. 
Dieselbe Sache ist, wie ich vermuthe, geraeint in der Landesordnung 
des Hochmeister Conrad von Erlichshausen, wo es in der 
Zusatzbestimmung zu § 1 heisst: und sunderlich die prewszen das 
dy abelegen heydenissch weyse als an cleidern, heilunge des vihes und 
des bieres unordentliche getrenke das uff Samlanä dy keyse unde 
mettele ist genandt. So in der Copie gedachter Verordnung, die 
sich im hiesigen Staatsarchiv befindet, und in dem Abdruck der 
Originalhandschrift in Baczko's Gesch. H. 414. Dieses Original soll 
nach Baczko sich in der hiesigen Schlossbibliothek (der jetzigen 
königl. Bibl.) befinden, ist aber trotz vielfacher Nachforschungen 
dort nicht aufzufinden gewesen. JKR, I. Anh. 289 druckt dieselbe 
Urkunde ab, giebt aber keesze statt keyse; eine von diesen beiden 
Lesungen ist offenbar fehlerhaft; Hesse sich im Original kerse für 
keyse lesen (für den, der den Schriftcharakter jener Zeit kennt, ein 
leicht erklärlicher Lese- oder Schreibfehler), so wäre die Identität 
mit kresze unzweifelhaft. 

creslan (barkenstulj, Lehnstuhl, Voc, 217. (litt, kreslas, russ kreslo, 
poln. krzeslo^ Lehnstuhl, Ehrenstuhl, lett. krehsls, litt, krase, Stuhl 
überhaupt). 

krichaytos (krichen) pl., eine Art Pflaumen, Voc, 621., wahrscheinlich 
prunus insititia, auch deutsch noch heute krichen, hier provinciel 
krekeln genannt. (\itt kryke, krykle, wilder Pflaumen- oder Kirschbaum). 

crixti'twi (wohl Drckf. für 'twei),'\x\{,^ taufen, Ench, 11.^ crixtits, part, 
pass., getauft. 29. 77. 88. 89. 92. (Kat. IL crixteits); crixtia, ich 
taufe, 92., crixteiti, imp. pL, taufet, 28 (Kat. L crixtity, Kat. LI, crixtidi, 
Drckf.) (litt, krlksztyti, lett. kristiht, russ. krestif, taufen). 



— 8t — 

crioctianai, nom. pi, crixtiänans, christiänans, acc. pl., crixtiänimans, 

dat. pl, die Christen Fnch. 18. 40. 52. 88. 
crixtianisJcas, nom., crixtianishan, mxtianiskun, cristiäniskan, christir 

aniskan, acc, crixtianiskun, gen. pl., christlich. Ench, 13. 17. 66. 

77. 82. 88. u. öfter; Christenheit 18 (Kat L krixtianisJcun, 

Kat IL krichstianisqitanj, 
[krixtiena] hixtieno, Erdschwalbe, hirundo riparia, Voc. 741. (litt. 

kregzde, Schwalbe). 
crixti-laiskas, Taufbuch, Taufforraular. Ench. 11. 
krixtien fluvius. MhW. I. 
crixtissennien, acc.,' Taufe. Ench. 95. 
crixtisnä, crixtisnai, nom, crixtisnan, acc, crixtisnas, gen., Taufe. 

Ench. Titel, 28. 29. 31. 78 u. öfter. 
crixtisnä-laiskas, Taufbuch, Taufformular. Ench. Titel. 
crixtnix, nom., der Täufer. Ench. 11. 
christiänans s. crixtiänai. 
cristiäniskan, christianiskan, s. crixtianiskas. 
[kristionisca] kristionisco, Christenheit, Voc. 794.; es steht daselbst 

zwar deutlich -nisto, ist aber jedenfalls aus -^isco verschrieben und 

in dieses zu verändern; vgl. crixtianiskas, cristiäniskan. 
Christus, Christi, Cliristo, Christum, Christon, Christus, Ench. oft; 

an dem Namen und seinen lateinischen Formen ist, wie es scheint, 

aus Pietät nichts geändert worden. 

crium-kayme s. treon-kaymyn, tris-kaym. 

krywaiten nach Prätorius IV. 101. die Blutsfreunde der kriwe. 

criwe, cry we, kriwe, der Oberpriester der heidnischen Preussen, der 
in dem heiligen Orte rmnowe, s. d., seinen Sitz hatte. Dusb. HL 5. 

kriumle, der Krumm stab, den der kriwe als Zeichen seiner Würde 
trug; später, und zum Theil noch jetzt, heisst kriwule bei den 
Preussen sowohl wie bei den Littauern der Krummstab des Dorf- 
schulzen, bestehend aus einem kurzen Stecken mit daran befindlicher 
gekrümmter Wurzel, durch dessen Herumschicken von Haus zu Haus 
die Gemeindeversammlungen berufen werden (s. litt, kriwas, krelwas, 
krumm). Auch die Gemeindeversammlung selbst wird kriwule ge- 
nannt, oft auch in der verstümmelten Form krawol, selbst zu kull 
verkürzt; auch die geselligen Zusammenkünfte, z. B. die Spinn- 
abende, heissen an manchen Orten noch krawül, krawol, krawä; vgl. 
Hennig 136. 

cromaw, cromow, Name mehrerer Seen im Ermlande. CdP. IV. 186. 
MhW. in. 29. 67. 

kroop, kroop-zeug, Prcyv., nichtsnutzes niedriges Gesindel, roher ge- 
meiner Pöbel, (vielleicht zu litt, kropih, kröpti, lett. krahpt, betrügen). 
cropayn silva, villa. MhW. IL 

Nesselmann, Thesanrus. Q 



-=- 82 — 

hrM, fallen, Ench, 68.; s. kruwis (litt, griuim, griüti, lett. gruhstu, 

gruht, einstürzen, umfallen). 
crticJce villa, Bush, III. 66., Dorf krücken bei Kreuzburg. 
crummen locus, villa, MhW. IL 
krumslus, Knebel, Fingergelenk, Voc, 116 (es steht daselbst 

krumstus, aber vgl. litt, krumpslis, lett. krumslis), 
kruncken, TcG. 214, nicht ganz verständlich: „vier Hufen in der 

Wilkie, kruncken genannt". Hiess diese wilkie (Wolfswald) kruncken'^ 
crupeyle, Frosch, Voc. 780. (in der Handschrift steht trupeyle^ aber 

vgl. lett. kruppis, kraupis, Kröte, eigentl. die verschrumpfte, grindige, 

von krupt, verschrumpfen, kraupains, grindig, litt, krupes^ die Pocken, 

krupos^ russ. poln. krupa, Grütze, und das zu gahawa in Betreff 

der Begriffe Frosch und Kröte Gesagte). 
kruschke, Prov., wilde Birne (am nächsten stehen kslav. kruszika, 

serb. krusska, slov. illyr. kruczka, desgl. kslav. chrusza, chruszwa, 

demnächst russ. gmszka, poln. grussa, gruszka, böhm. hruszka^ litt. 

gmsze, Birne, Birnbaum; litt, kruszin^s, kriauszin^s, Birnwein); s. 

auch crausios, 
kruwis, der Fall, das Fallen, Voc. i67; s. krü-t. 
ku, Relativform, s. kur-ilgimai und sen-ku. 
kudesnammi s. kodesnimma. 
cudin, cudyn, kudyn, cuddy nen, cudin-lauke, campus MhW. I. IL, 

Kammeramt in der Comturei Elbing TcG. 190, das heutige Gut 

kadienen. 
kudrauwe, kudrawe, nom. viri NPBl. 3. F. V. 300. 302.; daher 

vielleicht das Dorf kuddern Kr. Darkehmen. 
kugis, Degen knauf, Foc. 426 (litt, ^fw^d, Sattelknauf ? wahrscheinlich 

ist es aber identisch mit dem folg.) 
cugis, Hammer, Voc. 518. (litt, kügis, küjis). 
ku'ilgimai, wie lange, solange als. Ench. 72. 
cuylis (beer), der zahme Eber, Voc. 683.; in der Handschrift steht 

als augenscheinlicher Schrbf. tuylis, denn wir haben neben dem noch 

allgemein verbreiteten Prov. kujjel das litt, kuilys, lett. kuilis, poln. 

chujec. — Nach Hennig 138 heisst kujjel auch das Rauchloch 

im Darrofen. 
kuj, kuje, Prov., grosser Heu- oder Garbenhaufen, der thurmartig auf- 
gebaut wird für den Winter, (litt, kügis, lett. kuija^ auch kaudse, 

d. i. älteres kauge). 
cucan, braun, Voc. 465. 
kuke, kucke, cmum^ chucum, chucun, Nebenformen zu caux, Kobold, 

Alraun, bei den christlichen Schriftstellern der Teufel; auch hiess 

kuke, cucke eine Furt in der Passarge bei Borchertsdorf, Kr» Preuss. 

Holland, die vollständiger cuken-brast, chucum-hrast (Var. chucun- 

Jyrasch, cucum-brasch) genannt wurde ; so CdP. IL no. 1 . Mh W. I, 48 : 



r~ 83 — 

yyOd vadum Serie, qui cucJce ah indigenis nmninatur^', und ebend. 63 : 
„huke oder chucumbrast, of Deutsch desz Teufels durchfahrt"; es 
wird wohl ursprünglish „die Furt oder Durchfahrt der kuken, oder 
kuuken, der Unterirdischen" bedeutet haben; s AMS. IV. 154. 
Zu kuke, kurcke gehören wohl die Ortnamen kukehnen, cucuten, 
ku^cken-^orf (kocken-dorf)^ vielleicht auch kukelinge, cuculnig, und der 
zweite Theil der Namen malce-kuke und nmchi-cu^, s. dd. ; die Form 
'chucun, kukun hat das Aussehen eines gen. pl., nach Analogie 
von grykun, 

kuckel, Prov., kleines rundes Kinderbrötchen (litt, kukul^s, kukl^s, 
Fladen, Mehlkloss, poln. kukla, Wecke, längliches Brötchen). 

kukelinge s. citculnig. 

cuken-brast s. s. v. kuJce, 

kukore (kuchin), Voc, 348, entweder Köchin (litt, kükorius, Koch, 
kukarka, Köchin) oder Küche (ahd. chuhhina, mhd, kuchen, kuchin, 
litt, kukore, gew. küknia, kükne, lett. kukns) ; die letztere Bedeutung 
scheint wohl die richtigere zu sein. 

cuculnig. cumlnyk, kukelinge lacus im Kr. Allenstein, MhW. IL 

chUfCum-brast s. s. v. kuke. 

cucuten villa, MhW. I. 193, bei demyta im Kr. Heilsberg. 

kulla, Prov., im Samlande in dem Sinne von stu/rgel, s. d«, gebraucht; 
(litt, kulü, külti, schlagen). 

kulbak, kulpak, kolpack, kohlbacke, Prov., der Bügel am Pfluggeschirr, 
in welchem des Ochsen Hals steckt (litt, kulbökas; fraglich ist, ob 
auch litt, kalbökas, lett. kalpaks, kslav. klobukü, böhm. klobauk, Hut, 
russ. kolpäk, Schlafmütze, poln. hohe Husarenmütze hiermit zusammen- 
hängen); hieher der Dorfname kolpacken Kr. Darkehmen. 

kuliks, Beutel, Tasche, Voc. 487. (litt, kuükas, auch kiilys, kul'e, 
lett. kulla, russ. kul). 

kulin (?) Ort in Pomesanien. CdP. II. 36 flgg. 

culm, culmen, culmen-se s. colm. 

kulnis (enkel), Fussknöchel, Voc. 143 (litt, kulms, Ferse, Hacke). 

culowe campus, MhVT. I. 

kulpak s. kulbak. 

culczi (huffe), Hüfte, Voc. 138. (litt, külszis, külsze, slov. kolk, Hüfte, 
poln. kulsze, Hüftbein, kslav. kluka, poples, Kniekehle). 

cumayn^ ku/niayn, kumeyen campus, MhVT. I. das Kiichiori kumehnen. 
Kr. Fischhausen. 

kumetis, Bauer, Voc. 409 (litt, kümetys, Instmann, verheiratheter, mit 
Wohnung, Ausgedinge und Tagelohn ausgestatteter Arbeiter auf 
einem Gute; kslav. kmett, magnatum procerum unüs, slov. kmet, 
poln. kmiec, rumän. kumet, rusticus, böhm. kmet, pater familias). 

humpen, ku/mpchen, Prov., grosses Stück Fleisch; in Darkehmen ein- 
gesalzene Schweinefüsse (litt, kümpis, geräucherter Schweineschinken). 

6* 



— 84 — 

kumpin-t, hindern, JSnch. 76., kumpinna, er hindert, 22. (kslav. 

kqpina, rubus, Dornstrauch?) 
kümps s. et-kümps, 
kunchel s. kimchel, 
cunclis, Raden, Unkraut im Getreide, agrostemma, Toe. 272., wo 

fehlerhaft tunclis stellt, (kslav. kqkolt, kqkoUcay poln. kqkol, kqkolnica, 

polab. kungchi, magy. konkoly, und mit ausgestossenem Nasal litt. 

kukalei, lett. kdhkali, böhm. kaukol, lausitz. kukel, slov. kokolj, kokalj, 

serb. kukol). Pott Beitr. VI. 117. Burda ebend. 401. 
[kunt, Wurzel, hüten, pflegen, davon] künst/mi, (mit po-)^ küntons, 

küntuns, part, act, (mit po- und ni-po-), künti, er pflegt, hütet (auch 

mit pO') JSnch. 70., künsi, opt., er hüte (mit po-)^ kuntieis, imp. sg. 

hüte (mit po-) ; s. po-kunt. (russ. kütaju, kütaf, verhüllen) ; vgl. 

Bopp S. 32. 
kunter, Prov., kleines Bauerpferd, bes. kleiner Wallach (litt. 

künteris; von poln. kaifi, Pferd?). 
kuntis, Faust, Voc. 113 (litt, kümstis, kümsscm). 
kuntiten campus, MhW. I. 
kupein, kupeyn, cupeyn, kupin villa, CdP. IL 108. ÄMS. IX. 327. 

328. 330, das Dorf kuppen bei Saalfeld. 
kuppeln, Prov., handeln, Kleinhandel treiben; daher kuppel-weiber, 

Markt- und Handelsfrauen, Vorkäuferinnen ; s. NPBl. a. F. III. 298. ; 

vgl. kaupiskan. 
cupigeyten villa, CdP. IL 71., das Dorf kobgeiten Kr. Fischhausen. 
kupsins, Nebel, Voc. 46. 

kupschell, Prov., Vor kauf er, Aufkäufer, Handelsmann, Hennig 139. 
(litt, kupczelninkas, Kleinhändler, kupczduti, lett. kuptsehoht, poln. 
kupczyc, Handel, Kramerei treiben). 

kupte s. kopte, au-cupte. 

[kur-t, bauen] kura, er baute, machte, Ench. 68 (litt, kuriit, kürti, 
bauen). 

kurre^ Truthenne, kwrr-hahn, Truthahn, Prot;, (kslav. kuru, Hahn, 
ku/rica, Henne; poln. kur, Hahn, kura, Henne; russ. klirica, Henne, 
kurok, Hahn am Schiessgewehr; kslav. kurq, puUus gallinaceus). 

curcUe, curcho, der Erntegott der heidnischen Preussen; s. Privilegium 
anno 1249 a Jacoho Leodiensi Prussis concessum bei Hartknoch Select. 
Dissertt. p. 126. 138. MhW. I. 32. — Der Name erschien und 
erscheint noch oft in Localnamen, so in kurken, kurkau, kurkowken, 
kurkoczyn, kurkowizna, kurkaczysna, kurksadel, kurkenfeld^ korkehnen, 
korklack u. a. — Vgl. auch Heinel PBl. LV. 30. 

kurksadel, kurh-sadel, kurkesadil, kurko-sadil, curchu-ssadil, curchu- 
ssadl campus, MhW. L IL III. CdP. III. 162., das heutige Kirch- 
dorf kurken Kr. Osterode, an der Südwestspitze Ermelands. TcG. 



— 85 — 

127. Der Name hurJc-sadel bedeutet wohl „Sitz des curche^^'^ vgl. 

sadint, sede, sid. 
kurpe, Voc, 500, corpe, Gr., nom. sg., Jcurpi, nom. pl., kurpins, acc. pl., 

Ench. 14. 32. Schuh, (litt. lett. Mrpe, poln. kurp'). 
curpelis, Leisten des Schuhmachers, Voc. 509, wo als Schrhf. turpelis 

steht (vgl. das vor. und litt, kurpdlius, Leisten). 
curpis, Schmiedestock, Ambossstock, der Klotz, in welchem 

der Amboss ruht, Voc. 519., gleichsam der Schuh des Ambosses; 

s. kurpe. 
kurt Ulcus s. curtoy. 
kurt-eiti, imp. pl, irret, täuschet, Ench. 52., falsch construirt: ni 

kurteiti ains antran, recipr., irret nicht einander, statt reflexiv, irret, 

täuschet euch nicht; der Uebersetzer hat den deutschen Text falsch 

aufgefasst, als hiesse es: setzt euch nicht gegenseitig in einen Irr- 

thum. (vielleicht zu litt, kurtüs, taub, apkürtqs reszutis, taube, hohle 

Nuss, die da täuschet). Pierson VII. 592. 
curtis (wynt), Windhund, Voc. 700. (litt, kürtas, kürtis^ lett. kurts, 

kslav. chruti, bulg. hrut, serb. khort, slov. böhm. hrt, poln. chart), 
curt-medien silva, MhW. L, das heutige Gut kort-medien Kr. Wehlau, 

s. corta und median^ also „Hägewald." 
curtoy, curtoyn, curtöge, kurt, cort locus, MhW. II. 
[kurwas] curwis, Voc. 672, nom., kurwan, Ench. 52, acc, Ochse. 

(poln. kassub. kartv, Ochse, litt, kdrwe, kassub. karwa, kslav. slov. 

illyr. böhm. krawa^ russ. korbwa, poln. krowa, serb. kruwa, Kuh); 

vgl. die Namen curwe, curwe-dumpne s. d., und die heutigen Ort- 
namen korw-lak, corwingen. 
curwe campus, MhW. I. s. d. vor. 
curwe-dumpne, NPBl. a. F. IV. 169, AMS. VI. 344, das heutige 

Vorwerk kordomnien Kr. Heiligenbeil; vgl, kurwas und dumpnis. 
kurwith lacus s. kerweyken. 
kuss, kussig, kusig, Prov., klein, kurz, gestutzt (poln. kusy)\ 

vgl. kusel. 
kusaw, kussau, kussie, kussein, küssen lacus. MhW. I. Hennenb. II. 14. 
küsel, Prov., Stumpf, abgebrochener oder verkümmerter Baum; bes. 

üblich ist küsel-fichte, verkümmerte, verkrüppelte Kiefer oder Fichte, 

auch fehlerhaft kujel-ßchte gesprochen; vgl. kuss, kuslas. 
[kuslas, schwach] davon kuslaisin, acc. comparat., schwächer, Ench. 

58. ; vgl. kuss, küsel (litt, küszlas, kuszlüs, schlecht, von Gewächsen). 
kusowirog pratum, MhW. IL 

kutz, Prov., Prügel, grosse Peitsche, Hennig 140. (litt, kücius). 
quai, nom. sg. f. und nom. pl. von kas, s. ka. 
qmit-s, nom., quäitan, quaitin, acc, Wille, Ench. 21. 22. 61. 71. 

s. quoit. 
quaitings s. ni-quuitings. 



— 86 — 

qaedemnove, qmdenowe, quedenow, Bush, HL 70. 102. CdP. IL 51. 
NFBl VIIL 342 AMS, 7/7.301, das Kirchdorf, ehem. Kammer- 
amt quedenau, Kr. Königsberg. 

qmi, relat., wo. Euch. 20. 31. 40. 42. 48. 54. (sanskr. Teva), s. Bopp 
S. 26 und ni-qitei. 

quehe (stecle) Stakel, krummer Tannenast, wie er zur Errichtung von 
Zäunen (Stakelzaun) verwandt wird, Voc, 635 s. AMS. VI, 323. 
(litt, kwaja, niedrige krumme Fichte). 

qttela, quele aqiia, MhW. L II 

\quelb4, knieen] quelbton, part, pass., mit jpo-, s. d. 

[quendau, wo] s. is-quendau u. vgl. qtiei, stwendau, und Bopp S. 27. 

qae^^e, queczow, stagnum^ lacus. MhW. L II 

quidin, Name der Insel, auf oder neben welcher um 1233 Marien- 
werder, castrum oder insula Sanctae Marias, erbaut ward; Bush. 
IIL 9. GBK, I 19. MhW. I. Noch heute ist hwidzin, hwiedzyn 
der bei den Polen übliche Name von Marienwerder. 

quoi, nom. sg. f. und nom. pl. zu has, s. ka\ vgl. auch quoit. 

qtioyge .campus, MhW. I 

[qumt, Wurzel in der Bedeutung wollen, deren t in einigen Formen 
des Präsens als Auslaut abgeworfen wird, während es im allg. als 
radical erscheint; der wahrscheinliche Infin. ist quoitU). quoiüuns, 
part. act. (mit po-) ; quoitUon, part. pass, (mit po-) ; quoi, ich will, 
Euch. 35. 68. 71., du willst 67. 92. (nyhotjtu bei Gr. s. d); er 
will, 19.; iquoitu s. d.; quoite 27., quoitets (letzteres mit jpo-) er 
will; s. Bopp S. 28; quoitä, quoiU, sie wollen, 22. 66.; quoitämai, 
wir wollen, 24. ; quoiteti, ihr wollt 74. 82.; quoitUaisi, opt., du wollest, 
46. 48. 76. 86. 96.; quoittlai, quoitylai, er wolle, 24. 25. 83. 94.; 
quoitUaiti, quoitylaiti, ihr wollet, opt., 35. 83. 89. (kslav. chotq, 
chotjeti, russ. chotjef, chtjef, wollen, poln. o-chota, Lust, Neigung 
zu etwas, litt, hetü, Jceteti, gesonnen sein, beabsichtigen etwas zu thun). 

qtmttsnan s. po-quoitisnan und labhai-quoitisnan. 



L. 

lahbai, adv., gut, wohl, Ench. 41. 51. 52. 65., füglich 37. 39., 
zwar, allerdings 21. 22. 24. 

labbai-quoiüsnan, acc, Wollust, Ench. 64. s. quoiüsnan. 

laba-lauks campus parvus CdP. L 182. ; vgl. die heutigen Dörfer und 
Güter läb'lack Kr. Gerdauen, Rastenburg, Labiau, „Gutenfeld". 

labban, acc. adv., wohl, gut, Ench. 4. 11. 24. 60. 73., zuträglich, 
53. 56. 68., labban eit, es geht wohl, 4. 60., labban seggc, er thut 
wohl, 4. 11. 24. 



— 87 — 

lahhorpodingauman, ace, Wohlgefallen, Ench, 49. s. pchdingausnan. 
labhas, labs, nom., lahban, ace, Idbbai, dat., labbas, gen., labbans, ace. 

pi, 1) adj. gut, fromm, mdi, 22. 23. 57. 61. 73. — 2) subst. 

Gutes, 8. 12. 59. 61., Gut, Besitz, 7. 14. 23. 26. 83. 95., 

Güte, 49. — labbas als acc^ neutr. 8.; labbai und labban als adv. 

s. an ihren Stellen, (litt. Idbas, lett. labs, gut). 
labborseggtsnan, labba-segtsnan, ace, W o h 1 1 h a t , Ench. 50. 96. s. segisna, 
labbatingins, ace. pi., hoff art ig, Ench. 63. 
labegowe moter, die Stadt Labi au. Urk. v. 1258. NPBl VIIL 344; 

labegowe, Dusb. III. 184., labegow, AMS. X. 84.; labegow hiess auch 

ein Ort in Natangen, Urk. v. 1249. TcG. 19. (das heutige labehnen 

Kr. Preuss Eylau?) 
labelles la^cus, MhW. L 
labenz lacm, MhW. L IL Hennenb. II. 14. 
labbings nom., gütig, Ench. 22. 
labbis, Guth, Or. 

labbisku, nom., labbiskan, ace, Güte. Ench. 14. 50. 76. 84. 
labun, heiliger Wald südlich von Königsberg. TcG. 25. 213. 
lade-garbc s. laydc-garbe. 
ladis, Eis, Voc. 56 (litt, ledas, liddas, lett. leddus, kslav. ledii, russ. 

slov. led, poln. lad), 
lagamast campus, MhW. I. 131 an der Drewenz. 
lage-garbs, layge-garbes mens. MhW. I.\ vgl. den Gutsnamen la^- 

garben Kr. Gerdauen; TcG. 199 nennt einen Weg lage-garbo. 
lageyn, la^eyne, Dorf name, das heutige legehnen Kr. Fischhausen. AMS. 

VIL 309. NPBl. XL 191. CdP. 11 59. 
[lagna] lagno, Hosen, Voc. 481., dasjenige Kleidungsstück, welches 

die Beine bis hinauf an die Oberschenkel, zuweilen auch die Füsse, 

aber nicht die Hüften bedeckt; vgl. broahay. 
lagno, Leber, s. jagna. 

layde-garbe, lade-garbe campus. MhW. IL, „Lehmberg'', s. laydis,garbis. 
laydis (leym) Lehm, Voc. 25. s. d. vor. u. layt-kayme. 
laygede, nom. viri NPBl. a. F. VI. 174.; daher wohl (nicht legden, 

sondern) legitten, Name mehrerer Güter und Dörfer in den Kreisen 

Königsberg und Labiau; vgl. leygothe. 
layge-garbes s. lage-garbs. 
laygnan, Wange, Voc. 98. (vgl. kslav. lice, vultus, gena, poln. lie, 

Wange, pl. lice, russ. lice, Angesicht). 
laiJc't, inf. zur Wurzel lik s. d. 
laihings s. au-laikings. 
laikurt, halten, Ench. 74 (auch mit er-, po-, prei-)\ laiküuns, part. 

act. (mit er-, tV); laikuts, part, pass., gehalten, Titel (auch mit i^o-); 

laiku, du hältst (mit is-); laiku, erhält, sie halten, 1 1 . 12. 51. (auch 

mit er-, po-); laika, er hält (mit is-)\ laikumui, wir halten, 3. 4. 



— 88 — 

(auch mit en-, i^o-); laikutai, 2. pl. praes., als imper. gebraucht, 
haltet 52. (s. BoppS. 31); läiJcuti, imp. pl, haltet (mit en-)\ läiku- 
sin, opt. reflex., er halte sich (mit et-), — (litt, laikpi, halten); 
s. mit au-, en-, er-, et-, is-, po-, prei-, 

laiUsnan, acc, Marter, Ench, 37. 

laim-s, nom., reich, in etnistis-laims ; (in Kat L wird ?aeims irrthüm- 
lich in dem Sinne von „das Reich*' genommen), (litt. Läima, die 
Segensgöttin, laimas. Glück, laimmgas, erfolgreich, laimüs, vortheil- 
haft, laifheti, gewinnen, lett. laima, laime, Glück, /aimi^s, glücklich). 

laimingiskai, adv., reichlich, Ench. 18 (s. Mit Aaimingas)\ im Texte 
steht gegen alle Sprachanalogie laimintishai. 

laimisJcan, acc, laimisTcai, laimisku, adv., reichlich. Ench. 14. 30. 85. 

[laipin-t, befehlen], laipinnans, laipifinons, part, act., ast, er hat 
befohlen, Ench. 27. 35 (auch mit po-); laipints (mit ^^o-), laipinton 
(mit po-% part, pass., laipinna, ich befehle, ich befahl, 72. (auch 
mit p(h)\ laipinne (mit en-)^ s. d. (litt, l'epiü, l'epti, befehlen); s. en-, 
po-laipint, lapinna, pallapse, pallaips, pallaipsit 

laipinsnan s. mit po-, 

[laipta] laipto, Pflugsterze, Voc. 248. 

[laysa] layso ("fei^^, Letten, thonichter Mergel, Foc. 27. (aber mhd. Zefe, 
Ute heisst auch Bergabhang); vgl. die Ortnamen laiss, laysen, 
leissen, leissienen. 

laysen campus MhW. L, villa CdP IL 82., wohl Kirchdorf laiss, 
Kr. Braunsberg. 

laishas, nom., laishen, acc. Buch. Ench. Titel, 66. 68. 77. (litt, lahszkas, 
Blatt, Zettel); s. crixti-, crixtisno^, lubi-, sallübs-laishas. 

layson, laysson lacus, MhW.IIL CdP. IV. 186.; bei Henne nb. 11. 14. 
lais, layse, Namen zweier Seen. 

laitian^ Wurst, Voc. 381. (vgl. böhm. gelito, Wurst, poln. jelito, Darm, 
Eingeweide). 

layt-hayme, leyt-kayme, Dorfname, ÄMS. VII. 297. 311., das heutige 
Dorf ladtkeim, Kr. Fischhausen; vgl. laydis. 

laxde, Haselstrauch, Nussbaum, Voc. 607., in dem Comp, kel- 
laxde wohl in der Bedeutung von Stock, Schaft, (lett. lagsda, 
lasda, litt, lasdä, Haselnussbaum, Haselstecken, auch Stecken, Stock, 
Flintenschaft); hieher wohl die Namen laxdehnen, Vorwerk im Kr. 
Heiligenbeil, laxdoien, Gut und Dorf Kr. Rastenburg. 

laetye (kwrse), Pelzrock, Pelzkoller, Voc. 476. 

lalasso s. lasassa. 

lamanse, Ortname in Pomesanien, CdP. IL 36 flgg. 

lampten lacus, MhW. L 

landan, landen, acc, Speise, Ench. 49. 50. 

landesanum, landesen s. lansania. 



— 89 — 

läng, läng4 s. er-längi 

langa, langa-ssaytan s. larga-ssaytan, linga. 

langainen, das heutige Dorf Imgeinen bei Wartenburg. TcG. 153. 

langewylce silva. MhW. IL 

längewingiskai, -gishan s. längwingishai. 

langi'Seilingins, acc. pl., einfältig, einfach, EncK Titel, 32. 39., für 
langwi-seil? s. längwingishai, 

längirseilishan^ acc. Einfältigkeit, Einfachheit, -EWcÄ.Cl.,s.dasvor. 

längiwingiskai s. längwingishai, 

längwingishai und mit zwischen g und w eingeschobenem Vocal länge- 
wingishai, längewingishan, längiwingishai, adv., einfach, einfältig 
Ench. 13. 19. 28. 40 (in diesem und den nächstvorhergehenden 
Wörtern steckt wohl als Grundelement litt, lengwas, leicht, gelinde, 
langsam, sanft, vgl. russ. leghit, leicht, gelinde, sanskr. laghus, leicht, 
ebenso in preit-längus s. d.). Pierson VII. 592. 

lanhe, Bogen, Bügel s. stürlanhe u. vgl. langa. 

lanhenihe villa s. lenheniten, 

[länhi-t, gehören, gebühren] nur mit per-, länhei, länhi, 3. praes.; 
vgl. perlenche u. das folg. 

länhinan (Kat, I, lanhenan) deinan, acc, Feiertag Ench, 3., zu 
länhit, der (dem Herrn) gebührende, der (der Feier, der Heiligung, 
dem Gottesdienst) bestimmte Tag; also: „du sollst den gebührenden, 
den dazu bestimmten, festgesetzten Tag heiligen". Vgl. Pierson 
AMS, VII, 592. 

\lanhsta'\ lanocto, Fenster, Voc, 213 (litt. Idngas, lett. löhgs)\ dazu 
mit Ausstossung des h der acc. sg. in dem Compos. persUlanstan s. d. 

lanctis (creugel) Voc. 360; es ist wohl kräitel, fuscimda, tridens, Gdihel 
mit drei oder mehr Zinken, s. Frisch I. S. 544; zu litt, lenkte, 
Biegung. 

lansania, lanzania, landesanum, landesen, Dorf und Territorium lenzen 
auf der Elbinger Höhe. MhW, L 20; vgl. TcG, 7. 8. 14. 15. 

lanstan s. perst-lanstan. 

lapatte, lapathe, Prov., Schulterblatt, Schulterstück, bes. vom 
Reh und Hasen, aber auch vom Hammel, Schwein und andern Thieren; 
Hennig 142 giebt eine unrichtige Erklärung, (litt, lapatha, russ. 
poln. lopaÜAi, dass., zu litt, lopetä, kslav. lopata, russ. lopat, lopäta, 
poln. böhm. lopeta, lett. lahpsta, Schaufel, preuss. lopta, Spaten, 
wegen der Aehnlichkeit der Gestalt; vgl. preuss. i?e^?*s, Schulterblatt 
und Ofenschaufel, litt, mente, Schulterblatt und Schaufel). 
lape, Fuchs, Voc. 658 (litt. Idpe, lett. lapsä); das Wort steckt wohl 
in den heutigen Localnamen lap-keim, lappienen, lapischhen ; s. auch 
das folg. 
lappe-garhe, lappo-garwe, leppen-garhe, nom. montis, „Fuchsberg". AJHS, 
VII. 303. 309. 314. 



— 90 — 

lapinnay Gebott, Gr., vgl. laqnnt, pällapsit 

lapinis, kleiner flacbbauchiger Löffel, Voc. 359. (litt, l'epmis, aus 
Lindenholz gemacht,?); vgl. lirga-harhis. 

lapi [-warta] -warto, Pforte im Zaun neben dem grossen Hofthor, 
Voc, 212, wörtlich „Fuchsthüre", s. lape und warta (lett. wahrtelis, 
litt, pa-warte, Nebenthor) s. ÄMS. VI. 321. 

lappo-garwe s. Jappe-garhe. 

lapsalaw (?) villa, CdP. IL 130. 

larga-ssaytan (stidedder), Steigbügelriemen, Voc. 446; aber un- 
mittelbar dahinter steht daselbst lingo, Steigbügel; es ist nun aber 
undenkbar, dass beide Formen, larga und linga (lingo) so unmittelbar 
neben einander richtig sein sollten ; für larga bieten die verwandten 
Sprachen gar keine, für linga nur sehr erzwungene Etymologien dar, 
dagegen würden wir beide Ausdrücke befriedigend erklären können, 
"wenn wir annähmen, dass larga sowohl als linga aus langa ver- 
schrieben wäre; dann hätten wir litt, länkas, kslav. Iqkü, poln. Iqk, 
luh, oh-lqk, russ. luJc, Bogen, Bügel, von litt, lenhm, lenJcti, lett. 
leekt, kslav» IqJcq, Iqszti, biegen, zur Hand; und so wird es denn 
auch wohl sein: langa, Steigbügel, langassaytan, Steigbügelriemen; 
vgl. saytan; die Verdoppelung des s als Anlaut des zweiten Theils 
eines Compositums findet sich auch anderweitig, z. B. in pa-ssons, 
pa-ssalis, pa-ssortis, pa-ssupres, possi-ssawaite und vielleicht in wi- 
ssambers, s. dd. Ueber den Schriftzug, demzufolge man versucht 
mrd -seraytan zu lesen, s. ÄMS. VI. 318. VII. 583. 

lassa, lasse, ein Flüsschen im nordwestlichen Samland. NPJBl. XI. 290. 
CdP. IL 129. 132. in. 79. ÄMS. VIL 299. 

lasanos, lassanos, lasonos, lasinus, nom. loci ÄMS. VII. 294, etwa das 
heutige Gut laser-Jceim im Kr. Fischhausen; vgl. NPBl. X. 167. 

[lasassa] lasasso, Lachs, Voc. 563.; das Wort erscheint im Voc. zwei- 
mal, aber an jeder der beiden Stellen in anderer Weise verschrieben; 
hier, 563., steht in der Handschrift Zaiassö, uuA blO steht pa-lasallis; 
dass beidemale lasasso, pa-lasassis zu lesen sei, beweisen die ver- 
wandten Sprachen, litt. Idsm, Idsziszas und bei Szyrwid lasasza, 
lett. lassis, lassens, russ. poln. böhm. lbsos\ Lachs. 

[lasin-t, legen, setzen] lasinnuns, part, act., ast, er hat gelegt, Enck 
7 1 ., lasinna, er legte, 79. (kslav, lemti, russ. lemf, poln. leäec, liegen, 
kslav. legq, leszti, russ. po-lagäju, po4ozU\ poln. po4ozyc, legen); 
s. lasinsnan, lasta, leschah. 

lasin-ensis civitas, die Stadt Lessen, auf einem Siegel von 1667. Voss- 
berg 38., vgl. lessin. 

lasinsnan, lasinsnon, s. mit pa- und po-. 

lasmet fluvius, MhW. I. 

lasnitz rivulus, MhW, I. 



— 91 — 

[lasfa] lasto, nom., Voc. 209. 492., lastan, lastin, ace, Ench. 45. 47. 
Bett (litt, lastä, Mastnest der Gänse); vgl. lasin-t 

laswagie campus, MhW. L 

[lattam] lattaco, Hufeisen. Voc. 543. 

\lau4, aufhören] nur in aii-läu-t, s. d. 

lanh s. luh und sdlauban etc. 

laude-gudien, leväe-gudien silva, MhW, L 386; s. guddc, 

[latika-s'\, lamhs, nom., lauhan, acc, Ench. 14. 23. 72. Feld, Acker; 
luncJca bei Gr. ist Schreibfehler (litt, laukas, lett. lauhs). Das Wort 
findet sich als zweiter Theil zusammengesetzter Localnamen ausser- 
ordentlich häufig in den Formen -lauks, -lauk, -lauke, 4aukm und 
verkürzt -la^ch, -lachen in älterer und neuester Zeit, z. B. hayse- 
lauJcen (bces-lacJc), bole-lauJcin, grune-lauJcen, gune-latiken, gun4auke, 
laha-lauks (Idb-lack), linde-lauwhen, med-lauJcen, mone-lauJcen, pute- 
lauhen, regut4auhen, ringc4auken, samhc4auJcen (sam-lack), sant- 
lauhs, sirbe4auh, tirbe4ah, wam-lauhen, warpe4auhe, wope4auhen, 
wund4achcn, so auch per4auhe, ausserdem selbstständig in lauh, 
lauhen, und in den Ableitungen lauhins, lauhitten, lauhnichen^ seltener 
als erster Theil des Compositums wie in lauJc-appe, lauh-gallen 
(lau/gallen), laucho-gede,lauhe'medien,lauh-wargen; eine merkwürdige 
Namenbildung ist lauhos4auh, lauhes4auhen, louhaus4auhen, locaus- 
lauhen, MhW. I. IL, in welcher schwerlich beide Theile dasselbe 
Element enthalten; vgl. auch lauca-gcrta und lauhinihis. 

lauca [-gerta] -gerto, Rebhuhn, Voc. 768, wörtlich „Feldhuhn", aus 
laukas und gerta\ analog gebildet lett. lauhu irbe, Feldhuhn d. i. 
Rebhuhn. 

lauh-appe fluvius, MhW. L, wohl „Feldfluss". 

lauhe-medien silva, MhW. L, wohl Name des heutigen Gutes la^h- 
medien Kr. Friedland. 

lauhen lacus, MhW. I. 

Iauhi4, suchen, JEnch. 37, lauhyti, imp. pl., suchet. 64, (litt. Iduhiu, 
Iduhti, warten, erwarten, luhü, luheti, dass., lett. luhhoht, schauen, 
sehen, sd4uhhoht^ zusammensuchen); vgl. luh, haima4uhe. 

lauhinihis (leman), Lehnsmann, Voc. 407., eigentlich wohl Ackers- 
mann, Landmann, Gutsbesitzer von lauhs; aber mhd. lehen heisst 
auch ein Bauergut von geringer Grösse, daher Ichner, ein geringer 
Bauer, und in diesem Sinne könnte auch der Ausdruck leman im 
Voc. von dem Verfasser gemeint sein. (litt, ist lauhinmhas Land- 
mann, bes. ein solcher, der nicht in dem geschlossenen Dorfe, son- 
dern auf einem Abbau im Felde (laühasj wohnt). 

lauhins campus, MhW. L, wohl adject. Bildung von lauhas. 

laucho-gede campus, theut. Esseweilt, bei Rössel. MhW. I. 

lauchsen, Dorf lawshen bei Königsberg (?) TcG. 213. 



— 92 — 

lauxnos, pi., Gestirne, Voc, 4. (kslav. luczt, Licht, lucza, russ. ?«*c^, 

Strahl, Glanz, böhm, lue, Kienfackel, lat. lux, lucere), 
lauxöbe lacus, CdP. IV, 18G. MhW. IIL 29. 67. 
lauhstyte, Name eines edlen Preussen, der auf Witlandsort wohnte, und 

dessen Name auf die vom Orden 1264 daselbst erbaute Burg, 

hostete, lochstädt, überging. Bush. IIL 107. NPBl VIII 355. X. 187 

und sonst oft. 
lausennien s. au-lausennien, 
\laustin4', demüthigen] laustineiti, imp. pl., wans, demüthiget euch. 

Ench, 63. (litt, lüstu, lüsti, traurig werden). 
laustingins, acc. pl., demüthig. Ench. 63. 
laustingishan, acc, Demuth Ench. 63. 
lauth, lauthen villa, CdP. IL 126. GBK. 1.1 \.^ noch heute mehrfach 

vorkommender Ortname; — fluvius CdP. IL 129. 
lawete, Nebenform von lauth. CdP. I 146. 
leydene, in der Urk. von 1258, wahrscheinlich das ehemalige Vorwerk 

legden bei Wargen, jetzt lehndorf. NPBl. VIIL 344.; vgl indess 

laygede. , » 

leydete, ley dote silva. AMS. VLL. 304. 
leigen-ton, leigin-twey s. ligint. 
leygothe, nom. viri, NPBl. a. F. LV. 369., daher vielleicht Dorilegitten 

Kr. Labiau und Gut legitten Kr. Königsberg; vgl. laygede. 
leylauhen campus. MhW. I. 

leipe castrum, i. q. lypa. Harthnoch zu Bush. III. 192. 
leypiten s. lepitin. 

leysa, nom. loci, MhW. IL 519., vgl, lay sen. 

leythyn, Urk. v. 1258, NPBl. VLLL 344., das DorUethenen Kr. Labiau. 
leyt'kayme s. layt-kayme. 
leiton s. li-t. 

lehc-garhe, leke-garge locus. AMS. VII 306; s. garhis und garge. 
lemh'tivey, lemlai s. Iim4. 

leemess, Name eines Ackerstückes. NPBl. XL 74. 
lemiten s. lymiten. 
lenk s. per-lencJce, länJcit 
lenJceniten villa, AMS. VII. 299., heute lengnithen Kr. Fischhausen; 

a. L. lankeniJce. 
leppe, nom. viri, NPBl. 3. -F. F. 301 ; daher vielleicht Dorf lepienen^ 

Kr. Insterburg. 
leppen-garhe s. lappe-garhe. 

lepiten, leypiten^ leypitten (a. L. lepare) nions. AMS. VII. 295. ; zu Zipe.^ 
lesewitz, Kirchdorf im Kr. Marienburg, TcG. 224-, vielleicht zu leshuto 

(lesehuto), nom. viri, Bush. IIL 246. 
lessin, lessinum, Stadt und See in Pomesanien, Lessen. CdP. LL. 45. 

170. s. lasin-ensis. 



— 93 — 

leschdk (sch:=s) Prov,, Faulenzer, zu allem unlustiger Mensch 
(böhm. leiak, poln. lemch, lazqga, lazqka, dass., von kslav. lemti, 
russ. lezät\ poln. lerne, liegen; poln. lemh heisst Lagerholz, auch 
ein liegender Bienenstock) ; vgl. lasint und AMS. VIIL 683. 

leske, wohl Dorf löske an der Tiege nahe bei Neuteich. TcG. 224. 

lesuns s. lis-t 

letan s. li-t 

lende-giidien s. latide-gudien. 

lewenez laeus bei Riesenburg. CdP, IL 170. 

[It't, giessen] Uuns, part, act., (mit is-), lieiton, leiton, part, pass., 
(mit pra-, pro-) (Eat, L letan, Kat IL Uten) Eneh. (litt, leju, l'eti, 
lett. leiju^ leet, kslav. Ijejati, lijati, liti (lijcQ, russ. Vju, lif, poln. 
lejq, lac, giessen). 

Hede, Hecht, Voc, 561. (litt, lydehä, zem. l^dis, lett. lihdsks). 

lieiton s. It-t 

Ugan, lygan, acc, Urtheil, Gericht, Eneli. 54. 85. s. Itgin-t 

ligaschones, histriones. MhW. L 32. 

Ugin-t, ligin-ton, richten, Ench. 15. 91. (Kat.L leigin-wey für leigin- 
tivey, Kat IL leygen-ton) (litt, lygüs, gleich, lett. lihgt, sich ver- 
gleichen, lihdsens, gleich, eben); vgl po-ltgu, 

[lik, Wurzel, bleiben] erscheint nirgend rein, dehnt sich im inf. zu 
laikt und schiebt im praes. den Nasal ein, linka, lynku; s. pchlik4 
(litt, lekmi, likaü, llkti, übrig bleiben). 

[Itk't, lyk't, verleihen, bescheren, nur mit ^o-] Ukins, part, act., 
lycki, 3. praes., s. po-lik-t 

licka fluvius bei Lyk. Ditsh, HL 241. 

licte, Lichte, Gr, (litt, liktis, Licht, Kerze). 

likut-s, nom., Eneh, Titel, Ikuti Gr, klein; dass Heu, klein, sich in 
Neumanns (damals) unedirtem altpreuss. Vocabular finde, wie es 
TeG. 22. Note 116 heisst, ist irrthümlich; s. die folgg. 

lieutin laeus, MhW. IL, wohl zu dem vor. 

licut-kekers, Linse, Voe. 271., wörtlich „kleine Erbse"; (likut-s und 
keekers; es steht im Voc, zwar deutlich lituc-kekers, aber die Ueber- 
einstimmung der beiden von einander unabhängigen Quellen, Eneh. 
und Gr,, schienen mir Gewicht genug zu haben, um mir die Aende- 
rung des litue in Heut zu gestatten; auch der ganz unzuverlässige 
Prätorius konnte für mich kein Gewicht haben, wenn er XVL 5. 
Grunau's falsch-abgeschriebene Lesart (er schreibt mit Hartknoch 
liurti) in liatka corrigirt, welches letztere nichts anderes ist als das 
poln. letki, leicht; vgl. noch Pauli Beitr. VIL 214. 

lim-twei, brechen, Eneh, 6. (Kat, I, lemh-twey, Kat, II, lim-twey); 
Ihnauts, aor., er brach, 41. (Kat. L Hmatz, Kat, IL lymuezt); lemlai, 
opt, im Text als indic. gebraucht, er bricht, 22. (kslav. lomiti, russ. 
Imiäf, poln. lamae, slov. lamati, serb. lemie, lamotac, brechen). 



— 94 — 

lyma, lymaio lams, MhW. IL 

lymiten, lemiten campus, MhW. I., Vorwerk lemitten Kr. Heilsberg. 

limhis oder lunhis, in der Handschrift ohne i-Zeichen, Winkel, Voc. 

199 (vielleicht litt, lenkte, länhstas, länhstnas, Biegung, Beugung, 

zu lenhti, biegen). 
[Unna] linno, Flachs, Gr, (litt, ünai, lett. linni, kslav. Knu, poln. 

len, lat. linum, deutsch lein), 
lindan, acc, Thal, Ench. 26., die Bedeutung ist aber unsicher; es 

steht daselbst die Verbindung powargewingiskan lindan, entsprechend 

dem deutschen Jammerthal, demnach könnte lindan immerhin eine 

Bedeutung haben, die sich auf litt, lindyne, Höhle, Schlupfwinkel, 

oder auf kslav. Iqdina, terra inculta, Wüste, stützen lässt. 
linde-lauwken, jetzt linglack, Dorf mitten im Walde linden-medie bei 

Rössel, SrP. L 52. 
linden-medie silva, nemus, AMS. III. 635. MhW. I. II, HL SrP. L 

52., s. das vor. 
[linga] lingo^ Steigbügel, Voc. 447. s. larga-ssaytan. 
lynguar territor. in Pomesanien, TcG. 12., Dorilinken am Balauersee. (?) 
Unis, Schleie, ein Fisch, cyprinus tinca, Voc. 571 (litt. Ipnas, lett. 

lihnis, kslav. lint^ russ. lin', poln. lin, böhm. Ijn, slov. serb. linj). 
linka, linku s. po-lik-t 
linko, nom. viri, Dush. LH 143; daher wohl Dorf lynchowe, heute 

linkau^ Kr. Fischhausen s. das folg.; vielleicht auch Gut linken^ 

Kr. Königsberg und Kr. Stuhm. 
lynchowe (nicht lynfhowe zu lesen) Urk. v. 1258. NPBl. VLLL. 344; 

s. das vor. 
linxsto Silva. AMS. VLL. 303. 
lipa, lypa, leipe castrum, beiRehden, Dush. III. 192. Suppl. 17. TcG. 

170, wohl das heutige Vorwerk lippinken im Kr. Kulm. 
lipe, Linde, Voc. 601. (litt, l'epa, lett. leepa, kslav. russ. poln. böhm. 

lipa); dazu gehören vielleicht die Ortnamen lipnick, lipnicken, 

lippinken, lippau, lippitz, lip-rode, [liebnicken, lieh-lacken?] und der 

Hügelname lepiten (leypiten, lepare), s. d. u. lippiz. 
lippin, das heutige Dorf leipen Kr. Wehlau. TcG. 212. 
lippiz, lippit, Prov., weisser Meth, der aus Lindenblüthenhonig gekocht 

wird, Hennig 146.; auch jetzt noch kennt man hier lippez-honig, 

der aus polnischen Linden Wäldern eingeführt wird; s. lipe. 
lipza, lipsa, älterer Name des Pregels: pregora sive lipza GDK. I. 19. 

MhW. L 7. 16. 
\lis-t, kriechen] Use, er kriecht, sie kriechen, Ench. 73.; lisuns, 

Itsons, part, act., mit semmai, niedergefahren (zur Hölle) 15. 91. 

(Kat. L. lesuns, Kat. LL. lysons) (litt, lendü, listi, lett. leenu^ lihst, 

kslav. Ijezq, IjesU, slov. lesU, russ. läm, läzif, poln. lazq, lazic, 

kriechen, gehen). 



— 95 - 

\lysa] lyso^ Beet auf dem Acker, Voc,2i2. (litt, li/se, Garten- oder Ackerbeet)^ 

lysien campus. MhW. L IL 

lisytyos (notstal) Foe. 545., Pluralform ; Nothstall lieisst 1) ein Schutz- 
dach zum Aufbewahren der auf dem Felde gebrauchten Acker- 
geräthe, s. Brem. Wtbch. VI. 2 1 4, und in diesem Sinne ist der Aus- 
druck wohl hier zu fassen, denn es folgen im Voc, unmittelbar 
dahinter Sense, Sichel, Spaten, u. s w., vgl auch poln. lesicey pl. 
Schaafhürde. 2) eine Vorkehrung in der Schmiede zum Beschlagen 
widerspenstiger Pferde, poln. lesica howalska, 

lisske insula in der Weichsel in der Nähe von Thorn, MhW. L\ 
vielleicht zu liscis. 

lischke, Prov,, ein Kober oblonger Gestalt, aus Bast oder gespaltenen 
Weidenruthen geflochten, in welchem Feldarbeiter und Reisende ihren 
Mundvorrath mit sich zu führen pflegen; die Lischke wird an einer 
durch die hervorragenden Ränder des Hauptköi^pers und des Deckels 
gezogenen Schnur über der Schulter getragen. Unansprechende 
Etymologien haben Hennig 148. 149 und Schmitt NPBl, a. F. 
VIL 108 gegeben. Das Wort hängt wohl mit den folgenden ety- 
mologisch zusammen; die lischke in diesem Sinne ist für das Indi- 
viduum, was die liska oder lischke genannte Ansiedelung für die 
Bewohner der Ordensburg war, das Speisevorrathslager, s. AMS. 
VIIL 66. — Von lischke gebildet ist der Prov, lischkener für Post- 
bote, Hen n ig 149, weil ein solcher die Briefe und kleineren Packete 
in einer lischke mit sich trug. 

liscis, d. i. liskis, Lager, Voc. 412 (es scheint in der That liscis xind 
nicht listis in der Handschrift zu stehen) und in cauca-liskis s. d., 
in Urkunden lisca, liske, lischke, Ansiedelung um eine Ordens- 
burg (z. B. „lischke vor dem hause Lahiau'')^ zum grossen Theil 
aus sogen, kretz&ni, d. i. Schank- und Hökerwirthschaften bestehend, 
aus denen die Burgbewohner sich verproviantirten, später Flecken 
gebannt ; sie erhielten der Mehrzahl nach allmählich Stadtgerechtig- 
keit. AusführUches s. bei Toppen AMS. IF. 148. 511. 621. Heute 
hat sich der Ausdruck noch erhalten in den Localnamen lisca 
Schaken, einem Dorf in der Nähe der Domaine schaken Kr. Königs- 
berg, liesken, einem Vorwerke bei Bartenstein, lisken, zwei Dörfern 
in den Kr. Lyk und Johannisburg, ferner in liesken-dorf bei Norden- 
burg, und vielleicht in dem Namen der Insel lisske s. d. 

lituC'kekers s. licut-kekers. 

lywa, lyva, lyve, das Flüsschen liehe bei Marienwerder. CdP. I. 80. 
IL 170. MhW. L 

lease, Decke, Bettdecke. Voc. 493. (litt, laml, Deckstücke beim 
Strohdach). 

löbetow, Idbota^ lowhutke, das heutige Kirchdorf laptau Kr. Fischhausen, 
NPBl. VLLL 342. 350. AMS. VIL 306. 308. 



— 96 — 

lobis, Schädel s. arglöbis. 

loddije, gew. lodsche, Wei chs el kahn, langes flaches Flussschiff, Prov. 
(poln. lodz, böhm. lodj, russ. lod'ja, kslav. ladija und durch Meta- 
thesis alüdija, aldija, litt, eldijä, eldzä). 

lodschak, Prov., ein Mensch, der sich ohne Haltung gehen lässt, dem 
die Kleider unordentlich, lodschakig, auf dem Leibe hängen; vgl. 
leschak, 

loyliske lacus. MhW. 29. 67. (CdP. IV. 186 hat laysilke). 

loypiz fluvius in Pomesanien. MhW. L TcG. 12. 

loysis campus, MhW. L 

loc-azar lacus auch lonk-^sir geschrieben. MhW. L; vgl. assaran. 

locstete, lochstete^ lochsteten, louchstetin, das Schloss lochstädt, Bush. III. 
68. 107. ÄMS. VII 309. X. 84. NPBl. a. F. IV 30; vgl. laukstyte. 

locutis, Brassen, Brassem, ein Fisch, cyprinus brama. Voc. 562. 

lonix, Stier, Voc. 671. (wohl masc. zu litt, lone, kslav. lani, lanija, 
russ. lan\ poln. lan, lani, lania, böhm. lan^ lanö, Hirschkuh, ursprüng- 
lich wohl Kuh überhaupt, wozu lonix ähnlich gebildet ist, wie wosux 
zu wosee). Pierson VH. 583. 

lonk-s, Bast. s. stanu-lonx, lunkan. 

lonk-asir s. loc-amr. 

lonki, Steg, Fusssteg, Voc. 800. (zu ]itt. lenkti, beugen, ausweichen, 
also ein Weg, der von der Fahrstrasse abweicht; kslav. Iqkq, Iqszti, 
curvare, Iqku, curvus)^ vgl, iarba-lanka, barba-lanke, barba-lenx. 

lope-lauken campus, NPBl. a. F. IV. 34. 

lopis. Flamme, Voc. 44. (litt, l'epsnä?) 

\lopta'\ lopto, Spaten, Voc. 548 (litt lopetä, slav. lopata, lett. lahpstu, 
Schaufel, lett. lahpstina, Spaten; vgl. lapatte). 

lorbas, Prov., ungeschlachter, flegelhafter Mensch, Lümmel (litt, lürbas, 
dass., lett. lurbis, dummer gedankenloser Mensch). 

lowke, lovke, alte (preussische) Namenform für das heutige (littauische) 
laukiszkai, laukischken, mit dem litt. Ableitungssuffix -iszkas, Kirch- 
dorf im Kr. Labiau, östlich von der Deime. Urk. v. 1258. NPBl. 
VlII 344. 346. X. 163. 

luh, Wurzel in der Bedeutung lieben (litt, liübyti, kslav. Ijuhiti, russ. 
Ijubtf, poln. lubic, lieben, lett. defect luhb, er mag gern, er pflegt, 
sanskr. lubh, cupere, serb. Ijubiti, küssen, ahd. liubjan, lieben, goth. 
Hubs, kslav. Ijubu, carus). In den vorhandenen preussischen Ueber- 
resten kommt das Simplex lub nur noch ^ vor in der Bedeutung 
trauen, copuliren, ausserdem nur das Comp, sa-luh in der Be- 
deutung von Ehe, s. d. und lubeniks, lubi-laiskas. 

[lubba] lubbo (bret), ein Brett aus der Zimmerdecke, der Bretterlage 
über den Balken, oder die Zimmerdecke selbst, Voc. 206. (litt. 
lubä, Brett aus der Zimmerdecke, pl. lübos, die Zimmerdecke, deutsch 
die breiten; lett. lubba ein bedeckter, vorn und an den Seiten offener 



— 97 — 

Vorbau an den Häusern, auch in Preusseu üblich und lubhe, falsch 
verhochdeutscht laiibe, vorla%ibe genannt, dergleichen in einigen alten 
preuss. Städten, z. B. Marienburg, sich noch die ganze geschlossene 
Strasse entlang hinziehen und einen verdeckten Gang bilden, im 
Volksmunde die löwen genannt; vgl. poln. Zw6, Wagendecke, russ. 
pa-lüba, Schiffsdeck). 

luban, nom. viri, NPBld. F. V, 302; daher vielleicht die Namen 
des Dorfes luhben, Kn Braunsberg, und des Gutes Ivbainen^ Kr. 
Osterode. 

lubavia, lubovia, die Landschaft löbau. Dvsl. HL 3. 118. 

lubeniks, lühnigs, nom., der Copulirer, der die Trauung vollzieht. 
Ench. 67. 74. 76. 

lubi4aiskaSj nom., Traubuch, Trauformular. Ench, Titel. 

lübnigs s. Itibeniks. 

luboma s. lubavia, 

ludini, Wirthin, Hausfrau, Voc, 186. s. d. folg. Die Endung ent- 
spricht der litt, -ewe, wie karalene, kuniglSne, Königin, Pfarrerfrau. 

Itidis, Wirth, Hausherr, Voc. 185 , hängt wohl schwerlich mit dem 
folg. zusammen. 

ludysz^ Mensch, Gr. (lett. lavdis^ kslav. Ijtidü, russ. Ijüdi, poln. lud, 
böhm. lid, collect. Volk, Leute). 

lugar (?) campus CdP. IL 36 flgg. 

luge-garbs s. lule-garbis. 

lugis, Kuchen, Voc. 341; vgl. Piersons Conjectur AMS. VLI. 583. 

luysis, Luchs, Voc. 666. (litt, lüszis, lett. luhsis). 

luk Wurzel in der Bedeutung suchen; s. kaimorluke, laukU. 

lukasz, Prov., Klotz, auf den ehemals Verbrecher gelegt wurden, um 
die Prügelstrafe zu empfangen, (litt, lukoszus), 

luckis, Holzscheit, Voc. 640. (böhm. loud, Fackel). Burda Beitr. 
VL 397. 

luko, Fluss in Galindien. TcG. 28. 

luden, Kammeramt zur Comturei Elbing, heutiges Kirchdorf locken, 
Kr. Osterode. TcG. 191. 

lule-garbis^ lule-garbs, luge-garbs mons. AMS. VII. 299. 

luM campus, MhW. L, Dorf lunau. Kr. Braunsberg (?) 

lunave, Dorf lunau. Kr. Kulm. TcG. 168. 

luncka, Acker, Gr. Schrbf. für laucka, s. laukas. 

Itmkan, Bast, Voc. 644. vgh lonks (litt. Mnka, lünkas, lett. luhks, 
kslav. lüiko, russ. lyks, lyk, böhm. poln. serb. lyko). 

lunkis s. limkis. 

luriay, Meer, Voc. 66, ist wohl jwriay s. d. zu lesen. 

luse, Kopfverletzung, Schädelbruch (litt. lüUs, Bruch, zulüseH, 
lau^pi, lett. luhst, laust, brechen). Prätorius pomesan. Rechte 
(handschriftl.). 

Nesselmann, Thesaurus. 7 



• — , 98 — 

luse-lawken, luse-lawkin, Dorfname, CdP, III. 161. MhW. IL 526; 

s. die folgg. und pa-lusin. 
lusigeyn, heute losgehnen^ Gut und Dorf im Kr. Friedland. NPBl. 

a. F. IV. 369. 
lusyne, Ort im Territ. wohnsdorf, heute Gut leisseinen (?) im Kr. 

Wehlau. TcG. 211. 
lusine-medien silva, MhW. I. 386.; vgl. Gut luzeinen, Kr. Mohrungen 

oder Dorf luzeinen Kr, Osterode. 



M. 

maddla, f., madias, m. nom., madlan, madlin, acc, Bitte, Gebet. 
Ench 20—26. 27. 56. 77. u. oft; s. das folg. 

madli't, madli-ton, madli-twei^ inf., bitten, beten, Ench. 19. 27. 76. 
78. 83. 84. 87. 94.; madli, ich bitte, 35. 46. 48. 52., er bittet, 84., 
madlimai, wir bitten, 20 — 26. 53. 76. 86. 96., madliti, imp. pl., 
bittet, 84. (litt, maldä, Bitte, Gebet, nmldyti, poln. modlic, böhm. 
modliti, beten ; kslav. und russ. haben das d eliminirt, moliti, molU') ; 
s. pra-madlin, 

madlikan, acc, Dimin. Gebetlein. El^€h. 45. 47. 

madlisna, nom., Gebet. Ench. 58. 

magarUsch, magrttsch, Prov., der Schmaus, den nach abgeschlossenem 
Kaufgeschäft der Verkäufer dem Käufer und den Zeugen giebt ; man 
sagt : magarUsch trinken, (litt, magaryczos, magryczos, russ. mogarycz, 
magaryc0, dass., kslav. mogoruiszt, tributi genus). 

mui'S, m., maia, f. nom., (Kat IL mays), maian, acc. (Kat I mayan, 
Kat. IL muyian, mayien), maiäsmu, dat. (Kat. IL mayiey), maisei, 
gen. (oder vielmehr gen. des pron. pers. «s), maians, acc. pl., pron. 
poss. mein. Ench. 6. 11. 14. 21. 22. 35. 38. 41. 46. 48 u. öfter. 

maygis s. pele-maygis. 

maiggun^ acc. Schlaf. Ench. 68.; vgl. meicte, mig4. 

maim, dat. sg. des pron. pers. as, mir; vgl. m^ennei und Bopp S. 17. 

muyse, bei Gr. irrthümlich durch Wisse, d. h. Weizen erklärt; es 
ist die Gerste; vgl. gaydis, moasis. 

maisei, gen. sg. zu as, meiner; s. auch mai-s. 

maysotan, gemengt, bunt, Voc. 466. (litt, maisisyti, lett. m^aisiht, 
kslav. mjesiti, russ. mjeszäf, poln. miesmc, mischen, mengen). 

maysta, Stadt, Gr., vgl. mestan. 

maitd-t, inf. nähren (mit jpo-), maitä-tun-sin, inf. refl., sich nähren, 
Ench. 52., maitd, er nährt, 70; (litt, maitmti, ernähren, erhalten, 
mintü, mitaü, mtsti, sich erhalten, bes. den Winter hindurch, lett. 
mihtu, mist, wohnen, par seemu mist, überwintern, mitteklis^ Nahrung, 
mittinaht, is-mittinaht, ernähren, bes. den Winter hindurch). 



— 99 — 

maitäsnan, ace, Nahrung. Ench. 7. 14. 23. 

mayUer, schalck, Qr. 

maitint, nur mit is-, verlieren; maitinton, acc. part, pass., verloren 
(litt. pa-metUy pa-mesti, lett. pa-niest, verlieren, lett. maitaht, ver- 
derben, vernichten, litt, maitinti, ein Vieh abtreiben, es zum Aase 
(maitä) machen). 

maytis s. no-maytis. 

mttchi'Cuc campus, MhW. L s. kuke. 

max in danti-max, Zahnfleisch, Voc. 93, wollen Pott und Pierson 
auf das Element mensa, Fleisch (s. d. und seine baltisch-slavischen 
Aequivalente) zurückführen ; mir scheint, abgesehen von dem fehlenden 
Nasal, der Uebergang zu hart, weshalb ich noch bei meinem ursprüng- 
lichen Hinweis auf litt, mahsztis, lett. makstis^ Scheide, Futteral, 
lett. muks, Beutel, Tasche, kslav. mjechU, pellis, pera, uter, Saccus, 
poln. miech, Sack, stehen bleibe und danti-max durch Zahnscheide, 
Zahnfutteral erkläre. 

maldai, nom. pl., maldans, acc. pl., jung. Ench. 50. 63. (kslav mladU, 
russ. mlädy'i, mblod, molodyi, ^Xn.mlody, böhm. mlady, jung, zart); 
s. die folgg. und malnyks, muUnyka. 

maldaisin, acc. sg., fnaidaisei, nom pl., maldaisins, maldaysins, acc. pl., 
(Kat L IL), maldaisimans, dat. pl. (Kat L maldaisemans), 1 ) Comp. 
undSuperl., der jüngste, EnchAS; 2) Subst.pl., die Jünger, d. i. 
die Schüler Jesu (s. C. G. Smith de locis quibusdam gramraaticae 
lingg. baltic. et Slavonic. II. A^). Ench. 41. 79. 

niaidenikis, Kind, Voc. 189. (kslav. mladq, mladentci, mladenisidi, 
infans, adolescens, russ. mladenec, neugeborenes Kind, böhm. mlddenec, 
poln. mlodsienieCy Jüngling); s. maldai, malnyks. 

maldian (vole) Füllen, Voc. 438, nach der Stellung im Voc. Esel- 
füllen; s. maldai und arwaikis. 

maldite, nom. viri, CdP. IL 67., daher maldeiten, Gut im Kr. Fisch- 
hausen und Vorw. im Kr. Mohrungen; vgl. moldite. 

wuldümn, acc, Jugend. Ei^ich. Titel. 63. 

[malka] malko, Holz, Gr. (litt, niälka, Brennholz); eine sonst gute 
Handschrift liest fehlerhaft nalka. 

malkis, Stint, ein Fisch, salmo albula oder eperlanus, Voc. 579. 

malneyks, m^alneykans s. m^nyk-s. 

malnyks, malneyk-s, nom. sg., malnykan, acc, malnykas, malnikas, 
gen., maintku, dat., malnykai, nom. pl., mulnykans, malnikans, 
mulneykans, acc. pl., Kind. Ench. 11. 19. 60. 82. 85. 94. 95. 96. 
und öfter; mulnyks hat das d von maldai, maldenikis ausgestossen, 
ist daher wohl nicht direct auf kslav. mulü, russ. mal, poln. nmly, 
klein, zurückzuführen; vgl. maldinikis und maltnyka. 

mainykix, malnykiks, malnykinks, nom. sg., malnykikan, malnykikun, 
acc, malnykikai, dat. (78. falsch construirt mit dem gen. sg. des 



— 100 — 

Demonstrativpron.), malnykiku, nom. pi. (?), malnyJcikans, ace. pi., 
malnykikamans, dat. pi., Dimin. des vorigen, Kind lein. Ench. 19. 
77. 78. 79. 80. 81. 82. 83. 94. 
mcUsobe lacus, CdR IV. 186. MhW. III. 29. 67.; vgl. malschotüen^ 
mdschowen, Dörfer in den Kr. Orteisburg und Neidenburg, an Seen 
gelegen. 
maltan, Mehl, in piwa-maUan, Voc. 384; vgl. meltan. 
maltnyka, Kind, Gr., woselbst aber in allen mir bekannten Hand- 
schriften der Originalschreibfehler HaltnyJca steht; vgl. nuüdenikis. 
\inaluna-s\ nuüunis, Mühle, Voc. 316.; auf einen ursprünglichen a- 
Stamm weisen die folgg. Composita hin. (litt, nudünas, kslav. ndinu, 
poln. serb. mlyn, russ. meTnica, Mühle, von litt, malü, mdUi, lett. 
nuitlu, tMott, kslav. mdjq^ nUjeti und tnolje^ tnoHH, russ. rndjü, mciot\ 
poln« miel^y nüec, mahlen); vgl. nuütan, nieUan; hieher wohl der 
Ortname melcn-keim, d. i. „Mühldorf*', Gut im Kr. Preuss. Eylau. 
nMlmta-idan, Mühlrad, Voc. 321. s. kelan. 

maitmasiabis, Mühlstein, Voc 319. s. stabis; über die Schreibung 
der Handschrift nudunastab s. meine Ausg. des Voc. S. 34. AMS. 
V. 498. 
make-kuke, ursprünglicher Name des Territoriums, in welchem 1312 
die Stadt angelegt ward, die später mdzag, mdzak, nidsac, heute 
Mehlsack genannt wird. CdP. IL 81. MhW. I. 283.; vgl. huke. 
mandangni rknli$s MhW. I. 
manddcho^in, Oit in Pomesanien. CdP. II. 11 flgg. 
moHdilkoKtn, Ort in Pomesanien. CdR IL 36 flgg. TcG. 13. 124. 
mamfiicWis^ Quirlstock, Voc 318. (poln. mqiew\ russ. muibwia, böhm. 
moutenr, maniew, litt, mentüref lett. weeiuris, meeturs, Quirl, Quirl- 
stock, lett meniey Maischholz, sanskr. manfhoj manthara^ Stab im 
Butterfass, zur ^Yurzel mahth, bew^en, durch einander rühren, kslav. 
muftiti, poln. m^lic, russ. s-mutif, litt, menth, menceoH, m^sti, turbare, 
aufrühren, lett menteht, maischen). Burda Beitr. VI. 398. 
mfmddo, mm^fio, nom. viri, l>iis6. ///. 73. 175; daher Dorf mandeln 

Kr. Königsberg. 
manga^ Hure. Gr. (ist wohl aus dem preuss. in das litt überg^angen, 
ähnlich wie /lOS^Hv^iimiAr^ m&t«^^ podjfme^ $aluba s. dd.; davon litt. Ise- 
ma$^His^ Hurenkind, mt^ngmihkas, moHkmkUtas, Horenjäger, manka, 
nach Prätorius Hure, s« Pierson VIU. 365.; lett matdta, Hure, 
wofür man nach der sonstigen SjHrachaiologie mckkoy mohga er- 
warten soUteV 
iMtii^firis^aik Hurenkind, (rr. s. soik^ jssmuss. 

uMiikS acc. pl de$ Piünom. <t^s uns. fk)$: jEWdk 20 als dat pL gebraucht 

üMtMlTHiiii^^« als iiK)ik^ und /«mc^ bezeichnet, JMS. VII. 299. s. garbis; 

für doli ersten Theil v$L dni Dorfhamen 9mmi4xim Kr. Hschhansen. 



— 101 — 

margell, mergell, Prov,, Mädchen, meist in geringschätzigem Sinne, 
bes. von jüngeren Dienstmädchen gebraucht, wogegen dem litt, mergele, 
Dim. zu mergä, Jungfrau, durchaus kein übler NebenbegriflF anhaftet ; 
vgl. merga, mergü. 

mary, das Haff, Voc. 65. (litt, mdres, pl., das kurische HafiF, kslav. 
more, morje, russ. m<>re, poln. morze, goth. marei, ahd. muri, lat. 
mm-e, das Meer). 

marim, marym campus, MhW. I. IL 

maring, maringe, ma/rung, maurin, See ganz nahe südöstlich von Moh- 
rungen ; die Namen des See's und der Stadt sind offenbar identisch ; 
s. Dusburg Suppl. 2. MhW. IL IIL Hennenb. IL 15. Vossberg 
Münzen S. 45.; vgl. morungen, 

markxobe lacus, CdP. LV. 186. MhW. IIL 29. 67 (aa. LL. markxeie, 
ga/rxyede). 

martan, martin, acc, Braut, Ench. 74. 76. (litt, marfi, Braut, Neu- 
vermählte, lett. mdhrscha, Bruders Weib). 

mas für mes, wir, in Kot. L, s. as. 

massais, adv., weniger. JEnch 81. (litt, mag, lett. mas, wenig, litt. 
mdms, lett. nuiss, klein). 

massi, ich kann, mag. Ench. 18. du kannst 45. 47. er kann 30. 37. 
43. 51. 82. er möge 83. sie können, mögen, Titel, 66. 80., massimai, 
wir können. 56. 88. (litt, mdce, mads, poln. moc, russ. mocz', Macht, 
kslav. mogq, moszti, russ. mogü, mocz\ poln. mog^, moc und modz, 
lett. mahku, mahzeht, litt, rmku, mok'eti, können); vgl. mustlai, 
musingis. 

mascharitz. Ort in Pomesanien. GdP. IL 23. 

masun^, nom. viri, NPBl. 3. F. V. 301., daher Dorf massaunen Kr. 
Friedland. 

mattet, in der Phrase: en mattei kaigi dygi mes, in Maassen wie 
auch wir. Ench. 81. (litt, matuti, messen u. s. w.). 

matinke, Name eines Ackerstückes, NPBl. XL 74. 

matre in po-matre s. d., und mothe, müti. 

maudite, nom. viri, NPBl. a, F. VL. 174.; daher mauditen, maudythen, 
maudytyn, GDK. I. 62. CdP. JJ. 51. (wo fehlerhaft mawdi^ew steht), 
das heutige Dorf moditten im Kr. Fischhausen. 

maurin la^us s. muring. 

mawys lacus, MhW. IL 

mealde, Blitz, Voc. 52. (kslav. mlUni% mlUnija, russ. mblnija). 

medenix tauruns (beerhun), wahrscheinlich das Aue rhu hn, Voc. 766.; 
das deutsche wäre zu übertragen eberhuhn, vgl. cu/ylis, beer, Voc. 683, 
eine Benennung, die den Charakter des Auerhahns sehr treflfend 
wiedergiebt; lett. heisst der Auerhahn meddenis, meddens, mednis 
(litt, med^nis, wild, im Walde lebend) ; tauruns ist unklar ; unmittelbar 
dahinter steht im Voc. tataruns, Birkhuhn, s. d., ein dem Auerhuhn 



— 102 — 

sehr nahe verwandter Vogel; ich vermuthe daher, dass medenix^ 
entsprechend dem lett. meddenis, an und für sich den Auerhahn 
bedeute, wogegen das aus tatarms verschriebene taurwis sich durch 
ein Versehen des Abschreibers aus der folgenden Zeile in diese 
verirrt habe. Pierson VII. 583 setzt das Wort zusammen aus litt. 
vnedmis, taüris und wisztä, 

medennowe, medenow, medenou, das Kirchdorf medenau Kr. Fischhausen. 
Dusi. IIL 71. CdP. IL 51. MhW. L 218. AM8. VIL 294. 

median, Wald, Voc. 586. {litt medis, Baum, dagegen das Adj. medim*5, 
den Wald betreffend, im Walde lebend oder wachsend, wild; lett 
mesch, Wald). Das Wort erscheint häufig als zweiter Theil zusammen- 
gesetzter Localnamen, so in ahs-medie, awine-medien, iewta-medie, 
eichr-medien, kathe-medien, curt-medien, lauke-niedien (lack-medien), 
Unden-medie, lusine-medien, narvo-mede, suicko-medien, und in po- 
medien, ferner in gram mat. Ableitungen medien, medenau, medinen, 
msdino, mednicken (medenicka in russ. Littauen, Bush, IIL 320); 
unsicher ist die Bedeutung des ersten Theils in msd-lauken. 

medies, wohl medi-es, medijes zu sprechen (vgl. artoys, gewineis)^ Jäger, 
Voc, 696. (litt, med'ejis, m^edijas)', vgl. medione, 

medinen campus, MhW. L Dorf medien. Kr. Braunsberg. 

medinice, Becken, Voc, 357. (litt, mednycza, böhm. medenice, slov. 
medenica, poln* miednica, dass., serb. mjedenica, labrum vasis, wohl 
von kslav. mjed^, russ. mjed\ poln. miedi, Kupfer, kslav. mjedjenu, 
mjedenu, russ. mjedny'i, poln. miedmny, kupfern). 

medino silva. MhW. L 387. 

medione, Jagd, Voc, 699 (litt, medzone, gew. medzökU); vgl. m^ies, 

meddo, Honig, Foc. 391, wahrscheinlich Neutralform für meddu, medu, 
Pauli Beitr. VII. 158. (litt, medüs, lett. meddus, kslaw, medu, russ. 
böhm. med, poln. miod, sanskr. madhu, griech. fAid'Vj ahd. medu), 

medritze s. metritze. 

meida, Hecht, Gr. 

meicte. Schlaffen, Gr., entweder der Schlaf, s. maiggun, oder inf. 
schlafen, s. mig-t. 

[mdata] melato, Grünspecht, picus viridis, Voc. 743. (litt, meletä, 
lett. nach Nemnich meltsas), 

meleis, imp., s. po-meleis, 

melcowe (mercline) Voc, 48, irgend eine Welterscheinung, aber weder 
das preuss. noch das deutsche Wort ist sicher zu ermitteln. Pierson 
AMS. VIL 583. liest das deutsche Wort mer^sf-Kw« (vgl. holckro für 
Holzkrähe, Imcortvarne)^ und erklärt es durch Märzthau, Märznebel, 
von mhd. Un, pl. line, Thau, linen, thauen, ent-Unen, aufthauen; 
in melcowe steckt vielleicht durch Metathesis litt, miglä, polab. meagla, 
Nebel, oder goth. milhma, Wolke, oder wahrscheinlicher kslav. mraku, 
caligo, neuslov. mrak,^\n. mroA, Dämmerung, böhm. mrkawy, ohscurus. 



— 103 — 

meine (Uo), blauerFlecken oder Striemen, blutunterlaufene Spur 
eines Peitschenhiebes, Voc, 161.; vgl. miKwaw, Flecken, (litt. m^Wwe, 
blauer Flecken, meU^ blaue Farbe, melynas, blau, lett. melnums, 
mellums, Flecken, mels, melns, schwarz). 

meltan, Mehl, Voe, 335. (litt, mtltai, lett. mlUi, Mehl, böhm. nddto, 
Traber); s. maltan, mälunas, 

melucke, nora. viri, NPBl, a. F. VI. 174, 3. F. V. 302', daher das 
Dorf milucken^ Kr. Orteisburg. 

memela, memele, memole, mimela, der Memelstrom, der Niemen. GDK, 
L 19. CdP. L 89. 95. Dusb, III. 2.; castrum memela, die Burg 
Memel, NPBl. a. F. IV. 28., sonst häufig memel-berg, memel-hwrch, 
mimel'bureh, mt/melen-burg genannt, z. B. Dws6. III. 2. CdP. I. 119. 

mennei, dat. sg. zu dem Pron. as, mir; vgl. maim. 

menen-twey, Kot. I. im 2. Gebot als Uebersetzung des deutschen 
führen, wofür Kot. II u. Eneh. 2. west-wei s. d. haben; aber 
m^nent bedeutet schwerlich führen, sondern gedenken, erwähnen, 
nennen, was sehr wohl in den Zusammenhang passt: „du sollst 
den Namen . . . nicht unnütz nennen" (litt, manyti, denken, menu, 
mlnti, gedenken, bei Namen nennen u. s. w.); vgl. menisnan, 
minisnan, aurminitis. 

menig, Mond, Voe. 8., eine augenscheinlich entstellte Form, wahr- 
scheinlich verschrieben für menius, s. d. 

menisnan Kot. I. 11, meninsnan Kat. I, minisnan Kat. II. acc, 
Andenken, Gedächtniss, s. ^nenen-twey, po-mimsnan. 

menius, Mond; so ist wahrscheinlich zu lesen für m^nig Voc. 8; wie 
es scheint, hatte der Abschreiber m^niq^ (q^ bekannte Abbreviatur für 
US, so auch in der Unterschrift des Voc. per manq^ für per manus) 
vor sich und las dieses irrthümlich menig; (zu menius vgl. litt. 
menu, gen. menesio, lett. mehnes)^ vgl. indess Pauli Beitr. VII. 
205. 

mensä, mensai, mensas, Ench. 25. 68. \mensa'\ menso Voc. 154. 374. 
nom., mensan, mensen, acc, Ench. 50. 68. 70. 88., m^ensas, gen., 
17 (Kat. II. menses), msnschon, gen. pl, Kat. I, Fleisch (sanskr. 
mdnsa, litt, mesa, lett. meesa, kslav. mqso, russ. mjaso, poln. miqso, 
böhm. maso). 

mentimui, wir lügen (auch mit ep-) Ench. 2. (lat. mentiri, poln. 
m>atam, matac, lügen, schwindeln, berücken; Miklosich zieht das 
Wort zu kslav. mqtq, m^sti, s. d. unter mandiwelis.) 

merga, Gr., [merga] mergo, Voc. 192, Jungfrau; der acc. mergan 
Ench. 10. gehört der Bedeutung nach zu mergu s. d. (litt, merga, 
Jungfrau); vgl. mergu, margell. 

mergelt s. margell. 

mergu, Ench. 35, inerguss, Gr., nom., mergwan, acc., Kat. I. II, ge- 



— 104 — 

wiss richtiger als mSrgan Ench. 10 (vgl. indess peckan, acc. zu 
pecku^ nom.), mergümans, dat. pl, Magd; vgl. merga. 

menme, nom. viri, NPJBl a. F. VI. 173., 3. F. V. 300, daher wohl 
die oft vorkommenden Dorf- und Gutsnamen martihnen und ma- 
raunen; maruhnen im Kr. Ragnit, maraunen in den Kr. Heiligenbeil, 
Alienstein, Heilsberg, Königsberg; vgl. das folg. 

meruniska territoriwm Siiäaviae, Bush. HL 197. TcQ, 30, das heutige 
Kirchdorf mierunsken, Kr. Goldapp. 

mes, nom. pl.. zu as, wir, s. d. (Kat I mas). 

mest, inf. zu der Wurzel met, s. d. 

mestan, Voc. 796., maysta, Chr., Stadt, (litt, mestas, lett. meests, poln. 
miasto, böhm. mjesto, Stadt, sklav., russ. mjesto, poln. mieysce, böhm. 
twis^o, Ort); daher swento-mest, die heilige Stadt, nachHennenb. 156 
alter Name von Heiligenbeil. 

[met, Wurzel, werfen, inf. mest, davon] mests, part, pass., geworfen 
(nur mit p(h). (litt, metü, mesti, lett. mettu, mest, kslav. mjetajq, 
mjetati, auch metajq, metati und metnqti, russ. mecm, metäf, poln. 
wio% miese, werfen, poln. miot, Wurf) s. mafes, po-mettewingi. 

mettan, Voc. 12., me^e, Gr., Jahr (litt, metas). 

mettele, ein heidnisches Volksfest, etwa Jahresfest? s. u. kresze, 
und das vor. 

mettetvingi s. po-msttewingi. 

metis, Wurf, Voc. 166 (lett. mettens) s. me^. 

met-kaym territorium, CdP. IL 130; Dorf mettkeim Kr. Labiau. 

metritze, medritze, Prov. Fischsack, Sack am grossen Netze (litt. 
meiyrycza)\ v^l. die metritz, auch metritz-kampe an der Nogat, ober- 
halb Marienburg. 

mecczeris, Messer, s. stakor-mecczeris. 

mien, acc» sg. zu Pron. as, mich. 

[mig4, schlafen], migguns^ part. act. (mit en-), mige, er schlief (mit 
is-); vgl. maiggun, meicte (litt, megstü xmimingü, m^gf^i, einschlafen, 
megi)i, m'egöti, schlafen, lett. meegu, migt, einschlafen; litt, megas, 
lett. meegs, der Schlaf.) 

micolen, Gutsname NPBl. a. F. XI. 289., das heutige makohUn, Kr. 
Heilsberg. 

^ mixkai, adv., deutsch. Ench. Titel. 

wt7-5, my?-s, nom. sg., milan, mylan, acc., mylas, gen., mitoi, mylai, 
nom. pl., lieb, theuer. JEwcä. 4. 19. 20. 35. 46. 53. 76 u. öfter. 
— mylan twrtt, lieb haben, 1., mylas ginnis, als voc. pl. 80. 88. 
gebraucht, lieben Freunde, wahrscheinlich fehlerhaft; einmal ist 
myls als adverb. Compar. gebraucht: turriti dins ste myls, habt sie 
um so lieber 53. s. Bopp S. 54; vgl. mily-t. 

mylan, mylin, acc, Liebe. Ench 82. 89. 



— 105 — 

milan (gewant), heute provinciel Want genannt, grobes Tuch, wie die 
Bauern es in ihren Kitteln tragen, Voc. 455. (litt, mtlas, Tuch, 
Wollenzeug, lett. milla, grobes Bauerngewand); vgl. das daneben 
stehende pastowis. 

m%-^,. lieben, Euch. 1—10. 12. 70., milyuns, part, act., ast, er hat 
geliebt, 69; milytai, voc. pl. part, pass., geliebte 94.; mile, er liebt, 
sie lieben, 11. 70.; mylis, imp. sg., liebe 65; müyti, imp. pl., liebet 
69. (litt, mßiu, myl'eti, lett. mihleht, mihldht, lieben; litt, melas, 
lett. milsch, russ. milyi, poln. mily, lieb, werth, kslav. müu, misera- 
bilis, müowati, raisereri, milostt, misericordia.) 

mtlinan, acc, Flecken. JEnch. 69. s. meine, 

mimela s. memela. 

mynyen campm, MhW. L 

mynix, Gerber, Voc. 511. (litt, minikas, lett. ähd-minnis, Gerber, 
letzteres wörtlich „Hauttreter," von litt, minü, minti, lett. minnu, 
mihi, treten, gerben.) 

minisnan, acc., Gedächtnis s. Kat. IL, s. menisnan, po-mintsnan, 

minius s. au-miniuis. 

mynsis, Schmeer, Fett, Voc. 380; vgl. instran. 

mynsowe, Schüssel, Voc. 364., wohl spec, die flache Schüssel unter 

• dem Bratspiess, die das Fett (s. d. vor.) aufnimmt. 

myrUice, Ortname im Samland, Urk. v. 1258. NPBl. VIIL 344. 

miri-t, denken, dichten, s. er-mirit, po-mtrit (litt, meryti, lett. 
mehroht, kslav. mjeriti, russ. mjerjcU^ poln. mierssyc, mierzac, messen, 
ermessen.) 

myrisnans s. po-myrisnans. 

missino, nom. viri, Bush, III. 262., daher Gut mischen Kr. Fisch- 
hausen, und Dorf missen Kr. Darkehnen. 

miskilis, mishils. Schiene am Rad, Streichschiene am Pfluge. Voc. 
246. 299. 

mistran, acc, Fürst, Ench. 57. (das lat. magister, deutsch Meister, 
das in alle roman., germ., bait., und slav. Sprachen einge- 
drungen ist.) 

moargis, ein Morgen Ackers, Voc. 239 (Germ., wie das litt, mürgas, 
poln. morg.) 

{moasd\ moazo, Muhme, Mutterschwester, Voc. 178 (litt. m4sm, des 
Mannes Schwester, auch dessen entferntere weibliche Verwandten, 
vgl. auch lett. mahse, Schwester). 

moasis, Blasebalg, Voc. 516. (russ. mjech, poln. miech, böhm. mich, 
mechy, Blasebalg, kslav. mjechu, pellis, pera, uter, Saccus, litt, mmszas, 
Sack, böhm. mechyi-, Harnblase ; beide Begriffe, Blasebalg und Harn- 
blase, liegen nicht so gar weit aus einander, da beide auf der- 
selben Construction beruhen); vgl. dumsle und Pierson VII. 580. 
584. Vm. 363^ 



— 106 — 

moasiSy Gerste, Voc. 261, mayse, Gr., der aber irrthümlich die Be- 
deutung Weizen giebt; s. gaydis (litt, mezei, lett, meeschi, Gerste.) 

moderuschke s. moteruschke, 

modis locus, MhW. L 

mokainen, heutiges Dorf mokeinen. Kr. Alienstein, TcG. 153. 

moke, Mohn, Voc. 26b (lett. maggons, ks\B.\.maku, russ., poln., böhm. 
serb. mak, ahd. mägo, mhd. möge, griech. fA^xcovy dör. (mxmv). 

mokera, mockera fluvius, in Pomesanien, Dusb. III. 14; auch bei 
Thorn ist ein Fluss und Dorf mocker. 

mokin s. mukin. 

moldite, nom. vlri, NPBl. a. F. VI. 173; daher Gut molditen, Kr. 
Rössel; vgl. maldite. 

mole campus in Sassen, CdP. II. 53., wohl Dorf omulle. Kr. Löbau. 

moleyn, molleyne, Ortname GDK. I. 142. 178., das Gut mollehnen, 
Kr. Königsberg, zur Kirche Powunden. 

mone-lauken campus MhW. I. 

montaw, heute montau, zwei Dörfer an der Weichsel in den Kr. Ma- 
rienburg und Schwetz. TcG. 224; vgl. m^nte. 

montc, nom. viri, Dush, III. 89 u. oft; daher vielleicht Dorf montitten. 
Kr. Heiligenbeil; vgl. auch das vor. 

montike, nom. viri, NPBl. 3. F. V. 300; daher Gut montig. Kr. Ro- 
senberg und die Dörfer montken. Kr. Stuhm u. Kr. Heiligenbeil. 

montileytis s. muntileytis. 

moreyn, das heutige Dorf morainen. Kr. Stuhm. TcG. 182. 

morteg, mortek, Pflegeramt in Pomesanien, NPBl. a. F. XI. 21, das 
heutige Dorf mortung. Kr. Mohrungen. TcG. 181. AMS. IX. 335. 

morungen civitas, Dusb. Suppl. 2., s. maring. 

mosing, mosingis s. musingis. 

m^ska, leimet, Gr. d. i. Leim oder Lehm, nahe verwandte Be- 
griffe (vgl. russ. mä^ka, Tünche, mazat\ schmieren, kslav. mamti, 
ungere, poln. mumc, mazgac, schmieren, salben; Pierson VIL 591 
weiset auf litt, mezg, mazg, verbinden, spec. Knoten knüpfen, hin.) 

[mosum] mosu^o, Wiesel. Voc. 662. 

mothe, Mutter, Voc. 170.; s. muti. 

moter findet sich in dem samländischen Theilungstractat von 1258 ver- 
schiedenen Ortnamen angehängt, ohne dass sich für uns ein klarer 
Begriff damit verbände, so glausote m^ter, kaime-ldbegowe moter, 
drovinen moter, clochoten moter, s. GDK. I. 27. CdP. L 113. 
NPBl VIII. 342. 352 (man könnte vielleicht an kslav. materü, 
alt, russ. materyi, gross, denken, Epitheta, die an Dörfemamen an- 
gehängt weder undenkbar, noch in andern Sprachen ungewöhnlich 
sind;) vgl. den muter lacus bei "Riesenburg und den lapis muter- 
caupe. 



— 107 — 

moteruschke, moderuschke, verhochdeutscht muUeruschchen, Prov , wohl 
meist als Schmeichelwort gebraucht, mit welchem der Ehemann 
seine Frau anredet, seltener als Anrede der Kinder an die Mutter, 
(litt, ist moteris^ke, Eheweib, pl. motcriszkes, die verheiratheten 
Weiber im Gegensatz zu den Männern auf der einen, und zu den 
Mädchen auf der andern Seite). Hennig 165. ÄMS. VIL 596. 

[mü-t, waschen], s. aur-müsnan (k^lax, muijq, müiti, russ. mbju,myf, 
poln. myjq, myc, waschen, litt, müilas, russ. mylo, poln. mydlo, 
böm. meydlOy Seife.) 

mukhen, Prov,, kleine Fliegen, die in die Augen fliegen; s. AMS. 
VIIL 684. (kslav. russ. poln. mucha, böhm. mattcha, Fliege); vgl. 
musa, 

muisieson, als acc. pl. gebraucht, grösser. Euch. 37, der Form 
nach aber gewiss acc. sg., s. Bopp S. 23. 

mükin, acc (Kat IL mokin), mukis, gen. Kat IL, mächtig, in 
toisse = mükin, s. d. (litt, möku, moketi, können.) 

mukin-t, lehren (auch mit is-), Ench. 32. 45. 49. 51; mukinnons, 
part. act. (ast), er hat gelehrt, 87.; mukints, part. pass, (auch mit 
po-) wirst, es wird gelehrt 20.; mukinna, er lehrt, sie lehren 20. 
52., mukinniniai, wir lehren, aber Ench, 3. dem deutschen „wir 
lernen" entsprechend; mukmaiti, imp. pl., lehret 28 (Kat 1 mu- 
kinaity, Kat, IL mukineyti) ; nmkinsu-sin, opt. refl., er lerne (lehre 
sich) 65. (litt, mokinü, mokmti, lett. mahziju, mahziht, lehren); s. 
mit is-, po- und die folgg. 

fnukinnewingins, acc. pl., Lehrer^ Ench. 52. 

mukinewis, nom. sg., mukinnewins, acc. pl., lehrhaftig; Lehrer. 
Ench. 51. 53. 

mukinsnan, acc, Lehre, Lection. Ench. 51. 52. 65. 

mtdgeno, Voc, 74., Schrbf. für müsgeno, s. d. 

muntileytis-, muntileitis- , montileytis- dumpnis (a. L. fehlerhaft - 
dummis) Ortname, vgl. dumpnis, AMS, VII. 305. 

[murrau-t, murren] murratvuns, part, act., asmai, ich habe gemurrt. 
Ench. 35. s. Bopp S. 33. 

[mw8a] muso, Fliege, Voc. 782 (litt, muse, lett. muscha); vgl. 
muichen. 

[musgena] musgeno, Mark, Voc, 74, wo in der Handschrift irrthüm- 
lich mulgeno steht (kslav. mozkU, mozuku, mozgü, slov. mozg, moz- 
gani, russ. poln. mozg, böhm. mpzek^ sanskr. muggan). 

musilai, opt., er möge, Ench, 86; s. massi u. das folg. 

musingis, nom., musingin, acc (Kat. I mosing, acc, Kat, IL mosingis, 
gen.) 1) mächtig, nur in der Verbindung mit wisse-,; 2) mög- 
lich, Ench. 37; vgl. musilai, wisse- musingis^ ms-mosing. 

muschach in einer augenscheinlich verderbten Stelle desAnnal. Thorun., 
SrP. LLL. 133, wo es heisst „Wytaut (quod interpretatur : Wytat, 



— 108 — 

ist muse hack als ein verreter, ungetrew hos^iwieht/' ; vgl. litt. 

muiczus^ pfiffiger Mensch, Taschenspieler. (Pierson.) 
muter locus bei Riesenburg. CdP. IL 170. 
muter-caii/pe lapis, MhW. L 

müti, Ench. Gr , mothe, Voc, 170., nom., mütin, mütien, acc. (Kat. L 
muttin) Mutter. Ench. 4. 34. 60. 68 (litt, m^te, gen. moters, Ehe- 
frau, sanskr. mätar, kslav. mati, gen. matere, russ. maf, gen. mo- 
teri u. s. w. Mutter; das radicale r haben ausser dem preuss. ver- 
loren lett. muhte, poln. matka, litt, motina u. a.) 

mutschke, Prov., Kuss, Küsschen, Mäulchen; (im lett. haben wir 
eine härtere Form mutte, Mund, muttite, Mäoilchen, Küsschen, mut- 
tiht, küssen, und eine weichere muscha (t) Mund, mu^hii^sch, Mäul- 
chen, muschoht, küssen ) 



N. 

na, praep. nach, gemäss, c. acc. Ench. 12; gen. nach etwas hin, 
c. acc. 91 (an der Parallelstelle 15 steht no)\ auf, c. dat., in 
Kat, I. IL, na semmey für no. 

nabentine lacus, bei Pias twig, s. TcG. 29 = newotin, negothin. 

nahis^ 1) Nabel, Voc. 123 Qeit nabha, ssLU^kr. näbhis, sJud. nahalo) — 
2) Nabe am Rade, Voc. 297 (sanskr. nahhis, nähhis, ahd. naba.) 

nabote. Flüsschen in Samland, im Kirchspiel Powunden. CdP. III. 
184 (GDK I 153. hat fehlerhaft naliote.) 

nadele, Sonntag, Voc. 17. (litt, nedele, lett. neddela, alt und ur- 
sprünglich Sonntag, jetzt Woche: russ. nedjela, serb. njedzela, nur 
Woche, kslav. nedjelja, poln. nkdziela, Sonntag und Woche; die 
Grundbedeutung ist Sonntag, d. i. Ruhetag, von ne-djelo, Nicht- 
Arbeit; diese Grundbedeutung hat das Wort jedoch nur in den 
slav. Sprachen, wo es wirklich aus ne, nicht, und djelo, Arbeit, 
componirt ist, wogegen in die litt, und preuss. Sprache das fertige, 
in diesen Sprachen aber bedeutungslose Compositum aufgenommen 
worden ist; zumal existirt im Preuss. keine Negation na; vgl. da- 
gegen Pauli Beitr. VII. 226); vgl. po-nadele, 

nä'dewisin, acc, Seufzer, Ench. 53. (litt. dwesÜA, dw'Ssti, hauchen, 
athmen, russ. na-duwäf, aufblasen.) Pierson VII. 592. 

nadram/oe, nadrawe, nom. viri, NPBl. a. F. VL 174., 3. F. V. 300, 
daher nadrau, Gut im Kr. Fischhausen, und Dorf im Kr. Osterode. 

nadrovia, die Landschaft Nadrauen, Dmb. III. 3., bei Plastwig 
nadroma TcG, 28. 

na-dru/wisnan, acc., Hoffnung, I}nch. 30,, s. d/rutjoiit. 



— 109 — 

nage, Fuss, Voc. 145., noye, Beine, Gr. (kslav. russ. poln. noga, 
böbm. ndha, polab. nigga, Fuss.) 

nage-pristis, Fusszehe, Voc. 149, wörtlich „Fussfinger", s. pirsten. 

näggen (gg weich gesprochen), naginnen^ Prov., eine Art Schuhe, 
ziemlich gleichbedeutend mit totischen, s. d. ; von nage, Fuss, (litt. 
ndgine, na^ine, Sandale, wohl aus dem preuss. entlehnt, und nicht 
auf litt, ndgas, Nagel, zurückzuführen.) 

na^is, Feuerstein, Voc. 371 (vielleicht durch Metathesis zu litt. 
ugn\s, russ. ogm\ poln. ogiefA, kslav. ogn^, sansk. agnis, Feuer; 
vgl. indess litt. üUnagas, Feuerstein) Pierson VIII. 363. 

naglande^ nom. viri, KPBl. 3. F. V. 300; daher wohl naglandithin 
campus, MhW. L und nagladen, Dorf im Kr. Alienstein; (sollte 
nicht vielleicht imglaufde, naglaudithin zu lesen sein? nagladen 
würde dann besser dazu stimmen.) 

nagot s. nogat 

nagotis (erintop) eherner Topf, Voc. 349; wohl Topf mit Füssen, 
d. i. Grapen, von nage; (vgl. Pierson AMS. IX. 162. polab. 
niggote, dreifüssiger Topf, von nigga, Fuss; s. auch Neumann 
NPBl. a. F. VI. 413 flg. 

nagutis, Nagel am Finger, Voc. 117 (litt, ndgas, Dimin. nagütis, lett. 
nags, kslav. nogUtü, nogUPt, nokUtt, nokUt, russ. nbgof, nbkot, böhm. 
nehet, slov. nohet, poln. paz-nogiec, paz-nokiec, zu kslav. paz-nokUti, 
Huf, Klaue, sansk. nakha, griech. o-vv^ (o-vvx-g), lat. ungula). 

naktin, na^ktin, nacktien, acc, (Kot. I. na^ctin), Nacht. Enck. 41. 
46. 48; deinan bhe nacktien, adv., Tag und Nacht, 64 (litt, naktis, 
lett. nakts u. s. w.) 

naldbe villa CdP. IIL 160. MhW. Ill 522; Dorf nalalen. Kr. 
Braunsberg. 

naiyge, nom. viri, KPBl. 3. i^. F. 299 ; daher Dorf naligau (auch 
nalgarben, d. i. nalg-garben, nalig-garben, genannt) im Kr. Wehlau. 

naiko s. malka. 

namego, nom. mulieris NPBl. 3. i^. 7. 302., daher vielleicht das Gut 
nahmgeist Kr. Preuss. Holland. 

namyum-pelck, namoymnrpelk, nom. paludis. CdP. III. 62 s. pelky. 

narayte, wyrrayte lacm, CdP. IV. 186. MhW. III, 29. 67; vgl. Dorf 
nareithen Kr. Orteisburg. 

na/rien lacus, MhW. III; vgl. Mühle narien. Kr. Mohnmgen. 

naricie (tufelskint), Iltis, Voc. 664. (russ. woroi, nbrka, Wiesel, i^ln. 
nurek, Wasserwiesel, Sumpfotter, mustela lutreola; wohl abzuleiten 
von litt, neriü, nerti, einziehen, einfädeln, isi-nerti, hineinschlüpfen 
in die Kleider, die Schuhe, also naricie, der Einschlüpfer, Ein- 
schleicher; lett. ist narrize, ein Haarseil, welches man den Pferden 
bei gewissen Krankheiten durch die Haut zieht, litt, nar^czos, Fon- 
tanelle, poln. norzyca, eine Pferdekrankheit (?); sollte daher auch 



— 110 — 

lett. narrize ursprünglich den Iltis bezeichnet haben, und das 
Haarseil sodann mit einem einschleichenden Iltis verglichen worden 
sein ?) 

narussa, narus, narossa, nertisse, ein Flüsschen, das westlich von 
Frauenburg in der Nähe des nach dem Flusse benannten Dorfes 
nar0 in das Haflf fällt, jetzt die narzer beek genannt, OdP. IL 
no. 1., IL p. 105. III. 162. MhW. I. IL LH 

narwekete s. nerwekete. 

narvo-mede, Name eines Waldes in Galindien. TcG, 27. (formel ver- 
dächtig.) 

nasse s. pchnasse und nozy. 

naseüien, naseüis, naseilliwingiskan s. noseilis etc. 

nasgitrin, Name einer Brücke über die Drewenz. MhW. L. 131. 

nasyne, nom. viri, NPBl 3. F. F. 300, daher vielleicht Dorf nassen 
Kr. Rössel. 

nassute, Lastschiff, Transportschiff, CdP. VI. 181 folgg. (litt. 
neszü, neszti, lett. nessu, nest, kslav. nesq, nesti, russ. nesü, nesü, 
poln. nios^y niese und noszq, nosic, tragen; im litt, würde nesziütis, 
neszihte, Dimin. zu neszys, m., nesze f., Träger, Trägerin sein, 
beide nur am Ende von Compositis ; auch könnte das preuss. nassute 
direct auf litt, nesziötojis, nesziotoje, Träger, Trägerin, bezogen 
werden; auch noch in litt, und lett. Ableitungen findet sich das 
ursprüngliche a statt des späteren e z. B. litt, nasztä, lett. nastüj 
Last, litt, naszykle, Trage.) 

natangia, nattangia, nattangen, die Landschaft Natangen, Bush, HL 
3. und oft, Vossberg Münzen S. 31.; auch hiess so ein Kammer- 
amt zur Comturei Balga, TcG. 200. 

nauds, Prov., Gutes (das s an natids ist wohl deutsche Neutral- 
endung), Hennig 332; „an dem Menschen ist nichts nauds^\ 

nichts Gutes, (litt, naitdä, Nutzen, Gewinn). 

naumans s. numans. 

naun-s (Kat. L nawans), nom., naunan, nawnan (Kat LL, neuwenen) 
acc, neu, jBwcä. 30. 31. 41. (in Bezug auf die Consonanten, zu- 
mal auf das wiederholte n, stimmt das preuss. zu keiner der ver- 
wandten Sprachen genau; das anlautende n haben litt, naüjas und 
die slav. Sprachen, kslaw. nowu, russ. nowyi, poln. nowy, femer 
sanskr. nava, lat novus, goth. niuja, ahd. niwi^ niuwi; das zweite 
n, aber mit Uebergang des erstem in j, hat lett. jauns, neu und 
jung, in letzterer Bedeutung entsprechend den litt, jdunas^ sanskr. 
juvan, lat. juvenis.) 

nauna-gemmans^ part, act., neugeboren, wiedergeboren. Ench, 
95. s. gem-ton, 

nauna-gimton, part, pass., wiedergeboren. Euch. 82. s. gem-ton, 

naunings, nom., Neuling. Ench. 51. 



— Ill — 

natmisnan, auf einen inf. naimt-t hinweisend, s. er-nauntsnan. 

natUin, nautien, ace. sg., nautei,dsLt sg,^ natUins, ace. pi., Noth. Ench. 
2. 5. 55. 80. 82 (goth. nauths, ahd. noti). 

nawan-s s. unter naun-s; vgl. nawan-^le, naumn-seden. 

nawan-pUe, „Neuenburg", Burg am Memelstrom. TcG, 37. 

[nawetta] nawetto, Getriebe in der Mühle, das Rad, welches zu- 
nächst von der Welle in Bewegung gesetzt wird und sod&nn das 
übrige Räderwerk treibt, Voc. 323 (kslav. norwadati, impellere, 
russ. na-wädU\ (nawazdäju), antreiben, anhetzen, poln. na-wa^ac, in 
Schwingung bringen, auch litt, wetau, wetyti, schwingen, in die Höhe 
werfen, vgl. Pierson VII. 584.) 

nawun-seden campus, MhW. IL, d. i. „Neusassen", coloni, in modemer 
Form naursseden, Gut im Kr. Heiligenbeil (litt, nav^sedzei, häufig 
vorkommender Dorfname) s. sede. 

ne, Nebenform zu ni, nicht, s. ne-prest unter pret, und das folg. 

ne-ainessa s. ni-ains. 

neggi, in der Verbindung m... neggi, weder... noch. Ench. 4. 7. 
18. 50. 76. 

negothin stagnum, der Lewentinsee, Bush. HL 202., auch nogothin, 
newotin; s. SrP. L. 140; vgl. ndbentine, 

ncikaut, wandeln, Ench, 31. (kslav. uouz-niknqti, ascendere, poln. 
niknq^^ 0-niJcnqc, schwinden, verstreichen, v. d. Zeit). 

neymen, das heutige Vorwerk nehmen. Kr. Mohrungen. TcG, 182. 

neplök, das Dorf neplecken. Kr. Fischhausen, CdP, IL. 59. 

nerdingi locus, MhW. LLL 27. 67. CdP. LV, 186. 

nerga, nerge, nergia, nergya, nergie, neria, nerie, nerige, nerigia, ne- 
ringa, neringia (poln. Nachbildung nerzeja), die frische Neh- 
rung NPBl VLLL 342. MhW. LL 529, und oft; aber auch 
neria curonica, nergia curonensis, die kurische Nehrung, ÄMS. VLL. 
304. Dusb. LLL. 210. Ich leite das Wort ab von der Wurzel des 
litt, neriü, nerti, tauchen, untertauchen, isz-nsrti, issi-nerti, hervor- 
tauchen; darnach wäre neria, nergia soviel als das abwechselnd 
Auf- und Niedertauchende, das veränderliche Land, welches wie ein 
Schwimmer bald über dem Wasser sichtbar, bald unter demselben 
verschwunden ist; gegenwärtig freilich bietet die Nehrung diese 
wechselnde Erscheinung nicht mehr dar, wohl aber hat sie dieselbe 
geboten zur Zeit ihrer Bildung, welche bekanntlich der historischen 
Zeit angehört. Sehr ausführlich und wesentlich in demselben Sinne 
bespricht den Gegenstand F. Neumann in den NPBl. a. F. VLL. 
385. flgg., nur zieht der gelehrte Forscher zu der Wurzel nerti eine 
Menge von Namen heran, die der Mehrzahl nach mit derselben 
wohl schwerlich etwas zu schaffen haben. 

nergien-ort, silva et acumen, MhW. L. NPBl. VLLL 344. 



— 112 — 

[nerti't, zürnen nur mit er-] nerttuns, part, act., nertimai, 1. pl. 
praes. Euch.; s. er-nerü4, und das folg. 

nertien, acc, nierties, gen., Zorn, JEnch. 12. 60. 80, 82. (litt, närsas, 
Zorn, narünti, nirtmü, auch narsmU, erzürnen, ni/rstü^ nirtaü, 
nlrsti, zornig werden). 

nerusse s. narussa. 

nerwekete, narwekete, nom. viri, KPBl. 3. F. V. 300; daher die 
alten Namenformen nerwekiten, nerwekitten, norwekitten, norbeküten, 
entsprechend dem heutigen Kirchdorf norkiUen im Kr. Insterburg, 
vgl. MhW. IIL TcG. 212. 214. 216. 

nerwicke, nom. viri, NPBl, a, F. VI, 173; daher wohl nertoicken, 
nerioyken, nerioykin, neraeke, pratum, villa MhW. Ih 525. CdP, 
IIL 161., das Gut nerfken, Kr. Preuss. Eylau; auch gehört hieher 
das Dorf nerwick Kr. Alienstein. 

nessovia castrum im Kulmerlande an der Weichsel. Dmb. IL 11. 
TcG. 166. 

nemoenen s. naun-s, 

newtnts, nom., der neunte. Fnch, 9. (litt., lett. und die slav. Spra- 
chen haben den Anlaut d, während das preuss. sich allein an die 
übrigen indogerm. Sprachen mit dem Anlaut n anschliesst, so 
sanskr. lat. griech. germ.; vgl. indess Bopp S. 48.) 

newod, newot, niwad, niwod, niwat, niewat, niewot, Name eines Fischer- 
netzes, dessen Gebrauch bei Verleihung von Fischereigerechtigkeiten 
häufig untersagt wird, so in dem Privilegium der Stadt Elbing von 
1248. CdP. II 60. MhW. \. 20 und oft; vgl. AMS. VIIL 68. 
(litt, newddas, das grosse Netz, das von zwei Kähnen gezogen wird ; 
nach H e n n i g 1 7 1 . heisst niewod oder newot das grosse Wintergarn, mit 
dem unter dem Eise gefischt wird ; kslav. newoM, newodt, serb. nawod, 
sageiia^ russ. newod, poln. niewod, das grosse Zuggarn, die Wate). 

newotin locus s. negothin. 

ni (in Kat I auch ny)^ separat nicht, in der Zusammensetzung un-; 
in letzterer Hinsicht s. die folgg., in ersterer Fnch. 1. 2. 5— 10. 
18 u. sehr oft. 

ni-ain-s, nom. m., ni-ainä, nom. f., ni-ainan, acc., keiner, keine. 
Ench. 5. 30. 37. 46. 48. 54. 62. 75.; ni-ains auch adverbiel für 
ni-tereins, nicht nur, nicht allein, 55. 83.; räthselhaft ist die Form 
ne-ainessa 24. in der Phrase: mes asmai stSison ne-ainessa wertei, 
wir sind dessen keines werth. 

ni-ainonts, nom. (niaintonts Drckf.), ni-ainonton, acc., Niemand. 
Ench. 25. 70. 

ni-aurhillintis^ m., ni-ati-billintai, f., gen. sg., unmündig. Ench. 89. 
s. Ulli-t. 

ni-deitoiskan, acc, Abgötterei, Ench. 2.; s. deiwas, deiwiskan. 

ni-drumen, acc., Unglaube, Fkch. 25., s. drum. 



— 113 — 

ni-drumngi, nom. pi., ni-drumngin, gen. pi., die Ungläubigen. 

Euch. 67. 86. s. drumngin. 
ni'druwmfin, ace, ungläubig, Ench 85., s. drmoi-t, 
ni-eh-winuts, nom. sg., ni-eb-winutei, nom. pi. part, pass., unbeschul- 

digt, daher unschuldig, unsträflich, Ench, 51. 69., s. mrnU^ 

eh-mnut 
ni-enhaenden s. en-handan, 
nierties s. nertien. 

ni-etntstis, gen., Ungnade, Ench, 82. (nieteistis Drckf.), s. etmstis. 
ni-gidings, nom., schamlos, Ench. 35., s. gtdan, 
nigra aqtui, MhW. L 
niris-arms, nom. sg., ni-is-arm, adv., ungetreu, nicht getreu. 

Ench. 34. 35. 36.; s. arwis, is-arwis. 
ni-hanxtSy nom., unhübsch, unehrbar, Ench. 37., s. Tcanxts. 
nyhoitu, wiltu nit, Gr., ist m qim tu, s. quoit, 
ni-qaaitings, nom., unwillig. Ench. 79., s. qtiaits, quoit 
ni-qmi, ni-qusigi, durchaus nicht, nimmermehr, Ench. 32. 74.; 

das enklitische -gi wie im litt.; s. qu^. 
ni-po-gattawints, nom., ungeschickt. Ench. 44., s. po-gattawint. 
ni-po-Musmings, nom., ungehorsam. Ench. 34., s. poklusmings, 

Tdausi-ton. 
{nirpo-Tcunt, verwahrlosen] ni-po-Mntuns, part, act., assei, du hast 

verwahrloset. Ench. 34.; s. Icunt, po-Tcünt 
ni-seilemngis, nom., unfleissig. Ench. 34.; s. seiKw, sdliwingis. 
[ni'Skystint, verunreinigen] ni-skystints, part, pass., verunreinigt. 

Ench. 81.; s. sky stint, 
[ni-swintint, entheiligen] ni-smntina, ni-swintinai, er entheiligt, 

sie entheiligen. Ench. 20. 22.; s. swintint. 
ni-teisingiskan, acc, unehrbar. Ench. 51.; s. teisi, teisingi. 
ni-teisiwingins, acc. pl., unzüchtig. Ench. 36.; s. ^eisi, teisimngis. 
ni-tickran, acc, unrecht. JE^wcÄ. 48.; s. tickars. 
niwat s. newod. 
ni^wertings^ nom., unwürdig. JSwcä. 44.; s. wertings. 

ni-winütiskan^ acc, Unschuld. Ench. 16.; s. w;mw^ u. das folg. 

ni-winüton, acc, unschuldig, eig. unbeschuldigt. Ench. 16.; s winüt. 

niwod, niwot s. newod. 

no, praep., auf, an, über, Ench. 4. 9. 18. 51. 54. u. öfter; auf vor 
dem adverbiellen Superl. 13.; mit na verwechselt, gemäss, 77. 85., 
gen 15.; nostan, darauf 38. 45. u. öfter, demgemäss, 92.; nostan 
subban, darauf, 83. 88.; nostan kai, auf dass, damit, 16. 19. u. öfter; 
no kan, worauf 89. 

noatis, Nessel, Voc. 291. (litt, noter e, lett. nahtres). 

nodatin granicia, MhW. IL 

Nesselmann, Thesaums. 8 



— 114 — 

nogaty nogot, nogata, nogadus, nagot, die No gat, Dush. III. 44. 
MhW. I. IL vgl. Neumann NPSl a. R VI. 412. Heinelebend. 
VII. 301. Neumann ebend. VIII. 55. 

nogelow, Dorfname, zu Wehlau, nicht zu ermitteln. TcG. 212. 

nognan, Leder, Voc. 498 (das Wort, im Foc. hinter keuta, Haut, 
stehend, bezeichnet also, im Gegensatz zu dieser, das gegerbte, der 
Haare beraubte, nackte Fell; vgl. litt, nugnas, nackt). 

nogofhin s. negothin. 

noye, Beine, Gr., s. neige. 

[no-linga] nolingo, Zügel, Voc. 453 (litt, lenkiü, lenJcti, lett. leeJcu, 
lihkt, biegen, ausbiegen, lenken?) Pierson VII. 584. 

no-maytis, Borg, castrirter Eber, Voc. 684. (litt. maiUlis, me^telis, 
dass.). Pierson VII. 584. Pauli Beitr. VII. 219. 

noplo0 (woelger), wahrscheinlich RoUfass, Fass, das gerollt wird, 
Voc. 396., s. auch daselbst S. 36 und Pierson VII. 584, der es 
durch no-blosas erklärt, von litt, hlösas^ Fass. 

norrayte s. narayte. 

norhekitten s. nerwekete. 

norgel, norgel-eisen, Prov., Spitzeisen am Pfluge, womit die Erde 
aufgerissen wird (vgl. litt, norägas, Pflugschar). 

norien, Dorf in Samland, entweder norgehnen Kirchspiels Laptau oder 
norgehnen Kirchsp. Aman. 

noriow campus CdP. IL 71. Dorf norgau Kr. Fischhausen, Kirchsp. 
Thierenberg. 

norths, Hemd, Gr., s. ntirttie. 

norce, norcye, im Zinsregister von Sehesten 1437 eine nicht näher 
definirte Art von Pflug; was das Wort bedeute, und wie es mit 
Sicherheit zu lesen und zu schreiben sei, darüber sind noch weitere 
Ermittelungen abzuwarten; s Toppen ÄMS. IV. 152, und vgl. 
Pierson ebend. VII. 596. VIII. 68. 367. Letzterer will das c als 
k gelesen wissen, und erklärt das Wort schliesslich durch Haken- 
pflug, indem er sich auf das esthnische wwri. Ecke, Winkel, stützt, 
das auch bei St end er I. 186. II. 438 in der Form norke vorkommt. 

no-seüewingiskan, na-seilliwingiskan, acc, geistig, Ench. 84. 88.. s. 
das folg. 

no-seiUs, nom., no-seüin, no-seilien, nuseiUn, acc, no-seiUs, gen., Geist. 
Ench. 15. 17. 18. 21. 28. 30. 45. 75. 83. 92. u. öfter. (Kat L 
naseilen, acc, naseilis, gen., Kat. LL. naseylien, acc, naseylis, gen. 
— Ench. 30. noseüie, gen., Drckf. für noseüis); vgl. seilin. 

nossen s. nouson. 

nose-proly, Nasenloch, Voc. 86. s. das folg. und proly. 

nozy^ Nase, Voc. 85. (litt, nosis, kslav. nosu, russ. poln. böhm. nos, 
lett. nahsis u. s. w.); vgl. po-nasse. 

noson s. nouson. 



— 115 — 

noster^elk campus, MhW. IL; s. pelJcy, 

notine, Ort in Pomesanien, CdP, 36 flgg., vielleicht von dem Personen- 
namen nautinge NPBl 3. F. V. 301. abhängig. 

[no-waitiat, nachreden] no-waitiätms, part, act, asmai, ich habe 
nachgeredet, wargu, übel. JEnch. 36. ; s. waitid-t 

nouns (rump), Rumpf, Voc, 151. (es ist daselbst wohl der todteLeib 
gemeint, denn unmittelbar darauf folgen als Gegensätze leUn, sele, 
daher ist zu vergleichen kslav. nawY, vsxQog, Leichnam, lett. naJme.Tod). 

nümans, noümans, n4mas, noümas, naümans (Kat L numans), dat. pl. 
des pron. as, uns, nobis. 

numo, nom. viri, Dush. IIL 225, daher vielleicht mit litt. Diminutiv- 
endung das Gut num-^iten Kr. Angerburg. 

nurtus^ Hemd, Voc. 479, northe, Gr.; vgl. Pierson AMS. VII. 584. 

nousä, nom. sg. f., Ench, 35., nousesmu, noüsmu, dat. sg., 5. 9. 10. 
56. 95., nousons^ acc. pl., 24. (an letzterer Stelle auch als dat. pl. 
gebraucht), pron. poss. unser. 

nurseilin s. no-seiUs. 

nauson, nousan, noson^ gen. pl. des Pron. as, meist das pron. poss. 
vertretend. Gr, schreibt dafür nassen in der Phrase: sta nassen 
rickie, nassen rickie^ das ist unser Herr, unser Herr, Sprache der 
alten Preussen S. X. 



0. 

a, interj. a! 

adra s. u^a, 

okras^ Prav,, eine Lauge oder Kraftbrühe, mittels welcher aus der 
gemeinen Asche die Pottasche bereitet wird. Hennig 175. (poln. 
okrasa, dass, sonst auch Fett, das an die Speisen genommen wird, 
auch allg. Zierde, Schmuck, von krasic, a-krasic schmücken, Speisen 
mit Fett abmachen). 

achtalite castrum s. auctalUe. 

ossa, azza, Fluss, der unterhalb Graudenz in die Weichsel fällt. Dush, 
IIL 143. 353. CdP. IL 11 flgg. MhW. L 

osseke, azzek, 1) ein Wehr im Flusse, Fischwehr; in einem Privi- 
legium des BischoflFs Eberhard von Ermland von 1312, MhW. L 
285., heisst es: uhi influit fluvius krixtien dictus et eundem fluvium 
ascendendo ad clausuram que asseke in prutenico dicitur. — 
2) eine Brustwehr, Befestigung, Verschanzung; die Stelle 
des Dusburg HL 169: qua martua turhati recesserunt usque ad 
prapugnaculum quaddam, situm inter fluvium Rogaw et Wesecam 
flumen, in ea loco uU Weseca intrat stagnum Drusine etc. übersetzt 
Nie. von Jeroschin in seiner gereimten Paraphrase des Dusburg 

8* 



— 116 — 

also: unde 0ttgin danne \ vor ein ozzeh dort gesät \ da daz vliz di 
Weiske gät \ in den sS den Drüsin \ u. s. w. SrP. L 129. 477. 
Dieses hier appellativ gebrauchte ein ozzek als Uebersetzung des 
lat. propugnaculum quoddam erscheint bei Hennenb. 341 und auf 
Voigt 's Burgenkarte als nom. propr.; ebenso kommt das Wort 
noch verschiedentlich als Name ehemals fester Plätze besonders in 
slav. Landen vor, so Ossiek^ jetzt Eszek in Slavonien, Ozzek, alter 
wendischer Name der Stadt Grossenhain in der sächs. Lausitz, Osiek, 
Stadt im Gouvern. Sandomir in Polen, Osseg, Dorf im Leitmeritzer 
Kreise in Böhmen, Osseeken, Dorf im Kr. Lauenburg in Pommern, 
ossiek, Dorf im Kr. Preuss. Stargard, und in polnischer Diminutiv- 
form osieczek, Kirchdorf in Kr. Strassburg in Westpreussen u. s, w. ; 
vgl. auch Toppen ANS. IV. 152. (Beide Bedeutungen, elausura 
und prcfpiignaeulum kommen ziemlich auf eine hinaus, und die Grund- 
bedeutung scheint Verhau, Verhack zu sein, von kslav. sjekq, 
sjeszti, russ. sjekü, sjecz\ poln. siekq, siec, böhm. seku, sici, caedere, 
hauen, kslav. o-sjeszti, dass., russ. o-sjecz\ poln. o-siec, behauen, 
behacken, kslav. o-sjeku, russ. slov. o-sek, ovile, Umzäunung für das 
Vieh, ferner russ. za-sjeka, ipoln. za-sieka, za-siek, Verhau, Verhack); 
s. ÄMS. VlIL 68. 69. 

otla, Ort in Pomesanien CdP, IL II flgg. 

otholichia castrum Nadroviae, Bush, HL 177. TeG, 24. 



P. 

4 

pa, Verbalpräposition, Nebenform zu po. 

pa-damhis, Thal, Voe. 30 ; es steht daselbst zwar pandanbis, aber 
durch die Loupe sieht man deutlich das n der ersten Sylbe von vier 
sehr feinen Strichen durchkreuzt und daher getilgt, eine Correctur, 
auf welche ich bereits a priori geführt worden war ; s. ÄMS. VIIL 
696.; pa-damhis (pa-danhis) von damha, Grund, ist etwas einem 
Grunde ähnliches, ein ausgedehnter verflachter Grund ; vgl. Pierson 
ÄMS. VIIL 363. 

paddis, Kummetgeschirr, Voe. 312 (vielleicht litt, padis, gew. pl. 
pddzei, Schrägen^ pedza, Gabelholz). Pierson VII. 584. 

pardrawayten campus, MhW. L, vielleicht zu drawine, litt, drams, 
Waldbienenstock. 

paggan, Postposition mit vorhergehendem Genitiv, wegen, Enck. 4. 
35. 53. 55. 57. 72. 82. 83.; tenneison paggan, seinetwegen, ihret- 
wegen 3—10. 24.; stesse paggan, deswegen, daher, 12. 55. 63. 68. 
73. 81. 82.; stesse paggan kai, darum dass, darum weil, 68.; auch 
mit vorhergehendem esse: esse stesse rikyas paggan, von wegen des 
Herrn, um des Herrn willen, 57. 



— 117 — 

pa-gaptis, nom., Voc. 362., porgaptin, ace., Ench. 58 (in dem Compos. 

dyla-pagaptin) Zeug, Gera the; zwar wird es im Voc, durch Brat- 

spiess erklärt, es bezeichnet aber wohl den ganzen Apparat, von 

dem der eigentliche Spiess, aysmis, s. d., nur ein Theil ist. 
pagär, praep. c. acc, ausser, neben. Ench, 1. 
pa-gauts s. po-gaut 
pagonbe (in pagonibe zu corrigiren?) Heidenschaft. Voc. 795. s. 

pogünans. 
porgrimis (vorbuege), der Brustriemen am Sattel, Voc. 442.; der 

Gegensatz davon ist das daneben stehende pa-stagis, s. d. 
[paik't, trügen] ^iia, er trügt (mit po-); paikemmai, paickemai 

(letzteres mit aw-), wir trügen, Ench. 2.; vgl. au-, po-paikt. 
paycoran, Siebengestirn, Voc. 6. (zu litt, puiküs, schön, puikorius, 

eitel, hoffärtig, oder besser zu kslav. pjegU, poln. piega u. s. w., 

s. s. V. spinken, das blatternautig Gesprenkelte) s. Pierson VII. 584. 
payme-copOy poyme-copo, Ortname, etwa „Hirtenberg", zu litt, p'emu 

(pemen) Hirte, und cope. ÄMS. VII. 297. 311. 
paypatZy paypote locus, MhW. II. 
paistio, das heutige Gut peisten Kr. Preuss. Eylau. JSPBl. a. F. IV. 

369. 
paiti 'Stabs, poyto-stabs (peyco-stabs), Name eines Ortes in Samland in 

der Nähe grosser Steine. AMS. VII. 308., s. stabis. 
paytune, nom. viri, NPBl. 3. F. V. 300; Asiher paytune villa, MhW. 

IL 523. (CdP. III. 160 hat poytune)^ das heutige Dorf peithunen 

Kr. Braunsberg. 
packamor s. pod-kamor. 
paccaris, Riemen, Voc. 502., nach der Stellung im Voc. wohl 

Hosengurt. (litt, pä-kariu, pa-kärti, aufhängen). 
pa^ckawingi, nom. pl, friedlich, friedsam. I}nch. 56. 
packe, nom., packan, packaien, packun, acc, packai, dat., Friede, 

Ench. 23. 38. 76. 86. 97.; sen packai, sicher 86 (litt, pakdjus, 

Friede, kslav. russ. pokoi, Ruhe, poln. pokoy, Ruhe, Friede, lat. pax) 
vgl. Bopp S. 7. 

packtmngiskan, acc., friedlich, friedsam. Ench. 56. 

pacortytygien, silva et pratum, MhW. I. 

por-künst s. po-kunt. 

pal, Wurzel in der Bedeutung finden, nur mit ati-; die vorkommen- 
den Formen s. unter avrpallai. 

porlabiten, das heutige Vorwerk polwitten Kr. Fischhausen, NPBl. a. 
F. IV. 369. 

pa-layde, po'layde, ballayde. Nach lass eines Verstorbenen, MhW. I. 
302. 359. 597. und DC, wo es heisst : „Ballayde, Enterbet alle, die 
Bechte und natürliche erben sein^^. Im mittelalterlichen Sprach- 
gebrauch war palayde die Hinterlassenschaft eines Unterthanen, die, 



— 118 — 

wenn dieser keine directen Leibeserben hinterliess, dem Gutsherrn 
zufiel; so in zwei Verschreibungen von 1315 und 1321, die in den 
oben citirten Stellen der MhW. mitgetheilt sind; vgl. A MS. IV. 
138. 139. VIL 318. 319. (litt, pa-leidmi, pa-leisti, loslassen, 
entlassen, aufgeben, lett. po-laischu^ -laidu, -laist, loslassen); vgl. 
pusdna. 

pallaips (für pallaipsas, pallaips^s), nom., pallaipsan, acc., pallaipsai, 
nom. pl. (Kat 1. IL pallapsaey), pallaipsans, acc. pl., Gebot. 
1—10. 11. 12. 28. 34. 36. 46. 60. 69. (unregelmässige Bildung von 
laipint?); über den Verlust der Nominativendung s. Bopp S. 13. 
und das ähnliche Verfahren der Sprache in den Formen cratfs, 
caymoys, (Prätorius XVI. 16. §. 1. bringt ein angeblich litt pa- 
lepsmas bei, welches ich stark anzweifle); vgl. das folg. 

pallaipsi'twei, pallapsir-twei, begehren, Ench. 9. 10. (Kat I.pallapsi- 
ttwey, Kat, IL pailapsi-twey), pallqj^se, sie begehren, 66. 

palayzen campus, MhW. IL 

palapin, Dorf name. CdP. III. 161. MhW. IL 526, Dorf polpen, Kr. 
Heilsberg. 

pallapsaey s. pallaips. 

pällapsi'twei s. pallaipsi-twei. 

porkisallis s. pa-lasassis und lasassa. 

porlasassis (höre) ein Fisch, Voc. 574; es steht daselbst paiasdlUs, 
vgl. aber lasassa; pa-lasassis ist nach der Sprachanalogie ein dem 
Lachs ähnlicher oder ein ihm untergeordneter Fich, gewissermassen 
unechter oder Halblachs, vgl. portowelis, pa-ssons, und litt. pa4ims, 
por-mote, Stiefvater, Stiefmutter u. s. w.; mehr hierher gehöriges s. 
ÄM8. VLLL 695. 696. 

porlasinsnon s. po-lasinsnan. 

palletan Kat. L. wohl Drckf. für pra-lieiton s. pra-U-t. 

palusin, Dorfname, CdP. LIL 161. MhW. LL. 526., das Kirchdorf 
plausen Kr. Rössel. 

palwe f. Prov., wüste baumlose Moosfläche, unbeackertes Heideland, 
ausgerodete Waldfläche, meist spärlich mit niedrigem Gestrüpp be- 
standen, nur als schlechte Viehweide benutzbar; (ich möchte weder 
auf lett. plawa, Wiese, Heuschlag, wie Pierson AMS. VLLL. 367., 
noch auf poln. pölowy, russ. polewyi, wie ich früher ebend. VIH. 
684 gethan, sondern lieber auf kslav. pljewq, pljeti, poln. plewiq, 
plewic, ausroden, gäten, kslav. pljewelU, russ. plewely, pl. Unkraut, 
hinweisen, da die Palwen wohl durchweg ausgerodete Waldflächen 
sind). 

pa-maiis, Fusssohle, auch Sohle am Schuh, Voc. 146. 505. (litt. 

• 

pämatas, lett. pamats, Fundament, Schwellbalken, von litt, pärmetu, 
porfnesti, nach unten, darunter werfen oder legen.) 



— 119 — 

pammerte, nom. viri, NPSl 3. F. V. 302; daher vielleicht Dorf ^i»- 
mern, Kr. Heiligenbeil u. Kr. Lötzen. 

pandanbis s. pordambis. 

pannean, Moosbruch Voc. 288. 

panno, Feuer, Voc. 33. vgl. Burda Beitr. VI. 398. Pierson AMS. 
VIL 585; möglicherweise steht panno ungenau da für ^anww, panuy 
\gl, panihstaclan, und wäre dann ein neutraler w-Stamm; s. Pauli 
Beitr. VII. 159. 

pansadaumannien, acc, der letzte, Ench. 28.: s. pansdau, 

pansdamonnien, acc, der letzte, Ench, 26., en pansdamonnien, zu- 
letzt; s. pansdau, 

pansdau, nachher, darauf, alsdann, Ench. 48. 49. 50. 66. 69. 
74. pansdau tuet, darauf. 46.; vgl. Bopp S. 27. 

pansdaumannien, acc, der letzte. Ench, 29. s. pansdau. 

pansdauzuit, adv., genug. Ench. 37. 

panscheiesten campus, MhW. I, 

[panta] panto, Fessel, Voc. 542. (litt, pdntis^ pdncza, kslav. pqto, 
poln. p^to, pqca, russ. pu^to^ böhm. pouto, serb. ptfto, slov. p6ta, 
Fessel, russ. pjetlja, petlja, Strick, Schlinge.) 

pantym, Landstrich an der Nordwestküste Samlands, Urk. v. 1258. 
NPBl. VIII. 346. TcG. 136. 

[pantwehi] pantweko, Tiegel, Voc, 352. 

panurstaclan, Feuerstahl, Voc. 370; der erste Theil ist panno 
(panu), Feuer, der zweite wahrscheinlich identisch mit stade, Stock, 
Stütze, Pfeiler, s. d. In dem alten Küchenfeuerzeuge wurde ein 
etwa halbfüssiger Stahlstock fest auf den Boden des mit Zunder 
gefüllten Kastens gestemmt, und dann mit dem beweglichen Feuer- 
stein dagegen geschlagen, daher für den Feuerstahl die Bezeichnung 
panu-staclan, Feuerstock, Feuerstütze. 

pap-s, nom. sg., pappans, acc. pl., Pfarrer, Ench. b], 11. (lat. papa, 
deutsch pfaffe, kslav. p(ypu, russ. pcyp.) 

papaw, papau, Burg im Kulmerland, jetzt Kirchdorf, poln. pcpowo 
genannt, im Kr. Thorn, TcG. 169. 

pa-pinipis, Sattelpolster, Voc. 444; so in der Handschrift ganz 
deutlich mit den beiden i-Zeichen über -pinip-, also, wenigstens 
nach der Intention des Concipienten, nicht pqpimpis zu lesen, ob- 
gleich letzteres viel mundgerechter klingt als papinipis, und auch 
nur für pa-pimpis, nicht aber für pa-pinipis eine möglichst nahe 
liegende Erklärung sich bietet (litt, pampü, pämpti, lett. pampju, 
pampt, schwellen, dick werden, litt, ^awjp^as, Pampssattel). Pierson 
AMS. VII. 585; Pauli Beitr. VH. 223 mW papunpis lesen. 

[par-ei-t, kommen] par-eysey, opt., er, es komme, Kat.II, wo Ench. 
per-ülai hat; s. per-ei-t und das folg. 



— 120 — 

par-ei'tngiskai, adv., in Zukunft. Enck. 85., s. par-ei-t, per-eirt, und 
eir-inqiskai. 

pcH^esken, Prov., Bastsandalen, bestehend aus Streifen von Linden- 
bast, die um den Fuss gebunden oder gewickelt werden; bei den 
Littauern heissen dieselben to^zos^ (vgl. preuss. rist, reist, litt, riszü, 
riszti, auch jpo-risigr^i, binden); s. auch wuschen, und Hennig 178. 

parbwe, Prot;., Waldgrund, Waldschlucht, Pierson ÄMS. VIIL 
367. (es ist das poln. parow, parowa, der hohle Grund, die Schlucht, 
das Defile.) 

partegal, campus et castrum in Warmia, DusK HL 23. 26.; das 
heutige Gut partheinen, Kr. Heiligenbeil am Haff. 

pass^ m., Prov. Gurt, Leibgürtel (poln. böhm. pas, Gürtel, pasac, 
o-pasac, gürten, wohl contrahirt aus kslav. po-jasU, russ. pchjas, 
Gürtel, von kslav. po-jasati, russ. (>po-jäsaf, gürten, zu litt, jusiu, 
justi, porjusti, gürten, justa, jüstas, Gürtel.) 

porssalis, Frost in der Erde, gefrorenes Erdreich, Voc, 57. (litt, pd- 
smlas, dass., von szalü, smlti, lett. salstu, salt, frieren, kalt sein.) 

passaluc, paduk, padok terra, territorium, alter Name der Gegend um 
Preuss. Holland; daher flumen de passaluc, passalticence flumen, 
vielleicht die weeske, s. weseca, weysike, CdP, IL 40. 41. GDK. L 
19. MhW. L Toppen NPBl a. F. X 221. TcG. 8. 14. 15. 

pa-seria, pa-sseria, pa-sserge, pa-ssaria, pa^ssarge, der Fluss passarge, 
auch ohne Präposition seria, s. d., genannt. CdP. III. 162. MhW. 
L IL IIL ÄMS. in. 634. 

pa-sserwinte lacus, CdP. IV. 186. MhW. III. 29. 67.; vgl. sertoynte, 
syrwentin, sirunnthen. 

passiauxten campus, MhW. I. NPBl. a. F. VI. 299. das Dorf Käm- 
mersdorf bei Elbing. 

passin, Doriname. CdP. IIL 161, MhW. LI. 526. 

paschkeyles s. kayles ; Varianten sind poszkayles, postkayles. 

porskolle s. pa-skultton. 

porskult-ton, ermahnen, Ench. 51. pa-skule, pa-skolle, ich ermahne, 
56. 82. s. skoli't, skult-t. 

paslange Silva bei Zinten (?). TcG. 204. 

\pasluk'\ paduk, pazlok s. passaluc. 

pasmar, Fluss bei Kreuzburg, CdP. IL 89. 

pa-ssoles, (pl.?), Nacken, Voc. 79. 

pa-ssons, Stiefsohn, Voc. \8\. {Mit. pö-sunis^Txiss.päsynok), \g\.son-s, 
sun-s. 

porssortis, Schürstange, Voc. 334. (litt, zeriic, zerti, mit Präp. j?a- 
hriu, pa-Urti, in den Kohlen, im Feuer schüren); vgl. Pierson 
Vn. 585. Burda Beitr. VL 398. 

[pasta'] pasto (wepe). Decke, welche von den Frauen statt eines Man- 
tels über die Schultern gehängt und auf der Brust mit Spangen 



— 121 — 

oder Hefteln befestigt wurde, Voc. 494. s. Prätorius XIV. 6. 
AMS. VIIL 696, u. vgl. pastoms, wepe, 

porstagis (afterreife), Schwanzriemen am Sattel und Geschirr, Voc. 
443. (Pierson AMS, VIL 585. vergleicht litt, at-stuga, Riemen); 
vgl. pa-grimis und Pauli Beitr. VII. 223. 

pastathton, fasten. Ench, 44. (kslav. postiti sq, russ. postif sja, poln. 
posdc, fasten, kslav. postü, russ. poln. post, böhm. pust, postnj den, 
Fasttag, litt, pdstininkauti, gew. contr. pdstninkauti, pdsninkauti, 
fasten, goth. fastan) ; vgl. pastnyga. 

pasteln, Prov., eine Art Schuhe, ähnlich den paresken, aber von 
Lederriemen geflochten (lett. pastalas pl). 

[pastnyga] pastnygo, fasten, 6rr., ist wohl aufzufassen als das Fasten, 
der Fasttag; (litt, pdstininhis, pdstninkas, Fasttag), s. pastau-ton, 

pastoms (laken) Voc, 456; provinciel bezeichnet laken feines Tuch, 
im Gegensatz zu want, grobes Tuch in den Bauerkitteln, s. milan 
(kslav. postawU, russ. postaw, Gewebe, serb. postaw, lintet4m,pannus, 
poln. postaw, ein Ballen, ein ganzes Stück Tuch; kslav. russ. po- 
stawiti, aufrichten, hinstellen, daher po-sta/wü etc. ursprünglich der 
Webestuhl; s. Burda Beitr. VI. 398); vgl. pasta. 

pa-ssupres (ase), entweder Rost, Flechte über dem Feuer, crates, 
oder Trockenstangen neben dem Herde, auf denen das kleine 
Holz getrocknet wird, Voc, 225. (für die letztere Bedeutung sprechen 
litt, supu, süpti und pa-süpti, schaukeln, wiegen, süptis, sich schaukeln, 
suputi, subuti, schweben, baumeln, sup^kU, Wiegen, s. w.) Pierson 
VII. 585. 

pa-tauris campus, neben dem Walde taure, daure gelegen, MhW. L, 
das Dori potauren Kr. Gerdauen. 

patti, Frau, Ehefrau s. waispaMin und pattiniskun (litt, pafs, Ehe- 
mann, patt, Ehefrau, sanskr. patis^ Herr, patnt^ Herrin). 

portickots, part, pass., empfangen, Kat L; vgl. po-teikut. 

pattiniskun, acc, Ehe, Kat L; vgl. patti, 

pa-towelis, Stiefvater, Voc, 179.; s. touns, tawas (litt, pa-teuds), 

pausan, pamon, Postpos. mit vorhergehendem esse c. gen., von wegen. 
Ench. 82. 88. 

[paustas] wild, nicht gezähmt, nicht cultivirt, kommt im Voc. 
in der Form pausto in den nächstfolgg. Compositis vor (litt, püstas, 
lett, pohsts, wüst, öde; kslav. pustU, desertus, russ. pustyi, leer, poln. 
pusty, wüst, leer, herrenlos) ; hieher wohl der Name des Dorfes pust- 
lauken Kr. Labiau, wenn er nicht schon litt. ist. 

pausto-caican, das wilde Pferd, Voc, 654.; s. caican, 

pausto [-cattay catto, die wilde Katze, Voc. 665.; s. catta. 

paustre (unltnisse), Wildniss, grosser Wald, Voc. 624., die Bedeu- 
tung ist aber an der Stelle, die das Wort inmitten lauter einzelner 
Bäume und Baumtbeile, sogar Gartengewächse einnimmt, ganz 



— 122 — 

unpassend, daher zweifelhaft; s. meine Ausgabe des Voc. S. 37 und 
dagegen Pierson VII, 585. Hieher wohl die Namen paustem, 
Vorw. im Kr. Preuss, Eylau, und puster-ort^ Landspitze am kurisehen 
Haff, Kr. Königsberg. 

pauta, paute, pautin, Name eines Flusses, der sich ehemals vom grossen 
Werder aus in die alte Nogat ergoss, und der jetzt verschwunden 
ist; s. NPBl a. F. L 190. MhW. L 4. 420. IL 121. 122. — 
Henneuib. IL 18 nennt einen See pautin nördlich von Osterode. 

[paute] pawtte, Eier, Gr,, ist wohl als Sing, zu fassen, Ei Qxti. paütas, 
lett. pauts). 

porwargan, acc, Reue, Euch, 31., s. wargL 

pa-wirpen s. po-wirps. 

peadey, Socken, Voc, 482. (litt, pedelis, Socke, bei Ruhig, pädas, 
lett. pehda, Fuss, Fusssohle). 

pedan, Pflugschar, Voc, 245. 

pEde, Prov., die Wassertrage, Eimertrage, s. Wurzel ^, tragen. 

peyco-stdbs s. paiti-stabs. 

peüis, Voc, (in kalo-peüis\ peile, Grr., Messer, (litt, peilis, Messer, 
kslav. u. s. w. püa, Säge). 

[peisa-t, schreiben], peisduns, part. act. (mit jpo-), peisäton, part, 
pass., geschrieben, Ench, 31. 73. (auch mit i>o-) ; jpeisai, er schreibt, 
sie schreiben, 40. 68. (kslav. pis^q, pisaU und p^S0q, pisati, russ. 
piszü, pisäfj poln. pis^q, pisac, böhm. psati, schreiben) ; s. po-peisät, 

peisälei, nom. sg., peisälin, gen. pl, Schrift, Ench. 52. 78. 

peisda, der Arsch, Gr. (polab. ^merfa, dass., dagegen litt. pizda,pizä, 
poln. pisda, pizda, cunnus). Pierson VIL 591. IX. 163. 

peise, peiskam, Dörfernamen, s. peuse, 

pekollin s. piktUlien. 

peccore, Bäcker, Voc. 329. (kslav. pekari, russ. pekar\ poln. pekarz, 
piekarz,hohm.peknr,dB.fiS.^\on kslav. pekq,pes0ti u. s. w. kochen; das 
litt, hekere ist Germanismus und andern Stammes). Pott. Beitr. VI.114. 

pecku, nom., Ench. 23., acc, 14. 50., peckan, acc, 10. Vieh; der dem 
nom. gleichlautende acc. pecku macht es wahrscheinlich, dass wir 
das Wort als Neutrum aufzufassen haben, nur macht dann die Neben- 
form peckan Schwierigkeit, die ein anderes Thema voraussetzen würde; 
pecku ausserdem aber noch als dat. aufzustellen, wie Bopp S. 36 
thut, ist völlig tiberflüssig, da die Verbindung stesmu pecku 50. durch- 
aus nicht die Dativform des Nomens erfordert, sondern füglich die 
Accusativform gestattet, als welche pecku ja auch im Abschn. 14 
erscheint ; vgl. meine Sprache der alten Preussen S. 55' flgg. ; über 
den acc peckan vgl, mergan zu mergü. (litt, pekus, lat. pecus, sansk. 
pagu, goth. faihu). 

peckü-t, peku-t, (mit po-) hüten, peckum, er hütet, wohl etymologisch 
?u pecku zu ziehen ; vgl. po-peckiU. 



— 123 — 

pella, alter Name des Fischerdorfs Gross-Kuren, Kr. Fiscbhausen 
Hennenb. 348. 

Ipelanna] pelanno, Herd, Voc. 223. (litt pelenas, pelenis, pelene). 

pelanne, Asche, Voc. 37. (litt, pelenm, lett. pelni, Asche, ksldiv, paljq, 
paliti, russ. paljü, paTtf, poln. palq^ palic, und in stärkeren Formen 
kslav. planqti sq, poln. plonac, böhm. plancmti, brennen, kslav. 
pcUjeno, Brennholz ; vgl. die reduplicirten Formen kslav. pepelU, russ. 
pepel, poln. popiol, böhm. popel^ Asche), 

[peldi't, evvf erben] peldiuns, part, act., ast, er hat erworben, Ench. 16. 
(kslav. plodU, russ. plod, poln. plod, Frucht, Nutzen; mit Laut- 
verschiebung litt, pelnpi, lett. pelniht, verdienen, erwerben), 

pele, Weihe, ein Raubvogel, falco milvus, Voc. 710 (kslskv. piljukU, 
milvus, slov. kroat. piljuh, serb. piljug, russ. piljük, Geier); s. pele- 
maygis. 

pelle, nom. viri, NPBl. 3. F. V. 300., daher der Ortname pellin,pelyn, 
CdP.III. 161.ilfATF;i/.526., das heutige Gut jpeßen Kr. Heiligenbeil. 

pellekis, Giebel, Voc. 202. • 

pele-maygis, Rötelweihe, Thurmfalke, falco tinnunculus, Foc. 712; 
s. pele und maygis. 

peles (mus), iph^ Muskel, Armmuskel, Voc. 111. (litt, pele, lett. pelle. 
Maus und Muskel unter dem Daumen; vgl. lat. mus u. musculus). 

pellike, ÄMS. VIL 295., silva, pelyken, MhW. L, campus; s. pelky, 
pelkis. 

pellin, pelyn, Dorfname s. pelle. 

pelite fossattmi, MhW. I. 

pelke, pälke, Frov., eine alte kleine Kupfermünze, einen halben 
preuss. Groschen, nach jetzigem Gelde zwei Pfennige, an Werth; im 
Volksmunde existii*en noch die Composita, pälke-licht, sehr dünnes 
Talglicht für 2 Pfennige, und dem analog pälke-nagel, pälke-dwarg 
(s. dwarg), und drei-pälker, Sechspfennigstück, (litt, pelikas, pelikis, 
dass., wohl zu pelas, einzelne Spreuspelze, daher pl. pelat, Spreu; 
nach Hennig 177. 190 war die Münze ursprünglich polnisch und 
hiess daselbst pulki, bei Mrong. aber habe ich ein solches Wort 
nicht finden können). 

pelky, Bruch, Sumpfstelle im Felde oder im Walde, Voc. 287. (litt. 
pelke, dass., lett. pelkis, pelze, Wasserpfütze); Bruch nennt man 
hier provinciel auch ein auf sumpfigem, feuchtem Boden stehendes 
Wäldchen oder Gebüsch; so hört man namentlich oft die Benennung 
Ellernbruch für sumpfiges Erlengebüsch; hiehergehören die urkund- 
lichen Localnamen pelkis, pellike, pelyken, bit-pelki, ilgen-pelke, 
namyum-pelk, noster-pelk, raisto-pelk, tlokum-pelk, wagi-pelki, waygis- 
pelkis, waydis-pelkis, waykis-pelkis, und die heute vorkommendeii 
Namen pelkeninken, pelk4ack, po-pelken. 



— 124 — 

pelkiSy Mantel, Voc. 475. (zu litt, jnlkas, grau? ÄMS. VIL 585); 

s. auch pelkt/. 
pelkis silva, auch pellike, AMS, VIL 295. 
pelon, Dori pelohnen Kr. Wehlau. TcG. 212. 
pelsemot, samland. Ortnarae, Urk. von 1258. NFBl, VIIL 342. 
pelten campus, MhW. I. 
[pelwa] pelwo, Spreu, Voc, 279. (kslav. pljewa, pi. plewUi, russ. poln. 

böhm. plewa, lett. pellawas, pellus, litt, pelal), 
peempe, Kiebitz, Voc, 751. (litt, pempe); daher pempienen, Forst- 

etabliss. Kr. Gerdauen. 
pene, pene-feld camptis, MhW, I, 

peene. Burg an der Weichsel, heutiges Gut pien. Kr. Kulm. TcG. 1 69. 
penningans, acc. pL, Geld. Euch, 7. 23. (German, wie auch litt. 

piningas, Pfennig, pl. piningat, Geld). 
penkoweo pratum, CdP, I, 182. 
penckts Kot, L s. piencts. 
[penpala] penpalo, Wachtel, s. peupala. 
pense (kynboem) ist richtiger peuse zu lesen, s. d. 
pentes. Weg, Gr., s. pintis, 
pentinx, Freitag, Voc, 22., von pent für penkt, vgl. penckts, piencts, 

der fünfte, und ketwirtire, (litt, pitnycza, kslav. pqtükü, pqtinica, 

poln. piqtek, dass., von kslav. ^^^i u. s. w. fünf). 
pentis, Ferse, Hacke, Voc. 147. (litt, pentis, kslav. j?^to, russ iyatö, 

poln. piqta, böhm. jpnife). 
pepecten, piscina, MhW. I. 
pepelis, Vogel, Voc. 706 , im JEkch, pippalins, acc. pl., bei Gr, pipelko 

(lett. pippala, Vogel, slov. serb. piple, piplica, pullus; vielleicht zu 

litt, pypti, pfeifen). Pierson VII, 585. 
per, 1) praep. für, vor (bei liät\ Ench, 12. 14. 39. 41. 50. 53. 56. 

59. 83. 89 , durch, 51. — 2) adv. zu, allzu 36. — In der Verbal- 
composition meist entsprechend deutschem V er-, ausnahmsweise auch 

vor-; über den Gebrauch des per- in der Nominalcomposition in 

der Bedeutung hinter s. per-galwis, per-pettas, 
pera^odia, preuss. Landschaft, Urk v. 1231. TcG, 7. 8. 
per-arwi, adv., wahrlich, EncJi, 79. s. arwis. 

per-arwiskai, -arwisku, adv., gewiss lieh, Ench. 14. 16. 18. 30. 80. 

[per-hända-t, versuchen] per-hända, er versucht, führt in Versuchung, 
Ench. 25., s. hand, 

per-handan, acc, Versuchung. Kat. I. 

per-handäsnan, acc, Versuchung. Ench. 25., Kat. IL 

per-bande, nom. viri, NPBl. a. F. VI. 174., noch jetzt existirt die 
Familie v. Perband t; dazu perhanten, Dorf Kr. Heiligenbeil. 

per-hilU'ton, versagen, abschlagen. Ench. 24., s. Ullt-t. 



— 125 — 

per-dd't^ verkaufen] per-däuns, part, act., asmai, ich habe verkauft. 
iLnch, 36. s. dä-t u. das folg. (litt, par-duti, verkaufen). 

per-däisan, acc, per-dasei, dat., Waare, Ench, 7. 36. s. das vor. 

pirdin, acc, Futter, Ench, 50. (litt, peru, pereti, füttern). 

per-dtoirlmgüsnan, acc, Verz weif e lung, Ench, 25., s. dwi-hugut 

per-ei't, kommen, Ench. 18. 22. 79. 9A.] per-eit, er kommt, 21. 26., 
es komme, 21.; per-eimai, wir kommen, 31.; per-eüai, opt., er komme, 
21.; per-geis, imp. sg., aber als 3. opt. gebraucht, es komme, EJat, L 
(litt, par-dtiy zurückkommen) ; s. ei-t, par-eitf par-eitngiskai. 

per-galms, Genick, Voc, 78 ; vgl. galwa, glawa; die praep. per- hat 
hier die dem litt, entsprechende Bedeutung darüber hinweg, 
daher jenseits, hinter, wie in per-pettas, so vielleicht auch in 
den ^amewper-laukCfper'Suppe, per-wangm, s. dd. und AMS. VIL 585. 

per-geis s. per-eit. 

per-gimmans, acc pl.. Great uren, Ench. 14.; s. gem-ton. 

per-gimnis, gen., per-gimie (Drckf.?), dat., Natur. Ench. 81. 82.; 
s. gem-ton. 

[per-güh't, kommen, wiederkehren] per-gühons, per-gühons, part, 
act., wirst, er wird wiederkehren. Ench. 15. 79. 91. (Rat. I. per- 
guhunsj. s guh4. 

perri, s. em-perri. 

per-Manti't, inf., verfluchen, verdammen, Ench. 80., fälschlich 
als part. pass, gebraucht; per-Tdantmns, part, act., assai, du hast 
verdammt, 85., per-MantUs, nom., per-klantUon, acc. part pass., 
verdammt, 16. 29. 72 (Kat. I. pro-Tdantitz, Kat. IL pre-clantyts) ; 
per-klantemmai, wir verdammen, 8. ; s. Jclantt-t. 

per-klantisnan, acc, Verdammnis s. Ench. 81. 

perkuna, perJcune locus. CdP. III. 160. MhW, IL 524; s. das folg. 

percunis, Donner, Voc. 50. (litt, perkünas, Donnergott, Donner, lett. 
pehrkons, Donner). 

[per-länkit, gehören, gebühren] per-ldnkei, per-länki, es gehört, 
gebührt, Ench. 23. 55. s. länki-t, per-lencke. 

per-lauke campus, MhW. L, Feld, das hinter dem Acker liegt? s. 
per-galuns. 

per-lencke, DC: „1st ein gewohnheit, der man nicht understehen soll." — 
per-lencke, per-lenck (litt, per-lenkis) ist die Gebühr, der gebüh- 
rende Antheil, das was Einem zukommt; dann speciel die Ueber- 
reste von einem Gastmahl, welche die Gäste, bes. die Kirchendiener 
nach Hause mitzunehmen, oder welche die Dienerschaft sich an- 
zueignen pflegte, Hennig 191.; nach Toppen AMS. LV. 138. 139. 
war per-lenke auch die Verköstigung, welche bei grossen herrschaft- 
lichen Gastereien der Dienerschaft verabfolgt wurde, und welche 
namentlich bei Gelagen des Hochmeisters gesetzlich genau bestimmt 



— 126 — 

war; fehlerhafte in Urkunden vorkommende Wortformen Bind parlenk, 

porlenke ; vgl. ÄMS. VIL 3 1 8 und per-länJcit 
peröni, nom., peronin, perönien, acc, 1) subst., die Gemeinde, Ench. 

60. 70. 75. 88. — 2) adj., gemein, gemeinschaftlich, 37. 63. 

66. 88. (kslav. sU-herq, -hrati, russ. so-hiräju, -biräf, poln. js-bieramy 

iS'bierac, ze-hrac, sammeln, versammeln) ; s. pyrin, pyrin-t, em-perri. 
perönisJcu, nom,^ perdnisJcan, acc. sg. und gen. pl, 1) subst., Gemeinde, 

Euch. 17. 70, 92. — 2) adj., gemein, gemeinschaftlich, 39. 77. 

(Kat, L perroniseon, Kat IL perronisqtmn), 
perpelitze, Prov,, Wachtel (kslav. prjepelU, russ perepel, perepelka, 

dass. perepeloczka, junge Wachtel, poln. przepiorha, przeporeczJca, 

przepierzyca^ illyr. perpelica, slov. plepelica, serb. prepelica, Wachtel). 
per-pettas, adv., wohl hinterrücks, hinter dem Rücken, wörtlich hinter 

den Schultern (pette, pettis); per-pettas waitiat, afterreden, Ench, 8.; 

vgl. per-gaiwis. 
[per-pid^ inf., per-pyst, vortragen, vorlegen] per-pysts, part, pass., 

vorgetragen, vorgelegt, Ench. 77., per-pidai, er bringe, 81., sie 

brachten, 79. ; s. pid, 
per-rSist, inf., verbinden. Ench. 52.; s. rist. 
perses silva MhW. I. 
persc'lanstan s. persUlanstan. 
[per-schlüsirt, yerdienen] per-schlüsiuns, part, act., asmai, wir haben 

verdient, Ench. 24., per-schlüsimai, wir verdienen, 24.; s. schltm-t 
per-schlüsisnan, acc., Verdienst. Ench. 14. 
[per-stalU't, vorstehen] per-stdlU, er steht vor, sie stehen vor, 

Ench. 51. 52. 53. s. stdUU 
per-stalUsnas, gen., Amt. Ench. 51. 
perst'lanstan oier persc-lanstan, Fensterlade, Voc. 215; s. lanxsta 

(den ersten Theil leitet Pauli Beitr. VII. 203 auf kslav. prüstt, 

Staub, also Staubfenster, I. S. in einer Note zu der Stelle auf preuss. 

pirsdau, vor, also Vorfenster, zurück.) 

per-suppe lacus CdP. IV. 186. MhW. III. 29. 67, ein See, der hin- 
ter der SKppe, s. d., liegt; vgl. per-galwis. 

[per-surgaut, \ er s or g en] per-surgaui, er versorgt, Ench. 14,; s. swr- 
gai4r-t. 

per-swyn, nom. tabernae. AMS. VIL 308» 

[per-tengint, per-tengninf, s euden] per-tengginnons, part, act, ast^ er 
hat gesandt, Ench. 81. per-tengninton, acc. part, pass., Gesandter, 
Abgeordneter, 57., s. tengint. 

[per-tennit, versäumen] per-tenniuns, part, act., asmai, assei, ich 
habe, du hast versäumt, Ench. 34. 35. 37; s. tenntt. 

[per4rauk4, ver.schliessen] per-träuki, er verschloss, Ench. 68; s. 
trattk-t. 



— 127 — 

[per^rink-^ per-trinkktn, ace. part, pass., verstockt von Charakter. 
Ench. 85. s. trink-t 

per-waidinsnans, ace. pi., Beispiele, Ench, 36., etwa von einem 
Verbum per-tvaidint, vorzeigen, vorweisen, s. waidin-t, 

per-wangen campm MhW. IL, ein Feld, das hinter der Wange 
(wangus) liegt; vgl. per-galms, 

[per^wed, verführen] ^r-M?ede?a, er verführt. Ench, 25.; s. toed. 

[per-week,,.,] per-weckammai, wir verachten. .EwcA. 3. 4, 

per-tvilte, nom. viri, NPBl. a. F. VI, 174. daher perwilten, zwei Dör- 
fer in den Kr. Braunsberg und Heiligenbeil. 

per-mos (eftrich), Aefterig, Voc. 281., d. i. das Hintergetreide, 
die leichteren Körner, die beim Worfeln vom Winde weiter getrieben 
werden, als die vollen gesunden Kömer; vgl. die Präpos. per und 
für den zweiten Theil litt, wejas, lett. wehjsch, Wind, also „was 
hinter den Wind fällt". Meine frühere Lesung estrich ist zu ver- 
werfen. 

perwisse, nom. viri, NPBL a. F, VI 173., daher Gut perwissau Kr. 
Königsberg. 

[per-ivükaurt, hernfen] per-wiikauns, part, act, ast, er hat berufen. 
Ench. 18. s. wükaut 

petam locus, MhW. I Hennenb. H. 18., vgl. potaren, 

pette, Schulter, Voc. 104. (litt, peüs); vgl. die folg. 

pette [-gisld] -rgislo (ruckeoder), Rückgrat, Rücken Wirbelsäule, Voc. 
108, wörtlich „Rückenader"; vgl. gisla und stroia. 

pettis, Schulterblatt, Ofenschaufel, Voc. 106, 332.; vgl. pette 
und das s. v. lapatte Gesagte. 

petlitzen, Prov., Hefteln, mit denen die Kleider befestigt werden. 
NPBl. a. F. IL 437. (poln. pqtlica, pqtelka, Schleife, Schlinge, russ. 
pjetlja, petlja, Strick, Schlinge, Knopfloch, gehört augenscheinlich 
zu panta, Fessel, s. d.) 

[peupala] peupalo, Wachtel, Voc. 770 ist wohl besser als meine 
frühere Lesung penpalo (lett. paipala, litt, pepaia, phtpela, serb. 
pozpula, laus, paschpula) s. Pott Beitr. VL 115. 

peu^e (kynhoem), Kiefer, Fichte, pinus silvestris, Voc. 597; diese 
Lesung ist meiner früheren, pense, obgleich beide durch das Auge 
nicht zu unterscheiden sind, entschieden vorzuziehen; s. auch Pott 
Beitr. VL 115. (litt, puszis, Yiohio). Hieran schliesst sich nun 
ganz ungezwungen peus, voys, peise, Name eines in älteren Urkun- 
den oft genannten Kiefern- oder Fichtenwaldes, der sich zwischen 
Königsberg und Fischhausen an der samländisdien Haffküste hin- 
zieht, so dass er von jeder der beiden genannten Städte etwa eine 
Meile entfernt bleibt, s. CdP. IL 60. 126. ///. 1. GDK, L 42.86. 
141. AMS. VII. 309. Der Name ist demnach appellativ und be- 
deutet einen Nadelholzwald; vgl. noch die Dörfemamen peise Kr. 



— 128 — 

Fischhausen und Krug peise Kr. Labiau, peis-Jcam Kr. Preuss. Holland^ 
peisnick Kr. Gerdauen, und den Gutsnamen poyser-orte s. d. 

[pewa] pewo, Bier, Gr,, s. pvwas, 

Iptd, Verbalwurzel, tragen, davon] ptst, pyst,mf, Ench, 72 (auch mit 
prei)\ pidauns, part, act., ast, er hat getragen, 8t. (wo püdauns 
gewiss Drckf. ist); pysts, part, pass., getragen, (mit per-)^ pidai, er 
trägt, 54, er trage, sie trugen (mit per-); ptdimai, wir bringen, 
raffen, prei mans, en mans, an uns, 7. 9.; s. mit per-, prei-, und 
vgl. pede. 

piends, m., piencJctä, f., nom., der, die fünfte, Ench, 5. 24 (Kat L 
penckts, Kat, IL pyienJcts) (litt, penktas, lett. peekts, peektais, der 
fünfte, litt, penkl, lett. peezi, fünf; die slav. Sprachen stossen das k 
aus, kslav. pqtt, fünf, u. s. w.) ; vgl. pentinx. 

pkle^ Ziemer, eine Drosselart, turdus pilaris, Voc. 730. 

pyculs, nom., Voc. 10. (JEkch. setzt pikullis voraus), pickullien, acc, 
pikulUs, gen., Ench, 15. 83. 91. Hölle (Kat, L pekoUin, Kat, IL 
pykMievO (litt, peklä, lett. pekle, poln. pieklö), s. das folg. 

pickuls, liom.^ pikuUan, pickuUan, blcc, pickuUas,pickulas, gen., Teufel, 
J5WcÄ. 16. 22. 25. 29. 90. s. das vor. und vgl. caux; (litt, pykulas, 
der Zorngott, pykstü, ppkti, zornig werden, pd-pykis, Zorn). 

pil, pila, pile, pille, Berg, Burg, Schloss, sehr häufig in zusammen- 
gesetzten Localnamen, wie nawan-pile, sassen-pile, waistote-pile, woses- 
pile, wose-pille, und in umgekehrter Ordnung pille-kop, pile-kop, pil- 
koppen, „Schlosshügel", auf der kurischen Nehrung, Hennenb. 345, 
pil'lauken Kr. Osterode, ferner in den Ableitungen pilnick, pilnicken 
und sicher auch in pillau, das auch Name einer Vorstadt von Wormdit 
ist, NPBl, a F, L. 105. XL, 186.; in der modern verstümmelten 
Form heil hat pil sich erhalten in heiligen-heil, alt swento-mest, 
„heilige Stadt", auf den Siegeln bei Vossberg Taf. XV. No. 28. 29. 
sancta civitas genannt, woneben auch wohl die Form swento-pil, 
„heilige Burg", bestanden haben mag, und schippen-beil, früherhin 
auch schiffenhurg genannt, CdF. LLL, 67. LV. 100., dessen erster 
Theii unklar ist; s. AMS. VLL 314. (litt. piUs, lett. pils, Burg, 
Schloss). 

pile, Prov., Rufname der Enten (litt, pße, lett. pihle, die zahme Ente). 

pilnan, acc, voll, ganz. Ench, 36. (litt, pilnas, lett. piln^, kslav. 
plunü, russ. polny'i, poln. pelny, böhm. plny), 

pilnik campus, locus, MhW. LL, 

[pilnint, füllen] pilninaiti^ imp. pl. (mit er-). 

pylwevmge palus, MhW. LL. 

pimpis, pinipis s. pa-pinipis. 

pinno, Dush. LLL. 280., pynowe, CdP. L. 187., nom. viri, Adihet pinnau, 
Gut in den Kr. Heiligenbeil und Preuss. Holland, Mühlengut im 
Kr. Wehlau. 



— 129 — 

pintis, Voc. 1^9.^ pentes, Gr,, Weg, Strasse, (kslav. jp/^^i, russ. i?wf, 
sanskr. path, pathin, panthan, vgl. auch lat. pont, nom. pons) ; hieher 
vielleicht Gut und Dorf pent-lacJc, Kr. Gerdauen, d. h. „Feld am 
Wege, an der Landstrasse," desgl. cupenpint, nom. viae AMS, X, 81. 

pintys, Feuerschwamm, Voc, 372, Prov. pintsch (litt, pintis), 

pippälins, acc. pl., Vögel, Ench, 73, s. pepelis, pipelka, 

[pipelka] pipelko, Vogel, 6fr., s. pepelis, 

pippinge stagnum, Bush, HL 7. SrF, I, 55. 

piräck, piräggen, pirbggen, Prov., Weissbrot, Fladen von Weizenmehl, 
(litt, pyrdgas, gew. pl. pyrdgai, lett. pihrags, russ. poln. pirog), 

pyreisku s. em-pyreisJm, 

pyrin, 2icc.^pirn, dat., Gemeinde, JEnch, 65. 69. s, peroni, em-pyreisku^ 
u. das folg. 

pyrint, versammeln, nur mit em-, 

pirma-s, nom., der erste, Kat, L; Gr. übersetzt pirmas zum ersten; 
s. pirmois, 

pirmannien, pirmannin, acc, der erste, Ench, 56. 67. 68. 69.; en 
pirmannin, zuerst, 56. s. pirmas, 

pirmois, m., pirmoi, f. nom., der, die erste, Ench, 1. 20. {Mit, pirmas, 
pirmäsis, lett. pirms, pirmais u. s. w.). 

pirmonnis, nom., pirmonnien, acc, der erste, Ench, 13. 52. 60. 

pirsdau, pirschdau (pirsdan, pirschau, Drckff.), praep. m. d. acc. u. dat., 
vor, coram, Ench, 31. 32. 33. 35. 36. 37.46.61.62.67.73.75.83.; 
vor, gegen (bewahren) 46. vor, mehr als, eher als 56. (}\tt, presz 
mit Suffix dau, s. pans-dau, sirs-dau, stwen-dau, Bopp S. 27.) 

pirsten, Finger, Voc, 115, ist als acc. aufzufassen, wozu der nom. 
durch Metathesis pristis in nage-pristis und der acc. pl. pirstans in 
prei-pirstans sich darbietet, (litt, pirsztas, lett. pirksts, kslav. prtstu, 
prustu, russ. perst, böhm. prsf, Finger, dazu kslav. prtstent, prUstenz, 
russ. persten\ poln. pierscien, böhm. prsten, Fingerring). 

pissa, pisse, pissen, pyse, lacus, fluvius Bush. III. 360. MhW. I. IL 
III, TcG,, Flüsschen in Galindien und Ermland. 

pisian, Prov,, Schwächling, Feigling, Memme, dummer, willen- 
und energieloser Mensch. Pierson AMS. FJJ. 596. leitet das Wort 
wohl mit Recht von litt, pyzdä, pym, cunnus, ab ; analoge Benen- 
nungen eines Feiglings bietet auch die deutsche Volkssprache. 

pisk, Prov,, Maul, in Schimpfredensarten (poln. pysk, Maul, Schnauze, 
Fresse). 

pischke, Prov,, Graupe, bes. grobe Gerstengraupe, in der Elbinger 
Niederung allgemein üblich (poln. pyszka^ daneben pqcak), 

pischuUe, pischiill, Prov,, schlechtes Bier, Hennig 185.; wohl 
ungenaue Aussprache für pywczulle, vom preuss. piwas, litt, p^was, 
poln. piwo, Bier; (poln. ist piwsko, schlechtes Bier; das litt, bildet 
von aMs, Hausbier, das Dim. alüczus, so ist auch wohl von pywas, 

Nesselmann, Thesaurus. 9 



— 130 — 

p'^ws das Dim. x>ywczus, und von diesem abermals das Dim. pywcztdis 

gebildet und in verächtlichem Sinne gebraucht worden). 
ptst, pyst s. pid, 

pist'Jcaim, Dorf im Kr. Allenstein an der Alle. TcG. 153. 
pistms, Hundsfliege, musca canicularis, Voc, 784. (etwa zu kslav. 

ftsu, russ. böhm. pes^ poln. pies, Hund). 
piuclan, Sichel, Voc, 547. (litt. piüJclas, Säge, pidtcstuwas, Sichel, 

piuüs, Ernte, sämmtlich von piduju, piduti, schneiden). 
[piwa-s] piwis, Voc. 383,, [pewd] pewo, Gr,, Bier; für piwas als 

Grundform spricht piwa-maltan und 6fr's. pewo, d. i. pewa. (litt. 

pywas, russ. poln. p\wo, Bier, kslav. piivo, potus, wohl zu kslav. piti, 

piwati, russ. pif, poln. pic, preuss. pout, trinken); s. die folgg. 
piwa-maltan, Malz, Voc, 384., wörtlich „Biermehl", vgl. meltan, 

malunas, u. d. folg. 
piwemtis, Traber, Voc, 385.; in der Handschrift steht das m ohne 

i-Zeichen, also nicht piwemtis, dadurch ist aber letztere Lesung 

nicht etwa als unmöglich ausgeschlossen; jedenfalls gehört das Wort 

zu piwas, 
playnis, Stahl, Voc, 521. (litt, plenas), 
plak, Prov,, Schlag auf die Hand oder mit der Hand, daher auch 

hanär-plach genannt, (litt, plakü, plähti, schlagen, aber in stärkerer 

Bedeutung, mit Schlägen züchtigen, peitschen, plökis. Hieb, lett. 

plahsch, Bezeichnung des Schalles, wenn man mit der flachen Hand 

aufs Wasser schlägt, plahschheht, klatschen). 
[pla^mena'] plasmeno (mtesbret), Rist, Rücken oder obere Fläche des 

Fusses, auch Schiffbein genannt, Voc, 148. (kslav. plesnä, russ. 

plesnä, pljusnä, lett. pleksne, plesde, dass., litt, plasztakä, flache 

Hand, wohl alle desselben Stammes, mit verschiedenen Ableitungs- 
endungen). 
plastewik campus, CdP. IV, 141., das heutige Kirchdorf ^toss««;^ Kr. 

Braunsberg. 
plastwan villa CdP. III, 184. GDK, I, 153., heute plöstwehnen^ Dorf 

im Kr. Königsberg, Kirchspiel Powunden. 
plateys, bezall, d. i. bezahle, Gr,, richtig gebildeter imper. sg. einer 

Wurzel plat (kslav. platiti, russ. platif, poln. pladc, böhm. plotiti, 

bezahlen). Pierson IX. 163. 
plauxdine, Federbett, Voc, 488. (litt, plduzdine). 
plausdo angulus, MhW. I, 
plauti, Lunge, Voc. 126., Prov, plauz (litt, plahczei, lett. plauzes, 

plauschi, poln. plu^ca, kslav. pluszta, russ. pljuszcze, böhm. plice). 
plautowin, plawtowin, das heutige Dorf plautwehnen Kr. Fischhausen, 

zu St. Lorenz. AMS. VII, 298. 
pleynis (hi/rnuel), Hirnhaut, Voc. 75. (litt, plen'e, Netzhaut, Haut 

auf der Milch). 



— 131 — 

plehe-harty -harte, -harten, d. i. plica Barta, in Verschreibungen von 
1310, 1359, 1430, MhW. L 270. //. 296., das heutige Dorf 
hleichenhart Kr. Heilsberg; s. 2>?i/;. 

plecJcen, plek-hatim s. plikken. 

plesin, Dorfname, CdF, III. 161. MhW. IL 527., Dori plössen Kr. 
Rössel. 

pleske, Siele, Pferdegeschirr, Voc. 253. (Mit pleszke). 

plester, plaster, Prov., plumper ungeschickter Gegenstand, z. B. ein 
grosses Möbel, das sich nur mit Anstrengung von seinem Platze 
rücken lässt. (litt. pUstü, plesti, breit werden, isz-pUsti, sich aus- 
breiten, lett. plestees, dass.). 

plewischken, IcG, 212., limhAoA plihischken Kr. Wehlau. 

plieynis (stopasche) Flock asche, Voc. 38. (litt, pl'en^s). 

plik, plica, plicka, plicke, klein, Kleinigkeit; plica, plicka kommt 
bei Dmh. III. 3. vor, wo es bei der Aufzählung der preuss. Land- 
schaften (partes) heisst : undecinm est Bartlm et Plica (a. L* Plicka) 
Bartha, que nunc major et minor Bartha dicitur, und die ent- 
sprechende Stelle bei Jeroschin, SrP. I. 346. lautet: Baz eilfte 
Bartin nennet man \ da Itt Plicke Bartin an, \ dt man nü nennt 
gemeine \ groz Bartin unde kleine. \ Der Name Plica Bartha hat 
sich, freilich in sehr verstümmelter Gestalt, erhalten in dem heutigen 
Namen des Dorfes hleichenhart im Kr. Heilsberg, in Urkunden des 
14. und 15. Jahrh. noch pleke-hart, s. d., geschrieben. (Die Land- 
schaft Barten umfasste noch im 14. Jahrh. den südlichen, im Norden 
von der Alle begrenzten Theil des heutigen Ermlandes.) — Hennig 
188 giebt den Prov. plik im Sinne von Kleinigkeit, kleines 
Stück, daher plik-weise^ in einzelnen kleinen VdiXti^en, plik-schulden 
(verhochdeutscht flick-schulden) einzelne kleine Schuldposten, (in 
letzterem Sinne kommt das Wort aber auch im Niederdeutschen vor); 
vielleicht gehört hieher auch der Name des Gutes plick-hall. Kr. 
Darkehmen, von litt, halä, Torfbruch, (poln. plik, kleines Päckchen, 
Bündel.) s. AMS. VIIL 685. 686. 

plikauter, Prov., ein armer Mensch, der wenig auf seinem Leibe 
hat. Hen n ig 188. 333. (litt pllkas, lett. pliks, böhm. plechaty, 
kahl, nackt, entblösst; die Endung -auter ist mir unklar; im Sinne 
des preusst" plikauter haben wir lettisch plikka-dihdis). 

plicken, plecken, Prov., einen Baum abschälen, der Rinde berauben; 
ein derartig abgeschälter Baum heisst ein pleck-haum, Hennig 188 
(von dem litt, pllkas, kahl, bilden sich die Verba plikpi, plikmti, 
kahl machen, rupfen, plinkii, pllkti, kahl werden). 

plinxne, Platz, Plätzchen, ein Gebäck, Voc. 342. (litt, pl^ckas, 

plpskas, Fladen; daher vielleicht das deutsche plinse, flinse). Pierson 

Vn. 586. 

plissinges campus. MhW. I. 

9* 



— 132 — 

plUe, Prov., Holzfloss, dessen sich die Polen vielfach statt eines 
Flussschiffes bedienen, um ihre Waaren nach Preussen zu bringen, 
(poln. plyt, plet, slov. jylitwa, dass., von kslav. plowq, pluti und 
pluiti, navigare, natare, russ. plytm, plyf, poln. plywam, plywac, 
schwimmen). Hennig 188. 

ploaste (lylach) Betttuch, Bettlaken, Foc. 491. {\\ii. pUszU, kslav. 
plaszM, \)ö\\m. plasst\ dass., russ.-litt. ploszcms, russ. poln. plaszcs, 
Mantel, kslav. plasztanica, linteum). 

plon, Prov,, das Kranzbier, welches den Ueberbringern des Ernte- 
kranzes zur Stelle gereicht wird, nicht etwa der eigentliche fest- 
liche Ernteschmaus, das Erntefest (litt, plönis, Erntekranz, wohl zu 
dem poln. plon, Früchte, Ertrag). 

plonis, die Tenne, Voc, 233. d. h. diejenige zwischen den Fächern 
oder Bansen befindliche Abtheilung der Scheune, in welcher im 
Winter gedroschen wird, während dieselbe im Sommer als Ein- und 
Durchfahrt dient (lett. plahns)\ hieher vielleicht der Dorfname 
plohnen Kr. Elbing. 

plbsen, Prov.^ alte Kleider, Betten, überhaupt schlechte Habseligkeiten, 
wie man sie in den Wohnungen der Armen findet; inNatangen und 
Samland; das Wort ist wohl mit plüchen einerlei, da häufig an Stelle 
eines slav. ch in den baltischen Sprachen ein s oder seh erscheint; 
z. B. kslav. suchU, russ. suchVi, poln. suchy, dagegen litt, sausas, lett. 
saicss, preuss. sausä, adv., trocken, ebenso kslav. russ. poln. nittcha, litt. 
muse, preuss. musa, lett. museha, Fliege; demnach wäre plbsen die 
acht preussische ältere Form, welche noch nicht den erst nach der 
Trennung der slavischen und baltischen Sprachfamilien vor sich ge- 
gangenen Uebergang eines ursprünglichen 5 in ch mitgemacht hat, 
während plüchen die erst später aus dem slavischen entlehnte Form 
wäre. s. ÄMS. VIIL 686. 

plovis, Ort in Pomesanien CdP, IL 11. ägg.^ plowistcastrum im Kulmer- 
lande an der Ossa, Dush. HL 192 , plovenzo in einer Urk. von 1222 
bei TcG, 10, das heutige Dorf oder Vorwerk ^^oi^e^^ Kr. Strassburg. 

plüchen, Prov, in Danzig, schlechte Betten. ÄMS, VLLL. 687. vgl. 
plbsen. (russ. plbchil schlecht, poln. plucha, unsauberer Mensch). 

plugiSy Pflug, Voc, 243., der deutsche Räderpflug, vgl. zoche (litt. 
plügas, kslav. plugu, russ. poln. plug, böhm. pluh), 

pluns, plunsen, plünse, plünszen, Ortname in Samland. ÄMS, VLI, 303. 

plusTce lacus, rivus, auch pluczik, pluczh, MhW, LL, 

plüschen, Prov,, verworrenes unüberlegtes Zeug schwatzen, (litt. 
plüdza, Schwätzer^ plüdzu, plüsti und pluszhiü, pluszheti, schwatzen, 
poln. plot^, plesc, dass.) 

plut, pluten, lacus, palus MhW. L, LL, 

pluth, pluthen, castrum bei Mehlsack, Dush, LLL, 360 ; Kirchdorf plaur 
ten im Kr. Braunsberg. CdP, LL 1. ///. 160. MhW, LL 523. 



— 133 - 

pltiC0iJc, plac^k s. plusJce, 

po, (Kat L phq), praep. unter Euch. 15. 16. 63. 73. 80. 91. ge- 
mäss, in Gestalt. 20. 30. 34. 40. 66. 94», nach, von der Zeit. 41. 
50. gerbais po mien, sprich mir nach, 74; dann auch Verbalpräpo- 
sition von häufigem Gebrauch. 

poddamynan, süsse Milch, Voc, 695; das Wort ist wohl Adjectiv, 
und dadan, Milch, zu ergänzen; vgl. Pierson VIII. 363. 

poaliSj Taube. Foc. 761. 

poaris, Werre, Maulwurfsgrylle, gryllus gryllotalpa, Voc, 111, 

[po-aitgint, erziehen] po-augints, part, pass., auferzogen Ench, 96; 
po-aiiginfieiti, imp. pl., erziehet, 60. s. augint, 

po-baünt, strafen, Ench, 51. s. baiint 

po [-balsa]' balso, Pfühl, Voc. 489, was unter dem Kopfkissen, bal- 
sinis, ist, Unterkissen. 

[po-banginf] po-banginnons, part. SiCt,^ asmai, ich habe bewogen, ver- 
führt, Ench. 35. (Der Uebersetzer scheint das deutsche Particip 
bewogen von Woge, litt, banga, lett. bangas, sanscr. bhanga^ 
abgeleitet zu haben, woraus wir schliessen können, dass auch die 
preuss. Sprache das Wort banga, Welle, Woge gehabt habe.) 

pobeti, pobetin, pobethin, pubeta, pubetin Urk. von 1258. NPBl. VIIL 
344. DusK IIL 107. 190. 215. AMS, VIL 296. flgg., das Kirch- 
dorf pobethen Kr. Fischhausen; vgl. befhen. 

po-brandisnan, acc, Beschwerung Euch. 39.; s. brand. 

[pO'brendinf, beschweren] po-brendints, part, pass., beschwert, Ench. 
37. s brand, br endint. 

pobuz, poburse (?) territorium in Pomesanien, bei Preuss. Mark und 
Alt- Christburg. TcG. 12. 13. 

[pO'dä't, geben] po-däims, part, act., astai wans, ihr habt euch be- 
geben, mit en c. acc, , Ench. 69. ; po-däton, part, pass., gegeben 43. 
44. pO'däst sien, er begiebt sich, mit prei c. acc. 88. s. dä-t 

podalis (bosetop)^ wahrscheinlich Mörser, Voc. 351., vgl. mhd. boTfin, 
stossen, boT^el, Schlägel (litt, püdas, \ett. pohds^ Topf; oder vielleicht 
zu theilen po-dalis in der Bedeutung Zertheiler, Zerstückeier, zu 
dellit, delliks s. dd. und litt, dalyjü, theilen, dalis, Theil). 

po-dange, noim. \iii NPBl. a. F. VI. 174., daher das Gxii podangen. Kr. 
Preuss. Holland. 

podynie, Pflug in Ruhig' s und Mielke's deutsch-litt. Wtbch.; das 
Wort ist aber nicht littauisch, sondern wahrscheinlich aus der preuss. 
Sprache dorthin eingedrungen ; vgl. uszes, possi-ssawaite^ und das flg. 

podiemke, Prov.^ das kleine Eisen am Horn der Pflugschar, s. NPBL 
XI, 74. 

[po-ding-t, gefallen] po-dingai, opt., er gefalle Ench. 46. (litt, por 
dingstu, pa-dingti). s. ding und die folg. 

po-dingan, acc., das Gefallen, Ench. 50. 61. 



— 134 — 

pO'dingausnan, ace, das Gefallen, EnchbO,^ setzt einen mi, dingatU 
voraus, s. d. und ding-f, lahha-po-dingausnan. 

podkamor^ potkamor in Urkunden, packamor im Volksmunde, der 
Amtsdiener, Kämmerer auf den ehemaligen Amtshöfen, der im 
Amtsbezirke die niedere Polizei ausübte, die mündlichen und schrift- 
lichen herrschaftlichen Befehle auf den Dörfern bekannt machte, 
u. s. w. Ausführlicheres s. bei Toppen ÄMS, IV, 140. 141. (litt. 
pakam6re,\omißolxi. podJcomorisy, Unterkämmerer, nach Mr eng. wohl 
nicht genau Kämmerer, Kammerherr; Toppen a. a. 0. bemerkt, 
dass auf die beiden Formen podkamor und packamor sich die beiden 
bekannten Familiennamen v. Puttkammer und v. Packmohr stützen.) 

podlitzen, Prov,, Borten, Troddeln am Kleide (russ. podol, poln. 
podolek, padolek, böhm. podolek, kslav, podolüku, fimbria, Saum des 
Kleides, Rockschoss.) s. AMS, VIIL 687. 

{pchdruktint, bestätigen] po-druktinai , ich bestätige Ench. 75; s. 
drüktint, drüktai, 

po-drmoisnan, acc., Hoffnung Euch, 86., s. druwt-t, 

poducre, Stieftochter, Voc, 182 {litt, p6-dukra, pö-dukre) s. dtickti, 

podwod, Prov,, Scharwerk, Frohnfuhre, und das Verhum podwod- 
den, schwere Arbeit verrichten, in der Danziger Niederung üblich 
(russ. poln. podwoda, Frohnfuhre, Spanndienst). AMS, VIII. 687. 

po-gadint, verderben, Emh, 76. s. gadint, 

[po-galb't, helfen] po-galbton, part, pass, geholfen, Euch. 80. 82. s. galb4, 

po-galhan, acc., die Gehilfin, besser aber wohl als Abstract um zu 
fassen, die Hilfe, Ench, 68. 

po-galhenix, nom., po-gälhenikan, acc, Helfer, Heiland, Ench, 56. 70. 

poganans, poganens s. pogünans, 

poganste villa in Pomesanien bei Christburg, Dusb, III, 143. 

pogardithen, das heutige Dorf Neukirch bciTolkemit. NPBl, a, F, FJ. 298. 

po-gattawint, bereiten, sien, sich, Ench, 44., po-gattarnnts, jyart, pass., 
bereitet, 44., po-gattawinlai, opt., er bereite, richte zu, 69. ; s. gutta- 
wint, ni'po-gattawints, 

po-gaii-t, empfangen, Ench, 23., po-gauuns, part, act, wirst, er wird 
empfangen, 61., po-gauts, nom., po^auton, acc., po-gautei, nom. pl. 
part, pass., empfangen, 15. 80. 91. 96. (Kat, II, pa-gauts), po-gäunai, 
po-gauni, er empfängt, erlangt, 32. 44. 79., po-gaunimai, wir em- 
pfangen, 78.; s. gaurt, 

pogeys, imp. sg., trink, Gr,, pogeitty, imp.pl., trinket, Kat, I,, s. poort, 
[po-gerdaut, ißY eiigeu] po-gerdawie^ sie predigen, Ench, 52. s. gcrdaut 

po-germo, Name eines Feldes zum Gute Kirpehnen, das nach Ger mau 
hin liegt, NPBl, XI, 74. 

pogesania, pogemnia, pogusania, poguzonia, pogmnia, die Landschaft 
Pogesanien, Bush, III 3. 186. SrP, /. 51. TcG. 8. 14 (Urk, von 
12ßS) \ pogesani, die Bewohner, Bush. III, 165. 166. 



— 135 — 

pchgirrien, ace, Lob, Ench, 96. s. gir-twei. 

po-girsnan, po-girschnan, ace, Lob, Ench 94. 95. s. gir-twei. 

pogitschken, Prov., Johannisbeeren. PBL XXVIL 10. 

[po-glabu't, umarmen] po-glahü, er umarmte, herzte, Ench, 79. s. gldbu-t 

pogünans, acc. pl., die Heiden, Ench. 28. (Kat L poganans, Kat IL 
poganens); vgl. pagonhe {^Sit pagani). 

poyato, TcG. 212, Yorvfevk piaten Kr. Insterburg. 

poieiti, imp. pl., s. j^ott-t. 

poyme-copo s. payme-copo. 

poys s. peuse, 

poyser-^te, nach GDK, L 179. Gutsname, nach NPBl, VIIL 352. 
das Dorf peise, s. peuse. 

poyto-stabs s. paiti-stabs. 

po-karwis, po-carwiz Dusb. III. 24. 91. 98., po-karhin SrP. HL 61., 
po-karwen, Hennenb. 352., das Gut pocarhen bei Brandenburg; 
s. karwan, 

pokima, Territorium Sudaviae. Dush. III. 202. 

[po-klaust't, erhören] po-klausimanas, part, praes. pass., ast, er wird 
erhört, Ihch. 27., s. klaust-ton; (vgl. das Suffix sanskr. -mänas, 
griech. -fjbsvog, lat. 2. pl. pass. -mini). 

po-klausysnan, acc. Erhörung, -Bwcä. 87. 

po-klusmai, nom. sg. f., po-klusman, acc. sg , po-klusmai, nom. pl, ^o- 
klusnmns, acc. pl. (boklusmans Drckf.), gehorsam, unterthan, 
jEWcä. 4. 14. 51. 54. 55. 57. 59. 61. 63. 70 {Ench. 4. ^teht poklusmai 
in dem Sinne eines Verbums wir gehorchen, es liegt da aber 
wohl ein Versehen vor, indem ein hinter poklusnmi ursprünglich 
vorhanden gewesenes asmai in Folge des gleichen Ausgangs beider 
Worte im Drucke ausgefallen ist, was um so leichter geschehen 
konnte, als das erstere durch das Ende der Zeile in poklu-sniai 
gebrochen ist); die Form klusmai gehört offenbar zu klamt-ton, 
hören, wie litt, pa-klustü, -klüsti, gehorchen, pa-klusnüs, gehorsam, 
zu klauspi, hören; s. auch die folgg* 

po-klusming-s, nom. sg. (mit m-), po-klusmingi, nom. pl., po-klusmingins, 
acc. pl, gehorsam, unterthan, Ench. 55. 59. 60.; auch subst, 
die Unterthanen, 55. 

po-klusmingiskan, acc. adv., gehorsamlich, Ench. 96. 

po-kopsteten, Kretzem neben dem ehemaligen Schlosse capostete, s. d. 
NPBl a. F. V. 332. 

po [-corta] 'corto, Schwelle, Voc. 195., vielleicht zu kura, er baute 
(litt, kuriü, kürti, bauen), also etwa Unterbau, oder zu corta, Gehäge, 
also Untergehäge, untere Einfassung. 

[po-kunt, dazu] po-künst, pa-künst, inf., behüten, bewahren, Ench. 
46. 96., po-küntuns, po-küntons, part, act., assei, du hast behütet, 
Ench. 46. 48. (auch mit ni-); po-künti, er behütet, bewahrt, 14., 



— 136 — 

opt., er behüte, 87., po-Jcünsi, opt., er behüte, 97., po-kuntieis, imp., 
behüte, 20,; s. kunt, ni-po-kunt, 

[po-qtielh't, k n i e e n] po-quelbton, part. pass, in activer Bedeutung, knieend, 
JEnch, 45, 47.; s. qtcelb-t 

[po-quoiti't, hegehreu] po-qimtiuns,\}2Lvt, ^.cU^ astai, ihr habt begehrt, 
Ench. 88. po-quoitUon, part, pass., ast, es ist begehrt worden, 77.» 
po-quoitets, er begehrt, 84. s. Bopp S. 28 und quoit. 

po-quoitisnan, acc, Gelüste. JEnch. 31. 

po-layde s. pa-layde. 

po-laikt s. po-lik't. 

pO'laikut, behalten, Ench, 9., po-laikuts, part, pass., behalten, er- 
halten, 86., po-laiku, er behält, 22., po-läikumai, wir behalten, 25.; 
s. laiku-t, 

[po-laipin-t, befehlen, SLnemipiehlen] po-laipinnons, part act., ast, 
er hat befohlen, Ench, 52. 81. j^o-laipinton, part, pass., anempfohlen, 
94,, po-laipinna, ich befehle, 46. 48. ; s. laipin-t 

po-laipinsnan, acc, Befehl, Ench, 38. 75. 87. 

pollak s. polk. 

po-lasinsnan, pa-lasinsnon, acc., Kapitel, Abschnitt. Ench. 30. 31. 
52.; s. lasin-t. 

polatmen, TcG., das Dorf planen, Kr. Wehlau. 

poleygo, polleygo s. po-ligu. 

pO'Ugu, pO'lygu, po-Ugon, po-Ugun, po-lligun (s. Bopp S. 25), gleich, 
in folgenden Verbindungen: steison polygu, stesmu poltgu, stesmuem 
polygu, desgleichen, jEV*cä. 23.41.85 (Kat I. stasma polleygo, Kat IL 
staesmu poleygo); sen maisei polUgun, mit meinesgleichen, 35.; em 
polygu griku, in gleicher Sünde, 87.; sebhei supsmu en prmnan 
poltgon, sich selbst zum Ebenbilde, 73. prei prusnas poligun Deiwas, 
zu, nach Gottes Ebenbilde, 73. (litt, l'ygus, lett. lihdsigs, gleich, 
ähnlich); s. llgan, Ugin-t. 

[po-lik't, bescheren, y er leih en] po-Ukins, part, act., assei, du hast 
verliehen, Ench. 95., po-lycki, er beschert, 26. s. Uk-t. 

[po-lik't, bleiben] po-laikt, inf. bleiben, Ench. 81., po-linka, po-lynku^ 
er bleibt, sie bleiben, 10. 64. ; s. lik-t, pollink, polk. 

pollink s. polk, polke, 

po-linka, -lynku s. po-lik-t. 

polk, polke, polek, pollak, pollink, Prov., Neige, Rest, bes. der im 
Kruge gebliebene Rest des Getränkes, pollak (wohl durch willkühr- 
lich eingeschobenes a aus polk gedehnt) speciel der unverbrannte 
Tabakrest im Pfeifenkopfe; (zu preuss. po-lik-t, praes. po-linka, litt. 
porÜkti, lett. imlikt, bleiben, übrig bleiben, daraus litt, pdlaikas, lett. 
paliks, paleeks, Rest, Ueberbleibsel, litt, paükis, ^aß^e, Waise; an das 
preuss. Präsens schliesst sich mit Leichtigkeit die Form pollink^ an litt. 



— 137 — 

lett. paVtkiSy paliJcs mit Elision des i die Form polk, polke an). 
s. ÄMS. IIL 57. VIIL 70. 

polca, gelegentlich durch terra übersetzt, in samländischen Urkunden 
vorkommend, ist wahrscheinlich synonym mit der sonst üblichen 
Bezeichnung Territorium, s. TcG. 21. NPBl VIIL 352. In einer 
Urkunde des Bischofs Siegfried von Samland von 1302 heisst es: 

. totam et integram pöl(cam id) est terram Quedenou nuncupatam, 

item apud poleam Medenou unan villam — preterea in polca Bilden 
dicta duas villas etc. GDK, L 62. MhW. /. 218 und Begesten p. 70 ; 
vgl. CdP. IL 51. (kslav. polje, russ. poln. pole, Feld, Gefilde, dazu 
poln. Dimin. polko, das nach Abstreifung der Diminutivbedeutung 
in dem preuss. polca als Feldmark, District, Territorium wieder- 
erscheint). ÄMS. ir. 153. VIIL 70. 

po-mager, Prov,, Hilfsarbeiter, z. B. Auf Wärter im Stalle zur Unter- 
stützung des Kutschers, Brennknecht u. s. w. (kslav. po-tnugati, 
russ. pO'inogät\ poln. po-magac, helfen, unterstützen). Ueber H ennigs 
Versehen bei diesem Worte s. ÄMS. VLIL 687. 

po-maitdt, inf., nähren. JEnch. 72.; s. maitä-t, 

po-matre, Stiefmutter, Voc, 180. (litt. iom. pormote, lett. ^a-maÄ^e) ; 
s. mothe, muti. 

pomanda, pmiaude, pomavdin {mchi pomande) ^ nom. viri, Bush, LH 26. 
CdP. LL 129. NBBl a, F. VLL 173., 3. F. V 299. ÄMS. VIL 
299.; hieher das Dorf pomavden Kr. Wehlau. 

po-meleis, imp., leck, Gr.; nach Pierson ÄMS. VIL 591. ist zu 
ergänzen der Accus, peisdan; andere Sprachen, z. B. die englische, 
fordern zum Küssen auf; daher ist an litt, pa-myleti, liebgewinnen, 
zu denken, so dass po-meleis etwa hiesse : liebkose. 

pomen,pomenen, Kammergut zur Comturei Elbing, nördlich vom Drausen. 
TcG. 190. 

pomesania, pomizania, die Landschaft Pomesanien. Bush. IIL 3. TcG. 7. 8. 
[po-met, inf. po-niest, unterwerfen] po-mests, po-meston, part, pass., 
unterworfen, unterthan, Ench. 70. 71. 83. s. met u. das folg. 

po-mettewingi, Sii\., po-mettiwingi, nom. pl., unterworfen, unterthan, 
Fnch. 57. 73. 

po-mintsnan, Sicc.^ Andenken, Gedächtniss. Ench.i], {litt pä-menu, 
pa-mineti, an etwas denken, erinnern, kslav. po-mqnqti, po-minati, 
meminisse, po-mjenU, memoria), s. menen-twei, menisnan, minisnan. 

p0'mtri4, bedünken, bedenken, Fnch. 61. 87.; s. miri-t. 

po-^nyrisnans, acc. pl., Gedanken. Fnch. 6. 

pomimnia s. pomesania. 

pomnan (arsbel), Hinterbacken, Voc. 137. 

pomitchel, f., Prov., ein Seefisch, der Dorsch, gadus callarias, bes. in 
Danzig und Elbing üblich, (poln. pomuchla, litt, pomükelis), ÄMS. 



— 138 — 

VIT. 596. VIIL 687. pmnuchel kommt auch in Mecklenburg vor, 

ist da aber wohl ebenso wie ins Preuss. aus dem Slav, eingedrungen. 
[^po-miikint, unterrichten] pcnmikintSj part, pass., wirst, er wird 

unterrichtet, Ench. 52. s. mukin-t 
im-nadeUy Montag, Foc, 18.; s. nadele und die ganz analogen Bil- 
dungen litt, pd-nedelis, kslav. po-nedjeVtnikUy russ. po-nedjernik, 

poln. po-niedzialeh, böhm. po^delj, der nach dem Sonntag kommt, 

vgl. Pauli Beitr. VII. 223). 
po-nasse, Oberlippe, Voc, 90., „was unter der Nase ist"; vgl. nozy, 
[po-paik-t, betrügen] po-paikä, er betrügt, Ench, 25. s. paik-t 
[pO'peisä-t, schreihen] pO'peisäuns, part, act., ast, er hat geschrieben 

Ench 78. po-peisäton, part, pass., geschrieben, 40. s. peisä-t, 
pO'peküt, po-peckut, behüten. Eneh. 7. 25. 48. 76., po-peckuwi, er 

behütet, 14.; s. pekü-t. 
{pO'pret, inf. -prest, wahrnehmen, erkennen] po-prestemmai, wir 

erkennen, fühlen Ench, 33. ; s. pret, pres4un, 
porc, Brodem, Dampf, Voc, 40. (kslav. poln. i?ara, russ. jpar). 
porkan s. burkan, 
porlenk, porlencke s. per-lencke. 
po-ssede campus MhW L 112.; s. sede. 
pO'Seggiwingi, nom. pl., gehorsam, folgsam, Ench. 57. (wohl kaum 

zu preuss. segU, seggit, also etwa, nachthuend, sondern zu litt, sekü, 

sekti, folgen, gehörig). 
possekel, Frov., schwerer Schmiedehammer (litt. jposeAefe, von poln. 

po-siekac, zerhauen, zerhacken). 
pbsewj Prov,, Rüge, Rüffel (russ. pozyw, poln. posew, gerichtliche 

Vorladung). 
possi, Hälfte, halb, m possi-ssawaite (litt. ^5, halb, pusia, Hälfte, 

lett. pussy halb, pusse, Hälfte). 
posilia, pusilia casfrum Dusb. III. 143. CdP. III. 158. MhW II. 

519. TcG. 183, das heutige Dorf posilge^ Kr. Stuhm; vgl. posolwa, 

pusilia. 
2)o-sinnat, bekennen, Ench. 33., po-sinnats, part, pass., tvirst^ es 

werde bekannt, 89., po-sinna, ich bekenne, 35. 36. 37., er bekennt, 

32., pO'Sinnimai^ wir bekennen (im Deutschen steht: wir beten) 2.; 

s. sinnat. 
possi'SsawaitCy Mittwoch, Ihch. 20. (litt, um Laukischken j?i*5-seM;mYc, 

aus dem preuss. entlehnt; darnach ist im litt. Wtbch. S. 58 der 

Artikel waite zu streichen, und S. 464 einzuschalten: sewaite, Woche, 

pus-sewaite, Mittwoch; s. A3IS. VI. 318) 
poszkailes s. paschkeyles. 
po-skuli't, porskuU-tony inf., ermahnen, Ench. 51., pa-skule, paskoUe, 

ich crmahne, 56. 82, po-skule-wie mit vorhergehendem wans, sie 

ermahnen euch, 53., wo das angehängte -wie eine ähnliche Wieder- 



— 139 — 

holung des Pronomens wans zu sein scheint, wie öfters si, -sin, 
nach vorhergehendem sien; po-skuleis, imp., ermahne, 57 ; s. skuU-t. 

po-schwaigstint s. po-swaigstint. 

posoltva, possolva, TcG. 12, 122. alter Name von posilia. 

po-spartint, stärken, Ench. 86., s. spartint 

po-stä-t, po-stä'twei, werden, Ench. 31. 72. 80. 83. 92., auch als 
Hilfsverbum zur Bildung des Passiv's gebraucht ; po-stäuns, part, act., 
ast, er ist geworden, 96., -asti, ihr seid geworden, 59. 95. ; po-stäsei, 
du wirst, 71. 72.; po-stänai, er wird, er werde, sie werden, 20. 60. 
77. 81. 82. 88. 89. 96.; po-stäniniai, wir werden, 80.; po-stäi, er 
ward, 41. 79.; s. stä4. 

postelin, nom. loci in Pome^anien, Dusb. IIL 14. TcG. 13., Kirchdorf 
pesflin Kr. Stuhm. 

posty, Weide, Weidefeld, Foc. 801 (kslav.^as<^,^as^i, russ.^jasß, poln. 
pasc, pasaCy weiden, kslav. ^as^t(;a, ^as^M;ma, xw^^. päs-stwa, pästwina, 
Weide, poln. patswa, Viehfutter, pastwiko, Viehweide, pastetmik, 
Rossgarten); hieher vielleicht die Ortnamen postnicken, postchnen. 

2)0stippan, postippin, acc, ganz, Ench. 18. 37. 

post'kayles s. paschkeylcs. 

postronke, Prov., wohl zunächst Strick, Strang, Tau; dann eine in 
früheren Zeiten übliche Art von Prügelstrafe, in Schlägen mit einem 
dicken Strick bestehend, Hennig 192.; endlich Rückgrat und das 
daran sitzende Fleisch, hier provinciel Rückstrang genannt; be- 
sonders heisst in Natangen und Barten postronke, in der Elbinger 
Niederung Rückstrang das Gericht, womit am Abende des Schweine- 
schlachttages die Hausgenossen und Gäste bewirthet werden, und 
welches aus den frisch gebratenen Stücken des ^von Speck und 
Rippen befreiten Rückgrates besteht; (poln. postronek, Strick, Tau, 
lett. pastrunkis, eine Art Peitsche zur Züchtigung, litt, pdstrangas, 
Peitschenschnur). AMS. VIII. 70. 71. 
[po-swaigstint, erleuchten] po-schwdigstinai, er erleuchte, Ench. 97.; 
vgl. swaigstan, swaigstint. 

potaren, potarren lacus. MhW. II, vgl. petarn. 

potatschen, Prov., jeder lebensgefährliche Hautausschlag, bes. bei 
Kindern, wie Masern, Frieseln u. dgl. (poln. petecie, petode, Fleck- 
fieber, vom griech.-lat. petcchiae). 
[po-taukin-t, verheissen] po-taukinnons, part, act., (ast\ er hat ver- 
heissen, Ench. 81. Sl.^po-taukinton, acc. part, pass., verheissen 84. 96.; 
s. taukin-t. 

po-taukinsnas, gen.^ po-tauMsnan, acc, Verheissung. Ench. 60. 86. 
[po-teikut] po-teiküuns, part, act., (ast), er hat inbegriffen, Ench. 

87. ; s. teikut und pa-tickots. 
[po-tickint, machen] po-tickinnons, part, act., (ast\ er hat gemacht. 
Ench. 81.; s. tickint. 



— 140 — 

potJcamor s. podkamor. 

potschtne, Prov,, das lange unbefestigte Ruder an den Holzflössen; 
(litt. poGzyna, poczyne, puczynas, poln. paczyna), 

po-waidint, unterweisen, beweisen, bezeichnen, Ench. Titel, 
po-waidinne, po-waidinnei, es bezeichnet, bedeutet, ZX.^po-waidinneiti, 
imp. pi., beweiset, 63., als Präsens gebraucht, ihr beweiset, 73.; s waidint 

pO'Waisennien,SiCC.^pO'Waisennis, gen.,^9. 55., Gewissen (po-waisemnen, 
39. Drckf.); s. waid, waist. 

pO'WacMsna, nora., kirchliche Aufbietung, Proclamation, Ench. 
66. ; s. wacki-twei, 

po-wargewingiskany acc, jammervoll, Ench, 26.; s. wargs und lindan. 

pO'tvargsennien, acc, Jammer. Ench, 85. 

pO'Warüsnan, acc, Busse, Bekehrung, Ench. 31. s. wartin-t. 

po-weistins s. po-wystin. 

powesch, Name eines Ackerstücks. NFBl. XL 74. 

po-wierpty inf., verlassen, Ench. 74., po-tvierpuns, part, act., w^tVs^, 
er wird verlassen, ßS.., po-wlcrptai, imp. pl., lasset, unterlasset, 62.; 
s. wierp-t, werp't, po-wirp-s, und vgl. teiks. 

powyke, Ortname in Samland, Urk. von 1258. NFBl VIIL 344. 353. 

powlls, Dorfname. CdP. III. 160. MhW. IL 524. 

po-wtrp'S, nom.^ po-wtrpun, acc. (in grunt-powirpun)^ frei, wohl ursprüng- 
lich freigelassen. Ench. 61. 86. Provinciel heissen po-wirpen, 
pa-wirpen, Leute, die weder Bauern, noch Gärtner (Besitzer von 
Gartengrundstücken), noch Knechte sind, sondern als Losgänger oder 
Freileute sich von ihrer Hände Arbeit ernähren, und die sich nicht 
dauernd als Knechte, sondern nur für bestimmte Arbeiten, z. B. zur 
Aushilfe in der Erntezeit, bei einem Bauern vermiethen; (litt. 
pawirpas, ohne Wurzel im litt., also aus dem preuss. entnommen); 
s Hennig 1S\.* pawirpen und 148. loosleute, und preuss. werp-t, 
wicrp-ty wirpis. 

po-wirpingin s. grunt-powirpingin u. das vor. 

powis, der Pfau, Voc. 773 (litt, pöwas, lett. pahws u. s. w.) 

po-wystin, acc. sg., po-weistins, acc. pl., Ding, Ench. 1 — 10.56. 70.73., 
unklarer Etymologie, wohl aber auf die Wurzel as zurückzuführen. 

po-wunden, po-wundin, po-wundia, territorium Dush. III 303., ehe- 
mals Kammeramt, jetzt Kirchdorf im Kr. Königsberg, AMS* VII. 
304. 305. ; s. auch das gleichn. Dorf im Kr. Pr. Holland; vgl. wundan. 

poziegen campus. MhW. I. 

pociete villa in Samland, CdP.I. 139, etvfSi Dorf po-kaiten zu Wargen. 

pra, praep., für, Ench. Tit. 51., durch (des Mittels) 18. 21. 30. u. 
oft: prastan, dadurch, 32. (pro statt pra gedruckt 83.); auch 
Verbalpräposition. 

prah s. prapen. 

prabiske, prabistie (?) silva. MhW, L 



— 141 — 

pra-hutskas, nom. sg., Ench. 84. 85., gen. sg. (in fehlerhafter Construc- 
tion), 83., pra-butskan, ace. sg. , 16. 17. 18. 19. 21 und öfter 
(prabuttiskan 92. DYckt)\ pra-butskai, dat. 16 (prabuskai Drckf.), 
adv., d\.; pra-iutskans^ ace. pi., 83 (?) — 1) adj. ewig 2) subst. 
Ewigkeit, 16. 21. 50. 80, 87. — en prabutskan^ in Ewigkeit, 
87. {Kat I. prabitscun, Kat, IL prabusqiuin, ace. sg.) ; zur Wurzel 
bu-t, b(m-t, 

pray s. preL 

pray-slite, pray-sliten, pray-slitten campus, MhW, L II. \ villa Pray- 
sliten pruthenice, Aldekirclie tJieutonice, MhW. IL 208. 232. 

pra-käisnan, ace, Sch weiss, Ench. 72. (litt, prdkaitos)^ 

pra-carfis, Trog, Voc. 230. (\itt. prdkartas, Krippe, Trog, russ. poln. 
km-yto, Trog, ursprünglich wohl ausgehöhlter Baumstamm, daher zu 
litt, kertü, klrsti^ hauen). 

[pra-U-t, vergiessen] pra-lieiton, pro-lieiton, pro-leiton, part, pass., 
vergossen, Ench, 41. 42. 43. 44. (Kat Lpalletan, Kat ILpraliten) 
s. It-t 

pra-madlin, acc, Fürbitte, Ench, 56.; s. madla, madli-t, 

prapen, prab, lacus, MhW. L, 

prapolis, Wiedehopf, Voc, 747., dazu Dorfudime prappeln? 

prassan, Hirse, Voc. 266 (kslav. russ. poln. ^o5o); hierher vielleicht 
der Dorfname prassen, 

prastian, Ferkel, Voc. 686., vielleicht contrahirt Sius prasistian, vgl. 
eristian (litt, pärszas, kslav. pras^, poln. prosi^, kassub. parsq, 
böhm. prase). 

prätin^ acc. Rath, Ench. 22., \g\, pret, prest (litt, protas Verstand, 
protü, mit Rath, consilio.) Pierson VIL 593. 

l^pra-wed, inf. pra-ivest, durchführen] pror-wedduns, part act., assai, 
du hast durchgeführt. Ench. 85., s. tved. 

prawamche (?), Gut in Pomesanien. CdF. IL 23. . 

prawes lacus, MhW. L. LI., vgl. prawoszen. 

[pra-wil-t, werrsitheu] prorwilts, part, pass., jpostäi, er wurde ver- 
rathen, Ench. 41. pro-wela (für 2>m-wZa), sie verriethen ä^^. /. 1I.\ 
über die verrückte Erklärung, die Prätorius von den Worten „kaden 
prowela din^ als sie ihn verriethen", giebt, s. Sprache der alten 
Preussen S. XXII. Anm.; s. wil-t 

prawoszen lacus, MhW. LL.^ vgl. prawes. 

pre, pre, s. prei. 

preartue, pre-artue, Pflugreute, ein Stab mit kleinem Schaufeleisen, 
mit dem die Erde von dem Pflugbrett abgestrichen wird, Voc. 249 ; ein 
Wort unklarer Bildung; s. artue, das etymologisch wohl Pflug be- 
deuten könnte, so dass pre-artue das, was neben dem Pfluge befindlich 
ist, bezeichnete; s. Pauli Beitr. VII. 225; vgl. praep. prei. 



— 142 — 

prebille, nom. pr. „ein Preusse genannt PreftiZfe oder Mücke" Pierson 

aus Waissel AMS. IL 597. 
prehutyn villa, in der Urk. v. 1258. NPBL VIIL 342. 
preddikausnan, 2i(iQ.,^ Predigt, Ench, 3., setzt den inf. preddikaut, 

predigen, voraus (German.) 
preddikerins, predickerins, acc. pl., Prediger. Ench, Titel, 51. (Germ.) 
pregora, pregore, pregor, prigora, prigore, der Fluss Pregel. Dusb, 

IIL 98. 101. CdP. L 113. II. 129. GDK I. 19. 74. 93. 97. 

MhW. L AMS. VIL 308; vgl. lipza. 
prei, praep., zu, um zu vor dem inf., .Ench, Titel, 14. 51. und sehr 

oft; zu m. d. acc. und dat., 21. 23. 29 und oft.; prei mans ptdimai, 

wir bringen an uns 7., prei antersmu, zum andern, zweitens 29., 

prei etmstin enimt, zu Gnaden annehmen, 83., bei, an, m. d. acc. 

und dat., 20. 58. 96., durch, vermö'ge, für ^a, 30., für, statt 

per^ 43. ßb.^ preistan, dazu, ausserdem 14. 45. 47., ir prei stan^ 

dass. 76. (79. pre^ Kot. 1. prei, prey, pray, Kat IL pre, prey); 

ausserdem ist prei auch Verbalpräposition, s. die folgg. 
prei-hillisnd, nom. sg. , prei-bilUsna% nom.pl., Verheissung, Ench. 

29. s. lilU-t 
prei-gerht, vorsagen, vorsprechen, Ench, I. 
[prei-gerdait-t^ versprechen] prei-gerdawi, er verspricht, Ench, 12. 
prei-gimnis, gen., Art. Ench, 82. s. gem-ton, 
preicalis, Amboss, Voc. 517., wo deutlich, aber fehlerhaft preifalis 

steht (litt, preikdlas, pr'6kdlas, Amboss, von pri-kdlti, anschlagen, 

anschmieden). 
preiken, preyken s. prtkan. 

prei-laiküt, vorhalten, vorlegen, EncK 13. 19. 28. 40. s. latkü-t. 
preipaus, hin, Ench. 38.; jeis preipaus, geh hin, geh von dannen. 
[pret-pid, davon] prei-pist, inf., vortragen, darbringen. Ench. 

83. ; s. ptd. 
prei'pirstans, acc. pl., Ringe Ench. 74., s. pirsten, 
preisiks, prcisicks, nom., preisiki, dat., Feind, Ench, 46. 48. 83. (litt. 

preszininkas). 
prei'StalUwingi, adv., billig („zuständig") Ench. 60., s. stalli-t. 
[prei-statin-t, vorstellen] prei-stattinnimai , wir stellen vor, Ench. 

78., s. statin-t, 
preitalis s. preicalis, 

prey-tylte, Name eines, wahrscheinlich in einem Bache liegenden, Stei- 
nes, der gleichsam eine Brücke bildete AMS. FII. 308. 317 ^.tilte. 
preitlängus^ nom., mild, gelinde, Ench. 51. (vgl. längwingiskai unA 

litt, pr'ed, alte Form i\ir pre) s. Pierson AMS. VII. 593. 
[prei-wackit, berufen] prei-wacke, er beruft, Ench. 18., s. wacki-twei 
pre-clantyts s. per-klantt-t. 
prestitunini (?) campus, MhW. I. 



— 143 — 

prestors (konigelyn)^ Zaunkönig, Voc, 707, wohl zw pristis, pirsten^ 
Finger, wie litt, nyhsztelis^ nyhsztukas, Zaunkönig, zu ni^ksstis, 
nyksztiys, Daumen. Pierson AMS. VIL 586. 

pres-tun, prest, s. pret, 

[pret, Wurzel, davon] pres-tun^ inf. (rait iss-), verstehen; ne prest, 
non intelligo, Glosse in SrP. IL 111, (Urk. von 1331); prestermnai, 
1. pi. praes. (mit po-). s. AMS, IV. 156. VIII. 78. (litt, prantü, 
prataü, prästi, gewohnt werden, merken, lett. prohtu, prattau, prasf, 
verstehen, begreifen); die preuss. Wurzel pret hat wie im inf., so 
auch im praes. ein s (statt des n im litt., auch lett. oh ist ursprüng- 
lich an) eingeschoben; s. iss-pret, iss-prettingi, po-pret, prätin. 

preweringisJcen, acc, Nothdurft, Mich. 14. 87. s. d/folg. 

prewertsnan, acc, Nothdurft, HJnch, 23. (litt, pri-wartöti, nöthig 
haben, bedürfen, priwartüs, nöthig , was gebraucht wird , pr^warta, 
prewarta^ Zwang, Gewalt — oder litt, priwalaü, priwalyti, nöthig 
haben, bedürfen, priwalüs, pritvaüngas, bedürftig, benöthigt einer 
Sache, auch, das nöthige, was man braucht). 

previa, procile, territorium in Pomesanien. TcG, 12. 122. 

[pria] prio^ Landwehr, Voc. 414., d. i. Wall und Graben zur Landes- 
befestigung und -vertheidigung; im CdP. II, 7.; fossatum quod lant- 
wer vulgariter nominatur. 

pribrodes, Bruch, Sumpf in Galindien. TcG. 28. 

prigora, prigore s. pregora. 

priJcan, prtki, pryki, prihin, praep., gegen, wider. Ench. 8. 12. 14. 
35. 36. 37. 54. 58. 62. 66. 80.; vor, coram, 56, {krihi 58. Drckf, 
in Kat. I. preiken, Kat. IL preyken); s. em-prtki. 

prise, Prov,, Stoss ruder, lange Ruderstange oben mit Krücke, die 
gegen die Achselhöhle gestemmt wird (litt, prpas), AMS. VIL 
597. VIIL 688. 

pristis, Finger, in nage-pristis, s. pirsten. 

pro, wohl fehlerhaft für ^a, JEnch. 83., für prei, 51.; vgl. auch pro- 
klantitz, pro-leiton, pro-wela in Kat. 1. IL 

proglis, Brandruth e, Voc. 224. auch Brandbock genannt, kleines 
eisernes Gestell mit vier Füssen, das in Oefen, auf Herde und Ka- 
mine gestellt wird, um das Holz darauf zu legen, damit dieses besser 
brenne. AMS. VIII. 364. 696. Der Ausdruck Brandruthe {hranth- 
rutte) war hier noch zu Anfang des 16. Jahrh. üblich, s. ebend. 
S. 443. 

pro-klantitz. Kat. L für per-Mantits. 

proly s. in nose-proly (vgl. pror-li-t, kslav. pro-lijati^ russ. pro-üf, 
pro-liwäf, effundere, vergiessen, russ. proüw, böhm. prolew, Kanal). 

pro-lieiton, pro-leiton für praAieiton, s. pra-lt-t. 

prolite, proUthin campus. CdP. LL 173. MhW. L. 



— 144 — 

prosnan, ace, Angesicht, EncJi, 72. 78. 97. (litt. ^wswa, Schnauze); 
s. prusnan und Pierson VII. 593. 

protest, Ortname in Pomesanien. CdP. IL 36. flgg. 

pro-wela für pra-wila s. pra-wil-t, 

procile s. prezla^ 

prusisJcan, ace, prusisJcai, dat. adv., preussisch. Ench. Titel, 77. 
(litt, prüsiszkas, lett. pruhsisks), 

prusnan, ace, prusnas, gen., in den Verbindungen en prusnan poUgun, 
prei prusnas poltgun, nach dem Ebenbilde; s. poltgu; vgl. prosnan. 

pruzm, pruzzia, ältester Name des Landes Preussen, Muratori Antiq, 
V. 831., später prussia, bei Dushurg pruschia, demgemass der Name 
des Volkes pruzzi, pruss% später latinisirt prutheni, pruteni^ letztere 
auch Adj. z. B. vir pruthenus^ s. oben s. v. cappyn, 

poU't, pu'ton, poU'ton, pou-twei, inf., trinken, Ench, 14. 23. 40. 43., 
subst. das Trinken 23. 43.; pogds^ imp. sg., s. an seiner Stelle; 
poieit% imp. pi., trinket, 41. 52 {Kat, L pugeitty, KatlLpuieyti); 
pogeitty, Kat. L, puieiti Kat. II, (puietti wohl Drckf.), 2 pi. praes., 
ihr trinket (die Worte „so oft ihr's trinket" fehlen im Ench. 41.). 
— (kslav. pijq, piti, russ. p'ju, pif, poln. piiq, pic, trinken; kslav. 
na-poiti, russ. poif, na-poif, poln. na-poic, tränken, kslav. na-^oi^ 
böhm. na-poj, potus); vgl. pouis, piwas. 

pubeten s. pobeti. 

pudauns wahrscheinlicher Drckf. für ptdauns, s. ptd. 

pudel, Prov., Schachtel, sowohl von Pappe als von leichter Holz- 
arbeit (litt, püdlas, poln. pudlo); daher pudel-hrämer, Hausirer, der 
seine Waaren in mi^r pudel mit sich trägt; verhochdeutscht lautet 
das Wort paudel, und in dieser Form erscheint es bereits in der 
Landesordnung des Hochm. Conrad von Erlichshausen, i)aw;de^ 
Jcromere, JKR. I. Anh. 293. 

ptidienke, pudiemke, Prov,, kurzer dicker Mensch, Hennig 197. 
(vgl. poln. pod-dymac^ das Feuer von unten anblasen, pod-dymka, 
Feuerwedel, daher preuss. pudiemke, ein Mensch, der von unten ins 
Feuer bläst, weil er klein ist; auch pflegen kurze dicke Menschen 
leicht stark zu blasen und zu pusten) ; für die Schreibung pudiemke 
spricht, dass das Wort provinciel auch den Stern Alcor im grossen 
Bären bezeichnet und in dieser Bedeutung auch dümske lautet. 

pugeitty, puieyti s. pou-t. 

poüis, nom., das Trinken, Ench. 42., zu pou-t. 

pup'kaim, Dorf im Kr. Alienstein. TcG. 153. 

purde lacus CdP. IV. 186. MhW. IlL 29. 67. AMS. IIL 645, 

purdunek lacus, MhW. IIL 

pure, Trespe, Taubkorn, bromus sterilis, Voc. 273. (lett. puhri, 
litt, um Memel pürai, Weizen, russ. pyrei, Queken, titricum repens). 

puringe campus, MhW. J. ; zum vorigen? 



— 145 — 

ptisilia s. posilia, 

pusne, Stiefel, Voc, 499. (litt, pusznis), 

puscina (pustina) in westpreuss. Urk. des 15. Jahrh., SrP. IV. 461*, 
ira Sinne von palayde gebraucht : ^^stirbet eyner ane sone adder app 
seyn son were mit im yn eynem irote, so stirbet (?) das gut Palleyde 
(Puccina) an dy hirschafft, wen doch das recht Gotis do widder ist^^ ; 
das Wort ist wohl nicht preussisch sondern polnisch von pusdc, 
lassen, nachlassen, pusdzna, Nachlass ; puczina ist Verstümmelung. 
(Pierson). 

pute-lauken, Ortname. ÄMS. IV. 156. 



E. 

radom, radam, villa, heute Kirchdorf radomno, Kr. Löbau. CdP. II. 95. 

AMS. IX, 133. 
raganita castrtmi, Bush. III. 181. 182. 227. 235., die Stadt Ragnit, 

zuerst von den deutschen Erbauern 1289 landeshiUe, später raganita 

genannt, a fluvio vidno, sagt Dusb. 235.; ich kann einen solchen 

FIuss auf den Karten nicht finden. 
ragingis, Hirsch, Voc. 651., „der Gehörnte", von ragis (wie in der poln. 

Jägersprache der männliche Hirsch rogacz von rog, Horn, heisst). 
ragis, Horn, Jägerhorn, Voc. 705. (litt, rdgas, lett. rags, kslav. 

ragu^ russ. poln. rog, böhm. roh), 
[ragtista] ragusto (loskop). Schröpf köpf, Baderhorn, Foc. 552, von 

ragis (lett. radsinsdi von rags, russ. rozbk von rog). 
raystan, Dorf im Kammeramt Powunden, Kr. Königsberg, scheint unter- 
gegangen zu sein. TcG. 158. 
raisto-pelh granicia, MhW. I. s. pelky. 
rdkis s. rokis und AMS. VI. 320. 
raxite, nom. viri, NPBl. a. F. IV. 369., daher raxita, raodten villa 

CdP. II. 126. 130. Gi)K. I. 72., das heutige Dorf rachsitten Kr. 

Königsberg. 
raxow lacus MhW. IL 

räwirS, nom., sittig, Ench. 51. (litt. ramiAS, v\A\\g^ romas, sanftmüthig, 
lett. rahms, zahm, still, fromm, sanskr. ram, ruhig sein). 

ramige castrum (Scaloviae?) Dmb. III. 183.; Jeroschin hat ranginte. 

ramio (ramius?) fluvim. MhW. IL 

ramnite fluvius in Sassen, CdP. II. 53. TcQ. 120. 121. 

ramothen, Ortname, CdP. III. 162. MhW. LL 529. 

ramsin, Gutsname, NPBl. a. F. XL 289., entweder das heutige ramsen 
Kr. Friedland oder ramsau Kr. AUenstein. 

Nesselmann, Thesaurus. 10 



— 146 — 

rane, f., ränen, m., Trov., ein Stück Bauholz, noch unbeschlagener 
Baumstamm (litt. rönas)\ das Voc. 631 giebt rone als deutsche 
Erklärung von saxsto. 

[rang4\ ranc-twei, inf., stehlen, JEnch, 7. (Kat. L rancktwey, Kot. IL 
ranktwey)\ ranguns, part, act., assei, du hast gestohlen, 34. 

ranginte, Variante zu ramige s. d» 

ranC't, ranck-t, s. rang-t 

[ranka] ranco in kele-ranco Voc, 303., rancko, Gr., nom., ränkan, acc. 
sg., ränkans, acc. pl., J?wcä. 46. 48. 49. 50. 63. 73. 74., Hand 
(litt, rankä, lett. rohka, kslav. rqka^ poln. r^Äa, böhm. rwÄ:a, russ. 
rukä)\ s. kele-ranca und is-rankt-t 

rankt-t s. is-ranki-t 

rantow^ Dorf rantau Kr. Fischhausen. NPBl 3. .F. F. 301. 

rapa, Engel, Foc. 2. (kslav. raftt^, ro6w, servus?) vgl. Pott Beitr. 
VI. 123. —Pierson VIIL364 nimmt an, dass enget von Seiten des 
Concipienten falsche Lesung für enget, Kröte, sei, und erinnert für 
rapa an litt, raupeze, repeczka, rapuM, rüpuize, wozu poln. rqpmha, 
Kröte, lett. rahpt, kriechen; vgl. Pauli Beitr. VII. 157. 

[rapena] rapeno, junge Stute, Voc. 435. 

rapis, Rapen, Rapfen, cyprinus aspius, Voc. 583., Prov. rapan; 
im CdP. I. 166 piscis rape; s. NPBL a. F. VIIL 176. (poln. rapa). 

raptes, (pl.), Zange, Voc. 520 (litt, reptes). 

rasumuk s. rosumuk. 

ratay, ratteier, Prov., ein Mann, der auf einem Gute gegen einen 
massigen Lohn an Geld und etwas Acker zur Nutzung als Pflüger 
dient und auf Scheflfel-Tantieme drischt (kslav. rata% agricola, poln. 
ratay, Gärtner, Besitzer eines Gartengrundstücks ohne Ackerland; 
durch Metathesis litt, artöjis, Pflüger, preuss. artoys^ Ackersmann, 
russ. orätai, oräteV, oräcz\ Pflüger, zu litt, drti u. s. w., pflügen) 
Hennig 334. hat retay; s. AMS. VIII. 688. — rattay kommt 
hier auch noch als Familienname vor. 

ratinsis^ Kette, Foc. 368. 540 (ks\SiY.retq0i,h'6hm.rite0,ipolii.rzeciqd0, 
serb. recaz, Kette, litt, retqm, Halfterkette, Hundehalsband). 

raude, reude fluvim, MhW. L Henne nb. H. 18. rawdes, TcG. 199., 
Nebenfluss der Guber. 

raugus. Lap, Laff, geronnene Milch im Magen junger Kälber und 
Lämmer, die zur Käsebereitung gebraucht wird, Voc. 691. (litt. 
räugas, lett. rauga^ Sauerteig, litt, rogis, geronnene Milch, rugti, 
lett. ruhgt, sauer werden, gähren); s. rtictan. 

raukothe, nom. viri, NPBl a. F. VI. 174., daher Dorf raukotienen 
Kr. Tilsit. 

rauxscowe, raiichschoys (nicht rauthschoys) lacus. MhW. IL 

raus campus, MhW. L 



— 147 ^ 

rauteUy Prov,, Röthling, ein Fisch, salmo fario; (litt, raudä, rothe 

Farbe, raudele, grosse röthliche wilde Ente, lett. rauda, ruhdelis, 

ein Fisch, Rothauge). AMS. VIIL 688. 
raters. Graben, Voc, 31. (kslav. rowuj fovea, fossa, russ. poln. böhm. 

row, Graben). 
ratousen villa, MhW. I. 
[reda] redo (vorch), Ackerfurche, Voc, 240. (litt, redas, Ordnung, 

lett. rinde, Reihe, Zeile, kslav. r^dü, ordo, linea, russ. rjad, Reihe, 

Schicht; poln. rzqd, böhm. rzäd, Reihe, Linie, Zeile). 
reddan, acc, falsch, Ench. 36 (reddau Drckf.). 
redde-ioydikausnan, acc, falsches Zeugnis s, Ench. 8. (Kat IL reddi- 

weydikausnan, Kat. I. falscJi-widekausnan)'^ s. waid, wydikausnan, 
reddewingi, adv., fälschlich, Ench. 8. 
redin (lat. redinum), Stadt Rehden in Poraesanien. CdP. IL 36 flgg. 

Bush. IIL 12. 35. 155. 
reddisku, dat., falsch, Ench. 7. 
reddi-weydikauman s. redde-ioydikausnan. 
reddos, redus, ridos lacus, CdP. LL. 66. MhW. L. LI. 
regut-lauken, deutsch siehenhuben, ein Gut. MhW. IL 
reide, reidei, adv., gern, Ench. 3. 12. 24. (kslav. radü, lubens, poln. 

rad, rada, rado, litt, rod's, gern). 
reide-waisines, nom. sg., gastfrei, Ench. 51., der gern Gäste hat; 

s. waisines. 
reykeis^ reykyen s. rikis. 
reiS't s. ris-t 
reisan, acc, mal, ainan reisan, einmal, Ench. 37., ainontin reisan, 

jemals, 70. (lett. reise, Reihe, Ordnung, reisi, mal, russ. raz, ram, 

poln. raz, mal). 
reysan villa, GDK I. 153., zu Powunden Kr. Königsberg. 
reysen, resin, resien, risen, rysen, Territorium in Pomesanien, die 

Gegend, in welcher später Riesenburg, Riesenkirchen und Marien- 
werder erbaut wurden. Dusb. III. 9. 11. 14. MhW. IL TcG. 12. 
reisis, Nuss, Voc. in biiccarreisis (litt, reszutas, reszu^s, ursprünglich 

wohl resms, lett. reeksts, kslav. orjechU, orachii, orjacM, russ. orjech, 

poln. orzech, böhm. worech). 
reystan, Ortname, CdP. III. 184. 

reckenausnan, acc, Rechenschaft, Ench. 53. (German.) 
rekis, rekian s. rikis. 
rennotwarten palus, MhW. I. 
rense, rensen lacus, palus. Dusb. IIL 40. MhW.L. Hennenb. II. 19., 

heute der See rondsen bei Graudenz. 
resel, resela, reselin, resil, Schloss und Stadt Rössel. Dusb. LIL 27. 

97. CdP. IIL 162. LV. 185. MkW. LL 528. 
resin, resien s. reysen. — reset^-&wrjf,Riesenburg,Vossberg Münzen S. 35. 

10* 



— 148 — 

resow lams MhW. L 

retay s. ratay, 

retemkan, rettenikan, ace, Heiland, Ench. 30. 95. (Germ. Retter, 
vgl. litt, retawöju), 

rettiwenisJcan, aec, heilsam, Ench. 51., s. das vor. 

retttmngiskan^ acc., heilsam, Efich. 86. 

rethow, territorium in Nadrovia. Dush. HL 176. 

reude s. raiide, 

ridos s. reddos. 

rige, rtje, Prov., Darre, Trockenscheune, (litt, reje, lett. rija, 
russ. riga.) 

rigewings, nom., hadersüchtig, Ench. 51. (litt, reju, reti, schelten, 
kslav. pcHricati (rekq, reszti) incusare, reprehendere, po-rdku, repre- 
hensio). 

Hk'S, ryk-s s. rikis. 

[rikattrt, herrschen] rikawie, rickatme, du herrschest, er herrscht, 
Ench. 16. 50., rikauite, imp. pl., herrschet, 73. (litt, rykauti) s. 
rikis. 

rickaüsnan, acc, Regierung Ench. 23. 

rtki, rtkin s. rikis. 

rickie, Herr, Gr. im Wörterverzeichniss und in der oben xmternotison 
angeführten Phrase; es ist wahrscheinlich Vocativform von rikis, 
rikys, wenn gleich an letzt bezeichneter Stelle als Nomin. gebraucht. 

rikyiskai, adv., herrlich, Ench. 69. 

rikis, Voc. 404., rikys, rickys^ rikds, nom. voc, Ench. 11. 35. 70 und 
oft; rikyan, rickyan, acc, 1 — 10. 15. 73. und oft; rikyas, rikys, 
gen., 38. 40. und öfter; rikyai, nom. pl., 62. rikyans, rikians, acc. 
pl., 4. 61. 62. Herr, {rekis, rickis, Kat. L, rykyes, reykeisKat. JL^ 
nom., rekian Kat. L reykyen Kat. IL acc.) ; (das Wort scheint, wie 
auch rikaut, german. Ursprungs zu sein, goth. reiks, Herr; vgl. 
Pierson VH. 586. IX. 162; nach Hennenb. 465 war rickoyot 
der Name des Ortes, an dem die heilige Eiche gestanden; übrigens 
hat das in die preuss. Sprache wohl frühe aufgenommene Wort 
wohl die Veranlassung gegeben, dass in den Ordensurkunden die 
kleineren preuss. Herrn, die Gutsbesitzer, nicht selten reges, regtdi, 
viri regii genannt werden; vgl. AMS. VIL. 302. 303. Toppen zu 
Dusb. LH. 5. SrP. L. 53.); vgl. buttorrikyans. 
[rikis] riks, ryks, riki, nom., rikin, acc, das Reich, Ench. 16. 21. 

22. 79. 84. (Kat. LL ryeky). 
rikyskan s. aitcktai-rikyskan. 

rikisnan, Rücken, Yoc. 107; vgl. Burda Beitr. VI. 405. 
rikytviskan, acc, Herrlichkeit, Ench. 31. 

riclis, Söller, Voc. 205, d. i. Bodenraum, Getreideschüttung in den 
oberen Räumen des Hauses (litt, reklas, dass.) Pierson VII. 586. 



— 149 — 

rtks, ryks s. inMs, 

ryn, Ordensburg in Ermland bei Bischofstein, TcG, 198. 

[rindä] rindo, Krippe, Voc. 227. (litt, rindä). 

ring-asirj ring-mer, locus, MhW* 1., s. assaran. 

ringe-lauken, Ortname ÄMS. IV. 156., s. Dorf n^^aciew Kr. Wehlau. 

[rink't, sammeln] rtnka^ er sammelt (mit sen-) (litt, renkü, riMi) 
s. sen-rink-t, 

rinow, rynow, rynowe, Kammeramt in Samland, in der Urkunde von 
1258 eryno, ereyno geschrieben, NPBl. VIIL 342. Bush. III, HO. 
CdP. II 71. 151. AMS. VII. 296; rinow ist das heutige Kirch- 
dorf Cumehnen, TcG. 133; ein anderes rinow, rinau ist ein Gut 
im Kr. Königsberg, Kirchspiel Postnicken. 

[rip-t, folgen] ripintin, acc. part, praes., der folgende, Ench. 49. 50 
{ripintinton 49. Drckf.); ripimai^ 1. plur. praes. (mit sew-, ser-ripimai 
in der Bedeutung, wir erfahren, s. d.); rtpaiti, imp, pl., folget 53. 

[m-^, binden] reist^ inf. (mit per-), verbinden, mte, part. pass, (mit 
sen-) verbunden, (litt, ris^^ü, r\szti.) 

risen s. reysen, 

riste, Ruthe, Voc. 639. (litt, r^kszte, lett. rihkste). 

rythdbdlt pratum^ MhW. IL, Gut rittibalde Kr. Allenstein. 

roaban, gestreift, Voc, 467. (litt, raihas, lett. raihs, russ. rjabp'i, 
bunt, gesprenkelt) Burda Beitr. VI. 398. Pierson VII. 586. 

robins lacus in Galindien, der heutige lachorsee. TcG. 28. 

rohbtt, robbUe, Prov., Frohndienst, Scharwerk, Hand- und Spann- 
dienste, überhaupt schwere Arbeit (litt. lett. rabatä, Arbeit, Mühe, 
Plage, kslav. rabota^ servitus, russ. rabota^ poln. robota, Arbeit, von 
kslav. rabit, robu, servus, russ. rab^ Leibeigner; goth. durch Meta- 
thesis arbaifhs). 

rodenow^ Dorf name, MhW. IL 531. 

rogain, rogyn, Dorfname, heute rogehnen NPBl. a. F. IV. 369. 

rogarbe, rogarbi, antiqua fossata qtuie eyn lantwer dicuntur AMS. VII. 
295; eine Landwehr bestand aus Graben und Wall oder Hügel; 
daher liegt die Vermuthung nahe, dass rogarbe ein Compositum sei 
aus rawys, slav. row. Graben, und garbis, Berg, Hügel, also row-garbe, 
„Grabenhügel", umgrabener Hügel. 

rogätsch, Prov., Pflugsterze, auch Zochbaum genannt (litt, ragocsse, 
ragoczus, ragoUus, poln. rogacz, wohl von ragis, litt, rdgas, poln. 
rog, Horn, von der Gestalt benannt, kslav. rogatu, russ. rogätyi, poln. 
rogaty, cornutus.^ s. Hennig 213. 

rogefhlen, die jetzige Domaine regethlen, Kr. Heilsberg. NPBl. a. F. 
XL 288. 295. 

rogyn s. rogain. 

rogys s» royge. 



— 150 — 

rogiten campus, rogyten villa, MhW. 1. CdP, III, 159. MhW. IL 
521, Dorf und Vorw. regiUen bei Braunsberg. 

rogoss, rogosin, Dorf an der ermländ. natangenschen Grenze. CdP. III. 
161. MhW. IL 525. 

ragosen. Ort in Pomesanien, CdP. II. 11. flgg. 

rogow castrum, bei Thorn, an der Weichsel. Dusb. III. 7, SrP. I. 55. 

rogow fluvius am Drausensee Dusb. III. 169; daran heute auch ein 
gleichnam. Dorf. 

royge, CdP. IL 43, rogys, ebend. IL 59. Wald in Saniland, bei Fisch- 
hausen. 

rokis (nicht rakis) Krebs, Voc. 584 (kslav. rakU, russ. poln. böhm. 
rak) AMS. VL 320. 

roma lacus. CdP. IL 53. 

romayn, romaynis villa, AMS. VLL. 299., heute romehnen zu Thieren- 
berg, Kr. Fischausen. 

romhingen s. rumbing. 

romescue, Barte, breites Beil, Voc. 532. vgl. Pierson Vif. 586. 

roniow, romowe, das örtliche Centrum des religiösen Cultus der heid- 
nischen Preussen, dessen geographische Lage bis heute nicht fest- 
gestellt ist, wird zuerst genannt von Dusb. IIL 5. : Fuit autem in 
tnedio nationis hujus perversae, scilicet in Nadrovia locus quidam 
dictus Romow, trahens nonien suum a Roma, in quo habitabat quidam, 
dictus Criwe, quem cölebant pro Papa. An Rom werden die alten 
Preussen wohl eben nicht gedacht haben; übrigens wird in einer 
Verschreibung von 1325 eine villa rummowe in Samland bei Rinau 
genannt, CdP. IL 151, und i)usb. III. 259. nennt einen Ort, villa, 
in Littauen romene, wofür sich die Namen Varianten romayn und 
romove finden, und der ebenfalls für heilig galt : quue secundum ritus 
eorum sacra fuit. 

ros-gitten, Dorf im Kr. Alienstein. TcG. 153. 

rosumick, rosemhk, rasumiik, Prov.^ ein fingirter Spuk; rosumuk jagen^ 
ein beliebter Sylvesterscherz; ein unerfahrener Bursche wird im 
Dunkeln mit einem geöffneten Sacke an den untern Eingang der 
Bodentreppe gestellt, um den rosumuk^ den ein Anderer die Treppe 
herabjagen zu wollen vorgiebt, einzufangen; nachdem nun dieser 
Zweite oben eine Zeitlang gejagt und gepoltert hat, giesst er dem 
Untenstehenden eine Kanne Wasser über den Kopf. (litt, rammükas, 
dass., wohl Dim. zu razmnas, kslav. razumü, russ. räzum, poln. 
rozum. Verstand, Witz, poln. rozumek, vermeinter Verstand, Aber- 
witz; aber russ. rosamucha^ rosamak, ^o\xi. rasom^dka, magy. rosomek 
ist der ursus gulo, der Vielfrass, auch in manchen Gegenden Deutsch- 
lands rosomak genannt.) 

rowith, rowitin^ rowytin, rowitten, Ortname in Samland. AMS. VII. 298. 

rubere, rubirgen rivulus, MhW. I. 



— 151 — 

rvdaw s. rudow. 

rvdenkk silva, MhW. IL 

rudenz ferritorium Pomesaniae TcG, 12, das Gxni raudnite, Kr. Rosen- 
berg. 

mdicus campus, MhW. L 

ruddin, das heutige Vorwerk redden Kr. Wehlau. TcG, 211. 

rudow, rudowe, rudovia, rudaw, das ehemal. Kammeramt, heutige 
Kirchdorf rwdaw Kr, Fischhausen NPBl VIIL 346., Dms6. IIL 71. 
303. Suppl. 25, AMS, VIL 297. 302. 

rvgis, Voc, 258, mggis, Gr.^ Roggen (litt, rw^ei, lett. rwrfsi^russ. rol). 

rükai, nom. pl., rükans, acc. pL, Kleider Ench. 14. 23. (kslav. rwcÄo, 
pannus, böhra. rcmcho, romha, poln. rucho, kass. rmhno, vestis, mlat. 
roccus, ahd. rok, roc, roch, rogh). 

ructan, sauer, in riuitan dadan, saure Milch, Voc. 690; vgl. 
raugus, 

rumbing, rumbingin, romhingen, Name einer durch eine ausgedehnte 
Sumpfgegend führenden Furt, eines Dammes, vadum, AMS. VIL 
294. 309; die Bedeutung ist wohl: etwas zwischen Losem, Weichem 
sich fest und hervorragend Hinziehendes (vgl. litt, rümbas, Saum, 
der die Falten eines Kleides umfasst, Pass, Gürtel, Schwiele in der 
Hand; Striemen, Narbe; poln. rqhy, oi-rqbek, böhm. öb-rviba, Ein- 
fassung, Saum des Kleides). Dasselbe Element steckt vielleicht auch 
in dem Namen rombitten Kr. Mohrungen. 

rummowe s. romow. 

runa, rune, Flüsschen, das östlich von Braunsberg in das Haflf fällt. 
CdP. LL 1. LLL 159. MhW. L LL 

rundyls, nom., Weinsäufer. Ench. 51. 

rungen-hrust, SrP. LL 525. 596. TcG. 207. AMS. LV. 154., eine Furt 
am See rynge oder ryngie, aus welchem der Fluss anse zur Memel 
geht; es würde wohl jedenfalls rungen-brast zu lesen sein. 

rw^w, heutiges Dorf reipen (?) im Kr. Wehlau. TcG. 212. 

[russas] rwssis, nom., Voc. 429., rwssas, gen., Ench. 50., Ross, Hengst, 
vgl. AMS. LV. 681. 

rusele aqua, MhW. L. 

russin vüla, das Gut rossen Kr. Heiligenbeil, CdP. LL, 6. flgg. MhW. 
LL 521. 

ruske locus, CdP. LV. 186. MhW. LLL 29. 67. 

ruisogo, Fluss in Galindien, jetzt rosoga. TcG. 28. 

s. 

sahange, sabanye, sawange, savangyn, suwange, swaywange la^cus, MhW. 

L LL 
[sdbatica] sabatico, Sonnabend, Voc. 23. (litt, sabatä, subatä, ks\B,v. 

sqbota, russ. subbbta, poln. böhm. söbota). 



— 152 — 

säbenaw, säbenaw, sabenowe, sahenouwe, sabnow territorium an der 
Westküste Samlands CdP. L 170, IL 125. 130. GDK I. 71. 
NPBl rilL 342. 346. X. 164. 188. 190. TcG. 136., vgl. d. folg. 

säbine, sabynen, sabin, sabune, säbunen, sdbunin (sambunyn), nom. viri, 

- Dusb. III 262. NPBl a. R VI 173. AMS. VIL 295; daher der 
Name des Dorfes sabünen Kr. Oletzko, vielleicht auch das vor. 

sadel, sadilj s. kid/rk-sadel, 

[sadin-t, setzen, stellen] sadinnons, part. act. (mit en-), sadints, 
sddinton^ part. pass, (mit en-), sadinna, sedinna, er setzt, stellt, 
Ench, 54. 64. (litt, sodinti, kslav. saditi, russ. sadif, poln. sadzic, 
setzen, pflanzen) ; s. en-sadin-t, sid, sede, 

sadinsnan s. en-sadinsnan. 

sagyn s. sayn. 

sagis (rincke), Schnalle, Hufnagel Voc, 486. 544. (litt, sagüs, lett. 
säkts, Heft, Schnalle, litt, segü, segti, heften, schnallen, ein Pferd 
beschlagen). 

sagnis, Wurzel, Voc. 629. (litt, szakms, lett. sakne), 

saydit, hut dich, G^., wohl fehlerhaft aufgezeichnet; der Endung nach 
könnte es imp. pl. sein. 

saycka. Sack, Gr, (kslav. sagit, sakosü). 

sayn, min, sagyn lacm, sayns, says, fluvius, Dusb, HL 362. MhW. 
L IL, Nebenfluss der Guber, jetzt sain, min. 

says s. das vor. 

saytan, Riemen, Voc. in larga-ssaytan. (litt, kilporsaitis, Steigbügel- 
riemen, von ktlpa, Steigbügel; den Sing, des einfachen saltas habe 
ich bis jetzt im litt, nicht nachweisen können , dagegen findet sich 
der Plur. saital, Fesseln, Gefängniss, im Gebrauch, sowie das Compos. 
pdsaitas, Riemen, lett. Saite, Seil, Band, Strick, Schnur, litt, setas 
Strick, von seju, seti, lett. seet, binden, knüpfen, kslav. sjett, tendicula 
laqueus, poln. siec, siatka, Netz, Garn). 

sakeite, nom. viri, NPBl. 3. F. F. 302., daher Dorf saggaiten (auch 
saggehnen genannt) Kr. Fischhausen. 

sackis, Harz, Voc. 598. (litt, sakat, lett. swekkis, sakkas, Harz, kslav. 
sokU, slov. russ. poln. sok, Saft, poln. siqknqc, siqknqc, sickern, ab- 
triefen). 

sacraments, nom., sa^amentan, Sakramenten, acc. Sacrament. Ench. 
28. 40. 42. 43. 44. 76. Kat. L IL 

[saksta] saxsto (rone) ein Stück Bauholz, Lagerholz, Voc. 631. 
(litt, sczekszta, szeksztas)\ s. räne. 

saxtis, Rinde, Voc. 643. 

sal, Salz, Gr. (lett. sahls, kslav. soU, russ. soV, poln. sol, böhm. sul, 
dass. ; litt, salunka, Salzfass.) 

salaman, Name eines Ackerstückes. NPBl. XL. 74. 

sälauba-n, acc, Ehe, Ilnch. 66., s. salüban. 



— 153 — 

saiauhair housennien, ace, Ehestand, Ench, 69. 

scUaubai-gannan, Ehefrau, Euch. 73. 

sallaubiskan, ace, Ehe, Ench, 76. 

saleide, salleide, nom. viri, NFBl. a. F. VL 173., 3. F. V, 301., da- 
her salleiden, heute sallecken, Gut ira. Kr. Königsberg. 

salgewin, salgewyn lams, CdP. IV. 186. MhW. III. 67. (MhW. 
HI. 29 steht balgemn). 

salgis s. ati-salgis. 

saligan, grün, Voc. 468., g aus i oder j verhärtet, wie garge neben 
garian, wargien neben litt, wärias (litt, mlias^ lett. salsch\ kslav. 
zelenu, russ. zelenyi, poln. ^ielony, böhm. zelend). 

salin, acc, Kraut, JSWcä. 72. s. soafe Foc. (lett. saÄZe, litt. io?e, 
kslav. ;8?eZo, zeVtka, russ. ;8?e?ie, ;2re?ew', poln. ;2rie?6^, gehört wohl etyraol. 
zu dem vorigen. 

safe zu litt, szalü, ssälti, kalt werden, frieren, s. pa-ssalis. 

salme, Stroh, Gr. (lett. salmi, kslav. slama, russ. solbma^ böhm. sldma, 
magy. smlma, ahd. halam). 

salmia campus, MhW. I., zu dem vorigen? 

salmis, Helm, Föc. 420. (litt, smlmus, kslav. sdjemit, russ. sofern, 
goth. hilms). 

saiohisqtian s. salubiskan. 

salowis, Nacht igal, Foc. 727. (kslav. s?at«;t% russ. sa?o«<;a, m., salowha, 
i., illyr. slawwi, kroat. slawaj, poln. slowik, böhm. slawjk, serb. 
sslawik, slov. slavak). 

saita, kalt, GV. (litt, smltas, lett. saKs^. 

saltan, Speck, Foc. 376. (kslav. russ. sa?o, poln. böhm. 5ad?o, Fett, 
Schmeer ; die Sylbe -^w ist preuss. Zusatz, wie in kamerta, lanxta). 

saluborn, salluban, salübin, acc, Ehe, JGwcÄ. 6. 67., Gemahl, 6. 67. 
74. (Das Wort ist nicht etwa direct aus der preuss. Wurzel lub mit 
einer Präpos. sa, etwa = sen, gebildet, sondern es ist erst auf dem 
Umwege durch das slavische ins preussische gekommen; poln. lubiq, 
ItMc, lieben, daneben sluiiq, slubic, geloben, slubowac, heirathen, 
slub, Gelübde, Trauung, slov. mljuba, votum; ein slav. slub, zaljuba 
ist in der Form salüba ins preuss. übergegangen und preuss. saluba 
verhält sich zu poln. slub^ wie preuss. salowis zu poln. slow-ik; 
das litt, hat für Heirath, Ehestand die Ausdrücke salvba und sdübas^ 
von denen das erstere dem preuss., das letztere dem slav. entlehnt 
ist); s. lub, salauba-^. 

sdliihai-busennis, nom., Ehestand, Ench. 67. 

salübai-wirins, acc. pl., Ehemänner, Ench. 58. 

sallübi-gennämans, dat. pl., Ehefrauen, Ench. 73. 

salubiskan, sallübiskan, acc, salubiskai, dat. adv.. Ehe, Ench. 76. 
(Kat. II. salöbisquan) ; ehelich, 66. 67. 75. 

sallübS'laiskas, Traubuch, Trauformular. Ench. 66. 



— 154 — 

salühsna, nom., Trauung, Ench. 67. 

Salus (reynflis\ Regenbach, Bach, der durch starken Regen entsteht, 

Voc, 63. (sanskr. sala-m, salila-m, Wasser, lat. solum, griech. (fdXog^ 

Meer, oder poln. mlew, Ueberschwemmung, mlewac, russ. zaliwat\ 

überschwemmen). 
sammay s. semmai. 

samhe-lauken villa, das heutige Doxi samlack im Kr. Rössel. MhW. HL 
samhers s. wissamhers, 
Sambia, Gambia, die Landschaft Sam 1 and, Dusb. III, 3. und oft; Urk. 

V. 1231. TcG. 8.; sambita, lat., ein Samländer, Dusb. III 109 u. oft. 
sambrofh, zambroth (nicht mmbroch), das Kirchdorf samrodt Kr. Moh- 

rungen. TcG. 15. 
same, Erde, Erdreich, Voc. 24. s. semms, 
samyen oder samyne (die Schreibung samye lässt beide Lesungen zu, 

vgl. Voc 321 malmJcela für malunahelan) ^ Acker, Voc. 237, das 

vorige mit Ableitungsendung. 
samyte (samyle?)^ nom. viri, NPBl. 3. Jl F. 300, daher Gut samitten 

Kr. Königsberg. 
samjpZo^ iö^s, CaP. IV. 186. üifÄTF. ZZI. 29, 67. 
[sanda] sando, Balken, Voc. 200, vielleicht eines Stammes mit sen-düs, 

zusammengefügt (sansk. san-dhä), also sanda. Zusammengefügtes 

oder Zusammenfügung (kslav. isqdU, membrum). Piers on's Conjec- 

tur s. ÄMS. VII 586. 
sanday, gee weg, Gr.^ unklar, sicher keine Imperativform. 
sandals, sandilo, sandolis campus. MhW. I. 
sanduUe, nom. viri, NPBl. a. F. VI. 174., daher vielleicht das Gut 

sanditten Kr. Wehlau. 
sangawiten campus, MhW. II 
sangede, nom. viri, NPBl. 3. F. V. 302., daher vielleicht Dorf sang- 

nitten (für sangitten) Kr. Heiligenbeil. 
sanglawe, nom. viri, NPBl. 3. F. V 300, daher Vorw. sangelau Kr. 

Mohrungen. 
saninsle, Gürtel, Voc. 485., aus sen (san) -imt, zusammennehmen? 

Pierson VII. 587. 
zanseynen campus, MhW. I, vielleicht zu dem folg. 
sansy, Gans, Voc. 719. (litt, ^qsls, d. i. alt hinsis, lett. sohss; in den 

genn. und slav. Sprachen mit anlautendem gf, kslav. gqßi, russ. gu^' 

u. s. w., sanskr. hansas)\ hierher wohl das vor. und sansgarben, 

Vorw. im Kr. Rastenburg, „Gänseberg". 
sanstangen lacus, MhW. HL 
santerium, santirium s. zantir. 
sanf'lauks, sont-laux, heute sandlauken, zwei Dörfer in Samland, von 

denen eines untergegangen ist, ÄMS. VII. 299. 312.; der erste 

Theil ist schwerlich deutsch; vielleicht ist an santke, nom. viri, 



— 155 — 

NPBl 3. F, V. 302 zu denken; vgl. auch sandlauken Kr. Niede- 
rung und sandlah Kr. Friedland. 

santop, nom. viri, CdP, IL 173. NPBl. a. F, VI. 173.; daher san- 
toppen, Kirchdorf im Kr. Rössel, und sontop^ Dorf im Kr. Neiden- 
burg; vielleicht auch sandhof Kr. Marienburg und Kr. Graudenz. 

sarappe^ Fluss auf der Grenze der Kreise Insterburg und Ragnit, jetzt 
schwarup, TcG. 214. 

sardangadi, sardangodi, granicia. MhW. 7. 

sardis (astien] Voc. 802.; md. 0ün bedeutet sowohl den Zaun als den 
umzäunten Raum; hier ist es wohl unzweifelhaft der neben der 
freien Vfeide^posty, befindliche eingehägte Rossgarten (litt, mrdis), 
Pierson AMS. VIL 587. vgl. VIIL 696. 

sareka (sarecca, sarecce^ nicht sarecte), nom. viri, castellani in Castro 
sareJca a nomine sito sie dido, Dusb, HL 182. TcG, 27. , an der 
schalauisch-litt. Grenze ; vgl. auch das Dorf sareiken im Kr. Lyk. 

sarg-s, Wächter, Wärter, Hüter in but-sargs^ Haushalter, (litt. 
sdrgas, lett. Sargs) \ s. sergl-t und api-sorx. 

sargin lacus, CdP, IL 170. 

sargin, nom. viri, Dusb, III. 148., daher Vorw. sorgen, mrgen, Kr. 
Darkehmen, Dorf sargen Kr. Heiligenbeil, Vorw. zargen Kr. Wehlau ; 
vgl. TcG. 212. 

sarginse, Ortname in Pomesanien CdP, IL 36. flgg., eine Bildung wie 
colmense. 

sarguUen-stdbs (a. L. sarguthin-steyn) , nom. lapidis, AMS. VIL 298. 
311; ob zu einem dimin. sarguUis zu sarg-s? s. stabis. 

sari, Glut, d. i. die noch rothe Gluth des ausgelöschten Feuers, Voc. 
43. (litt, ^arijä, dass,, ^ereti^ glühen, zerti, im Feuer scharren, um 
es auszulöschen, russ. poln. ktr, Glut, glühende Kohlen, kslav. zarja, 
ZOT ja, splendor); vgl. pa-ssortes. 

sarke, Elster, Voc. 725. (litt, szdrka, kslav. swraka, russ. soroka, 
poln. sroka, slov. sraka^ illyr. sraka, svraka, böhm. straka); hieher 
wohl die Namen sarkau, sarken-krug. 

sarxtes. Scheide des Schwertes, Voc. 425 (Pierson AMS. VIL 587 
vergleicht litt, szärkas, Ueberrock). 

sarote, Karpfen, Voc. 576; vgl. NPBl. LH. 54. 158. AMS. VL 

' 325. VLIL 576. (illyr. saran). 

sarpis^ Nusspicker, Nussheher, corvus caryocatactes , Voc. 746. 
(lett. swirpis, Steinbeisser, Pierson VHI. 364.). 

sarunq lacus, AMS. LLL. 634., jetzt siring-see, von der seria oder 
parsseria, pa-ssaria durchströmt. NPBl. a. F. XI. 20. 

sarwis, Waffen, Voc. 418. (litt, szarwai). 

sassen-pile; in einer Urkunde von 1303 über die Grenzen der Gebiete 
Löbau und Sassen, CdP. IL 53., heisst es: usqite ad vallum quod 
Sassenpile dicitur in vulgari, dagegen in dem Grenzvertrage über 



— 156 — 

das Land Löbau von 1338, CdP. III. 10, bei Beschreibung der- 
selben Localität : contra montem qui didtur Hasenberg, wo also der 
Name sassen-pile von sasnis, Hase, abgeleitet wird; ausserdem, dass 
diese Uebersetzung des Namens, wie die beiden Urkunden beweisen, 
alt ist und, wie es scheint, auf dem damaligen Volksbewusstsein 
ruhte, wird dieselbe bis zur Evidenz gestützt durch das noch 
heutige Vorhandensein des Dorfes und Vorwerks Hasenberg im 
Kr. Osterode ziemlich an der in Rede stehenden Stelle (auf Voigts 
Burgenkarte ist die Lage des Ortes ungenau angegeben, besser auf 
den Karten zu Töppens comp. Geogr.); sonst läge Mülverstedts 
Deutung durch Sassenburg, Burg des Sassenlandes, nicht eben 
ganz fern, s. NPBL a, F. XL 70. 

sassin lacus, CdP. IL 36. 

sasin [^tin'kla'] -tinMo oder sasni-tinMo, Hasengarn, Voc. 697.; s. 
das folg. u. tinkla. 

sasnis (nach der Handschrift nicht sasins zu lesen), Hase, Voc. 659. 
(sanskr. gaga mit einer ursprünglich adjectiv. Ableitungssylbe -nis, 
ims); vgl. sassen-pile, sasin-tinkla und vielleicht den Ortnamen 
Sassen, Kr. Mohrungen. 

sassovia castrum Nadroviae seu Scaloviae, Dmh. III. 187. 

\sätuin4, sättigen] sdtuinai, du sättigest, Ench. 49. (litt, sotii^, lett. 
sahts, kslav. suitU, russ. syty'i, poln. syt, böhm. syiy, lat. saiur, satis, 
sat, deutsch satt). 

saudtsnan s. ati-schatultsnan. 

saugis, Ameise, Voc. 791. (etwa mit Bedeutungswechsel litt, ^iögas, 
Heuschrecke?); vgl. dagegen Pierson VHL 362. 

saule, Sonne, Voc. 7. (litt, sdule, lett. saule; die slav. Sprachen haben 
die verlängerten Formen kslav. slUnice, böhm. slunce, poln. stance, 
russ. solnce). 

saun, zäun lacus s. suna, 

saunan, saunas s. soun-s, sün-s. 

sausä, sausai, adv., Ench. 85. 86., sawse, Gr., trocken (litt, sawsas, 
lett. sauss, kslav. suchu, u. s. w) 

sausten, saustern, schaustem, wisacker. MhW. IL 

sawayte, Woche, Voc. 16.; s. possi-ssawaite. 

sawange, savangyn, s. sabange. 

sawyten, satvylten campus, MhW. L. 

sheclis, Feder im Schlosse, Voc. 539. (litt, spilha, Nadel, Zunge an 
der Schnalle?) Pierson VH. 587. 

sehr s. an der Stelle von sk-. 

sealre, Zärthe, ein Fisch, ciprynus vimba, Voc. 570. (litt, zabr^s, 
zöbr^s, zöbras, lett. sebris) Pierson VH. 587. 

[sealtmenal sealtmeno, Wiedewal, Pirol, oriolus galbula. Voc. 748. 



— 157 — 

seamis, Winterkorn, Wintergetreide, Voc. 257; s. sema, Winter. 

sebbei, dat. des Reflexivpronomens, sich, sibi; s. sien. 

sede, sed^n, Sitz, zu sadin-t, setzen, erscheint in den Localnaraen 
naumn-seden, (nau-sseden), und po-ssede, s. dd.; auch wos-seden ist 
vielleicht contrahirt aus wose-seden. 

sedinna s. sadhir-t, 

seghesdrien locus, CdP, IV, 185. 

segi't, seggU, siggU, thun, Ench. 12. 24. 30. 35. 43.-50. 52. 83. 
seggientins, acc. pl. part, praes. act., in wargu-seggientins ; seggiuns 
part, act., asmai, assei, ich habe, du hast gethan, 34» 35. 36. 48. 
segge, ich thue, 11.; segge, sege, er thut, sie thun, 10. 30. 43. 53 
54. 56. 61. 66.; seggesai, du thust, 37.; seggemai, wir thun, 5. 33. 
seggetai, segytei, seggeti^ ihr thuet, 59. 61. 67., seggttai, seggita (wohl 
seggitai zu lesen), imp. pl, thuet, 41. 62.; der Uebersetzer vermengt 
offenbar die Formen der 2. pl. praes. und des imp. pl. ; grammatisch 
genauer geben den imp. pl. Kat.L segeitty, Kat. IL segeyti; (Bopp 
S. 13. vergleicht sanskr. Qok, können; näher läge pers. sdkh-ten, 
thun, lett. sahkt, anfangen). 

segisna, nom. sg., segtsnan, seggtsnan, acc. sg., seggtsnans, acc. pl., 
das Thun, Ench 46., pl. Thaten, Werke, 36., s. auch mit 
dinkaur^ labha-, 

seggtwingi, nom. pl., s. po-seggiwingi, 

seglykin, Name einer Mühle in Ermland. CdP, III 161. MhW. IL 525. 

seydis, Wand, Voc, 198. (kslav. ^idu, ztdu, murus, in den i?arf. slov, p. 27., 
zidu, domus, zidati, sidati, zdati, aedificare, böhm. zdy, zed\ Mauer, 
russ. zdänie, Gebäude, ^da^eZ', kslav. zidateVt, z^datelt, «efoifeZ^, Erbauer). 

seydis s. mssa-seydis. 

seilewingis, nom. sg., fleissig s. ni-seilarnngis, 

seilin, acc. sg., seilins, acc. pl, Ernst, Fleiss, Anstrengung, 
Kraft, Ench, 14 82.; in 14. entspricht zwar seilins dem Ausdruck 
„Sinne" des deutschen Textes, es kann aber dennoch wohl nur die 
Bedeutung „Kräfte, Fähigkeiten" haben (litt, sylä, kslav. russ. poln. 
sila, Kraft, Stärke); s. seilingis^ seiliskan, seilewingis, no-seilis, 

[seilingis, m.] seilingi, f., nom. sg., seilingins, acc pl., s. mit aina-, langi-, 

seilisku, nom., Andacht, Ench, 46., seiliskan, acc, s. langi-seilishan, 

seimins, nom., seimtnan, seimynan, acc, Gesinde, Ench, 1. 10. 13. 

19. 23. 28. 36. 40. 45. 49. (litt, szeimynä, lett. saime, dass., kslav. 
sjeminU, mancipium, sjemija, collect, mancipia, russ. sjem'jä, Familie, 
sjemetstwo, Gesinde). 

seyr, Herz, Voc. 124., s. siran und Pauli Beitr. VII. 206. 

seisei, opt., er sei, zur Wurzel as, Ench, 38. 

seysten terra CdP. IV, 185., das Kirchdorf sehesten Kr. Sensburg. 



— 158 — 

seiti, imp. pi., seid, zur Wurzel as, Ench. 53. 55. 57. 60. 61. 63.73., 
s. Bopp S. 32. 33. 

seken, sechen, Prov,, ganz kleine Fischerböte, Hennig 253., wohl solche 
Böte, die an flachen seichten Stellen gehen können (litt, senkü, sekti 
seicht werden, sekis, seMe, seklis, lett. sekls, seichte Stelle im Wasser). 
Pierson ÄMS. IX, 164. hält seken, sechen für deutsch gebildetes 
Dimin. von sewe, s. Anhang; durchlöcherte Fischbehälter heissen 
noch jetzt in Danzig „sicken". Hirsch Handelsgesch. S. 307. 

[sema] semo, Winter, Voc. 15. (litt. 0emä, lett. seema, kslav. russ. 
poln. 0ima, böhm. zyma)\ vgl. seamis, 

semmai, adv., herab, nieder, unter. Ench. 15. 86. 91. (Kai. 1. 
sammay, EJat. IL semmay)^ zu d. folg. 

semme, nom., semmien, semien, semman, acc, semmey, semmiey^ dat., 
(nach na, auf, Kat I. IL) Erde. Ench. 4. 13. 18. 22. 60. 72. 73. 
88. 91. (semmin, acc, Kot. L.)\ no semmien, auf Erden 4. 18. 22. 
73. 88. (litt, seme, lett. semme, poln. ziemia, böhm. seme, kslav. russ. 
zemljä)\ vgl. sams. 

semen, Samen, Saat, Voc. 256. (litt, semen, nom. semu, pl. semens, 
s'emenys, kslav. sjemq, russ. sjemja, gen. semeni, poln. siemiq, gen. 
siemienia, böhm. simie, gen. sem^ne, Samen; litt, s'eju, se^i, lett. seht, 
kslav. sjejati, säen); vgl. Pott Beitr. VI. 120 und gnab-sem. 

[semsnä] semeno, Brachvogel, tringa squatarola oder scolopax arquata, 
Voc. 752. (litt, semene, Hänfling), zu dem vor.; hieher semnitz 
(semenitz) Fluss bei Gilgenburg? vgl. ausnit 

sen, praep., mit, c. acc. u. dat., Ench. 2. 7. 9. 45 u. öfter; als Verbal- 
präposition zusammen (litt, san, sq, gew. su, lett. sa, sanskr. 
sam u. s. w.). 

[sen-därt, zusammengeben] sen-däuns, part. act. , ast, er hat zusammen- 
gegeben, Ench. 75., s. dä-t. 

[sen-dits, nom.] sen-ditmai, dat. sg., sen-ditans, acc. pl., zusammen- 
gelegt, gefaltet, von den Händen, Ench. 49. 50. (dieses dit-s ist 
part. pass, einer Wurzel, die dem litt, de-ti, kslav. dje4i, sanskr. 
dha, legen, ponere, entspricht, litt, su-detas, kslav. su-djetu, sanskr. 
san-hita für san-dhita, griech. avV'&sToq^ lat. con-ditus). 

sen-draugi-weldnikai, dat. sg.. Mit erbe, Ench. 58.; der Begriff mit 
ist doppelt ausgedrückt, durch sen und durch draugi; s. d., und 
waldün-s, weldnikai. 

sen-gidaut^ empfangen, Ench. 86., sen-gydi, er empfange, erlange, 84., 
s. gidaut. 

senkete, senkiUe, nom. viri, NPBl. a. F. IV. 369. VL 173., 3. F. VL 
300. 302., daher das Gut senkiUen Kr. Rössel. 

[senclit, zeichnen, bezeichnen] sencliuns, part. act. (mit eb-)^ Ench. 
76. 85; im Texte steht an beiden Stellen, aber dennoch sicherlich 
fehlerhaft, sentliuns; was dagegen Burda Beitr. VI. 245 sagt, ist 



— 159 — 

mir nicht überzeugend, (litt. zenJclinti, bezeichnen, eenklas, kslav. 

znaM, russ. poln. 0nah, Zeichen, lett. sihmeklis, Zirkel u. dergl., 

womit man ein Zeichen macht). 
senku, womit, JEnch. 80. 89., ist vielleicht getrennt zu schreiben, 

sen hu, vgl. ku. 
[sen-rinkt, sammeln] sen^tnka, er sammelt. Ench, 18. s. rink4. 
\sen-rist, verbinden] sen-rists, part, pass., verbunden. Ench, 52., 

s. ris-t 
sen-skrempüsnan, acc, Runzel, Ench. 69., s. skrempu-t 
sentismu s. sins, empriki-sins. 
sentlit s. senclit. 
sepmas, s. d. folg. 
septmas, m., septmai, f. nom., der, die siebente, Ench. 7. 26. (Kat. L 

sepnias) (der Form nach am nächsten stehen sanskr. saptamas, lat. 

Septimus, griech. ißdofwgj weiter ab liegt litt, septmtas u. s. w.). 
[sergi-t, hüten, schützen], daher ab-sergtsnan und sarg-s, s. dd. 

(litt, sergeti, lett. sargaht), 
sergtsnan s. db-sergisnan, 
seria, sergia, lacus et fluvim, in letzterem Sinne häufiger paseria, 

passaria genannt, die Passarge Bush. III. 140. CdP. IL 1. 

in. 162. TV. 141. MhW. L IL IIL 
sernauken villa, CdP. IL 95., bei Deutsch Eylau, etwa Dorf u. Vorw. 

sehren (Gross u. Klein). 
[ser-rtp-t, d. i. sen-rtp-t] ser-ripimai, wir erfahren, Ench. 80.; das 

Simplex hat die Bedeutung folgen, s. d. 

serwynte lacus s. sirmnthen. 

seese, Amsel, Voc. 729 (litt, szes^e, szeU). 

seweynis. Saustall, Schweinestall, Voc. 229. (lett. siwens, suwens, 
Ferkel, swem^e, junge Sau, Sau mit Ferkeln); AMS. VIII. 364. 697. 

seworsynen, das heutige Vorw. sauerschienen, Kr. Friedland. NPBl. 
a. F. IV. 369. 

si, sin, enklitisches Reflexivsuffix, aus sien, sich, verkürzt, z. B. et- 
läikursin, er enthalte sich, oft pleonastisch neben dem vollen sien, 
z. B. sien griki-si, sie versündigen sich ; auch, wenn ein Personalpron. 
der 1. oder 2. Person vorhergeht, z. B. mes mans en-immbnai-sin, 
wir nehmen uns an; auch kommt es verdoppelt vor, am Haupt- 
verbum und an dem von demselben abhängigen Infinitiv; s. 
kittaundin-tun. 

\sid, Verbalwurzel, sich setzen] sidons, sidans, part, act., sich gesetzt 
habend, d. i. sitzend, Ench. 15. 91. (Kat. I. sindats, Kat. IL syndens) 
(litt, sedm, sedeti, sitzen, s'Sdu, s'isti, sich setzen, kslav. sjedajq, 
sjedati und sedq, sjesti, sich setzen, lett. Sehdu, sehdeht und sehschu, 
sehdu, sehst, sitzen, russ. salw, sodif , setzen, siiw, sidjef, sitzen u. s. w.). 



— 160 — 

sidis, Hartriegel, cornus sanguinea, Voc. 613. (böhm. stmd, russ. 

stvidina, poln. stoidwa), s. AMS. VI. 323. Burda Beitn VI. 399. 
[siduka] siduko (sybetop), Siebtopf, Durchschlag, Voc, 353. (litt. 

setas, lett. seets, kslav. russ. poln. sito, böhm. sytko, Sieb). 
sien, sin, acc, sehbei^ dat., pron. reflex., sich, Ench. 20. 45. 65. 66, 

69. 73. 94 und öfter; en sien, an sich, 32. en sien sups, an sich 

selbst, 20. sien sups, sien subban, sich selbst, 69. 70 ; s. si, sin. — 

vgl. auch sien unter schis. 
sigdus campus, MhW. I. 
siggi't s. seggt-t. 
signä't, siggna-t, segnen, Ench. 45. 47.; signäuns, part, act., (mit 

eb'); signats, nom. sg., signätai, nom. pl., part. pass, (mit ab-, e6-); 

Signa, 3. aor. (mit e6-), signai, Ench. 73., er segnete; signäsi, opt., 

er segne (mit eb-); signdis, imp. sg., segne 49 (signats Drckf.) 

(Germ., gleichwie litt, hgnöti, poln. hgnac). 
signäsnan (mit 66-), signasnen (auch mit a6-), acc, Segen, Ench. IS. ^ 

wo signassen augenscheinlich Drckf. ist. 
[sixdd] sixdo, Sand, Voc. 26. (litt, zegzdras, Kies). 
sixdo4auken, heute sies-lack, Gut im Kr. Preuss. Eylau, NPBl. a. F. 

IV. 369. AMS. VI. 344. s. das vor. 
sixdre, Goldammer, Voc. 131. 

syxdrine lacus, zwischen den Kreisen Orteisburg und Sensburg. TcG. 1 88. 
sixdro lacus, nahe bei dem vor. TcG. 188. 
[syla"] sylo, Heide, Fichtenwald, Voc. 589. (litt, szilas, lett. süs, 

silla); hieher vielleicht die Namen siel-heim, siel-hemi, siel-lacken 

(sielackanj und ylgasil, s. d. 
syleche, Häring, Voc. 575. (litt, silke, lett. silkis, esthn. silk; slav. 

mit d für A, russ. seVd, illyr. seid, poln. s?ß(?;8?, dagegen russ. 

salakicm, eine kleinere Art Häringe). 
silia territorium Sudaviae. Dusb. III. 212. 
silkas, Seide, in silkas-drimbis (litt, szilkal, kslav. szelkü, russ. s;^eZÄ, 

Seide, litt. 5t7Ä;ai, Baumwolle). 
silkas-drimbis, Seidenschleier, Foc. 484; es steht daselbst fehlerhaft 

silkas-druV , d. i. silkas-drumber, unmittelbar davor aber steht das 

einfache drimbis, Schleier; s. AMS. FZ 318; der erste Theil, silkas, 

ist wohl als gen. sg. zu fassen. Pauli Beitr. VII. 215. 
syllones, preuss. Landschaft, Urk. von 1231. TcG. 7. 
simser s. synserna. 
sin s. s% sien. 
sinnat^ kennen (nur mit er- und ^o-), sinnats, part. pass, (mit jpo-), 

sinna, ich kenne, er kennt (mit po-)^ sinnimai (man würde sinnamai 

erwarten) wir kennen (mit er-, pO'\ sinnat% ihr kennet (mit er-). 

(litt zinaü^ zinöti, lett. sinnaht^ kslav. znajq^ snati^ russ. znäju, 

0nat\ poln. mam, znac^ sanskr. ^wa, u. s. w.). 



— 161 — 

sindats, syndens s. sid. 

sindaw, szindaw^ sindow (a. L. cindow)^ das Dorf sindau, Ki\ Fisch- 
hausen, zu St. Lorenz. AMS, VIL 298. 

[sineca] sineco, Meise, Voc. 738. (kslav. sinica, russ. smica, siniczka, 
krain. sinica, Meise, blaue Meise, von kslav. sint, russ. sinit, poln. 
siny, blau, poln. siniak, siniec, Hohltaube, columba venas). 

[singsla] singslo, Teig, Voc. 337. 

singur-brast, Name einer Furt an der preuss. polnischen Grenze, 
„Stieglitzenfurt", poln. egersk; CdP. IIL 61. 62; vgl. AMS, IV. 
154. VIL 311; s. singuris, hrast. 

singuris, Stieglitz, Voc. 734 (lett. ziglis?) 

sins, sents, part, praes. von as; s. emprtki-sins. 

synserna, synserne, synsernus, sinser, zinser, simser lacus et fluvius. 
MhW. L IL 

sinthen, sinthyn, civitas, erstere Form auf einem Siegel von 1440 bei 
Vossberg S. 48, letztere AMS. X. 80, die Stadt Zinten. 

sirahlan s. sirapUs. 

Siran, syran, acc, siras, gen., siru, dat., sirans, acc. pl., Herz, JEnch. 
33. 44. 61. 82., im Voc. seyr, s. d. und Pauli Beitr. VIL 206 (das 
preuss. hat das radicale d am Ende eingebüsst, vgl. litt, szirdls, lett. 
sirds, kslav. sr^dtce, russ. serdce, poln. serce, böhm. srdce, sanskr. 
hrid); vgl. sirisku. 

siraplis, nom., Foc.^524., sirdblan, acc, Ench. 16., Silber (kslav. 
srebro, russ. serebrb, poln. srebro, böhm. strjbro; mehr verschoben 
ist litt, siddbras, lett. sudrabs, goth. silubr, ahd. silapar, silupar). 

sirbe-lauk campus, MhW. IL 

sirge, sirguna, sirgune, sirgun, der Fluss Sorge, der von Süden in 
den Drausen fällt. Dusb. LLL 11. 143. 145. CdP. IL 25. 

sir^is (hengest) wahrscheinlich Wallach, Voc. 430, wohl mit dem 
Nebenbegriff des stattlichen Reitpferdes (litt, zlrgas, Reitpferd, lett. 
sirgs, Pferd), s. AMS. IV. 681. flgg., VIL 587. VIIL 697, 

Syrien s. schiigen. 

sirisku, adv., herzlich, von Herzen, Ench. 24.; s. siraw. 

sirmen (sirmenes). Die Landesordnung des Hochm. Conrad von 
Erlichshausen, JKR. L. Anh. 293., fährt, nachdem sie sich aus- 
führlich gegen den bei Hochzeiten und Kindelbieren (Tauffesten) 
der Bürger und Bauern üblichen Luxus ausgesprochen, also fort: 
Ltem czu den sirmen, dy die prewsen pflegen czu holden (Jac; 
trinken) sal ufs hogeste nicht mehr denne eyne tonne bier getrunken 
' werden etc. Was könnte nach den Hochzeits- und Kindtaufsgelagen 
noch für eine andere Schmauserei in Betracht gezogen werden, als 
die allgemein üblichen Leichen- oder Begräbnissmähler; diese 
Leichenmähler heissen litt, szermens, szermenys, szermenes und es 
wird demnach die Bedeutung der preuss. sirmen als Begrab niss- 

Nesselmann, Thesaurus. H 



— 162 — 

mäh 1er wohl unwiderleglich bestätigt, auch der noch heute bei den 
deutschen Bewohnern der Provinz allgemein übliche Provincialismus 
zarniy zerm, für Begräbnissschmaus findet darin seine genügende 
Erklärung; s. AMS. VIIL 72. 

sirmes, Lauge, Badewasser, Voc. 554. (litt, szdr^nas, \eit sahrms). 

syrriGj Korn, Samenkorn, Voc. 278. (kslav. zruno, zrtno, russ. 
0emb, poln. siarno, böhm. zrno). 

sirnis s. sirwis. 

sirsdau, praep. c. dat., unter, inter; sirsdau noumans^ unter uns, 
Ench. 20; ausser, neben, 43. s. Bopp S. 27. 55. 

sirsilis, Horniss, vespa crabro, Voc. 790. {\^it. sirsis,\i^\2iS. szriszeni, 
szruszent, srüszent, russ. szerszen\ poln. siersze'h, böhm. srssen, 
dass. ; litt, szirszlys, szirszys, Wespe). 

syrwe, sirwis, aqua, Nebenfluss der Weeske. CdF. IL 41. MhW. I. 

sirmnthen, syrwentin, sirwind, serioynte, fluvius, lacus, CdF. IV. 186. 
MhW. II. AMS. III. 645., s. das vor. und pa-ssertvinte. 

sirwis^ Reh, Voc. 653; alle verwandten Sprachen empfehlen die Cor- 
rectur in sirnis, obgleich in der Handschrift sirtois ganz deutlich 
dasteht (kslav. sruna, srtna, russ. sernä, poln. sarna, sarn, böhm. 
srna, srn, serb. sorna, litt, lett süma). 

sis s. schis. 

sywan, grau, Voc, 461. (litt, szywas, schimmelfarbig von Pferden, 
kslav. siwu, russ. siwy'i, poln. siwy, grau). 

schahbcl, schabhel-höhne , Prov. Gartenbohne, die sich an hohen 
Stangen emporrankt; der Name ist von der Gestalt der Hülse dieser 
Bohne hergenommen, und entspricht dem deutschen Schwertbohne, 
Säbelbohne (poln. szdbla, russ. säblja, kslav. sahlja, lett, schahlis, 
litt, szöble, Säbel). Hennig 222. 

scdbre, Zärthe, ist wohl richtiger seabre s. d. zu lesen. 

scabs, Schöps, Voc. 680; es steht daselbst ganz deutlich, aber den- 
noch fehlerhaft, stabs ; noch richtiger wäre scaps zu schreiben (kslav. 
shoptcX, russ. skopec, Eunuch, poln. sJcqp, böhm. skqpec, litt, szkäpas, 
Schöps, aus den slav. Sprachen auch ins deutsche übergetreten, mhd. 
scopez^ etc., von kslav. skopiti, russ. skoptf, skopljäf, castriren) s. 
AMS. VI 317. und vgl. Burda Beitr. VI. 400. 

schai, adv., hier, Ench, 82.; s. Bopp S. 26. — S. auch scJmi als 
nom* pl. von schis. 

schakune, schakaune, nom. viri, NPBl. a. F. IV. 369. VI. 174., daher 
Vorwerk schakunen. Kr. Heiligenbeil und ein gleichn. Dorf im Kr. 
Heidekrug, und mit der litt. Diminutivendung schakunehlen , Kr. 
Darkehmen; dagegen gehört der Name schakcn (ebend. IV. 369) 
entschieden nicht hierher, denn abgesehen von der fehlenden Endung 
-unen, -aunen lautet dieser Name in den Urkunden des 13. und 
14. Jahrh. schoken, schokin s. d. 



— 163 — 

scalenix (vorlouf), Vorläufer, Jagdhund, der die Spur des Wildes 

aufsucht und die andern Hunde führt, Voc. 702. (litt, skällkas, 

Jagdhund, der beim Jagen bellt, von skdlyti^ anschlagen, v. Hunde). 
shallisnan^ acc, Pflicht, Ench. 74. 75. s. skellänts, 
scalowia, scalovia, die Landschaft Schalauen Dusb, IIL 3. 180, in 

einer Urk. von 1231 scalwo (sollte nicht scalow zu lesen sein?) 

TcG. 8. nach Voigt Gesch. Pr. 11. 204. Anm. 
[scaltmena] scaltmcno^ Wie dewal, ist wohl besser sealtmena s. d. zu lesen. 
scalus, Kinn, Voc. 99. (vgl. kslav. czeljusti, russ. czdjust\ poln. czelmc, 

Kinnbacken); vgl. Pierson VH. 588. 
schan, schans s. schis. — sclmn für stan^ Kat L, s. sta. 
schan bhe stwen^ hie und da, Ench, 35. s. Bopp S. 26. 
[skandin4^ ersäufen] nur mit au-; skandinnons, psiri.SLCt.^ skandints, 

part, pass.; vgl. skiend. 
skandinsnan s. ati-skandinsnan. 
scaps s. scabs, 

schardanitcn, schardeniten campus, MhW. L; vgl. scherde. 
schämig, Frov., fett, gemästet. Hennig 226. (litt, szeriü, szerti, 

füttern, nh-szeriu, mästen; vgl. Pierson AMS. VIL 597). 
scharnot, Ort in Pomesanien. CdP, IL 11. flgg. 
scarpovia^ Dorf scharpau im grossen Werder. TcG, 226. 
schatiche, schotiche, schoteke, via, fluvius, MhW, 1, 
skatiden, schänden lacm, bei Alienstein. MhW, II, 
schaudy-t, schaudv-twei, trauen, (nur mit au-) ; schaude, er traut (mit au), 
schaudtsnan s. au-schaudisnan, 
schaudiunngs s. aurschaudtwings, 
schaut s. aU'Schautins, au-schautentkamans, 
schawoth, das heutige Dorf skaiboUcn, Kr. Allenstein. TcG, 153. 
skawra Gr,, skewre, Voc, 685, Sau, wahrscheinlich von der Unreihig- 

keit benannt; (kslav. skwara, skwarü, skwrüna, tmss, skwerna, poln. 

skivara, böhm. serb. skwar, Schmutz, Unreinigkeit, kslav. skwrüniti^ 

russ. skwermf, verunreinigen). 
scawr-lauck, TcG, 2 1 7. Dorf im Kr. Darkehnen, heute skirlacken, „Saufeld." 
schaustem s, sausten, 
scebelis, Haar, Voc. 69; vgl. Burda Beitr. VI. 402. Neumann liest 

stebelis und vergleicht u. a. russ. stebeF, Stengel, Federkiel, böhm. 

steblo, Halm. 
skelanxtis, Splitter, ist wahrscheinlich zu lesen für spelanxtis, Voc, 

642. (litt, skeliü, skelti, spalten, skalä^ Splitter, skalal, feine lange 

Kiensplitter, die als Leuchten dienen, lett. schkellu, schkelt, spalten, 

skalla, skals, Kienleuchte.) 
skcllänts, schkellants, nom. sg., skelläntei, skelläntai, nom. pl., schul- 
dig, Ench. 10. 14. 33. 35. 52. 55.; idAseh eo\\s\xmvi: jous skcllänts 

astai, ihr seid schuldig, verpflichtet 55. s. sJcallisnan. 

11* 



— 164 — 

sehen s. sehis. 

seherde, sherde, zwei Orte in Samland. ANS. VIL 297, 308. 317.; 
vgl. sehardaniten. 

skerptus, Rüster, ulmus campestris, Voc. 626. (litt, skirpsttis, Roth- 
buche). 

sJcetvre^ Sau, Voe. 685. s. shawra. 

[skv-ty aufstehen, nur mit eW\ skiuns, shians, part, act., sMsai, 2. sg. 
praes., sktmai, 1. pl. praes. 

sehian s. sehis und Bopp S. 26. 

sehlber (seh = z) Prov.^ Leuchtspan (litt, zibur^s). 

sehien, adv. hier, Eneh. 21. 88., s. Bopp S. 26. — s. auch sehis. 

[skiend, Wurzel, ersaufen] skiendlai, opt., er ersaufe (mit aw-) (litt. 
skqstü, skendait, skqsti, versinken, ertrinken, skandinti, skandyti, er- 
säufen) s. skandint. 

sehilgen, sehilien eampus^ auch Syrien geschrieben, MhW. L; nach 
TeG. 18. identisch mit dem folg. 

sehilieine, das heutige Dorf sehilgehnen bei Braunsberg. NPBl. a. F. 
XI, 294. vgl. slinia. 

sehimke (seh = z)y Prov.^ polnischer Witinnen- oder Flossknecht; 
vgl. witinne\ (wahrscheinlich haben diese Leute hier im fremden 
Lande sich gegenseitig ziemki^ Landsleute, angeredet, woraus die 
hiesigen der poln. Sprache unkundigen Einwohner das Wort zimM 
gemacht und dieses irrthümlich als Standesbezeichnung gebraucht 
haben; poln. ziemek, ziomek, russ. zemljäk, litt, zeminlnkas, Lands- 
mann). 

schinewite, sehinewiten campus, locus CdP, IL 36. flgg. 49. TeG. 
124. 125. 

sdnkis, Schenkbier, Halbbier, Voe. 388. (litt, skinkis). 

schirke, Prov., die Hausgrylle, das Heimchen. Hennig 243. (litt. 
zirke, lett. zirzens, poln. swierez, swierezyk, swierszcz, swirk, smerk, 
böhm. cwrcek, russ. swerezbk; den Ton des Thieres bezeichnen die 
Verba litt, ezlrszkia, czirkszti, lett. tsehirksteht); provinciel wird 
schirke auch als Bezeichnung eines kleinen schwächlichen Menschen , 
gebraucht. Pierson VHL 367. 

sehis, nom. sg., Eneh. 41. 81. 82. (Kat IL sis); schin, schien, sehen, 
sehian, sehan, sien, acc. sg. , 20. 21. 22. 45. 46. 66. 85 und oft; 
schieise, schieison, sehisses, schissai, gen. sg., 14. 78. 89., schismu, 
sehisman (?), dat. sg., 80. 89. 95. — scha% nom. pl., 42.; schins, 
sehiens, schans, acc. pl., 11. 12. 44. 49., pron. demonst., dieser 
(litt, szis, lett. sehis). 

skisenna s. at-skisenna. 

schisehke^ Prov., Tann- oder Fichtenzapfen, (poln. szyszka, russ. 
szlszka, böhm. ssysska, litt, ezyszka, ezeczkä). 

skisnan s. et-skisnan. 



— 165 — 

skystan, ace, skystai, adv., rein, keusch, Ench. 6. 20. 91. (lett. 
schkihsts, litt, cispstas, kystas, kslav. c^istU, russ. csisty'i, rein, litt. 
skystdSy dünn, klar, vom Bier.) 

[skystifir-t, reinigen] skystinnons, part, act., ast, er hat gereinigt, 
Ench. 69., skyst-ints, part. pass, (rait wi-) s. d. 

skistiskan, acc, Reinigkeit, Ench. 31.; im Texte steht skistieskan 
wohl als Drckf. 

«ii^ßw lacus major et minor. CdP, IV. 186. MhW. IIL 29. 67. 

scMwe, Prov., Teller (litt, szywe, um Memel sky we, Teller, kslav. 
S0iwa, concha, wohl das Urbild des Tellers); wo man Scheibe für 
schtwe in der Bedeutung Teller braucht, ist es eine aus Missver- 
ständniss vorgenommene Verhochdeutschung, indem man scMwe für 
plattdeutsch hielt. 

schlait 1) conj., sondern. Ench. 2. 3. 4. 16. und oft. (Kat. I. sclait, 
Kat. IL slait). — 2) praep., ohne 14. 22. 23. 67. 88., einmal slait, 
80.; vgl. sklaitin4. 

schkläitewingiskan, acc, sonderlich, Ench. 80; vgl. sklaüin-t. 

sklaitin-t, scheiden, Ench. 75; sklaitints, part. pass, (rait is-), ge- 
schieden. (Es scheint den Wörtern mit der Stammsylbe sklait, 
schlait ein arger Germanismus von Seiten des Uebersetzers zu Grunde 
zu liegen, zu welchem er durch die Klangähnlichkeit der deutschen 
Wörter sonder, sondern, sonst verleitet worden ist; man vergleiche 
schlait, schlaits, conj. sondern, praep., ohne, sonder, schklaits^ 
adv., sonst, sonderlich, schlaitiskai^ adv. insonderheit, be- 
sonders, sklaitint, verb, scheiden, sondern). Uebrigens ist die 
Wurzel von sklaitint wohl in dem litt, skeliü, skelti, spalten, zu suchen. 

sklaitinsnan, acc, Abschnitt, Capitel, Ench. 68. 

schläitiskan^ acc, mit und ohne en, schlaitiskai, slAw.^ insonderheit, 
besonders, Ench. 35. 36. 37; vgl. sklaitin-t. 

schlaits, conj., sondern, Ench. 5. 7. 8. 9. und oft; praep., ohne 
20. ausser, nisi, 54. vgl. schlait, sklaitin-t. 

schklaits, adv., sonst, Ench. 80; sonderlich. 52. s. sklaitin-t. 

schkläits, nora., schlecht Ench. 28 (durch Metathesis litt, sdektas^ 
lett. slikts^ schlecht). 

Schlampern, Prov., im Kothe nachlässig gehen, so dass man sich die 
Kleider besudelt (lett. schlampoht^ auch schlimpu schlampu eet, dass., 
schlampa^ Einer, der so im Kothe geht; litt, szlaplis, feucht, nass, 
szlampu, szläpti, nass werden, klampöti, im Sumpfe waten, klimpstli, 
kVimpti, in weichem Boden einsinken). 

sclode, sclodo, nom. viri, Busl. III. 84. 101. NPBl. a. F. IV. 369. 
VI 173., daher das Gut schlodien. 

schlorre, Prov.^ niedergetretener Schuh, Pantoffel (litt. szlüre)\ da- 
von schlorren (Hen n ig 234. 236. schlarren), mit niedergetretenen 
Schuhen, sodass der Schuh nicht an der Ferse haftet, denBoden schleifen. 



— 166 — 

sclunie, sclunien, sclunyen villa, territorium in Natangen, das heutige 
Gut Kalgen bei Königsberg. Dusb. III. 25. 98. 262. (in der altern 
Ausg. steht sclume, sclunien); NPBl. a. F. IV, 34 liest sl(mien\ 
vgl. calige. Nach Bush. 98. war sclunie der zu seiner Zeit, calige der 
früherhin übliche Name (quondam calige dicta); der letztere hat 
heute den ersteren wieder verdrängt. 

schlüsi-twei, dienen, Ench. 14., schlüsiuns, part. act. (mit per-)', 
schlüsi, ich diene, 35., schlüsimai, wir dienen, 4. (auch mit per), 
schlüsiti, ihr dienet, 61; schlüsilai, opt., ich diene, 16; er diene, 86; 
— es scheint im preuss. wie in den verwandten Sprachen auch die 
Nebenform sluschit, slusit in Gebrauch gewesen zu sein, wie aus 
slusym, sluszen erhellt; (litt, slü^yti und S2?wly^i, kslav. sZwIiW, russ. 
sluz\t\ poln. sluzic, dienen, sämmtlich von der altern Form litt. 
slüga^ kslav. sluga, russ. slugä^ Diener) s. slusym und die folgg. 

schlüsien, acc., Dienst. Ench. 61. 

schlüsingisku, adv., dienstlich, dienstwillig, Ench. 9. 

schlüsinikai s. schlüsnikan. 

schlusisnas, gen., Dienst, Ench. 51 ; s. üMch per-schlüsisnan. 

schlüsnikai, nom. sg., schlusnikin, acc, Dienerin. Ench. 54. 84. 

schlüsnikan.^ acc. sg., schlüsinikai^ nom. pl, Diener. I^nch. 55. 84. 

schnewe, Prov., Kunde, Witterung; schnewe von etwas kriegen, 
etwas verlauten hören, von einer Sache Wind oder Witterung be- 
kommen (wohl zu preuss. sinnat^ litt, zinöti, lett. sinnaht, slav. znati, 
mat\ wissen, kennen, poln. snawca, Kenner). 

schnitke, Prov. in Natangen, Eunkelrübensuppe (etwa zu russ. 
snit, poln. snitka, aegopodium?) 

schöbe lacus. CdP. IV. 186. MhW III 29* 67. 

scoberwis^ Hagebuche, Voc. 594. (in der Handschrift steht stobertvis^ 
aber vgl. das folg., und litt, skroblüs^ skrobla mit Verschiebung des 
r und 6) Pierson VHI. 364. 

scobrow, Dorf schaberau. Kr. Wehlau. TcG. 212. 

schoken, schokin, scoken, schokim, Kirchdorf und ehemaliges Kammeramt 
Schaken im Kr. Königsberg. Dusb, III 6.101 . AMS. VII 304.307. X.82. 

schokis. Gras, Voc. 283. (litt. S0Üka, Heuhaufen, oder szekas, lett. 
sehks, Sehka, Grünfutter?). 

scoldo, nom. viri, Dusb, III, 318; isiher skolden, TcG, 211, Gut und 
Dorf schallen Kr. Wehlau. 

skollit s. skulit. 

scholithen, das Kirchdorf schölitt oder schlitt Kr. Heilsberg. TcG. 153. 

scolwa ist vielleicht zu lesen für stolwa, s. d. 

\sc(yrda'\ scordo (swarte)^ Kopfhaut, Voc. 71. (in der Handschrift steht 
stordo^ aber vgl. litt, skura, kslav. poln. skora. Haut, Fell, russ. 
skomjäk, poln. skornik, Gerber); vgl. Pierson VUI. 364. 

scorpen, Gut in Pomesanien. CdP. II. 23. 



— 167 — 

[schostra] schostro, Schwester, Gr. (zunächst an kslav. sestra, russ. 
sesträ, böhm. sestra^ poln. siostra anklingend) ; s. swestra. 

schotte, Prov.j Hausir er, Krämer, der mit seinen Waaren die Jahr- 
märkte in den kleinen Städten besucht. Hennig 244; der Ausdruck 
ist' in derselben Bedeutung auch in einigen ehemals von Slaven 
bewohnten Gegenden Deutschlands, z. B. in der Neumark verbreitet. 
An die Bewohner des Dorfes Schottland bei Danzig, die Hen nig 
zur Erklärung des Ausdrucks schotten heranzieht, ist natürlich nicht 
zu denken, vielmehr wäre das umgekehrte Verhältniss denkbar, dass 
nämlich das Dorf nach zahlreich dort ansässigen Krämern, schotten, 
benannt worden sei; auch im Kreise Königsberg, bei Neuhausen, 
giebt es ein Etablissement Schottland, und an der Weichsel im Kr. 
Marienburg, desgl. im Kr. Kulm einen schottenkrug ; dem preuss. 
deutschen Namen schott-land entspricht dem Sinne nach ziemlich 
genau der litt. Ortname smt-laukei d. i. schaten- oder schotten-feld; 
es heisst nämlich auch litt, smtas ein Hausirer, wandernder Krämer ; 
vgl. damit russ. smtäjus, szatäVsja, umherlaufen, sich umhertreiben, 
szatün, ein Umtreiber, Vagabund, neuslov. szetati sc, ambulare, 
szetowati, festinare; vielleicht ist auch in Betracht zu ziehen der 
Name schatiche^ schotiche, schotihe s. d., der theils als via, theils 
als fluvius bezeichnet wird, so wie der Name des Flusses schhot bei 
Soldau, Hennenb. H. 20. Allerdings sind zur Ordenszeit Männer 
aller handeltreibenden Nationen, darunter auch Schottländer, nach 
Preussen gekommen, s. Hirsch Handelsgesch. 230., es ist aber doch 
wenig ersichtlich, was die Preussen veranlasst haben könnte, unter 
all diesen gerade den Namen der Schotten sich herauszulangen, um 
damit die hausirenden Krämer zu bezeichnen. 

schotiche, schotike s. schotiche, 

schpand s. spand. 

schpart s. spart 

scrando, schrande, nom. viri, Bush. HL 23. NPBl, a. F. VI. 173., 
daher Scrandonis mons, ubi propugnaculum, Dush. l. l., deutsch 
schrandynberg genannt, das heutige Gut schrangenberg bei Balga, 
Kr. Heiligenbeil; desgl. Gut und Dorf schrand-keim, heute schrank- 
heim im Kr. Rastenburg. (Die Hartknochsche Ausg. des Dusburg 
hat Strandonis,) 

skrcmpurt, s. sen-skrempusnan, Runzel (litt, skrebe, Krempe am Hut.) 
Pierson VH. 590. 

skresitzt s. das folg. 

[scrtsi-t, kreuzigen] skrtsits, scrysits, part, pass, gekreuzigt, Ench. 
15. 91. (Kat L scrisits, Kot. IL skresitzt), 

scrtsin, skrysin, scrysien^ acc, Kreuz, Ench. 45. 47. 71. 

scritayle (volge) Radfelge, Voc. 296 (litt, skrttas, skrytis, Felge, 
skrite, skritulys, Kreis, lett. skrittulis, Rad). 



— 168 — 

scrodowegis, scrodowisge, nom. loci AMS. FJJ. 305. 315. {si,L.stredewegis 

wohl fehlerhaft) ; der zweite Theil wisge ist vielleicht gleich weysigis 

s. d.; vgl. Pierson VII. 601. 
scroyte, nom. viri, NPJBl. 3. F. F. 300, daher wohl das Gut schreit- 

lacken Kr. Fischhausen, und Dorf schreit-lauken Kr. Tilsit. 
scrope, schrope campus MhW. L 
scrundoSy scrundus, Schere, Voc. 469. 558, vielleicht eines Stammes 

mit dem folg. 
scrutele (Schröter), Schneider, Zuschneider, Voc. 473. (\ett skroh- 

dalis, skrohderis, Schneider, litt, skrodyti, schnitzen, wohl Germanismen, 

ahd. scrotan, mhd. schroten, schneiden). 
schouhi, scowhy, scouby, nom. loci, AMS, VIL 306. 
sküdan, schküdan, acc, Schaden, Ench, 5. 34. 35. 36. 46. (poln. 

sskoda, davon litt, iszkadä, lett. skahde, sämmtlich German.). 
schude, nom. viri, NPBl. 3. F, F. 301; daher vielleicht die Dörfer 

schttdden, schitdienen, schitdeiken, Kr. Tilsit, schttdischken Kr. Dar- 

kehmen, skudainen Kr. Neidenburg, und das folg. 
scndithen^ skuditin, nom. loci, CdP. IL 82. MhW. L, heute schuditten 

Kr. Fischhausen; s. d. vor. 
skuli't, skult'ton, ermahnen (mit po-, pa-), skule, skölle, Lsg. praes. 

(mit pa-)^ skuleis, imp. sg. (mit jjö-), skulewie s. unter po-skuUt 

(litt, skölyti, pa-skölyti, um eine Schuld mahnen). 
sculpain campus, MhW, IL 
[schumsna] schwmeno, Draht, Pechdraht des Schuhmachers, Voc, 

507. (litt, siuwu, siüti, lett. schuju, schuht, kslav. sziwq, sziti, russ. 

sz'ju, sziV, poln. szyjg, szyc, nähen). 
schumpiten campus, MhW. 

skuna, Swein, Gr. (wohl Schreibfehler für Scheune, litt, sküne, 
lett. schkunis, kassub. skunia; auch hat ja Gr. den anderweitigen 
Ausdruck skawra für Sau). 

scAi«pHwe,Pröi;._, Haar schöpf, bes. am Vorderkopf, Stirnschopf; (litt. 
czupryna, czupri^nas, poln. cmpryna, russ. cmprün, dass., poln. czuh, 
.Schopf, Federbusch, lett. tschuppis, zuppis, Zopf). 

scurhenite campus. MhW. IL 

scurdis, Bicke oder Haue im Mühlwerk, das Getriebe, welches den 
oberen Mühlstein, den Läufer, in Bewegung setzt, Voc. 324. (in der 
Handschrift steht zwar sturdis, aber vgl. böhm. o-skrd, poln. oskard, 
Mühleisen, Bicke, Spitzhammer, kslav. o-skrUdU, instrumentum lapicidae) 
Burda Beitr. VI. 401. 

schürek, Prov., der Fliegenschnäpper, muscicapa grisola (etwa scherz- 
hafte Benennung von poln. smrek. Schelmchen?). 

[sci*^] scuto, Gr., schuttmn, Voc. 496, Zwirn; vgl. das zu schumena 
Beigebrachte; Suffix -tuun gleich litt, -tuwas, das, womit man näht. 



— 169 — 

schuwikis (schuwert)^ Schuhmacher, Foe. 496 (\itt. siuwtkas, Nähter, 
Schneider); vgl. schumena, scuta. 

schwaigstint s. swaigstint, 

schwente, schwentehn s. swint-s. 

slayx, Regenwurm, Voc. 785. (litt, sl'ekas, lett. sleeka). 

slait s. schlait 

[slaja] slayo, Schlitten, Voc. 307. (litt, szldjos, plur. zu dem un- 
gebräuchlichen sg. szlaja)^ s. das folg. 

[slajan] slayan, Schlittenkufe, Foe. 309; ich halte slaja xmA slajan 
für nom. u. ace. desselben Wortes; vgl. indess Pauli Beitr. VII. 165. 

[slangal slango, Gebiss am Zaum, Voc. 452. 

slanke, grosse Schnepfe, scolopax totanus, Voc. 754. (litt, slanka, 
lett. slohka, böhm. sluka, slunka, zluka, poln. slomka, Schnepfe). 

slaune (arme)^ Deichselarm an der Vorderachse des Wagens, Voc. 
300. s. das folg. 

slaunis (dy), Schenkel, Oberschenkel, Voc. 139 (litt, sdaunis 
vereinigt die Bedeutungen der beiden preuss. Wörter slaiine und 
slaunis in sich, Schenkel und Deichselarm; der preuss. und litt. 
Ausdruck Schenkel für Deichselarm fasst die Deichsel unter dem 
Bilde eines mit ausgespreizten Beinen, der deutsche Ausdruck Arme 
unter dem Bilde eines mit den über den Kopf ausgestreckten Armen 
der Vorderachse zugekehrten Mannes auf; sonst vgl. noch lett. 
slauna^ sanskr. ^roni, Hüfte). 

slenke-lawken, -lawkin, Dorfname. CdP. III. 261. MhW. IL 526. 

slidenikis, Lei th und, Voc. 701., der Hund, der am Seile geführt die 
Fährte des Wildes aufsucht; (vgl. kslav. sljedu, russ. sljed, poln. slad, 
Spur, böhm. sied, lett. sleede, Geleise, kslav. sljediti^ poln. sledzic, 
spüren, der Spur nachgehen, russ. sljedowaf, folgen; böhm. slidnik, 
illyr. sljednik, Spürhund). Burda Beitr. VI. 400. 

slinia, slinie, Ort im Ermlande, NPJBl. a. F. X. 223. TcG. 17., identisch 
mit schüien, schilieine, heute schilgehnen? 

slywaytos, pl., Pflaumen, Voc. 619. (litt, slywa, kslav. russ. poln. 
böhm. sliwa, magy. szilva). 

sloiote, sluiuthe, nom. viri, NPJBl. a. F. IV. 369. VI 173., 3. F. V. 
300, daher Gut schloiitten, Kr. Preuss. Holland. 

[sloja] sloyo, Unschlitt, Talg, Voc. 379, mit vorgeschlagenem s, 
wie spoayno, spinken, (litt. Idjus, kslav. loü, poln. loy). 

sluiuthe s. sloiote. 

slusym, slusini, slusem, sluszen^ Dienstgeld, in den alten Zinsregistern 
eine Abgabe, die wahrscheinlich für Kriegszwecke bestimmt war, 
Toppen AMS. IV. 150. 151. s. scldüsit. 

smaide-garis, smayde-garis, smayde-^arie, smaidi-garis mons, locus 
AMS, VII. 306. 309. 



— 170 — 

smerlingis, Schmerle, cobitis barbatula, Voc, 568. (litt s^nierle, beides 

German.). 
smiden villa, CdP. IL 51. GDK L 62., etwa Dorf schmidehnen Kr. 

Königsberg. 
[smicuta] smicuto, Schwalbe, Voc, 740. 
smytenen granicz MhW, I; NPBl. VIIL 344. 354., identisch rait 

sunteynen s. d. 
smmjf Mann, Voc. 187. (litt, zmo-gus, veralteter nom. zmu von dem 

Stamme imon, wozu pi. zmones) s. das folg. u. Pauli Beitr. VII. 165. 
smonenawins, Mensch, Voc. 67., der Form nach acc.pl., aber woher 

das -aw vor der Endung? fragt Pott; vgl. smuni, smunents, smoy. 
smordfe, Faulbaum, sambucus ebulus oder rhamnus frangula, Voc. 612. 

(litt, smlrdas, lett. smirdums, Gestank, davon litt. smirdeU, Attich, 

sambucus ebulus). 
smorde, lacm, fluvius bei Osterode. MhW. I. 
smünenisku, dat., menschlich, Ench. 57. s. smunents. 
smunents, smunets, nom. sg., smuncntin, smunentien, smunentinan (?) 

acc. sg., smunentinSy smunentinans (?) acc. pl., Mensch, Emh. 16, 

23. 31. 56. 61. 65. 68. 73. 75; die Formen smunentinan 68. und 

smunentinans 65. sind verdächtig; (litt. pl. gmönes) vgl. smoy, 

smonenamns. 
smüni, Person, Ench. 62: niaina endirisna steison smüni, kein An- 
sehen der Person, wo smüni wohl Drckf. für smünin, Accusativform 

hinter dem Gen. des Pronomens steison, ist; Bopp S. 37. will auch 

smüni in smünin corrigiren, dieses aber als gen. pl. auffassen; s. das 

vor. und sm^menawins. 
smünin, acc, Ehre. Ench. 4. s. das folg. 
smunin-t, ehren, Ench. 4. (Kat. I. somonen-twey, Kat. II. smunin-twey)\ 

smuninais, imp. sg., ehre. 60. 
[snaygas] snaygis, Schnee, Voc. 55 (litt, snegas, lett. sneegs, kslav. 

snjegu, russ. snjeg, poln. snieg, böhm. snih\ s. das folg. 
[sneka] sneko, Schnee, 6rr., s. d. vor. 
snoxtis, Rotz, Voc. 88. (litt, snöksdi, sznökszti, lett. schnuhkt, schnaukt, 

schnauben). Pott Beitr. VI. 116. Pauli ebend. 424. 
snotin, schnoten, Ortname in Samland, Urk. von 1330, in Verbindung 

mit wycow genannt, ÄMS. VIL 295. (Toppen NPJBl. X. 167. 

liest gnotin und deutet dieses auf das Gut quanditten). 
soakis, Grasemücke, Voc. 750. 
soalis, Kraut, Kraut icht, Voc. 293., nom. zu dem acc. salin, s. d.; 

vgl. indess Pauli Beitr. VI. 426. VII. 191. 
soanxti, Funke, Voc. 35. 
sodere s. sudere. 

sod-lawken, Dorfname. CdP. IIL 161. MhW. IL 525. 
sogatytin, Dorfname. CdP. IIL 162. MhW. IL 527. 



— 171 — 

soysim, Urk. 1268. TcG, 8. 11. die Landschaft sassen. 

soldov,soldowe,StSidt SoldsiU. MhWIL 519. Vossberg, Münzen S. 47. 

soles s. pa-ssoles, 

solidow, territorium Natangiae bei Kreuzburg, DusK IIL 130, solido, 
szolldaw, AMS. IX, 493. 494. Dorf sollau TcG, 19. 

solyo, cimeterium prutenicum, MhW, L 

solkin fluvius. MhW. L 

solov, solowe, mlavia insula, MhW, I, 

solfhe, Wecke, ein Gebäck, Voc. 344. (litt, saidus, süss, saldene, 
saldyne, süsses Gebäck?) Pierson VII. 588. 

somonen-twey s. smunint, 

sonipismis oder sompisnus, grobes Brot, Voc. 340; die Handschrift 
hat wahrscheinlich -smis, das i-Zeichen ist aber sehr undeutlich. 

somukis, Seh loss zum Verschliessen, Voc, 537. (kslav. mmuku, russ. 
zambky poln. böhm. mmek), 

sonditten, das Gut sanditten, Kr. Wehlau. TcG. 212. 

songos, Hund, Gr,, s. sunis, 

Sonicken villa, GDK, I, 62., das Gut sonnigkeim (zonkeim)Kx, Königsberg. 

sons s. pa-ssons u. soun-s, 

sont-laux s. sanUlauks. 

sorhoum, NPJBl. a, F, XL 289., Gut im Kr. Rössel, heute sauerbaum 
oder Sorben, auch als Name des ehemaligen Besitzers gebraucht. 

sorgalion, eine in dem alten Zinsregister von Rastenburg (Grosses Zins- 
buch p. 215. 218) vorkommende Abgabe, s. Toppen ÄMS. IV. 
151, wahrscheinlich identisch mit dem sehr häufig genannten wart- 
gelde, s. Grosses Zinsbuch p. 27. 195 u. oft, CdP. III, 170 AMS, 
IV. 513., wofür gelegentlich einmal CdP. IL 89. AM8, IX. 324 
der Ausdruck wartloh vorkommt; in latein. Urkunden wechseln die 
liisimexi pecunie cmtodiales, CdP. III, \Q^.^ pecunia custodialis, MhW, 
IL 33., custodialia, custodiales, MhW, I, 590. GDK. I. 142., CdP. 
LH, 1,, pecunia pro custodia terrae, CdP. LL. 127. GDK. L 73., 
sodsiiin precium vigilum, MhW, II, 252., predum speculatorum, CdP. 
IL 84., predum custodum seu speculatorum terre, ib. p. 80; die. drei 
letztangeführten lateinischen Ausdrücke entsprechen genau dem 
deutschen tvart-lon, und ebenso dem preuss. sorg-alion, welches ich 
für eine Zusammensetzung halte aus sarg-s, Wächter, Hüter, Wart, 
und alga, Lohn, in der im preuss. vorzugsweise beliebten Accusativ- 

' endung algan, also sarg-algan, Wartlohn d. i. Lohn für die Grenz- 
wärter ; über den Wechsel von g und j oder i vgl. garge, saligan, 
wargien, algemin, sursieynis. 

sorx s. api-sorx. 

sorsegeyns s. sursieynis. 

sortex, sorteyke, zurtheke fluvius MhW, LL, 

sortis, zu litt, zeriü, zerti, preuss. sari, s. pa-ssortes. 



— 172 — 

[sosta] sosto, Bank, Voc. 218. (litt, söstas, Sitz, Stuhl). 

soweten silva, CdP. IL 36. 

sowits locus, CdP. IL 170. 

spagtan, spagtun, acc., spagtas, gen., Bad, Ench, 69. 84. 85; vgl. 

specie, sptgsnd. 
spalwithen, Dorf spalmUen Kr. Fischhausen, NPBl, 3. F. V. 301. 
[spänd] mit ait-: au-schpändimai, wir spannen aus, s. d. (lett. spanda, 

das Strick werk, womit man den Pflug spannt); die Schreibung 

schpänd für spänd rührt wohl nur daher, dass hier provinciel sp, st 

durchweg wie schp, seht gesprochen werden. 
spandotte, nom. viri, NPBl. a. F. VI, 174; daher der angebliche Ort- 
name spandotten (wo?) 
spanga, spangen, spango, spanger, sponge, spongi, lacus, fluvvm, MhW. 

I II 
spargint lacus, MhW. I. 

sparis, Sparren, Voc. 201. (litt, spdras, lett. spahre,) 
sparyus, Anger, Dorfanger, Voc. 798. (litt, nu-sparis). Pierson 

VII. 588. 
sparoyen lacus, MhW. LL. 
spart-s, nom., stark, mächtig, Ench. 51., als adv. gebraucht, 73. 

(kslav. sporu, russ. spor, poln. böhm. spory, stark, gross, serb. 

na-sporiti, augere, sämmtlich ohne t.) 
spartin, acc, Kraft, Ench. 18. 
spartin-t, stärken (auch mit ^o-), Ench. 83., spartina, spartino (?), 

schpartina, er stärkt, stärke, 22. 38. 93.; über schpartina s. spand. 
spartisku, dat.. Stärke. Ench. 50. 
sparwin, sparwinen, sparwynen, Dorfname. CdP. LLL. 162. MhW. II. 

527; Gut sperwienen Kr. Keiligenbeil. 
sparmrde camptis, MhW. IL 
spaustan (molspille), Mühlwelle, V. 322. (litt, spdudzu^ spdusti, 

drücken, pressen, spauda, spaustüwe, Presse, Kelter, Druckwerkzeug); 

s. AMS. VL 322. VLL 588. . 
specte, Bad, Voc. 555, s. spagtan. 
spelanxtis, Splitter, s. shelanxtis. 
spenis, Zitze, Brustwarze, Voc, 119. (litt, spends, dass., aber auch 

germ., mhd. span, spene, Milch, seh wed. spene Brust, Euter, ahd. 

spene-varch, Spanferkel, bi-spenian, ablactare u. s. w.) 
spergla-wanag[s], Sperber, Voc. 714; das s am Schlüsse hatte am 

Rande der Handschrift nicht mehr Platz; s. spurglis und wanags, 

Habicht, so dass spergla-wanags wörtlich der Sperlingshabicht ist, 

analog dem litt, mtür-wanagis, Lerchenhabicht, d. i. Sperber; Pott 

Beitr. VI. 116. Burda ebend. 400. 
speriti campus, MhW. L. 106; vgl. spiritcse, 
sperkel s. spirkel. 



— 173 — 

spertlan, Zehballen, Voc. 150. s. das folg. 

sperflen, sich, Prov., sich sträuben durch Entgegenstemmen der 
Füsse, gehört wohl zu dem vor.; (vgl. litt, spdrdyti, lett. spdhrdiht, 
mit den Füssen schlagen, litt, spiriü, spirti, lett. spert, sich gegen 
etwas stemmen, mit den Füssen schlagen.) s. Pierson VII. 588. 
VIII. 364. 

spigsnä, nom., spigsnan, acc, Bad, Ench. 30; vgl. spagtan, specie, 

spingem, Prov., poltern, lärmen, vor Aerger Schlüssel und dergl. 
um sich werfen (litt, spengiü, spengti, und spengeti, gellen, klingen). 

spinJcen, Prov.^ Sommerflecken, Sommersprossen; (das s ist 
vorgeschlagen wie in sloja, spoayna, dann vgl. poln. piega, böhm. 
piha, slov. pega, Sommersprosse, kslav. pjegU, varius, pjegota, lepra, 
pjegotiwU, leprosus, russ. pjegit, scheckicht.) 

spiritcjse campus. MhW. IL vgl. speriti. 

spirkel, sperkel, Prov., ganz kleine Speckstückchen, die gebraten als 
Zuthat zu mancherlei Speisen, wie zu Klössen, Brei, Erbsen, Kartotfeln 
gegeben werden; Hennig 257. (litt, spirgas, poln. szperka, dass., 
litt, spirginti, spürgyti, solche Speckstückchen braten.) 

[spoayna] spoayno (gest), Gischt, Schaum von gährenden Getränken, 
auch Oberhefe, Voc. 387., mit vorgeschlagenem s, wie sloja, 
spinken (kslav. russ. pjena, poln. piana, illyr. pöna, sanskr. phena, 
Schaum), s. Pauli Beiträge VI. 429. 

sponge, spongi s. spanga. 

sporge lactts, MhW. II. 

spraude, sprawde campus, MhW, L, das Dorf sprauden Kr. Marien- 
werder, wohl zu sprude s. d. 

sproyn lacm, MhW. II; Hennenb. IL 21 hat einen Fluss sproy bei 
Rössel. 

sprock, Name eines Ackerstücks NPJBl. XI. 74. 

sprude, nom. viri, NPBl. 3. F. V. 300, daher wohl der Dorfname 
spraude^ s. d. 

[spurglas] spu/irglis^ Sperling, Voc. 739; in der Form sperglas er- 
scheint es in dem Compos, spergla-wanags ; da auch die Ortnamen 
sporgeln, sporglen, Kr. Friedland, und sperMienen, Kr. Heiligenbeil, 
neben einander vorkommen, so lässt sich über den ursprünglichen 
Vocal der Stammsylbe nicht entscheiden. 

sta, Demonstrativstamm, davon stas, Ench. 1. 4. 5. 8. und sehr oft, 
stes, 52. 83.. nom. sg. m., stä, 30. 32., sta% 20—27 und sehr oft, 
nom. sg. f., sta, 1 — 10. 29 und oft, nom. und acc. neutr. — stan, 
1—10 und oft, sten, 20. 84. 86., ston 83 {sien 85. shan 75. Drckft.) 
acc. sg. m. f. — stesmu, 5. 8. 9. und oft, stessemu, 37., stesma, 45., 
steismu, 14. 27 und öfter, steismo, 63., dat. sg. m. — steisiei^ 84., 
steisei^ 54. 96., steise 57., stessiei 84., stessei 50., stessie 86., dat. 
sg. f. — steise% 9. 30. und öfter, steise, 15. 17. und öfter, steisi, 



— 174 — 

22., steisai, 43 (stetse 39., stdseisai, 50., Drckf.), stessai, 22. 28. 
30. 31. 55. 89., stesse 12. 30. unci öfter, gen. sg. m. — steises, 30. 
82. stesses, 78., stessies, 88., stessias, 89., gen. sg. f. — steison 39. 
53. und oft, steisan^ 83., gen. sg. comm. — stai^ 1. 19. 20. und 
oft, nom. pi. — stans, 1. 4. 11 und oft, ace. pi. — steimans, 4. 
11. 24. und oft, dat. pi. — stetsons, 44., steison, 23. 24. und oft, 
steisan, 82. 85„ steisei 11., steisai, 43., gen. pi. — {stae, nom. sg. 
neutr., Kat IL; stasma Kat L, staesmu, Kcd, IL, dat. sg. ; schan 
Kat I, sten, Kat, IL, ace. sg.; staey Kat. I IL nom. pi.; staens 
Kat. II. ace. pi.), pron. derjenige, diejenige; der, die, das, 
auch als bestimmter Artikel. Vgl. stawids, ste, stu, stwi, stwen, 
stwendau. 

[stä, Verbalwurzel, stehen] stä-t, stä-twei, inf., (mit po-], stäuns, poxt. 
act. (mit po-), stänintei, stäninti, dat. sg. part, praes. , als adv. ge- 
braucht, stehend, Ench. 45. 47., stänai, 3. praes. und opt., (mit 
po-), stäsei, 2. sg. praes. (mit jpo-), stänimai, 1. pl. praes. (mit jpo-), 
stäi^ 3. aor. (mit jpo-); vgl. stallit, stattint, (Wurzel sansk. sthaM. s. w.) 

[staha-s'] stabis, Stein, Voc. 32. (lett. stabs, Pfosten, Pfeiler?), s. die 
folgg., und ausserdem maluna-stahis, gilde-stahs, paiti-stabs, sarguttin- 
Stabs, wohl auch stappornen, staporen, Gut im Kr. Fischhausen. 

stdba-brast s. stabo-brast. 

stabe-lauken, Ortname SrP. IL 677., „Steinfeld", jetzt stablack, Gut 
im Kr. Gerdauen, auch giebt's ein Dorf stablachen im Kr. Insterburg. 

stabi-goide, stabirgotte villa, MhW. II 246., heute stabigoUen, Dorf 
im Kr. Alienstein. 

[stabina] stabino, nom. f., steinern, AMS. VII 307. 316., wo stabino 
tute in dem einen Codex glossirt wird durch lapideus pons, in dem 
andern durch pontem lapidum, letzteres wohl verschrieben für pon- 
tem lapideum; s. stabas mit adject. Bildungsendung. 

stabni, Ofen, Voc. 221., wohl ebenso von stabis, stäbina abzuleiten, 
wie Jcamenis^ s. d., von slav. kament, kamien. Stein. 

stabo-brast, stabo-braste, staba-brast vadum, „Steinfurt" AMS. VII. 298. 

staboniten, stabonyten, stabuniten CdP, III 160. IV. 9. MhW. L 
(campus) II 524., das Dorf stabunken. Kr. Heilsberg. 

Stabs, Schöps, Voc. 680., ist scabs, scaps zu lesen. 

stadoll, stodbll, Prov., Einfahrt am Dorfkruge, in welcher die Pferde 
und Wagen der Reisenden Obdach finden, (litt. stadoU, lett. steddeles, 
dass., kslav. stodola, stodolja, stodolu, poln. böhm. stodola,^ ahd. 
stadal, Scheune.) 

stagis s. porstagis. 

stagote, nom. viri, CdP. IL 151. NPBl. 3. F. V. 301; daher Dorf 
stagutschen Kr. Insterburg. 

staydy (ennitse oder eunitze, nicht cunitse)^ Gabeldeichsel bei dem 
Kummetgeschirr, Voc. 311, neben paddis^ Kummet, stehend; (änis. 



— 175 — 

enz, enzen, in Ober-Sachsen und Franken, die Gabeldeichsel, zu 
einnitZj für einmitz, inmitz, mitten inne; s. Frisch I. 667. a.). 

staytan, Schild, Voc. 421 (kslav. sztitii, böhm. sstjt, illyr. §tit, russ. 
szczit, poln. szczyt). 

staJca-mecczeris, Stechmesser, Dolch, Voc. 428; meine frühere 
Lesung stuJcormecczeris hat sich bei nochmaliger genauer Prüfung 
der Handschrift als irrthümlich erwiesen; nunmehr nach richtiger 
Lesung erweist sich das Wort in beiden Theilen als Germanismus. 

staclan, stacle, Stütze, Pfeiler, wohl überhaupt Aufrechtstehendes, 
Voc, 197 und in panu-staclan s. d. (litt. stäkU, Lissstock an Leiter- 
wagen, pl. stdkles, Webegestell, lett. stahlis, Pfahl zum Stützen.) 

[stalas] stalls, Voc. 219, nom., stallan, Ench. 49., acc, Tisch (litt, stdlas, 
illyr. russ. stol, poln. stol, böhm. stül, Tisch, kslav. stolu^ thronus, 
sella, scamnum). 

staldis, Stall, Voc. 226 (litt, stäldas, lett. stdllis). 

stalli-t, stehen, Ench. 50. (auch mit is-), stalUuns, part, act., tvirst, 
er wird stehen, 65., stallä, stallae, stalle, stalli, er steht, sie stehen, 
31. 40. 43. 54. 63. 66. 73 (auch mit per-), stallemai, wir stehen, 
trachten nach etwas, 9., stalleti, ihr stehet, per din, für ihn ein, 89 
(Wurzel sta, sthä) ; s. is-stallit, per-stallit. 

stalUsna s. mit per- und emprtki-. 

stalUwings s. prei-stalUwings. 

stamite, Möwe, larus, Voc. 760. 

standis, Stande, Stellfass, Voc. 394. (lett standa.) 

stänai, stänimai, stanintei s. std. 

stankern nach etwas, Prov., sich eifrig um etwas bemühen, es zu er- 
langen trachten (litt, stengiu, stengti, sich anstrengen). 

stanko^ nom. viri, CdP. IL 170; daher stanken, Dorf im Kr. Inster- 
burg, vielleicht auch stangau Kr. Königsberg. 

stanto, nom. viri, Dush. III. 262 ; daher Dorf stantau Kr. Königsberg. 

stanu-lonx. Kell er hals, Seidelbast, eine Pflanze, daphne laureola, 
Voc. 623; der zweite Theil ist preuss. litt, lunkas^ Bast (russ. 
tvoVcze lyks, poln. wilcze lyko, d. i. Wolfsbast); vgl. Pauli Beitr. 

vn. 211. 

starkis, Zander, Sander, ein Fisch, perca lucioperca, Voc. 564. 
(litt, stdrkas, sterkas, sterke, lett. stahrks.) 

starstis, Zinn, Voc. 528. 

[stattinr-t, stellen] stattinnimai, wir stellen (mit prei-). (Wurzel std, 
sthä, vgl. litt, stataü, statyti). 

stawtdas, statmds, stawyds, nom., Ench. 27. 28. 31. 42., stawidan, sta- 
wydan, acc., 24. 30. 41. 43. 44. 55. 61. 74. 16.^ stawidsmu, statoydsmu, 
dat., 19. 30. 37., stawtdans, acc. pl., 12. 42. solcher (Kat I. sta- 



— 176 — 

weidan, steweydan, Kat IL steweyden^stewidan SiCcneixtY.); zu sta, 
wie katoids zu ka. 

ste, desto, Ench, 53; vgl. Bopp S. 26. 

stebelis, s. scebelis. 

steege (schewer)^ Schauer, Remise, überdachter Raum zum Unter- 
bringen der Wagen und sonstigen Ackergeräthe, Voc. 235 ; ich hatte 
bei der Ausg. des Voc. schewer als Scheuer, synonym mit Scheune, 
gedeutet, aber wohl unrichtig ; ew kommt in den deutschen Wörtern 
des Voc. öfters als Aequivalent für hochd. au vor; s. unter wissam- 
bars; demnach passt, was ich ÄMS. VI. 322 über scheune und 
schetier angeführt habe, wenn es auch sonst richtig ist, nicht hier- 
her; (vgl. litt. st'egt% ein Dach decken, und zum deutschen mhd. 
schiure, Obdach gegen böse Witterung). Auf dieses steege stützt 
sich vielleicht der öfters vorkommende Güter- u. Dorfname steegen. 

steinhuthe, nom. viri, KPBl. a. F, VL 174; daher Dorf steinboUen 
Kr. Braunsberg. 

steinegatide, nom. viri, NPBL 3. F. V. 299. 302; daher stenegavden, 
NFBl. a. F. IV. 369., Ortname, ob aber identisch mit dem heu- 
tigen Gut steenken, s. d. folg., dürfte zweifelhaft sein. 

steinicke, nom. viri, KPBl a. F. VL 173, daher das Gut steenken 
Kr. Labiau; s. das vor. 

steipata, stoypota, steupat, steypts, Namen verschiedener quelliger 
sumpfiger Gegenden ; steipata, stoypota palus, AMS. VII. 302. , im 
nordwestlichen Winkel des Kirchspiels Quedenau, eben da entspringt 
der steupat fluvius, 1. 1. 308 , der bei Trutenau und Neuhausen vor- 
bei in den Lauther See fliesst; endlich steypts campus, CdP. IL 
60, am frischen Haflf bei der Mündung des von Medenau kommen- 
den Baches ; demnach scheint diesen verschiedenen Namen ein appel- 
lativer Begriff zu Grunde zu liegen. 

steisei, steison s. sta. 

sten s. sta. 

stenegauden s. steinegaude. 

stenuns s. stin-t. 

stepke, Prov., Rathsdiener, Profoss, bes. der Vogt oder Büttel auf 
den alten Aemtern (poln. stepka, stopka). AMS. VIII. 690. 

stes, stessei s. sta. 

steweydan, stewidan s. stawtdas. 

stibinis, Schlittenbein, Schlittenstütze, einer der vier hölzernen 
Füsse, mittels derer das Schlittenpolster auf den Kufen ruht, Voc. 
310 (litt, staibas, stalbis, Schienbein, stebas, Pfeiler, Mast, lett. 
stebbe, Mast). 

stigeynen campus MhW. I. das Dorf stigehnen Kr. Braunsberg, wohl 
schwerlich zurückzuführen auf den Stammpreussen stignote, NPBl. 
3. F. V. 300. 



— 177 — 

[sticla] stich, Glas, Trinkglas, Voc. 401. (litt. sMlas, kslav. sUklo, 
sttkljenica, russ. steklb, serb. illyr. staMo, goth. stikls, und mit Verlust 
des t russ. sklo, poln. siZo, sMo, litt, sklenycm, böhm. sklenice), 

[stin4^ leiden] sttnons, part, act., gelitten habend, JEwcä. 15. 91. 
(Kat L stenuns, Kat IL styienuns) (litt, steneti, lett. stenneht, 
kslav. stenati, böhm. stenati, stonati, serb. stonac, gemere). 

stinsennien, acc, das Leiden. JSwcä. 16. 

s%, stippan, s. po-stippan, 

stippel, Prov,, kleines hölzernes Schöpfgefäss mit aufrecht stehender 
Handhabe, mit dem man z. B. Wasser aus der grossen Wasserstonne 
schöpft; kslav. sstipM, haustrum, so wenigstens in Mikl. Radices etc., 
dagegen im Lex. Palaeosl. nur sdip^ct, forceps). 

stim s. kauc-stirn. 

stirtazire lacus, MhW, IL 

stoberms, Hagebuche, Voc, 594., s. scöberwis, 

stöboix lacus. MhW. LI. 

stogis, Dach, Voc. 204 (litt, stögas, dass., zu st'egiu, stegti, griech. 
dTiysi^v^ decken, (Sriyoq^ öT^yiy, Dach). 

stogcle, stocle s. ah-stocle. 

stolgiten campits, MhW. I. 

[stolwa] stolwo, Span, Voc. 641; in der Handschrift steht deutlich 
stolwo, trotzdem ist vielleicht scolwo zu lesen, mit Hinblick auf litt. 
skeliü, skelti, spalten, und auf den Dorfnamen skolmtten, vgh 
skelanxtis. 

ston s. sta 

[storda] stordo s. scorda. 

store-lauken, Gut und Dorf stürlack Kr. Lötzen. NPBl. a. F. LV. 368. 

strdbiske, Dorf astrawischken, Kr. Darkehmen. TcG. 212. 

stradune, nom. viri, NPBl. a.F. VI. 174; daher Kirchdorf stradaunen 
Kr. Lyk. 

[stramba] strambo, Stoppeln, Voc. 274; in der Handschrift steht 
kein i-Zeichen, trotzdem ist vielleicht mit Burda Beitr. VI. 400 
[straniba'] stranibo zu lesen ; (zu stramba würde stimmen litt, stäm- 
bras, stembrySy Stengel, Halm, mit Verschiebung des r, lett. strohps, 
Halm, Rohr; zu straniba kslav. strUnt, Halm, slov. stm, seges, 
strniste, Stoppelfeld, böhm. strn, stmt, poln. sder'A, sciemie, Stoppeln, 
Stoppelfeld; die Endung -iba würde der litt. Collectivendung -yba, 
-ybe entsprechen). 

strannay (wohl nicht straunay zu lesen, wie ich in der Ausg. des Voc. 
gethan ; mit dem Auge zu unterscheiden sind beide Lesungen nicht), 
Lenden, Voc. 136. (litt, strenos, das Kreuz, der untere Theil des 
Rückens, russ. strana, storona, poln. strona, die Seite), vgl. Pauli 
Vn. 176. 

strandonis mons s. scrandonis mons s. v. scrando. 

Nesselmann, Thesaurus. X2 



— 178 - 

straniha s. stramba, 

straunay s. strannay. 

strebe fluvius, MhW. HI. 

stredewegis s. scrodowegis, 

streipstan, ace. sg., streipstans, ace pi, Glied, Ench. 11. 14. (streipstoos 
11. Drckf.) (litt, straipsnis, Stufe, Pierson VII. 599). 

Sirene laeus. CdP, IV. 186. MhW. Ill 29. 67. 

[strigena] strigeno, Gehirn, Voc. 73. (kslav. strum, strUzeni, slov. 
Strien, russ. sterben', böhm. Strien). 

strigli, Diesteln, Eneh.l2,, der Form nach nom. pi., aber als ace. pi. 
gebraucht. 

[stroja] stroio (halsoder), Halssehne, Halsmuskel, Halswirbel- 
säule, Voe. 103. (ahd. hals-adra, cervix); vgl. pette-gisla, und Voe. 
S. 45., desgl. Pauli Beitr. VH. 165. 

stray sles, Halbfisch, prov. eine Brassenart, Voc. 582; vgl. dubelis\ 
nach Nemnich ist Halbfisch auch die Flunder, pleuronectes. 

stromigk, stromyk, strumeck, strumpki lacus. CdP. IV. 186. MhW. III. 
29, 67. TcG. 188. 

stronke s. po-stronke. 

stroskeüis s. troskeiUs. 

strumeck, strumpki s. stromigk. 

[stuba] stubo, Stube, Voc. 220. (litt, stnbä, lett. istaba, German.). 

stubonikis (beder), Bader, Chirurg, Foc. 550, wohl wörtlich Stuben-, 
Badestubenhalter; auch im deutschen hat man „Stübner*^ für Bader; 
s. Frisch teutsch-lat. Wtbch. H. 350. 

stu-ilgimi kai, bis, bis da^ss, Ench. 72. s. ilgi u. sta. 

stuka-^mecczeris frühere unrichtige Lesung für staka-mecczeris. 

stuckis, Leinbaum, acer platanoides, Voc, 595. 

stumo locus in Pomesanien, Dmb. HL 14., die Stadt Stuhm; Voss- 
berg Münzen S. 32.: „uw dem stume". Dusb. III, 138 wird ein 
Preusse stumo oder scuwx) genannt, der aber bei Balga thätig war. 

stundicks, nom., Stündlein, Ench, 26., deutscher Stamm mit preuss. 
Diminutivendung -icks, 

sturdis s. scurdis. 

sturgel, contr. sturl, Prov,^ ein zur Fischerei dienendes Instrument, 
ein Stab mit einem zuckerhutförmigen Knopfe, der zum Aufscheuchen 
der Fische aus dem Uferversteck gebraucht wird, auch heisst sturgel 
der Stab im Butterfasse, und das Verbum sturgeln heisst, mit einem 
derartigen Stabe stossen (poln. sturchac, stossen); die contrahirte 
Form kommt vor in einer Verleihungsurkunde von 1323, MhW. I. 
Meg. p. 124, wo es heisst: locacionis sepedicte incolis .... cum reihe 
(sie) diclo Jiame, et conto quod (sie!) wlgariter sturl dicitur piscandi 
concedimus libertatem; auch contus ist eine Stange, ein Spiess, eine 
Pieke ; sturgel u. sturl sind demnach augenscheinlich preussische Wörter. 



— 179 — 

sturin-tkhroms, nom., eifrig, Ench, 11., s. sturnas und tickroms, 
tickars. 

sturl s. sturgel, 

stUr-lanke, eine Art Fischernetz, findet sich erwähnt in dem Gründungs- 
privilegium der Stadt Fischhausen von 1305 im CdP. IL 60: 
excepto tarnen rethi quod Nywat vulgariter nunctipaiur, et praeter 
rethe quod Stürlanke dicitur. Das Wort ist mir anderweitig un- 
bekannt; vielleicht ist es zu schreiben stürl-lanke, so dass der erste 
Theil das eben besprochene sturl, der zweite Theil etwa das litt. 
Idnkas, Reifen, Bügel ist; das Ganze wäre dann etwa der grosse 
Hamen mit dem Bügelnetz an einer langen Stange ; mit diesem 
Hamen stösst der Fischer auch gegen die Uferwände und den Grund 
des Wassers, um die Fische aufzuscheuchen, daher wäre sturl-lanke 
durch Stoss-bügel zu übersetzen, (kslav. ist Iqkott, Iqkostt, eigentl. 
curvatura, dann auch hamus). 

[stürnas, eifrig, ernst] davon stürin-tickroms u. die folgg. (lett. 
stuhrs, beharrlich, litt, storawöti, sich bemühen, eifern für etwas, 
storawötis, storutis, eifern, sich ereifern, russ staräf sja, poln. 
starac siq, dass.). 

stürnawingisku, adv., ernstlich. Encli, 82. 

stürnawiskan, acc , Ernst. Ench. 83. 

stwen, adv., dort, Ench, 21. 29. 35; hin, in den Verbindungen ^eifö 
stwen, gehet hin, 28, immaiti stwen, nehmet hin, 41. 

stwendau, von wo, woher Ench, 91.; stwendau und is stwendau, 
daraus 80 {stwendan Drckf.). 

stwi, da, Ench. 22. 23. 29 und oft. 

suh-s, sup-s, nom., Ench. Titel, 20. 27. 40. 69 87. — subian, acc, 
9. 13. 19 u. oft. — subhai, 21., supsmu, 73., suhbsmu^ 61., subsai^ 
16., supsai, 18., supsei, 51., dat. — supsas, gen., 30. — subians, 
acc. pl., 10. 51. 1) selbst, 2) eigen, proprius, 18.51.70. 3) mit 
dem Art., derselbe 9. 10. 13. 51. u. öfter, dasselbe 62. 66.; 
prei stan subban, dazu, 83; subban asnmn, selbachten 85.; falsch 
construirt: esse Christo sups ensadinton, von Christus selbst ein- 
gesetzt, 40. 

sudavia s. sudowia, 

sudawni-kaym, „Sudauer-dorf" NPBL a, F. XI 292., jetzt sdunkeim, 
Vorwerk im Kr. Rastenburg. 

sude, nom. viri, NPBL 3. F, F. 301, daher sudithen, mdithen, MhW, /., 
vielleicht auch sudow s. dd. 

sudelow, Ortname. NPBl 3. F, V. 302. 

sudere, sudirin, sudryn, sodere Silva AM8, VII, 305. 

sudithen^ Judithen campus, MhW. L s. sude, 

sudow villa, NPBl. 3. F. V. 301; heute sudau^ Gut und Dorf im Kr. 

Königsberg. 

\2* 



— 180 — 

sudowia, svdovia, svdavia, die Landschaft Sudauen, Bush. IIL 3. 189; 
in einer Urk. von 1231 mduu, TcG, 7.; bei Pias twig sudoma 
TcG, 28. 

5Mgfe (reynen), Voc. 49., das preuss. und deutsche unklar; reynen als 
schwache Pluralform von reyn, Regen, könnte Regengüsse, öfter 
unterbrochenes Regenwetter bedeuten (Zacher); Pierson VII. 588 
vergleicht litt, suktis, sich bewölken. 

sugenyn, mgeniten campus, villa, CdP. IL 82. MhW. L 

sugurbi wurde von den Preussen die Burg Tap i au genannt. Bush, 
IIL 112. Vossberg Münzen S. 34. 

suicko-medien silva zwischen Wohnsdorf und Barten, MhW, I\ vgl. 
Vorwerk suihen, Kr. Preuss. Eylau; (wenn der Name littauisch 
wäre, könnte er Hasen wald bedeuten, vgl. züikis, Hase). TcG. 21. 
25. liest suito-medien und übersetzt dieses „der heilige Wald", also 
nimmt er suito für identisch mit swintas, 

[su^kas] suckis, Voc, 560., nom sg., suckans, Euch. 73., acc. pl., Fisch; 
(neben dem gewöhnl. litt, mwis, lett. siws, Fisch , haben wir litt. 
mklenti, Fischerei treiben, mklys, Fischer, ii^tÄ-mis^ms, Fischermeister); 
hierher wohl der Name des Fischerdorfes suckase am HaflP bei 
Elbing. 

su^cwiert (oder sutwiert) Ort in Natangen, TcG. 19 aus einer Urk. 
von 1249; seine Beziehung auf das heutige Gut und Dorf sawsgfar^ew 
Kr. Preuss. Eylau ist wenig überzeugend. 

[suUi] sulo, Matte, geronnene Milch. Voc. 693. (litt, sullina, Molken, 
auch das serum im Blut, das letztere auch suhla). 

zulavia s. solov. 

sulis, Ständer, Säule Voc. 196 (litt, ssülas, Ständer, Pfosten). 

summir lacus, MhW. III. 

[sün-s] soun-s, nom., Ench. 34. 45. 47. 80.; sounan, sounan, saunan, 
acc, 15. 44. 46. 80. 81. 88. 91. 93. 95; soünas, saunas, gen., 28. 
38. 75. 76. 92. Sohn. {Kat I sunun, acc, sunos, gen., Kat. IL 
so^mon, acc, sounons, gen.); (litt, sunüs, kslav. suinü^ russ. poln. 
böhm. syn, sanskr. sünas, sünus^ goth. sunus, ahd. sunu); vgl. 
pa-ssons und sunaibis. 

suna, sune, sunne, suno, saun, zäun, lacus, rivus. MhW. I. IL LLI. 
Hennenb. II. 22. 

sunaibis, Bruderkind, Voc. 175, scheint jedenfalls eine Ableitung 
von soun-s, Sohn, zu sein; der Zusammenhang der Bedeutungen 
von Sohn und Bruderkind ist zwar schwer durchsichtig, aber er 
liegt den entsprechenden Bildungen in den slav. Sprachen entschie- 
den zu Grunde; (kslav. süinowi, fratris sororisve filius, süinounca, 
fratris sororisve iilia, von süinu, filius, pl. süinowe\ poln. synounec, 
Brudersohn, synowice, Brudertochter, von syn, Sohn, pl. synowe, 
adj. synoury^ den Sohn betreffend; vgl. Pierson VIH. 365.) 



— 181 — 

sunde, BC,^ nom., sundan, sundin, Ench. 24. 54., ace, sundis^ 55., 
gen., Strafe; vgl. ÄMS. VIL 319. Die Erklärung in DC. lautet: 
Sunde, Verkeuft die leute, nimpt gelt und lest die Menschen tödten 
Vnd umbiringen, das gelt löset alles hoses, hier ist Gottes wort in 
offen, Vnd darzu sein (pein?) leiden, (kslav. sqditi, poln. sqdzic, 
russ. sudif, böhm. souditi, litt, südyti, richten, lett. sohdiht, strafen, 
litt, südas, lett. söhds, kslav. sqdu, poln. sqß, russ. sud, Gericht); 
s. das folg. 

sundin-twei, strafen, Ench, 12. (sundintwti Drckf.). s. das vor. 

sunegowe, Ortname in Samland, Urk. v. 1258. NPBl, VIII, 344. 

suneke (sumke?), villa zu Quedenau Kr. Königsberg. CdP. II, 51. 

sunekolowach, Ortname in Samland, Urk. v. 1258. NPBl, VIII, 342., 
einerlei mit d. vor.? 

sunines, Kirchdorf im Ermland, Urk. 1249. NPBl a, F. X, 223; das 
heutige sugnienen bei Mehlsack. 

sunis,, Hund, Voc, 703. (litt, szun, nom. szu, lett. suns)\ s. songos. 

sunteynen^ suntyenen^ granycz, NPBl, VIII, 344. 354. MhW, L, iden- 
tisch mit smytenen; Aieses^ smitenen geschrieben, gäbe die in den 
Handschriften ganz alltägliche Verwechselung von sun und smi, 

supana. Braut, Gr,, vgl. supüni, 

Suppe fluvius, CdP, VI, 181; vgl. per-suppe, 

suppis, Damm am Mühlenteich, Voc, 327. (kslav. supit, cumulus, 
norSüpU, serb. na-sap, böhm. na-sep, agger, russ. na-sypät^ poln. 
norsypac^ aufstfeuen, aufschütten.) Burda Beitr. VI. 401. 

suplithe, nom. viri. NPBl, a, F, IV, 369, daher das Gut suplitten 
Kr. Fischhausen. 

supre s. porssupres, 

sups, supsei, supsmu s. suh-s, 

supüni, nom., Hausfrau, Ench, 34. 36. (litt, ziupone); s. supana, 

sur s. suris, 

surgaut, sorgen Ench, 37; surgau% er sorgt {\mi per-), 

su/rgawingi, nom. pl., s. dusai-surgaunngi. 

surgi, praep. c. acc, um, herum. Ench, 68. 

surik, surke, nom. paludis, AMS* VII, 304. 

suris, ^ Voc, 688., sur, Gr,, Käse; nach Hennig 313. ist provinciel 
zuris ein grosser dwarg, (litt, suris, kslav. süiru, russ. poln. böhm. 
syr, Käse.) 

swriti campus, MhW. I, 112. 

surke, s. surik, 

surminne NPBl, a, F, VI. 173., surminus Bush. III, 238., nom. viri, 
daher Dorf surminnen im Kr. Angerburg und Kr. Gumbinnen. 

sursieynis, sursienis, sursigeins('gems?), sorsegeyns, NPBl, VIII 351. 
CdP, I, 51. 126. GBK L 62. 72., das heutige Dorf schorschenen 
zu Medenau Kr. Fischhausen. 



— 182 — 

surturs (unmtelouf)^ das Wasserbecken an der Mühle, in welchem 

sich das Mühlrad bewegt (umläuft). Voc. 326. vgl. Pierson VII. 

588. Pauli Beitr. VII. 226. 
surweyte, Gut zu Elbing. TcG. 193. heute nicht nachweisbar. 
surumltinge lacus, MhW, IL 
suter, Prov,, der Sandaal, Kahlbart, an der samländ. Seeküste; 

am kurischen Haff heisst er gru, ÄMS, VIII. 679. (lett. suttis, 

Aal, suttini, Neunauge.) 
[sutristia] sutristio, Molken, Voc. 692. (litt, tirsztüj tirsdeti, mit sw-, 

dick werden, gerinnen, v. d. Milch, sn-tirsztinti, die Milch gerinnen 

lassen). Pierson VII. 588. vgl. Pauli Beitr. VII. 165. 
suwange s. sahange. 
swadeJce, Ortname CdP. IIL 160. MhW. IL 524; Vorwerk schwadtken 

Kr. Preuss. Eylau. 
swai'S, m., swaia, f. nom., Ench. 22. 50. — swaian, acc, 3. 6. 7. u. 

öfter {swian,swaiau,swaain, 70.Drckff.). — swaiäsmu, l. 5. 13. u. oft., 

swaiai, 81. dat. — swaisei, 52., swaise, 70. 76., swaias, 82., gen. 

sg. — swaians, 18. 70. 83. acc. pl. — mjoaimans, 41. 52. 70., 

swaieis (?) 85., swaisei (?) 59., dat. pl. — swaise, 68., gen. pl., 

pron. poss. 3. pers., sein, sen wissan swaieis, mit allen Seinigen 85. 

(fehlerhaft). (Kat. IL swaien, acc. sg., swayiens, acc. pl., swaytnans, 

dat. pl.) 
swaigstan, acc, Schein, Glanz, Ench.Q. (\\ii. zwaigzde, Xoii. swaigsne, 

kslav. russ. zwjezdä, poln. gwiazda, böhm. hwezday'^^i^m), 
[swdigstint, schwäigstint, erleuchten] schwäigstinai, d. sg. 'pvRes, (mit 

er- und po-), schwdisttuns, part. act. (mit er) ; über das Verhältniss 

beider Formen zu einander s. er-schwäigstint. 
swaymen campus MhW. IL 
swaywange s. sdbange. 
swarioniten campus, MhW. I. 

sweihis, der Dorsch, ein Fisch, gadus callarias, Voc. 585. 

sweykis (pflugpfert), Arbeitspferd, Wirthschaftspferd, Voc.Ad2.^ 
Pferd einheimischer Race, im Gegensatz zu den von dem Orden 
eingeführten edleren Pferden; in deutschen Urkunden, bes. in den 
Ordensinventarien kommen die Varianten vor sweyke, sweike, sweke, 
swike, sweige, swige,schweyke, sämmtlich als fem. construirt; s. Toppen 
AMS. /F. 686. Hirsch Handelsgesch. 259. (vgl. ahd. sweiga, mhd. 
sweige, sweie, Viehhof). 

sweynten campus, MhW, I. 

swenkiten campus, MhW. /., Gut und I>oy{ schwenkitten Kr. Heilsberg. 

swente-garhen campus, „heiliger Berg" MhW* IL s. sivintas. 

swento-mest, „heilige Stadt", alter Name der Stadt Heiligenbeil, 
Hennenb. 156. s. swintas und mestan\ das deutsche Heiligenbeil 



— 183 - 

ist die Halbübersetzung eines preuss. swinto-pil „heilige Burg"; 
vgl. AMS, VIL 314. 

sweriapis (Tceynhengest) Voc. 431. ist nunmehr wohl hinreichend klar 
gelegt als Zuchthengst, Beschäler; es ist das Masc, welches 
den Femininis poln. swerzepa, swierzobha, böhm. swerzepice, Stute, 
entspricht; vgl. Burda Beitr. VI. 401. AMS. VIII. 697.; auch das 
deutsche keynhengest wird der Aenderung in reynhengest (s. meine 
Ausg. des Voc, S. 46) nicht mehr bedürfen, seit Pierson IX. 163. 
auf niederrhein. hien, beschälen, hingewiesen hat, wozu ahd. Men 
htwjan, Mjan, nubere, futuare, zu vergleichen sind. 

swerlbinte locus MhW, IL 29; dieser See heisst sonst sirwinthen, 
serwinte, s. d.; in der Handschrift des Voc, und andern hat der 
Schriftzug Ib nicht selten die Geltung von w^ diese Geltung auch 
hier vorausgesetzt würden wir swerwinte zu lesen haben, so dass 
das w, vielleicht aus Versehen, doppelt dastände. 

[swestra] swesfro, Schwester, Voc. 174 (sanskr. svasar wohl für 
svastar u. s. w.) vgl. schostro, 

swetan, Welt, Voc. 792; s. switai. 

swihe, Finke, Voc. 736 (litt, szuhe, lett. schubUte). 

surixtis (erdentop), irdener Topf, Voc. 350; s. Neumann NPBl. 
a. F. VI 413. 

swilge, nom. viri, NPBl. a. F. VI. 173., dsher vroblDori schmlgarben, 
d. i. schwilg-garhen, „Berg des swilge^'^ Kr. Braunsberg. 

swint'S, nom., Fnch. 3. 18 u. oft; swintan^ 3. 15 u. oft, swinton, 16., 
acc. ; swyntas, Kot. IL, swinte, Kot. 7., gen. «g. ; — swintai, 20. 
40. 69, nom. pl.; swintans, 51., acc. pl.; swintan, 17. 92., gen. pl., 
heilig {Kat. IL swyntan, acc. sg. und gen. pl.) (litt, szwentas, 
lett. swehts, kslav. swqtity russ. swjatyi, poln. sw^ty, böhm. swaty, 
vedisch gvänta, zend. Qpenta); sehr häufig in Localnamen; vgl. die 
Oerter schwentainen, schwenteinen, swento-mest, die Felder swente- 
garien, sweynten, den mehrfach vorkommenden Flussnamen schwente, 
die Seen schwentehn, schwenthein, schwintheyn, swyntheynen, swinthey, 
swyntengm, swintinge; Toppen zieht auch, aber wohl nicht mit 
Recht, die kennen suito-medien und schweis-lauken hieher. TcG. 21. 26. 

swinthey locus , MhW. IL 

swyntheynen lacus, MhW. LH. 

swyntengen, swintinge, lacus MhW. IL 

swintian,Sc\ivfein, Foc. 682 (kslsiY, sivinija, russ. swin^ja, poln. swinia^ 
böhm. swine)\ s. seweynis. 

swintickens, acc. pl., die Heiligen, jEV^cÄ. 96., der Form nach Diminutiv. 

swintin-t, heiligen, Fnch. 3 (Kat. I. swintin-twey, Kat. IL swyntin- 
twey); smntinons, swintinnuns (swintinninuns Drckf.) part, act., 
assai, du hast, ast, er hat geheiliget, 18. 85., swintints, part, pass., 



— 184 — 

wirst, er werde geheiliget, 20.; swintina, swintinai, er heiligt, 18. 

69 (auch mit nir); s. swint-s und ni-swintints. 
swintinge s. stoyntengen, 
swintisJcan, acc., Heiligung, Ench, 17. 
swtrins, acc. pl., Thiere, Ench, 73 (litt, ^werls, lett. swehrs, kslav. 

zwjert, russ. zwjer\ poln. zwierz, 2werzq, böhm. zwierz, wildes Thier). 
swirpUs, nom. viri, NPBl. 3. jP. F. 301 ; daher Dorf schwirpeln Kr. 

"Ragnit. 
swita% nom. f., swUan, acc, switas, gen., Welt, -EwcÄ. 22. 25. 28. 81. 

85. ((^Äa^. /. swetan, Kat. IL swytan), Voc. swetan s. d. (litt, swetas, 

kslav. swjetu, russ. böhm. 5tcye^, poln. swiat). 
swUemskan, acc, weltlich, iüwcA 54. 
swöben campus MhW. I. IL 
swokishen lacus, der Maurersee, (tDZ". 1. 97. if ä PT. I. IJI. J^i/S. III. 642. 



T. 

tabir, täbor lacus, MhW, IL. Hennenb. IL 22. 

tagnet, tangnet, Prov,, Verkaufsstelle für alte Kleider und Hausgeräthe, 

Trödelmarkt; (wohl umgestaltet aus dem poln. fandet, tandeta in 

derselben Bedeutung, von tan% tania, wohlfeil, oder dem mittellat. 

tenda, tendeta entlehnt; vgl. auch kslav. tenuta, tenta, ngr. xivra, 

tentorivm), 

tayJcowuns s. teiJcut, 

tacJcelis, Schleifstein, Drehschleifstein, Voc. 530. (litt, tekelas, 
von tekinti, drehen, lett. tezzelis, tezzele, tezzeklis), 

takes, Wehr an der Mühle, Voc. 238 (litt, tdkisms, lett. tazs, tams, 
Fischwehr). 

talis, tdls, adv., ferner, weiter, fernerhin. Ench, 37. 38. 67. 85. 

talk, talke, Prov., freiwillige Hilfsarbeit, welche die Nachbaren bei 
dringender Feldarbeit einander leisten, und die nicht mit Gelde, 
sondern mit einem Schmause vergütet wird, daher das Verbum 
talken, solche Hilfsarbeit leisten, in der Declaration des Herzog 
Albrecht von 1564; auch der Schmaus nach vollbrachter Arbeit 
wurde die talke genannt, so in der Landesordnung des Hochm. 
Conrad v. Erlichshausen von 1450: Oicch sal man am fiertage 
ume talke oder bete (Bitte, Einladung) nicht arbeyten. GBK. L. 297. 
(litt, talkä, lett. talka, talks, dass., daher litt, talkinlnkas, lett. 
taUineeks, ein solcher Hilfsarbeiter, litt, su-telkti, die Nachbaren zu 
solcher Arbeit zusammenbitten; poln. tluka, Ernteschmaus, dagegen 
floka, kslav. tlaka, russ. toloka, Scharwerk, Frohndienst) ; hieher 
wohl der Dorfname talken in den Kr. Lötzen und Lyk. 



— 185 — 

I 

tallokinihis (vrier), ein Freier, nicht Leibeigner, ein Mittelstand 

zwischen den adligen Gutsbesitzern und den leibeigenen Bauern, 

Voc. 408. 
talus (home), der Fussboden, das Parterre, Voc, 207.; dass diese 

Deutung, nicht die von mir früher gegebene, die richtige sei, zeigt 

die Reihenfolge der Vocabeln im Voc, wo unter No. 204 bis 207 

von oben nach unten aufgezählt werden: stogis, Dach, riclis, der 

Bodenraum, lubbo, die Stubendecke, talus, der Fussboden. (kslav. 

t^lo, tlo, poln. tlo, sanskr. tala, solum, Fussboden, serb. tla, Tenne, 

litt. tUes, Bodenbrettchen im Handkahn). 
tammow castrum, das heutige Vorw. tammowischken Kr. Insterburg, 

TcG, 216. 
tan-Sy nom. m., Ench, 11. 12. 15 u. oft — tanna, 86., tennd 68.84. 

86., nom. f. — tennan, 19. 20. 50. 69. 73. 84., tennen, 58. 68., 

acc. sg. — tennSismu 16., tennesmu, 16. 86. 94., tennysmu, 7., dat. 

sg. m., tennei, 86., dat. sg. f, — tennessei, 12., tenneison, 3. 4. 5. 6. 

u. öfter, tenneisan, 90., gen. sg. — tennei, 10. 52. 53. 79. 80., nom. 

pl. — tannans, 79., tennans, 28. 56. 58 u. öfter, acc. pl. — tennd' 

mans, 53., tenneinwns, Titel, dat. pl. — tenneison, Titel, 24. 49. 51. 

gen, pl., pron. person, der dritten Person, er, sie; als pron. poss. 

gebraucht: en tenneismu rtkin, in seinem Reich, 16. (Kat.L tanassen, 

Kat IL tanaessen, gen. sg.). 
tangnet s. tagnet. 
tapali, Tafel, Unch, 51., Germ. 
tapiaw, tapiow, tapjow, die Stadt Tapiau, Bush, HL 71. 112. 200. 

204. 330. 340. AMS. X 84. In der Urk. von 1258, NPBl. 

VILL, 344. ist tapyom wohl Schreibfehler für tapyow, 
\tarbid\ tarbio (molehaste), Mühlkasten, Voc, 325., ist wohl der 

Aufschüttkasten (vielleicht ist zu vergl. litt, tarbas, tarba, terba, 

tarblycm, terblycza, lett. tarba, russ. poln torba, lederner Sack). 
tärin, acc, nach dem deutschen die Stimme, dem Sinne nach die 

Rede, die Worte Jemandes: tu assai hlausiuns stesmu tärin twaiasei 

gennan, du hast gehorcht der Stimme, d. h. der Rede, den Worten 

deines Weibes, Ench, 72. (litt, tariü, tärti, sagen); vgl. trat, 
tarhue (tarJcne?), Bindriemen, Voc, 449. (kslav. traku, slov. kroat. 

^raÄ;, serb. ^roi,russ.^oroÄ:a, fascia, Binde, Band). Burda, Beitr. VI. 401. 
tatarwis, Birkhuhn, Foc. 767 (litt, teterwa, lett, tetteris, tettera, russ. 

teterja, Birkhuhn, litt, teterwinas, russ. teterew, böhm. tetfew, illyr. 

tetreb, poln. cietrzew\ Birkhahn ; vgl. griech. tstqcidav^ ritga^j Auer- 

hahn, kslav. tetrjewt, teterewt, phasianus). 
[taukin-t, geloben, verheissen] taukinnmis, part, act., ast, er hat 

verheissen, -astai, ihr habt gelobt (auch mit po-) Ench. 27. 75., 

taukinton, part. pass, (mit j)o-), verheissen; taukinne, ich gelobe, 74 

{tankinne Drckf.). 



— t86 — 

tauJcinsnas s. po-taukinsnas. 

taukis, Schmalz, Voc, 378. (litt, taukm, lett. tauhs, kslav. tukU, russ. 

poln. tuk, Fett); das Wort steckt vielleicht als Element in dem 

Namen des Guts taiikitten Kr. Fischhausen. 
tauktsnan s. po-tauktsnan, 
taure, tauro, daure, Name eines Waldes auf der Grenze von Natangen 

und Barten, an der Alle. MJiW. I. 387 ; vgl. pa-tauris campus, 
tauris (wesant), Büffel, Voc. 648. (litt» zem. tauras, tauris, der Auer, 

kslav. turit, Stier, poln. tur, Auer, Büffel) vgl. wissamiers n, s. das folg. 
taurus-galwo^ tauro-gal, Name eines Hügels, „Büffelkopf". MhW. L 

103. Prätorius III. 7; Hennenb. 451 übersetzt taurogal durch 

„Ochsenberg"; vgl. umpna. 

taurwis s. medenix-taurwis, 

taut, tluiut, tauten lacus MhW, L 

[taufa] tauto^ Voc. 793. nom., tautan^ Euch, Titel, acc, Land; no 
tautan, auf dem Lande; en Prusiskan tautan, im preussischen Lande; 
(litt, tauta^ Land, Volk, wenig gebräuchlich, lett. tauta, Ausland). 

tauuyyschen s. tawischan. 

tawas^ täws^ nom., Ench, 1. 13. 19. 21 u. oft. — taws^ täwa, tawe, 
voc, 19. 20. 45. 46. 47. 48. 49. 50. — täwan, acc, 4. 13. u. öfter. — 
tdwas, gen. 15. 28. 31. 38. 72. 91. 92. — tawai, nom. pl., 60. — 
tdwans^ acc.pl., 11., Vater (Kat. L IL thawe, voc, thawan^ acc, 
thawas^ g^n.) ; tawe, Gr,. towis^ Voc, (litt, tewas^ iem, auch tawas, 
lett. tehws^ dass.) ; s. die Composita mit hutta und die folg.; vgl. theuns. 

tawishan, acc, väterlich, Ench, 14. (litt, tewiszkas), 

tawischan^ tawischen^ tawisen, acc, Ench. 5. 8. 9. 10. 65., tawischas, 
gen., 7. 9. 10., Nachbar, Nächster (Kat, I. tawischen^ acc, 
tawischis^ gen., Kat. IL tauwy sehen, acc, tauu)yschis,tauwyschies gen.) 

teansis (teausis?), Deichsel, Voc, 254. (litt, tqsti, recken, dehnen, 
ziehen, test% gerade machen, richten?) Pierson VII. 589. 

tehbei, icbbe, dat. sg. zu tou, tu, dir. 

teiken, Ortnamc NFBl. 3. F. V, 301. 

teiks, imp. sg., stelle, ordne an, Ench, 35., nicht näher bestimmbar; 
teiks und wyms sind die beiden einzigen Beispiele der Sprache, dass 
eine consonantisch ausgehende Wurzel den imp. sg. durch Anhängung 
eines vocallosen -s bildet; eine entsprechende Pluralform haben wir 
in po-wierp4ai, neben dem Sing, et-werp-eis ; darnach ist Sprache 
der alten Preussen S. 74. zu ergänzen. 

teikurt, machen, schaffen, Ench, 71.; teiküuns (auch mit en- und 
po-), part, act., ast, er hat geschaffen, 13. 14. 73. 76. 91. (teikünus 
14. Drckf.) (Kat. I, taykowuns)\ teiküton, part. pass, (mit eti-); 
teikü, er schuf, 73. (litt, taikyti, fügen); vgl. tickint. 



— 187 — 

[teiküsna^ mit en-, noni.], feiMsnan, acc, 1) Schöpfung JEnch. 13, 

(teiküsna für teiküsnan); 2) Ordnung, Titel 66. 76.; s auch hirkis- 

teiküsnan, 
teinu, nun, Ench, 54. 55. 56. 63. 74. 81., teinü toüls^ nunmehr, 96. 
feisi^ nom., teisin, teischin^ acc, teisis^ gen., Ehre. Euch, 23. 26. 36. 

52. 55. 58. 69. 
teisin-t, ehren, Ench. 6., falsch gebraucht für die 1. pl. praes. 
teisingi adv., geehrt, werth, Ench, 4., züchtig, ehrbar, 6. - 
teisingiskan s. ni-feisingiskan, 
tdsiskan, acc, Ehrbarkeit. Ench, 56. 
teisiwingins^ acc, pl, s. mit m-. 
teisiwingiskan, acc, Ehrbarkeit. JEncÄ. 51. 
theistym^ theistymmen lacus, villa, MhW, IL 
teckint s. tickint, 
tcmnitZy tcmlitz, Prov., Gefängnis s, bes. in den Dörfern, bei GDK. 

I, \ 43 tyminicze geschrieben (litt, temnyczä, teminyczä, kslav. ttm^nica, 

russ. temmca, i)oln. cicmnica, magy. tömlöcz, dass., von kslav. ttma, 

russ. fma, böhm. ^iwa, poln» cma, sanskr. tamas, Finsterniss, kslav. 

ttminit, russ. temny'i, böhm. temn^, poln. ciemny, finster, litt, tenista, 

tenio, temti, finster werden, tamsüs, finster). 
tempcrbute, nom. viri, NPBl, 3. F. V, 300; daher Vorw. tampcrhoth 

Kr. Rastenburg. 
temprän, acc, temprai, adv., theuer. jE^^cÄ. 16. 36. 
^ewwa, tennan s. ^aw-5. 
^ene, i^ewwe, der Fluss tiene, der von Westen in den Drausen fällt. 

Hennenb. II. 22. 
[tengint, tengnint, senden] tenginnons, part. act. (mit per-), tengninton, 

part. pass, (mit per-), 
[tenni't, säumen] tenntuns, part. act. (mit per-), 
[tens-t] tiens-twei, reizen, Ench. 39., tensdti, imp. pl., reizet 60. 

(litt, tqsyti, zerren, zwacken, kslav. tqsati, obtrectare, disceptare). 

Pierson VII. 593. 
[tensi-t, machen, fügen] tensits, part, pass., nom. sg., tensitei, nom. 

pl (mit en-) (kslav. tqmti, opus facere). 
tenti, jetzt, nun, Ench, Titel, 11. 55. 81. 
ter, als, nach kittawidin, anders, Ench, 82.; vgl ter-ains. 
ter-ains, adv., allein, Ench, 28. 33. 39. 61. 87. (ter-ains, als einer?) 
[terp't, terpin-t, nützen] terpo, es nützt (mit en-); vgl. en-terp-t, en- 

terpon, an-terpinsqtmn (litt, tärpti, gedeihen, lett. tahrpinaht, erziehen). 
tessen lacus südlich vom bahant, TcG, 188. 
testaments, nom., Ench, 41., testamentan, Kat, /., testamenten, Kat, IL, 

acc, beide aber als nom. gebraucht, Testament. 
thetis (altvater), Greis, Grossvater, Voc, 171. (litt, tetis, lett 

tehtihts, Väterchen). 



— 188 — 

tewernitze, turnitz castrmn im Culmerland, Bush. Ill, 192., westlich 
von Rehden; dem Namen, aber nicht der Lage nach stimmt dazu 
Dorf thetiernitz Kr. Osterode. 

thewis (vetter), Vatersbruder, Voc. 176; vgl. tawas. 

tewit campus, MhW. L 

Um, acc. zu tu, tou, dich. 

tienS'twei s tens-t 

tickars, nom. m., tickra, nom. f., Ench, 19. 30. 44. 64. — tickran, 
acc, 86. 88. — [tickrai, dat.] (prey tickrat/, Kat. L, prey tickaray, 
Kat IL zur Rechten) — tickrai, nom. pl., 19., recht, wahr, acht; 
einmal ist tickars fälschlich als adv. gebraucht: stas ast tickars 
wertings, der ist recht würdig, 41; s. Bopp S. 24. (litt, tikras, 
recht, rechtschaffen, tinkii, tlkti, sich zu etwas schicken); vgl. die 
folgg. und ni-tickran, en-tickrikai. 

tickers, Richter, Gr, s. das vor. 

tickint, teckint, machen, Ench, 37. 68. ; tickinnons, (mit^o-), tykynnons, 
part, act , ast, er hat gemacht, Kat. IL (wo Kat. I. und Ench. 
teiküuns haben); tickinnimai, teckinnimai, wir machen, 8. 10., tickin- 
"naiti, imp. pl., machet, 73 ; vgl. tdkut. 

tickots s. portickots. 

tickra, tickran s. tickars. 

tickrikai s. en-tickrikai. 

tickrom-s, nom., tickromien, acc, tickrömai, nom. pl., Ench. ll. 15. 
30. 91., gerecht; die Rechte, die rechte Hand; prd tickromien^ 
zur Rechten, 15. 91.; s. sturin4ickroms. 

^icifcromMaw,acc., adj., recht, jEJwcä. 1 8. ; subst.,R e ch t,Gerechtigkeit.9. 1 6.31. 

tylia fluvius, CdP. IL 170. 

tilse, tilsat, tilset, tilsit, NFBl. a. F. VL 170. 171., die Stadt Tilsit, 
von dem Flüsschen tilse benannt, ehemals die Schalauerburg ge- 
heissen; Fluss und Stadt heissen heute litt. tUze, ersterer gewöhnlich 
in der Diminutivform tilzele\ ebenso sind auch wohl die oben an- 
geführten Formen des Stadtnamens tilsit, tilsat nur die litt. Dimi- 
nutivformen tilzpe, tilmte, denen sich später mit getrübtem Vocal die 
Form tilset anreihte; heute sind noch die Formen tilse und tilsit 
(litt. tUze und tiliyte) neben einander üblich. 

tute, Brücke, ÄMS. VLI 307. 316. vgl. stdbina und prey-tilte (litt. 
ttltas, lett. tilts, Brücke). Hieher vielleicht Dorf per4eltnicken Kr. 
Fischhausen, „die jenseit der Brücke wohnenden". 

tymmer lacus, jetzt dimmer an der Südgrenze Ermlands. TcG. 188. 

tyminicze s. temnitz. 

tin, acc. sg. zu tu, tou, dich; s. tien, 

tinne, tynne, See im Ermlande. CdP. LV. 186. MhW. IIL 29. 67. 

[tinkla"] tinklo, Netz, Jägergarn, Voc. in sassin-tinkla (\\it. tmklas, 
lett. tihkls). 



_ 189 — 

tirbe-lack pratwm, MhW, IL 

tirbelaws lactis, MhW. IL 

tirts, m., tirti, f., nom. sg., tfrtin, tirtan, tirtian, ace, tirtsmu, dat., 
der dritte. Bnch. 3. 11. 15. 17. 22. 30. 73. 91. {Kat IL tirtis, 
nom., tirtien, ace.) (Wurzel tri drei); vgl. tris-kaym, treon-haymyn, 
triuwrcayme. 

tistics oder tisties, (sweir), Schwäher, Schwiegervater, Voc, 184 
(kslav. t^st^, russ. tesf, poln. tesc, böhm. test); tistics würde Dirainutiv- 
endung haben. 

tu, tyt, titet, titat, tittet, so, in allen Bedeutungen des deutschen so, 
JEnch. 11. 22. 24. 27. 31. 35. 36. 37. 76. 94 u. oft; pansdau titet, 
darauf, 46. 

tyc^e, nom. viri, NPBl, 3. F, V. 300 ; daher Dorf titschen, Kr. Ragnit. 

\tlakut, dreschen] tlaku, 3. praes., vielleicht en4laku s. arrientldku. 

tlocau villa, das heutige Dorf lokau Kr. Rössel, MhW. IL, etwa zu 
tlokote, nom. viri, NPBl, a, F. XI. 194. 

tlokunir-pelk, tlokun-pelk, nom. paludis. CdP. IIL 62. s. pelky. 

tdbolize, Tasche, s. Volckmann ältestes poln. Rechtsdenkmal S. 13: 
Wer (Mch stylt eynem ledigen knechte, der an wip ist, us syner 
toholizen, daz ist syne tasche, adir ab her nicht töbölizen hat, wer 
im stylt US synem Mitel, daz her dor inne hat, her buszet oueh XIL 
marg, wen eyn ledig knecht keyn andir beheltnisse hot, denne syne 
tobolize adir syne butel. (kslav. toboltct, Saccus, poln. tobola, töbolka, 
Ranzen, Reisetasche, böhm. tobola, töbolka. Sack, Beutel, Tasche, 
litt, tobelis, tobnycza, Klingsäckel). 

tol'S, nom., tollin, acc, Zoll, Abgabe, Ench.bb. (lett. tullis, Germ). 

tolk,tolke, Dolmetscher, Mäkler, ein weit verbreitetes Wort, welches 
sich auch in die preuss. Sprache tief eingewurzelt hat; sachlich 
Ausführliches hat Toppen ÄMS. IV. 147. gegeben; (litt. ti)ilkas, 
lett. tulks, tulkatnis, esthn. tulk, schwed. island, dän. holländ. tolk, 
Dolmetscher, kslav. tluku, interpres und interpretatio, tlükari, inter- 
pres, litt, tulkuti, lett. tulkoht, kslav. tlükowati, russ. tulkowäf, esthn. 
tölkma, dolmetschen). Das Element hat sich in vielen oft wieder- 
kehrenden Ortnamen erhalten, wie tolks, tolks-dorf, tolkeim (d. i. 
tolk-kaym, wie ml-kaym neben wilk-kayme, mlke-kaym), tolk-lauken, 
tolke-mit, vielleicht auch in tlokum-pelk; indess ist das Appellativum 
tolk, tolke auch mehrfach als Personenname verwandt worden; so 
wird in einer Urk. des Pabst Alexander IV. von 1255, MhW. L 
66, ein Ermländer Matthias Tolke als Zeuge aufgeführt, und in dem 
Zintener Visitationsrecess von 1549, AMS. VIL 607. ^«) ein Bauer 
Michel Tolke, daher mag auch in manchen der oben angeführten 
Localnamen das Element tolk als Personenname stecken, so dass 
z. B. tolk'lauken nicht das Tolkenfeld, sondern das Feld des Bauern 
Tolke bedeutet. 



— 190 — 

tolchemit, die Stadt Tolkemit, Vossberg Münzen S. 48; vgl. das 
gleichn. Dorf tolkemüth, folkemüU im Kr. Osterode. 

tol-lauken, töl-lack villa^ deutsch breitenfeld MhW. IL, heute Dorf 
töllack Kr. Alienstein; vielleicht ist auch der Dorfname tolkeim 
(s. s. V. tolk) nicht in tolk-keim, sondern in tol-keim zu zerlegen. 

tölnike, nom. viri, NPBl 3. F, F. 300, daher tolnyken^ Dorfname, 
CdF. IIL 161. MhW. IL 527; es giebt heute zwei Dörfer tolnigk 
im Kr. Heilsberg und Kr. Rössel. 

torbis im Voc, ist corhis zu lesen. 

torpele, turpele, aqita. MhW. L. 

thorun, die Stadt Thorn, Bush. LH. 7. 8. etc.; der Name ist wohl 
alt und slav. Ursprungs, s. SrP. L. 50; in einer Urk. v. 1222 turno 
TcG. 9., Urk. von 1262 thurun, AMS. IX. 467. 

tosy, Kehle, Voc. 96. ist von mir und Andern wahrscheinlich falsch 
gelesen worden; es steht wohl cosy da. 

towarren, Prov., eine Anzahl beladener Frachtwagen, nach Hennig 278. 
(litt, taworä, tawöras^ russ. poln. towar^ Waare, kslav. towarU, 
onus, merx). 

towelis s. pa-towelis. 

towis^ Vater, Voc 169; s. tawas, 

trä'twei^ reden, sprechen, inf. (mit air)\ trai, 3. praes. (mit et-), 
trais, imp. sg. (mit e^), traüi. imp. pl. (mit at-): trat scheint ent- 
weder durch Elision aus tarät, oder durch Metathesis aus tar4 
entstanden zu sein; vgl. preuss tdrin, Stimme, litt, tariü, tärt% 
sprechen. 

trampere, tranpere castrmn, Dusb. LIL. 142., trampeinen, trappeyen, 
trapeyn, ferner tropeyne, tropin, TcG. 1 3 , das heutige Dorf troop, 
troopen im Kr. Stuhm. 

trap't, treten. Euch. 19., treppa, sie treten (mit er-), (russ. tropä, 
Fusssteg, poln. trop, Spur, Fussspur, deutsch traben ursprünglich im 
Sinne von treten). 

[trauk..., schliessen] träuki, 3. praet. (mit per-). 

trausstitthin, Ort zu Wehlau, TcG. 212., heute unbekannt. 

tremow, das heutige Dorf trimmau Kr. Wehlau. TcG. 211. 

trenien, acc, das Drohen. Ench. 62. s. trin-t 

treon-kaymyn s. tris-kaym. 

treppa s. trap-t. 

tresde, Drossel, turdus, Voc. 728. (russ. poln. böhm. drozd, russ.-litt. 
dräzdas, preuss.-litt. strdzdas, lett. strasds] mit Gutturalen statt 
des d kslav. drozgu, slov. drozg, serb. drozag, ahd. drosca, throsga). 

trybnitz fluvius, die Drewenz, s. drewante SrP. LLL. 673. 

[trin-t, drohen, rächen] trinie, er droht, JEnch. 12.; s. trenien, 
trinsnan, trintawinni. 



— 191 — 

[trinJc't] trinck-tan, ace. part. pass, (mit per-)^ verstockt (etwa stössig, 
bockig, von litt, trenkti, stossen) Pierson VII. 593. 

trinsnan, acc, Rache. Ench. 57. s. trin4, 

trinta, nom. viri, Bush. IIL 262., daher vielleicht trentitten, Dorf im 
Kr. Fischhausen. 

trintawinni, nom. sg., Rächerin, Ench 54; s. trinkt 

triS'haym, villa, „Dreidorf ' GBK, L 179; trium-kayms (im Codex 
Criükayme\ treon-kaymyn weisigis, glossirt durch trium villarum 
pratum, an einer verderbten Stelle des saml. Theilungstractats von 
1330, s. AMS, VII. 306. 316; vgl. tirtis, kaymis, 

tristin campus, MhW. L, nach SrP. L 56. das Gut trist in Pomesanien 
(wo liegt das?) 

trium-kayme s. tris-kaym, 

troaxtan s. twaxtan, 

trohen campus, MhW. L 

tropeyne, tropin s. trampere, 

troskeilis, Stritzel, ein Gebäck, Voc, 343., in der Handschrift corrigirt 
aus stroskeilis (litt, trdszkus, trdiszkus, mürbe, weich). Pierson 
VII. 589. 

trumya. Ort in Pomesanien. CdF, IL 11 flgg. 

trumpa fluvius. MhW. L, trampen, trumpin, trumpma (wohl trumpina), 
lacus, CdF. IL 23. 107. AMS. IX. 322. 323., ein See nördlich 
von Saalfeld, der heute nicht mehr aufzufinden ist. 

trumpe SrP. I, 56., nova trumpnia, CdP. IL 170., Gut in Pomesanien. 

trumpstis (vuerschene), Feuerschaufel, Feuerschirm, Voc, 361. 

trupeyle, Frosch, im Voc. ist crupeyle zu lesen. 

trupis. Klotz, Voc. 634. (kslav. trupü, kroat. trup, truncus.) Burda 
Beitr. VI. 401. 

truschke, Prov., Kaninchen, (litt, truszkas, trüszke, trüszkis, dass., lett. 
truschinsch, Eichhörnchen; die gemeinsame Wurzel liegt wohl in 
russ. trüszu, trüsif, feige, bange sein, trus, poln. trus, trusia, truska, 
feiger furchtsamer Mensch, auch ein unschuldiges Geschöpfchen; 
tru^, trus, Zuruf an gezähmte Kaninchen und Hasen). 

truso, alter Handelsort in Preussen, in Wulfstans Reisebericht 
genannt, s. Voigt Gesch. Preuss. I. 207. Nach Neu mann^PJBZ.a. 
F. VI. 290 das heutige Kirchdorf Preuschmark nördlich vom 
Drausen (drusa, drusna), 

trutenow, Ortname. CdP. IIL 161. MhW. IL 526.: Dorf trautenau 
Kr. Heilsberg; vgl. auch lautlich Gut trutenau Kr. Königsberg. 

tschezke, Prov., Hänfling, fringilla cannabina (russ. poln. czeczotkä). 

tu, Ench. 19. 34. 35 u. öfter; tou, 1 — 10. 34. u. öfter {du, 50., tuo, 85., 
tau, 86., Drckflf.), nom. sg., du. — tien, 45. 46. 47 u. öfter, tin, 74., 
acc, dich. — tebbei, 38. 46. 48 u. öfter, tebbe, 4. 50.71.74., dat., 
dir. — twaise, 10. 72. 76., twaisei, 2. 9. 84. u. öfter, twaisai, 84., 



-^ 192 — 

twaiasei, 72., gen. sg., deiner. — jous, nom. pi, s. an seiner Stelle 
(Kat L thu, fhou, Kat IL tou, thou), 

[tuba] tuho, Filz, Voc. 448 (litt, tuba, lett. tuhha). 

tuya, der Fluss tiege ira grossen Werder, TcG, 53. nach einer Urk. 
von 1248. 

tuylis, Eber, im Voc. Schreibfehler für cuylis, 

tu^koris, Weber, Voc. 454. (kslav. tükati, russ. tJcu, tkaf, slov. tkem, 
tkati, poln. tkq, tkac, weben, russ. poln. tkacz, böhm. tkadlec, Weber). 

tülan,toulan,iit\iix.^ Ench.U. 7t. viel (litt, tülas, mancher), vgl. ^öw?5. 

tulorwortes s. tusa-wortes. 

tuldtsnan, acc, Freude. Ench. 53. 

tulissones, histriones, MhW. I. 32. 

tuliten campus. MhW. I: 

[tülnint, mehren] tülninai, du mehrst, Ench.^h.^ tülninaiti, imp.pl., 
mehret, 73. s. tülan, 

touls, adv., mehr. Ench. 36. 39. 96. s. Bopp S. 24. und tülan. 

tummonc, vielleicht die heutige Stadt dom««w, Urk. v. 1249. TcG. 19. 

tungis, nom. viri, NFBl. 3. F. V. 302; daher Dorf tungin an der 
ermel. na tangenschen Grenze CdP. III. 161. MhW. II. 526, nicht 
mehr aufzufinden, dagegen entspricht das heutige Kirchdorf tüngen 
Kr. Braunsberg bei Wormditt nicht der Situation der Urkuiide. 

tunclis, Raden, Voc. 272., ist cuncUs zu lesen. 

tupadel^ nom. viri, 1264 Vertheidiger von Wehlau, Dusb. III.^ 122.; 
merkwürdiger Weise findet sich heute ein Dorf tupadel, aber im Kr. 
Neustadt, im nördlichsten Theile von Pommerellen. 

turgawite fluvius in Galindien. TcG. 28, heute turosl. 

turt4, Ench. 1., turrt-t^ 67., turrt-twei, 1., inf., haben; mit einem ab- 
hängigen inf., sollen, müssen (Kat. L turretttvey, Kat. II. turryetwey) 

— turri, ich soll, 27. — turri, turei, du sollst, 1 — 10. 35. 45. 47. 

52. 71. 72. (Kat. I. IL tur) — turri, 39. 52., turei, 51. er hat, 
sie haben; turri, 1. 13. 19 u. oft, turrei, 72, turei, 31. 52. 60.71. 
74. 75., ture, 33., er soll, sie sollen; 32.77. man soll. — tu/rrimai, 
88. wir haben; 1—10. 12. 19. 31. 33.78.94., wir sollen. — fwn«, 

53. 62. ihr habt, 55. ihr sollt (53. als imp. gebraucht). — turtlai, 
turrilai, opt., 66. 69., er habe, er hätte; 79, er sollte; 81, er müsste. 

— turrilimai, opt., 80., wir müssten (litt, turiü, tur'eti, haben, sollen, 
müssen, lett. turreht, haben). 

tumitse s. tewernitze. 

tumo, thurun s. thorun, 

turpele s. torpele. 

turpelis. Leisten, im Voc. Schreibfehler für curpelis. 

tusa-wortes {manchuelt) Voc. 131., ein schwieriger Artikel; vgl. meine 
Ausgabe des Voc. S. 48. Jetzt möchte ich die Lesung manchuelt 
unangetastet lassen und durch „mannigfaltig, vielfach gefaltet" 



— 193 — 

erklären, dagegen in dem preuss. Worte die Verbindung von tusa, 
Stamm von tusimtons, tausend, und einer Ableitung von wartint, wen- 
den, erkennen, also, dem deutschen völlig entsprechend, „tausendfach 
gewendet oder gewunden" übersetzen, und unter diesem Ausdrucke 
die in sich verschränkten kleineren Gedärme verstehen, neben 
denen das Voc. unmittelbar dahinter noch vier andere Theile, 
Magen u. s. w., als Inhalt der Bauchhöhle, wanst, nennt. Ich 
wäre auch, wegen des unbelegten tusa, nicht abgeneigt, mit Pier- 
son VII. 589 tula-wortes zu corrigiren und demgemäss „vielfach" 
statt „tausendfach" zu übersetzen; dagegen kann ich die Deutung 
auf den Blättermagen des Rindes nicht concediren, da an der be- 
treffenden Stelle des Voc, ausschliesslich von dem menschlichen 
Körper die Rede ist. 

tusseyn lacus, MhW. II. 

tusimtons, acc, tausend (litt, tiikstantis), 

tussin, nom. wm^Dush. HL 145. ; daher Gut und Dorf tusseinen Kr. Ragnit. 

tussis, Mücke, Voc. 783. (vielleicht cussis zu lesen?) 

tiissise, opt., er schweige, Ench. 66. (kslav. tichu, tranquillus, russ. 
tichi'i, poln. cichy, still, ruhig, schweigsam; litt, t^kas, tyMs, ruhig, 
still); s. das folg. 

tusnan^ acc, stille, Ench, 56. 

tuwangste s. twangst. 

twai'S, m., twaia, f. nom. sg. , Ench. II. 20. 21. 46. und öfter. — 
twaian, 4. 8. 34. und öfter, acc. — twaidsmu, twaismu, 45. 71. 86. 
95., dat. — twaias, 84. 85. 95. 96., gen. sg. — twaians^ 38. 46. 
48. 49. 93. acc. pl., pron. poss. dein {Kat. I. twaien^ Kat. IL 
twayien, acc. sg.). 

twaisai, twaisei, twaise, gen. sg. zu tu, du. 

twaxtan (qu£ste)^ Badequast, Badewedel, mit dem der Badende 
geschlagen wird, Voc. 553., nicht Badeschürze, s. Pott Beitr. VI. 117. 
E. Volckmann will in der Handschrift troakstan lesen^ mir scheint 
aber nach wiederholter Einsicht in dieselbe twaxtan sehr deutlich da- 
zustehen, s. AMS. VI. 320. VII. 589. (litt, twoskinti^ stark schlagen). 

twangst, twangste, twankste, twongst, twoyngst, tuwangste ^ Name des 
bewaldeten Hügels, auf welchem 1255 die Burg Königsberg gegründet 
wurde, SrP. III. 560. Note; die letzt angeführte Namenform findet 
sich bei Dusi. III. 72., aber wohl irrthümlicher Weise als bei den 
Preussen üblicher Name der Stadt Königsberg, indem er sagt: . . . 
aedificaverunt (Magister et fratres)castrumKv>nningsberg,vocantes illud 
oh reverentiam Regis de Bohemia castrum Regis (apud Pruthenos 
dicitur Tuwangste a nomine Sylvae, qu^e fuit in dicto loco). 

twarg s. dwarg. 

twarcte^ twarkte, nom. paludis. AMS. VII, 306. 

twirigeiten locus. NPBl. 3. F. V. 301. 

Nessel mann, Thesaurus. 13 



— 194 — 



u. 

uhha-cohe^ ouhe-tohe, oiihe-touhe^ Ortname. ÄMS. VIL 296. 

[wdra] vdrOj Otter, Voc, 667., früher von mir unrichtig orfro gelesen, 
s. ÄMS. VI, 321. (litt, üdra, lett. uMris^ uhderis, kslav. wuidra^ 
Serb, wvdra, russ. poln. böhm. slov. wydra, sanskr. udra, griech. 
iv'VÖQlg^ lat. l-utra)\ hieher die Ortnamen ttder-hallen {\itt, hala, 
Sumpf), uder-wangen (s. wangus\ vder-walde, und vielleicht odritten. 

uka, ucka, Partikel, die den Adj. und Adv. vorgesetzt diesen Super- 
lativbedeutung giebt; die vorkommenden Beispiele sind folgende: 
uckorkuslaisin, acc , den schwächsten, Ench. 58., ucka-is-arwiskai, 
adv., auf das treulichste, 96.; ucka-ldngwingiskai, 13. - längi- 
wingiskai, 19., - längewingiskai , adv., 28., uka-längewingiskan, 
acc. adv., 40., auf das einfältigste (uckce- 28. Drckf.) (vgl. augint, 
augis, auctas, litt. dugt% wachsen u. s. w.) 

ulint, kämpfen, Ench. 88. 

umne^ umnode^ s. um2)na, ttmpnis, umpnode, 

umpna und abgeschwächt umne^ Name eines Hügels, AMS. VIL 302. 
313.; uumpnis, vwnpnis, wohl gleich umpnis, Voc. 331., Backofen; 
umne wird a. a. 0. 302. glossirt durch cUhanus, es hätte demnach 
der Volkswitz den in Rede stehenden Hügel seiner äusseren Forra- 
bildung wegen mit einem Backofen verglichen; vgl. taurus-galwo, 

[umpno-de] umno-de^ Backhaus, Voc, 330., wohl Backofenraum, die 
Endung -de gleich litt, de in alüde, alud'e, Bierfass, Bierkeller, von 
alüs, Bier, awi-de, Schaafstall, von awls, Schaf; s. das vor.; beide 
Worte, uumpnis und umnode wusste ich bei der Ausgabe des Voc, 
nicht zu lesen, erst die Glosse clibanus in dem saml. Theilungs- 
tractat von 1330 eröffnete mir das Verständniss. 

und-s^ nom., undan, acc, undas, gen. sg., undans, acc. pl., Wasser; 
Ench. 28. 30. 3t. 69. 85. 93; wundan, Voc, wunda, Gr. s. dd. 
(litt, wanden, nom. wandu, lett. uhdens, slav. woda) ; hieher die Ort- 
namen wund-lauken (wund-lacken), po-wunden. 

unsai, unsei, adv. hinauf, nach oben hin, Gegensatz zu semmai, 
Ench. 15. 91. (Kat, I. unsey, Kot. II. unsei) (litt, praep. uz- vor 
Verben). 

unsatrapis castrum im Territorium Wohnsdorf, Dusb. III. Ib., bei 
Schütz wusatrapen, bei Andern wunstorp, schon früh im Munde 
der Deutschen in wohensdorp, wohnsdorf Übergegduigen; s. Mülver- 
stedt in den NFBl. a. F. V. 328. 329; identisch mit audoUten, 
ebend. 329—332. 

ur-s, nom. sg., urans, acc. pl., uremmans, dat. pl., alt. Ench. 31. 81. 
vgl. uraisin und woras (litt, obsol. woras, im russ.-litt. noch jetzt 
orüs als Nebenform zu woras, sanskr. vara). 



— 195 — 

uraisin, ace. sg., uraisins, waisans, ace. pi., Ench. 4. 52. 60. 63., 
Comparativ zu ur-s, alt, 1) der ältere 60., 2) pi. die Aeltesten, 
die A eiteren 52. 63., 3) die Eltern 4.; uraisin 60. beruht auf 
einer missverständliehen Uebersetzung; statt des deutschen „seid 
unterthan euren Eltern (parentibus)" giebt der Uebersetzer: seiti 
poMusmingi jousmu (dat. sg.) uraisin, seid unterthan eurem älteren, 
d. h. dem, der älter ist als ihr. 

urminan, acc, roth, Ench 85., warmun, Gr., wormyan, Voc. s. d. 
(kslav. rumjenü, russ. rumjanyi, poln. rumiany, böhm. rwmö^^, 
rumn^, slov. rumen, roth). 

us^es, f. pl., Wochenbett, Kindbett, geben Ruhig und Mielke 
in ihren Wtbehn. ; das Wort ist aber nicht echt litt., sondern aus 
der preuss. Sprache in die litt, hinübergezogen, und schliesst sich 
an preuss. usch-ts,, der sechste, an, während die litt. Sprache aus 
s^eszt, sechs, das übliche sscszes, Wochenbett, bildet; nach Mielke 
wird auch in manchen Gegenden Littauens von usees die Ableitung 
uszininke, Seehswöchnerin, gebildet, der ein preuss. u^zinihe ent- 
sprechen würde. 

uschts, ra., uschtai f. nom., uschtan acc., der sechste, Ench. 6. 25. 
31. (Kat L wuschts, Kat IL usts), s. d. vor. 



w. 

wdbelcko (eppü), Apfel, Gr., s. wolle. 

wadang, wadange, wadangen, lacus, fluvius, silva\ wadangen-vlis. MhW. 

L IL IIL Hennenb. II. 25. 
wadule, Pflugbaum, Pflugbalken, auch Grindel genannt, Foc. 250. 
wagi-pelki s. wagis. 
wagis, waygis, Dieb, in wagi-pelki, waygis-pelkis , AMS. VII. 306. 

315., wo das erstere glossirt wird durch qus (palus) dicitur palus 

furum : | Dibbruch | : ; die preuss. Sprache hatte also das dem litt. 

wagis, Dieb, entsprechende Wort wagi \ivagis\ und mit Vocalverstär- 

kung waygis \ dagegen liest ein anderer Codex an derselben Stelle 

waykis-pelkis, wo das k wohl fehlerhaft ist. 
uHighnie lacus. MhW. II 
tvagnis, Sech, Pflugmesser, Voc. 244., das die Erdschollen vertical 

abschneidet. 
[waid, Verbalstamm von der Wurzel wid, davon] waist, inf., wissen 

Ench. 39., waisei, waisse^ du weisst, 37., waidimai, wir wissen, 33., 

waiditi, ihr wisset, 73., auch imp. pl. , wisset, 6t. 62.; s. waidin-t, 

waisnan. 

wayde, Versammlung, Berathung AMS. IV. 1 56., wohl richtiger 

wayte, s. d. 

13* 



— 196 — 

waideloUe^ und in deutscher Bildung waideler, waidler, heidnischer 
Priester; die waidelotten leiteten den Gottesdienst und vollzogen die 
Opfergebräuche, s. Sprache der alten Preussen S. IX. flgg., desgl. 
das Verbum waidleimai. 

waidewut, angeblich der Name des ältesten Oberpriesters, wahrschein- 
lich desselben Stammes wie waidelotte. Hennig 295. 

waidin-t, zeigen (mit i>o-), waidinnons, part. act. (mit ew-), waidinna, 
er zeigt, sie zeigen Ench, 42., waidinna-sin, er zeigt sich, beweist 
sich (freundlich) 80., waidinne, waidinnei, 3. praes. (mit po-), wai- 
dinneiti, imp. pl. (mit po-), auch als 2. pl. praes. gebraucht ; Cau- 
sativ zu wid, vgl. waid. 

waidinsnans s. per-waidinsnans. 

waidiS'pelhis, Ortname, AMS. VIL 306.; s. pelky, 

waidleinmi, Ench. 2., wir waidlen, in der Lutherschen Erklärung 
des 2. Gebots, keinem Worte des deutschen Textes entsprechend; 
waidein, waidlen, das bei S. Grünau oft vorkommt, s. Sprache 
der alt. Pr. S. IX. flgg., hiess, die gottesdiejistlichen Gebräuche ver- 
richten durch die dazu bestimmten Priester, die daher waidelotten 
hiessen; um diesen mit manchen abergläubischen Gebräuchen ver- 
bundenen Gottesdienst den neubekehrten Preussen eindringlich zu 
verbieten, hat der Uebersetzer den Begriff in die Erklärung des 
2. Gebotes aufgenommen; das Wort scheint ebenso wie waidelotte, 
waidewut^ der Wurzel wid, sehen, waid, wissen, anzugehören. 

waygis, waygis-pelkis, s. wa^is, 

waijos s. wayos. 

\waik-s\ waix, nom., waihan, acc. sg., waikai, nom. pl., waikammans, 
dat. pl., Knecht. Ench, 10. 34. 35. 61. (waikui 61. Drckf. für 
waikai) (litt, walkas, junger Kerl, pl. waikai, die Kinder); vgl. 
wayklis und woykello\ Sohn und Knecht sind dem Bauern sehr nahe- 
liegende Begriffe. 

wayka-raykis, Ortname, AMS. VIL 307., Nebenform woikaritz, 
waykelle, s. woykelle, 
waykis-pelkis s. wagis. 

wayklis, Sohn, Voc, 190., vgl. waik-s\ ob das l in wayklis 2a\ seinem 
Platze sei, kann sehr zweifelhaft erscheinen; vgl. indess Gr's woy- 
kello, litt. Dim. waikelis, dagegen aber preuss. ar-waykis u. waiks, 

waynote, nom. viri, NPBl a, F, VI, 173.; daher Dorf weinotten Kr. 
Tilsit. 

wais4, waisei, waisse s. waid. 

waissel, nom. viri, NPBl a. F. VI. 173.; daher Dorf weissels Kr. 

Heiligenbeil, ob auch Hof wesseln bei Elbing, Gut wesslienen Kr. 

Heiligenbeil, dürfte zweifelhaft sein. 
waisennis s. po-waisennis. 



— 197 — 

waisines s. reide-waisines (litt. w'S's^e f. Gast, weszeti, zu Gaste gehen, 
lett. weesis, Gast). 

waisnan, ace, Kenntniss, Ench. 78.; s. w;awZ. 

wais-pattin, ace, Frau, Hausfrau, JEwcÄ. 35. 62. (litt. wes0-pats, 
vornehmer Herr, we'sz-kelis, Landstrasse, von kslav. wtst, praedium, 
vicus, sanskr. vig^ Manu der dritten Kaste, der Gewerbetreibenden, 
Ackerleute u. s. w., vigäm patis^ Herr der vigäs^ Epitheton der 
Könige); s. pattin, hutta-waispattin. 

waystote, nom. viri, NPBl. a. F. XI. 1 94., daher waistote-p'Ue, weistote- 
pila Bush, IIL 114. 115., Burg in Barten. 

wayte, woytis, wayde, Ansprache, Besprechung, Versammlung behufs 
Besprechung, im Mittelalter auch deutsch spräche, gespreche genannt, 
s. in karige-wayte und cariorwoytis, von waitiät^ reden. Die unge- 
nauere Form wayde findet sich in der üeberschrift des alten preuss. 
Rechts in Ldband jtira Prutenorum p. 7. : Dies sint rechte, die in 
der Pomezenischen way den getailet und fur rechte funden; vgl. 
AMS, IV, 156. 

waytenyn campus et villa, das heutige Dorf wagten bei Wormdit Kr. 
Braunsberg. MhW. IL 

waitiä-t, Ench, 8. 66., waitia-tun, Kot, J., waytia-ton Kat, IL, inf., 
reden, waitiäuns, part. act. (mit wo-), waitiaintins , acc. pl. part, 
praes. , die Sprechenden, Ench, 51. (s. emprtki)^ waitia^ er redet 
(mit en-), waitiämai, wir reden, 8. (kslav. wjetowati, russ. wjecmf 
(mit ot'), reden, kslav. wjetit, russ. wjetijä, witii, Redner), s. wayte, 

• waiting, 

waiting, weiting, witing, in älterer Zeit Bezeichnung der im Lande, 
besonders in Samland ansässigen Stammpreussen , einer Art von 
einheimischem Landadel, der, soweit er nach der ersten Unterwerfung 
dem Orden und dem Christenthum Treue bewies, mancherlei Vor- 
rechte und Bevorzugungen genoss; seit dem 14. Jahrh. diente der 
Ausdruck zur Bezeichnung der Ordensdiener und Ordensbeamten 
preussischer Nationalität, die in verschiedenen Zweigen der Verwal- 
tung Verwendung fanden ; sachlich Ausführliches hat Toppen AM8. 
IV, 141 — 147. gegeben; sprachlich schliesst sich das Wort an das 
vorherg. waitiät, reden, an, und ist, wie es scheint, die Verstümme- 
lung eines ursprünglich preuss. waitiniks, Redner, s. Sprache der 
alten Preuss. S. 76. ; es waren die Männer, welche in der Gemeinde 
und für dieselbe das Wort führten, die Sprecher des Volks. Eine 
andere Etymologie giebt Neumann zu SrP, IL 455., indem er 
auf litt, witöti, willkommen heissen, und einige ähnliche slav. Verba 
hinweist ; aber erstens bedeutet litt, witöti u. s. w. primo loco nicht 
willkommen heissen, sondern einem Gaste zutrinken, zweitens aber, 
die Bedeutung „willkommen heissen" zugegeben, von wem soll die 
Benennung witing, waiting ausgegangen sein? sollen die deutschen 



— 198 — 

Herren, von denen jene Stammpreussen, als sie sich unterwarfen, 
willkommen geheissen wurden, diesen Umstand mit einem preuss. 
Worte bezeichnet haben? oder sollen umgekehrt die Witinge diejenigen 
gewesen sein, welche den Orden im Preussenlande willkommen 
Wessen? Beides ist gleich unglaublich. 

wayos, Wiesen, Voc, 282., wahrscheinlich wai-jos auszusprechen, wie 
auch der in der Handschrift sichtbare i-Strich über dem ersten 
Theile des y andeutet; (litt, wejä, Rasen) Pierson VH. 589 ; hie- 
her der Ortname po-wayen Kr. Fischhausen ; vgl. weysigis, 

wackirtwe% rufen, ermunternd zurufen (im deutschen Texte locken) 
Ench, 19. ; wacke, er ruft, sie rufen (mit en-, preir), wackemai, wir 
rufen (mit ew-); (sanskr. wak, wac, sprechen, lat. vocare, voc-s), s. 
das folg. 

wackis, Geschrei, Voc. 415., ist wohl der Aufruf zu den Waffen, 
oder allg. Kriegsgeschrei. 

wackisna s. po-wacktsna. 

waldio campus, MhW, L 

[toaldniks^ nom.] toaldniku, dat. sg., waldnikans, acc. pl., König, 
JEhch. 56. 57. (litt, waldyti, lett. waldiht, kslav. wladq, wlasti, russ. 
wlac^ef, poln. wladac, goth. waldan, ahd. tvaltan, herrschen) ; viel- 
leicht gehört zu demselben Stamme der Name des Gutes wald-keim, 
Königsdorf, „Herrendorf'^ Kr. Preuss. Eylau. 

wdldow, nom. viri, Dush. HL 321.; daher waldow, waldowe, Dorf 
wcddau Kr. Königsberg, Bush. IIL 71. 102. CdF, L 146. NPBl 
VIIL 344. ÄMS. VK 307., auch führen zwei Vorwerke in den 
Kr. Rössel und Rosenberg denselben Namen. 

waldüns, nom., wdldünen, acc. sg. , weldünai, nom. pl. , der Erbe. 
Euch. 30. 83. 95. (litt, pd-weld'eti, erben) s. draiigi-waldünen, sen- 
draugirweldnikai, weldtsnan. 

waldtmco, Ritter, d. h. wohl Gutsherr, Voc. 406. (kslav. wladüika, 
russ. poln. wladyka, dominus, dux, sacerdos, episcopus; vgl. das zu 
M;a?eimÄ:s Beigebrachte; beide Worte sind unfehlbar derselben Wurzel 
entsprossen); die Femininalendung ö, d, La ist wohl aus dem slav. 
beibehalten; s. Pott Beitr. VI. 123. Pauli VH. 163. 

tvaiewona, wdllewona castrum, nach Bush IIL 116. 117. der preuss. 
Name einer von den Deutschen wisenhurg genannten Burg in Bar- 
ten; es ist wahrscheinlich das Dorf und Vorw. galwunen oder gal- 
hunen, ehemals galwone genannt, im Kr. Rastenburg; s. NPBL a. 
F. XI. 191. TcG, 22. SrP. L 110. 

toalge, esset, Gr. (litt, wälgyti, essen); als grammat. Form entspricht 
aber walge keineswegs dem deutschen imp. pl. esset. 

walis (orschyt)^ Ortscheide, Bracke, Wagenschwengel, Voc, 
252. (litt, wögas, Dimin. wogelis, woraus vielleicht wölis^ wie brolis 
aus brotelis) Pierson VU. 589. 



— 199 — 

walkan s. bur-walkan. 

valx, Falke, Voc, 171., wegen des anlautenden v sehr verdächtig; 
es ist wohl einfach das deutsche Wort mit dem preuss. Nominativ- 
sufiSx -5. 

walnennien, acc, das Beste, Ench, 8.; s. Bopp S. 24. 25. 

walnint, walnennint, bessern, Ench. 7. 35. (litt, wdlnyti, befreien?) 
Pierson VII. 593. 

walsca, walscha, walske, walsche, Fluss im Ermeland, der in die Pas- 
sarge fällt. CdP. IL 21. 81. 82. IIL 160. MhW. L IL 

walwange^ Gut in Pomesanien, CdP, LI, 23. 

wambresia, Stadt hriesen im Kr. Kulm, auch frideck^ toredeck genannt. 
TcG, 118. 156. 176. 177. 

wam-lauken, vam-lauken campus MhW. IL 

wanags, wanax, Habicht, erscheint nur in den Verbindungen spergla- 
wanag{s\ Sperber, wörtlich „Sperlingshabicht", und gertO'(w)anax^ 
der eigentliche Habicht, wörtlich „Hühnerhabicht"; vgl. Pott Beitr. 
VI. 116. AMS, VL, 319. (litt, wdnagas, lett. wannags). 

wangaiten, wengaiten, Ortname, deutsch hoenberg, MhW. IL,, das 
Dorf wenigaiten im Kr. AUenstein. 

wangan, acc, Ende, Ench, 22. 25. 26.; en wangan^ endlich. 25. 

wangeniken, wangenikin, wangniken, wangnikin, Dorfname in Samland, 
GDK I, 143. AMS. VIL 298., das Dorf wangnicken Kr. Fisch- 
hausen; der Name bedeutet Bewohner einer wange^ s. wangus. 

wangint, vollenden, Ench. 66.; s. wangan, 

wangiskan, acc, Ende; en wangiskan, endlich Ench. 96. 

wangoy, wangoyen, wongoy, lacus, fluvius, MhW. IL III. CdP. IV. 
186.; vgl. das Dorf wengoien, Kr. Rössel. 

wangrapia, wengrapia, Name des Flusses angerap Ihisb. IIL 111., 
bei Hennenb. II. 25. wangrappe\ es hat also wohl neben awgfwrys, 
s. d., die Form wangurys, Aal, bestanden. 

wangus (damerawj, schlechtbestandener E ich w aid, halb ausgerodete 
Waldfläche, auch jetzt noch provinciel wange, f., genannt, Voc. 588. ; 
vgl. damerau und Pauli Beitr. VII. 178.; häufig iii einfachen und 
zusammengesetzten Localnamen: wange^ wangen, wangaiten, wange-- 
niken, wangitt, wangoy^ wangoUen, wanghusen, per-wangen, po-wangen, 
absch-wangen, alex-wangen, aucto-wangin, kalt-langen, kin-wangen, 
por-wangen, rud-^^angen, wangnies-keim, und das Flüsschen wang-ape 
bei Gerdauen. 

wans, acc pl. zu tu, euch, s. jous, 

[wansa] wanso (irstebart), der erste Bart, Pflaum, Voc. 100; vgl. 
Wonnen (kslav. qsü, wqsu, poln. wqs, russ. us, litt, usal, lett. uhsa, 
Schnurrbart). Pauli Beitr. VIL 163. 

warene, messingenerKessel, Voc, 3 56, zu wargien, litt. wdrias, Kupfer. 

warewingin, acc, gewaltig, Ench. 63. s. warrin. 



— 200 — 

warg-s, nom., wargan, 2iCC.^ wargasmu, i*dt., wargans, ace. pi., 1) adj., 

schlecht, böse. JEnch. 7. 8. 22. 23. 31. 46. 48. 88. — 2) subst., 

Leid, Uebel, Böses, 5. 14. 26. 34. 46. 54. 80. (litt, wärgas, lioth, 

Elend, lett. wahrgs, kränklich, siech, wahrgt, elend, arm sein; 

vielleicht gehört auch hieher kslav. wragu, russ. wrag, Feind, poln. 

wrog, Feind, Uebel, goth. wargs, ahd. warg, nihd. ware, homicida, 

diabolus), vgl. warge, pa-wargan, po-wargewingiskan. 
wargalle, nom. viri, NPBl. a. F, VI. 174., dsiber warkalkn- (?), Dörfer 

in den Kr. Allenstein, Gumbinnen, Goldap. 
warge mien, es gereut mich, Ench, 35., vgl. pa-wargan. 
wargele, nom. viri, NPBL 3. F. V. 300, daher wargelitten, wargliUen, 

Güter in den Kr. Fischhausen und Osterode, warglauken (wargel- 

lauhen) Kolonie im Kr. Insterburg. 
wargen, wargin, Kirchdorf und ehem. Kammeramt im Kr. Fischhausen. 

Dusb, IIL 102. AMS, VIL 296. 301. 
wargewingishan, s. mit po-, 
wargien, Kupfer, Voe. 525. {g aus j oder i verhärtet, wie in garge 

s. d.; vgl. litt, wdrias, lett. warseh, waffa, Kupfer); vgl. warene, 
wargsennien s. mit po-, 
wargu, adv., übel, Fneh. 36. asniai wargu no-4vaitiäuns, ich habe 

übel nachgeredet; s. auch das folg. 
wargunseggientins, acc. pl., Uebelthäter, Fneh, 57.; s, segit 
warrin, warrien, acc, Gewalt, Fneh, 16. 46. 48. 54. 83; warein^ 

16. 54 scheint Drckf.; (lett. warra, Macht, Gewalt, warreht, können, 

vermögen; kslav. warjq, wariti, und warjajq, warjati, praecedere, 

praecurrere) s. warewingin, 
wartsnan, acc, s. ep-wartsnan, zu dem vor. 
war-kaim s. wor-kaim, 
war-laek s. wor-laek, 
warmia, die Landschaft Er m eland, DusK III, 3. u. oft^ über die 

Namen Frmeland, Warmia und Wormedithe vgl. Mülverstedt 

NPBl a. F XI, 11 flgg. 181 flgg 
warmun, roth, Gr,; s. urminan, wormyan, 
wa/rnay \^eopa'\ -eopo, Warkringel, Wargengel, lanius excubitor, 

Voe, 755; s. das folg. 
warne, Krähe, Voe, 722. (litt, wdrna, lett. wdhrna, kslav. wrana^ 

russ. woröna, poln. wrona, böhm. wrana) vgl. huea-warne; hieher 

oder zu warnis die Ortnamen warnieken, warniekam, warnikeim 

9 

warnig-keim, sämmtlich von dem Dimin. warniks, warnieke gebildet, 

ferner warneinen und warnits, 
warne fluvius CdP, III 160. MhW. II 523. 
warnis, nom. sg., Voe. 721., warnins, acc. pl, Fneh. 50, Rabe (litt. 

wämas, lett. wahrns, kslav. wranü, niger, corvus, russ. wbron, illyr. 

bran, niederlaus, ron); vgl. eol-warnis. 



— 201 — 

warnitz, Name eines Ackerstückes, KPBl, XL 74. etwa „Krähenfeld*', 
vgl. ausnit 

warpe, ein in verschiedenen Ableitungen und Zusammensetzungen vor- 
kommendes Wort, dessen Bedeutung unklar ist ; s# die folgg. 

ivarpe-lauke, warpe-lawJcen, warpc-lawkin campus, CdP, HL 162. 
MhW. LL, 8. 527., das heutige Gut worp-lack Kr. Rössel. 

warpen-wagen, Wagen, die von den kreczem oder Erbkrügen zum 
Transi)ort von Kriegsgeräth gestellt werden müssten; so heisst es 
in der Jahresrechnung des Amtes Sehesten von 1655: An Erbkrügern 
sind ihrer 14 und müssen einen Warpenwagen halten und 104 Mark 
zahlen. NPBl a. F. LLL 265. 

warpoda, vir prutenus, MhW. L 20. 

warpoten; in der Primordial verschreibung von Sehesten von 1401 heisst 
es: Des so sollen sie uns von iglichem Krezmsr mit seiner Hufe jähr- 
lich auf Lichtmsss Zinsen und gehen drei Mark gewöhnlicher Münze, 
und dazu warpoten und beleiten als andere unsere Krezmer zu 
Llaw und Lunenburg, s. Toppen ÄMS, LV, 513, der hinter beleiten 
in Parenthese hinzusetzt: Kriegswagen stellen. 

warpune, nom. viri, NPBl. a. F. VI, 173; daher warpuhnen, Dorf 
im Kr. Sensburg. 

wärst, mal, s. aina-wdrst, ygl. wartint, 

warsus, Lippe, Unterlippe, Voc, 91. (poln. warga?) 

[warta] warto, nom., Voc, 210., wartin, acc, Ench. 84., Thüre, zu 
wartint s. d.; vgl. dauris und lapi-warta (litt, wärtai, pl., lett. wahrti, 
Thor; kslav. wrata, russ. worotä, poln. wrota, Pforte, böhm. wrata, 
Hausthüre); vgl. Pauli Beitr. VII. 163. 

wartint, wenden, Ench, 8., wartinna, er wendet, 69 (litt, wartmti, 
hin und her wenden, wertü (werczü), wersti, wenden, kehren, lett. 
wehrtiht, kslav. wratiti, wrttjeti, russ. wertjef, lat. vertere, sanskr. 
vart)\ s. warta, wartisnan, wertinnewingi, 

warttsnan s po-wartisnan, 

ivasche, waschke (seh = z), Prov,, kleiner Wagen oder Schlitten ohne 
Eisenschienen, Hen n ig 297; am kurischen Haff nennt man wasche 
auch einen auf ein Schlittenuntergestell gesetzten Kasten zum Trans- 
port von Waaren und andern Gegenständen; (litt, wdzis, kleiner 
einspänniger Schlitten für eine Person, lett. waschus, Kinderschlitten, 
Waschini, Kinderwagen, kslav. wozu, currus, von litt, wem, weszti, 
zu Wagen oder Schlitten führen, wesztis, fahren, lett. weschu, west, 
führen); s. wessis, 

wascoy, waschoi, waschkonika fluvius^ MhW, L 

[wed, Verbalwurzel, davon] tves-t, wes-twei, inf., führen, Ench, 2. 56., 
wedduns, part. act. (mit ^a-), weddä, er führt (mit i?er-), weddS, 
aor., er führte, 68., weddeis, imp., führe, 25. (Kat. L wedais, Kat. IL 



— 202 — 

wedeys); (litt, wedü, westi, lett. weddu, west, kslav. wedq, westi, russ. 

wedu, westi, poln. wiodq, wiese, u. s. w. führen). 
weder, wedera, wedir locus, CdP.IIL 162. MhW.IL 528. ÄMS.IIL 646. 
weder-kaym, wedir-kaym, Ortname, CdP. HL 161. MhW. IL 527; 

es giebt ein Gut wöterheim im Kr. Friedland und ein Dorf weUerkeim 

im Kr. Preuss. Eylau, keines von beiden aber entspricht der Situation 

der Urkunde. 
weders, Bauch, Magen, Voc. 122. 132 (litt, wedaras, Magen, lett. 

wehders, Bauch, vgl. auch litt, toidwrei, die Eingeweide). 
[wediga] wedigo, Zimmerbeil, Voc. 531. (litt, wedegä), Pierson 

VII. 589. 
wedick, Prov,, Enterich, auch Wart, Erpel genannt. A MS. FJJZ.692. 

(litt. wedikaSy kslav. wedM, Führer, s. wed), 
weydi, weidin, s. wida, wydi und ainorweydi, tmssa-wcidin. 
weydikausnan s. toydikaus^zan. 
weyduUs (sehe), Augapfel, Pupille, Voc. 81., s. wid. (litt, akes 

paw^dulis, Augapfel). 
weyssen s. wyse. 

weissen, weyssen locus CdP. IV. 185. MhW. HL Hennenb. IL 28. 
weysewingi, nom. pl., fruchtbar. Unch. 73., s. weisin. 
weysigis, Wiese, pratum, s. unter tris-koym und vgl. woyos. 
weysike, weyseke, weysko, weiske, weseco, der Fluss weeske, der von 

Osten her in den Drausen fällt. CdP. IL 41. 51. GDK L 62. 72. 

MhW. LH. Bush. LLL 169. SrP. L 477. 
weisin, ade, Frucht, Ench. 76. (litt, woisüs). 
weiscoynys, weiskoynis, weiskin, woyskoynis (weiskeim?) villo, CdP. IL 

41. 51. 126. GDK L 62. MhW. L NPBl. VLLL 342., das Dorf 

wischehnen Kr. Fischhausen. 
weistins, acc. pl. s. po-ivystin. 
weistote-pila, s. woistote. 
weiting s. waiting, 
[weck...] weekommoi s. m\i per-, 
iveclitze, wecrize costrum, Bush. LLL. 169., das Dorf wöeklits Kr. Elbing, 

nördlich vom Drausen. MhW. L. kommt wekelitz als Personenname vor. 
wela, pro-welo s. wil-t. 

weldisnon, acc, das Erbe. Ench. 9. 96. s. waldüns. 
iveldnikoi s. waldüns, sen-drougi-wSldnikoi. 
weldünoi s. waldüns. 
welgen, Schnupfen, Voc. 157. (kslav. wlaga, huraor, wlUgukU, humidus, 

litt. wUgyti, anfeuchten, lett. welgons, poln. wilgotny^ russ. wlaznyi, 

feucht.) Burda, Beitr. VI. 402. 
welk, Prov., ein Kraut, Species von verbascum, deutsch Wollkraut, 

WuUkraut; so nach Hennig 292; aber der preuss. Name würde eher 

auf Wolfskraut, sedum telephium, hinweisen, von unikis, Wolf. 



— 203 — 

toeloblundis (muel) Maulthier, Voc. 437, in den nächstverwandten 
Sprachen das Kam eel, (goth. ulbandus, ahd. olpenta, kslav. welibcfdU, 
tveltblqdu, poln. wielblqd, russ. werbliüd, litt, werbliüdas), 

wdow, welowe, die Stadt Wehlau. NPBl VIIL 342. 344. CdP. IL 211. 
NPBl. a. F. IV. 30. vgl. wilow. 

welowo, Dorf fehlau Kr. Braunsberg. TcG. 152. 

welsas, welsais, mllizas castrum im Kulmerland, Dmb, III. 192. 263. 
NPBl. a. F. XL 10. TcG. 9. 170, Dorf wielsans, poln. wieldzc^, 
Kr. Kulm. 

w^ewe campus, MhW. I. 

wengrapia s. wangrapia. 

wenter, Prov., klingbeutelartige Netze, welche in einander gehen und 
bei der sogenannten Stellfischerei mittels langer Stangen (Pricken) 
auf dem Boden des Wassers befestigt werden, da wo man den Zug 
der Fische erwartet; so Frischbier; nach Hennig 292. ist wmtres 
das gi'osse Fischergam, das von Kähnen gezogen wird (litt, wentaras, 
wentaris, wenteris, poln. wiqderz, die von Garn gestrickte Fisch- 
reuse; die von Weidenruthen geflochtene heisst litt, warms). 

wepe, Prov., Weib er decke, die anstatt eines Mantels um die Schultern 
gehängt wird, im Voc. 494 als deutsche Erklärung von pasta (lett. 
weepe^ dass., weept, sich verhüllen, weeplis, Hülle); wgl.ÄMS.VIII. 
696. und Art. damerau. 

[wer-t, nur mit eir^ öffnen] were, 2. sg. praes., werreis, imp. sg., 
wiriuns, part. act. (litt, weriü, werti und at-werti^ lett. et-wehrt, 
kslav. otU-wruzati^ otü-wrjesti, russ. ot-worif, öffnen, kslav. wrq, 
wrjeti, böhm. m-wirati, poln. m-wierac^ claudere). 

\weraurt, währen] wSrawi, es währet, Fnch. 50. 

werb^he insula, MhW. L. 

werene, Ort in Pomesanien, CdP. LL. 11. flgg. 

werennye^ Dorf zu Medenau Kr. Fischhausen, GDK. L. 186. 

werchelen villa, in Samland, NPBl. VLIL 342. X 175. 

wermeno campus, MhW. L. 

werp-t^ wierp't, lassen, mit et-, erlassen, vergeben, mit 2>ö-, verlassen, 
unterlassen ; wierpons (mit e^), unerpuns (mit po-), part, act., wierp- 
tmi (mit et-), part, pass., werpe (mit e^-), 1. sg. praes., wierpei (mit 
et-), 3. praes., werpimai (mit et-), I. pl. praes., (Kat. L. werpimay, 
Kat. II. werpym^y)^ werpeis (mit et-) imp. sg. , wierptai (mit po-% 
imp. pl., (der Form wegen vgl. teiks)\ s. das folg. und aurwirpis, 
krauya-wirps, po-wtrps. 

werpsennien, werpsnä s. mit et-. 

werst s. toirst 

werstian, Kalb, Voc. 674., wohl durch Elision aus tversistian ent- 
standen, (litt, werszis, Kalb, lett. wehrsis, Bind, Stier, wehrsens^ 
junges Rind); s. eristian. 



— 204 — 

wert'S, nom. sg., wertet, nom. pi, werth, würdig, Ench. 24. 52.; 
falsch gebraucht: stans uraisins laikutei dwiggubhas teisis werts, die 
Aeltesten haltet doppelter Ehre werth, 52. (litt, wertas, lett. wehrts, 
wehrtigs, poln, wart, warty, dass., goth. wairths, der Werth, u. s. w.) 

tvertemmai, wir zaubern Ench, 2.; die Bedeutung ist aber unsicher, 
da die Uebersetzung an der Stelle sich nicht stricte an den deutschen 
Text hält (litt, wardau, wardyti, zaubern?) Pierson VII. 593. 

wertinnewingi, s. wartint und ep-wertinnewingi, 

werttng-s, nom., würdig Ench, 35. 44., s. ni-wertings. 

wertingiskan, acc, Würdigkeit Ench, 14. 19. 

werttwings, nom., als adv. gebraucht, würdig, Ench, 44. 

werus s. au-werus, 

werwirsis, Lerche, Voc, 733., vielleicht wewirsis zu lesen? (litt. 
wewers^s), 

wessals, nom, fröhlich Ench. 86. (kslav. weselu^ russ. wesely'i, poln. 

• wesoly, dass., poln. wesele, Freude, lett. wessels^ gesund) s. wesselingi, 
wesliskan, 

weseca s. weysike. 

wesselingi^ adv. fröhlich. Ench, 48. 

wesen s. wyse, 

wesgintz, Ortname in Samland, AMS, VIT. 299.; vgl. msge oder 
weysigis, 

wessis (ryetsletej, Spazierschlitten, Voc. 308.; vgl. wasche, waschke, 

wesliskan, acc. Freude, Ench, 46. s. wessals, 

west s. wed, 

[wetra] wetro. Wind, Voc, 53. (litt, wetra, lett. wehtra, Sturm, kslav. 
wjetru, russ, wjetr, poln. tviatr, böhm. mtr. Wind); s. v}ydra. 

wewa terra, MhW, III, TcG, 18. 152., die Gegend, in welcher Mehl- 
sack liegt. 

weware, Eichhorn, Voc. 660. (litt, wowere, lett. wahweris, poln. 
wiewiorka, böhm. wewerice). 

wewirsis, Lerche s. wertvirsis. 

[wid, durch den ganzen Sprachstamm verbreitete Verbalwurzel in der 
Bedeutung sehen, davon] widdai, er sah, Ench, 79.; vgl. waid, 
waidint, waist, weydulis, wydikaiisnan. 

wida, widi, pronominales AbleitungssufiSx, die Beschaffenheit bezeich- 
nend, z. B. ka-widas, sta-widas, ainorwydi, kitta-widei, kitta-widin, 
wissa-widin, und in verstärkter Form weydi, weidin s. d. (sanskc. 
vidha, vidhi, Art, Beschaffenheit); s. Bopp S. 49. 

widdewü, nom. sg., widdewümans, dat. pl., Witt we, JSwcä. 64. (kslav. 
wtdowa, wdowa, russ. poln. wdowa, goth. viduvo, vidovo, ahd. mtatm, 
wituwa, lat. vidtui, sanskr. vi-dhavä, marito carens). 

tvydikausnan, acc, Zeugniss, Ench, 8. (Ksit I. widekausnan, Kot, 
IL weydikausnan) ; die Form weiset auf einen inf. wydikaut, zeugen, 



— 205 — 

bezeugen, hin, als Ableitung von der Wurzel imd, sehen; (kslav. 
wjedohu, gnarus, su-wjedjeteK, testis, russ. s-tmdjeteV, poln. s-wiadck, 
slov. s-wedok, Zeuge, poln. s-wiadczyc, Zeugniss ablegen); s. redde- 
wyd,, falsch-wid, 

widiskan, widisJcu, mit aina-, wissa-; vgl. wida, 

wydra, Wind, Gr., s. wetra, 

widrinen, Dorf im Kr. Rastenburg am Wedersee AMS, HL 646. 

widus, Naht im Stiefel. Voc. 508. 

wierpt s. werpt 

wykara fluvius, CdP, IL 53., ein Flüsschen in Sassen, das Gilgenburg 
vorbei in den Rumiansee fliesst. 

wicTcis, Wicken, Voc, 270. (litt. w;iÄ:ei, wÄes) s. Pauli Beitr. VII. 191. 

wyhow, wycow, Dorf wickau, Kr. Fischhausen, zu Kumehnen. AMS, 
VLL 295. 

wixla s. wisla. 

[wil't, betrügen, mit pror, verrathen] wilts, part, pass, wela, 
3. aor., s. pra-ivil-t^ pro-wela; (litt, wilstu, tvyliau, wilti, lett. tvillu, 
wilt, betrügen, litt, wylius, lett. wiltus. Betrug). 

wilaw s. wilow, 

wilenikis (cseldenpfert) , Zelter, Passgänger, Voc, 439.; in der 
Handschrift 4emk- ohne i-Zeichen. (bei Hirsch Handelsgesch. 259. 
„zeltpferd",) 

mllike, williken, willeke, wilke lacus, MhW, LL, LLI, AMS, LLL, 645. 

willims s. welsas, 

wilcayme, wilkaym, s. wilk-kayme. 

wilke s. williki. 

wilke-kaym s. wilk-kayme, 

tvilkenit, wilkonyte, wilkonyten villa, CdP. LLL, 160. MhW. LL, 523., 
Gut wilkenit. Kr. Heiligenbeil; zu wilkis, 

wilken-lauken campus, MhW. L. 

wilkis, Wolf, Voc, 657. (litt. wWcas, lett. mlks, poln. wilk, kslav. 
wluku, russ. wölk, böhm. wlk)] sehr häufig in Localnamen; ausser 
den hier zunächst aufgeführten vgl. wilkau, wilke, wilken, wilken- 
dorf, wilkie^ (wilkyj, wilkiten, und vielleicht auch wölken^ Kr. Brauns- 
berg und Kr. Heilsberg; vgl. auch welk, 

wilkis s. awilkis. 

wilk-kayme, wilke-kaym, wilkaym, wilcayme^ campus, villa, „Wolfsdorf" 
CdP. LLL 161. MhW. LL 524. GDK, L 153., Dorf wilkaimen im 
Kr. Königsberg bei Powunden, Gut willkam Kr. Gerdauen, auch ein 
Ort an der ermländisch-natangenschen Grenze, der auch willo ge- 
nannt wird. 

toilkonyte s. wilkenit, 

wilkow. Ort in Pomesanien, CdP, LL, 23.; Vorw. wilkau, Kr. Marien- 
werder. 



— 206 — 

wilms, Quappe s. wilnis. 

[tvilnas] mlnis^ Voc. All,, urilna, Gr., Rock. (litt. wUna, Wolle, 
wilnonas, Tuchrock, lett. wilna, willa, Wolle, willans, wollen, wollene 
Decke, kslav. wluna, böhm. wlna, russ. wolna, poln. welna, kroat. 
welna, wolna, Wolle). 

minis, Quappe, gadus lota, Voc. 566., oder wilms \ eine schwache 
Spur von einem i-Zeichen vor dem s scheint vorhanden zu sein. 

willo s. ivilk'kayme. 

wilow, wilaw castrum Dusb. III. 73. 122. 175. 345., Wehlau, s. 
welowe. 

willune, nom. viri, NPBl a. F. VI. 173., 3. F. V. 299, daher Dorf 
willunen Kr. Pilkallen. 

[mmina] wimino, Ulme, Voc. 625., in der Handschrift sehr deutlich 
mit beiden i-Zeichen. 

tmms, Maser, Knorren am Baum, Voc. 645., vielleicht mnis zu 
lesen; in der Handschrift wnns ohne i-Zeichen. 

wyms, imp. sg., spei, Gr. (litt, wemti, lett. wemt, sanskr. vam^ lat. 
v(ymere)\ der Form wegen vgl. teihs. 

win-s^ nom., Luft, Voc. 45., toinnen^ acc, Ench. 23., Wetter; s. 
winna. 

mnna, heraus, IJnch. 31.; vgl. win-s, winadu^ und Bopp S. 27. 
(kslav. wunu, foras, russ. won^ heraus, hinaus, umje, draussen). 

winadu s. winna und is-winaäu, auswendig. 

[wynas] winis, nom., Voc. 390., wynan, SiCC.^Ench. 40., Wein (durch 
den ganzen Sprachstamm). 

winde-Jcaym, Ort in Samland, winde-kayme, nom. viri, ÄM8. VII. 302. 
308.; vgl. lautlich das Gut windkeim, Kr. Rastenburg, Dorf wing- 
keim Kr. Heiligenbeil. 

winnen s. win-s. 

wingriskan^ acc, List, Fnch, 9. (litt, wingrüs, wingiis, krumm, buch- 
tig, von Flüssen, mnge, wtngis. Bucht, Krümmung, Umweg, tvmgeis 
und per wingius eiti^ auf Umwegen, Schleichwegen gehen). 

winis s. wynas, wims. 

mnms, Zapfen am Fass, Voc. 398. (litt, wms, Zinke, eiserner Nagel). 

mnse silva in Sudauen. Dusi. III. 194. 

winsus^ Hals, Voc. 102. (poln. wqzina, enger Pass, zu tvqski, wqzki, 
kslav. wqzukU, qzUkU, enge, schmal). 

winü't, inf., mit efe-, beschuldigen, mit eU, entschuldigen; 
winüts, nom. sg., winüton, acc. sg., wmütei, nom. pl. part pass. 
. (mit eb-, ni- und ni-eb-)^ s. et-winüt, ni-winüton, ni^b-winüts (kslav. 
russ. poln. wina, lett. waina, Schuld, russ. winjü, wintf, poln. winiq, 
mnic und winujq, winowac, beschuldigen, litt, wamoti, schelten, ver- 
spotten, beschuldigen). 

winütiskan s. ni-winütiskan. 



^ 207 — 

wipis, Ast, Voe, 630. 

wips (tvieps), wypsow, wypsowen lams, MhW. IL 

wyr-s, wir-s, nom. sg., tvyran, wiran, wyrin, ace , wyrai^ nom. pi., 

wirans, wiring, ace. pi, wyrimans, dat. pi.,, Mann, Ench. 51. 58. 

59. 68, 69. 70. 71. 72. 76. (wyrau 68. Drekf. für wyran) (litt. 

wyras, lett. wihrs u. s. w.) 
wirbe, Seil, Foe. 314. (litt. lett. wirtfw, wlrwas, kslav. w?rM«€?^, ^^r^w?^, 

russ. werw\ Seil). 
toird-s, nom. sg., wirdan, ace, wirdai, dat., toirdai, nom. pi, mrdans, 

ace. pi, mrdemmans, dat. pi, Wort, jEwcä. 3. 6. 20. 21. 22. 28. 

29. 30. 34. 35. 36. 42. 43. 44. 65. und öfter, (litt, «^drötes, lett. 

wahrds, Name, goth. vaurd^ Wort). 
wyrikan, acc., Männchen als Geschlechtsbezeichnung, JEnch. 73; vgl 

gannikan. 
wyrinan, acc, Mann in, Ench, 68, nach Luther gebildet. 
wiriuns, s. i^er, et-were, 

wirpis, wirps, Lass er, in crauya-wirps, Aderlasser, und au-mrpis, 
Flutrinne, d. i. Ablass des Wassers, von werp-t, lassen; auch in 
po-tmrps, da aber in passivem Sinne. 

wirst, wirst, er wird, er* werde, sie werden, Ench, 15. 20. 29. 39. 
41. 42. 58. 6t. 65. 68. 79., wirsti, contrah. 2iVL^ wirst di, man wird, 
68. {Kat, I, werst neben wirst)\ wtrstmai, wir werden, 25. wtrstai 
(wtrst-tai)^ ihr werdet, 84., wirse, opt., es werde, Kat IL (litt, 
wirstü, wirsti, zu etwas werden). 

wissa, unklare Vorsetzsylben in wissa-seydis^ s. d. 

wysa, wyse, FIuss in Galindien. TcG, 27. 42. 

wissa-s, m., Ench, 49., tvissa, f. n., 35. 46. wissan, n. nom. sg., 8. 14. 
23. 24. 73. 86. — wissan, acc. m. f., 1 — 10. 14. u. oft., atc. n., 46. 
48. 49. — wissai, 2. 57., wismu, 50., dat. — tmssas, gen. sg., 81. 
— wissai, nom. pl, 41. 65. — mssans, acc. pl, 5. II. 12 u. oft. — 
wissamans, 18. 23. 29. 31. 86., wisseimans^ 12., dat. pl, jeder, 
alles, alle; wukawi wissans druwingins sirans, fordert lauter 
gläubige Herzen, im Deutschen : eitel gläubige, 44. (Kat I wissay, 
Kat II, wyssay^ nom. pl, Kat. IL wyssan^ acc. sg., wyssens^ acc. 
pl.) (litt, wlsas, lett. wiss, wissa^ kslav. wtsi^ russ. wes\ m., wsja^ 
f., wse^ n., jeder). 

mssambers oder wissambris (eiver), Voc, 649, ist wohl nicht, wie ich in 
meiner Ausg. des Foc. gedeutet habe, der wilde Eber (der Eber heisst 
im Voc, 683 deutsch nicht ewer^ sondern heer\ sondern es ist, wie 
Pierson s. u. sehr richtig bemerkt, der A uer, ür, Aue roch s, der 
hier zwischen Büffel und Elen seine naturgemässe Stelle einnimmt, 
während der Eber nicht füglich dahingehörte; hochdeutsches au 
ist im Voc. nicht selten durch ew vertreten, z. B. hewt, Haut, tewhe, 



— 208 — 

Taube, sewstal, Saustall, (neben suwe, Sau), schewer, Schauer; be- 
sonders erläutern sich ewer und schewer gegenseitig vortrefflich, 
weil beide das ew in derselben Lautverbindung haben. Das preuss. 
Wort ist zu trennen in wi-ssambers oder in wissambers^ in beiden 
Fällen aber ist der erste Theil mir unklar; dagegen haben wir für 
den zweiten Theil die Analogien lett. sumbrs, kslav. ^qhri, zuhrt, 
slov. Z(ibr\ russ. poln. böhm. zubr, litt, mit eingeschobenem t 
stumbras, der Auer, walach. zimber, bos bison, der Höckerochse, 
mittelgriech. ^6[jtßQog^ ^ovfinqog^ der Auer oder ein ähnliches Thier, 
dagegen sanskr. gambaras, sambaras, eine Antelopenart; vgl. Pier- 
son VII. 590. Pauli Beitr. VII. 214. 

wissa-seydis, Dienstag. Voc. 19., etymologisch unklar; Pierson 
(briefl. Mitthcil.) schlägt wis-saleydis vor, mir unverständlich. 

wissa-weidin, acc. sg., ivissa-widei, nom. pl, allerlei, allesamt, 
Ench, 24. 80. s. wida, weidi, 

wissa-widiskan, acc, allerlei. Euch. 26. 

wisde fluvius, MhW. L 

wyse, Voc. 262., wisge, Gr., wisse, ivesen, weyszen, AMS. IV. 151., 
Hafer; s. crayse-ivisse (litt, ätvizos, lett. ausas, kslav. owtsu, oivesu, 
russ. owes, poln. owies, böhm. owes). 

mse-eyche campm, MhW. I. 

wissegaude, nom. viri, Dusb. III. 71. NPBl. a. F. VI. 173., 3. jF. V. 
300. 302. Der VI. 173. hieher gezogene Ortneime wiskiauten gehört 
aber wohl nicht hieher, sondern zu wyskaute, s. d. 

wissegrod s. mscherad. 

toisela, wysele s. wisla. 

wisse-mükin, acc, allmächtig. Ench. 91. 94. {Kat. II. wisse-^nokin, 
acc, wyssen-mukis, gen.) s. mükin. 

wisse-musingis, nom., msse-musingin, acc, Ench.l^, 15.84.85.93.95., 
allmächtig. (Kat. L wis-mosing, acc, wis-niosingis, gen.) ; s. musingis, 

wissene, Porst, Porsch, ledum palustre, Voc. 622. 

wiserat s. wischerad. 

wyzere lacus MhW. II. 

wisge s. wyse, 

wyskaute, nom. viri, NPBl. 3. F. V. 302., daher Vorw. wiskiauten 
Kr. Fischhausen. 

wyske, nom. viri, NPBl. 3. F. V. 301. 302., daher Dorf toiska Kr. 
Johannisburg. 

wischerad, wischerod, alt wiserat, wissegrod, nach CdP. II. 43. 59. 
ein Wald im westlichen Samland, nachHennenb.il. 10. derFluss, 
der von Heiligenkreuz kommend an German vorbei bei Fischhausen 
ins Haff fällt; heute führt den Namen noch eine Mühle bei Fisch- 
hausen. 



— 209 — 

wyscovia, vischovia, vischow, vyscJiow castrum, Bush, III, 1 43. CdP. L 

no. 105., Tea. 189. AMS. IX. 325. 328., das heutige Kirchdorf 

fischau zwischen Elbing und Marienburg. 
wisla, ivysla, wizla, wisle, wisela, wysele, wissela, wissula, wixla, die 

Weichsel. Dusb. II 2. 8. Ill 1. 2. CdP, 11 36. flgg. MhW. 

I II NPBl. a. F. VI 304. 
wismosing s. wisse-musingis. 
wisnaytos, pi, Kirschen, Voc. 620. (litt, w^ssnia, wpssne, russ. ms0nja, 

poln. wisniu, höhm. wissne, Kirsche; kslav. wismnjawu, colorem cersisi 

aproniani habens). 
wysne aqtta. MhW. L 
wystin s. po-wystin. 
ivissula s. wisla, 

witter-garbe mons, MhW. I. s. garbe. 
witinne, Prov., das flache rohgebaute FlussschiflF, auf welchem die poln. 

Getreidehändler ihr Getreide stromabwärts nach Königsberg, Tilsit 

u. s. w. verschiffen; stromaufwärts führen sie es nicht zurück, sondern 

verkaufen es hier als altes Holz. (Mit. witine, poln. wicina) ; s. mtinniker. 
witing s. waiting, 
tvitinniker, Prov,^ Witinnenschiffer, Führer einer Witinne, auch 

in der Bedeutung von Wittinenknecht, synonym mit schimke,'S. d., 

gebraucht. Hennig 304 (litt. mtmininJcas^ contr. witminicas), 
lwitwa,nom.^mape-imtwa], witwan,SLCC.^ Weide, Weidenbaum, Voc, 

603. (poln. witwa^ tvitwina, Korbweide, Uferweide, litt, wytis, Weiden- 

ruthe, lett. wihtals, Weide). 
[witwaga] witwago, Wasserhuhn, Voc, 756. 
woaltis, Elle, Voc. 458.; vgl. woltis, Unterarm, beide wohl zu litt. 

Ulektis, Elle, mit vorgeschlagenem w und ausgestossenem A, s. Pott 

Beitr. VI. 118. 125. Pauli VII. 192. 
woapis, Farbe, Voc, 457. (kslav. tvapu, Farbe, po-wapiti, po-wapniti, 

anfärben, betünchen). Burda, Beitr. VI. 402. 
woasis, Esche, Voc, 627. (litt, usis, wusis, lett. ohsis, kslav. serb. 

jasika, slov. osika, russ. jäsen\ poln. jesion, böhm. gesen); hieher 

vielleicht der Dorfname wossitz Kr. Danzig, „Eschenwald", vgl. ausnitz. 
wöbalne, Apfelbaum, Voc, 615., s. woble, 
wobilis^ Klee, Voc. 290. (litt, dobilas, lett. obsol. dahboli, gew. ahbolites, 

mit den Aepfeln verglichen). Pott Beitr. VI. 118. 
woble, Apfel, Voc, 616. (litt, obul^s, lett. ahbols, kslsiv. ablukoJablUko, 

jablüka, russ. jabloko, slov. jabolka, kroat. jabelko, poln. böhm. jäblko, 

serb» jablo, Apfel ; litt, obeüs, lett. ahbele, kslav. jäblani, russ. poln. 

böhm. serb. jAftZo^, slov. kroat. ^afefen, Apfelbaum.) s. wabelko, wobälne; 

die Güternamen abelienen, dbelisehken, Kr. Gerdauen, sind vielleicht 

unter dem Einfluss des angrenzenden Littauischen (äbelis dialect. 

für obells) gebildet worden. 

Nesselmann, Thesaurus. 14 



— 2ia — 

wöbsdis, Ortname, s. das folg. 

wobsdus, Dachs, Voc, 670 (lett. ahpsis, ahpscha, litt, dbszrüs nicht 

ganz zustimmend); in dem samländ. Theilungstractat von 1330, 

AMS VIL 306. 316., vgl. ebend. IV, 155, wird wohsdis als Ort- 
name durch Luchs glossirt {in loco dkto Wöbsdis, qiiod dicitur eyn 

luchs)^ wohl irrthümlich; vgl. hiysis, 
wobse, Wespe, Voc, 789; (litt, tvapsä, Bremse, ahd. ivafsa, wefsa, 

mhd. wefse, wcbso, wepse, Wespe, kslav. mit Ausstossung des b vor s, 

wosa, russ, poln. osa). 
wogenis campus, NPBl. 3. F, V, 301. 
tvogO'Caps, nom. fontis. MhW. I. 387. 
wogonis, Stulpschüssel, Schüssel mit gewölbtem Deckel, Voc. 366. 

(litt, ivogöne, tvagöne, hölzerne Butterbüchse, etwa zu woziu, wosdi, 

zudecken), 
wogrym, tvogrim (wogrin), wugeram^ ein Wald auf der Nehrung südlich 

von Lochstädt, CdP, IL 43. 126. 130. NPBl, VIIL 342. 344. 354. 

GBK, I, 72. NPBl. a. F, I, SS; der Name hat sich erhalten in 

dem Dorfe wogram bei Pillau. 
woyaditcn, Dorf zur Kirche Heiligenkreuz, GBK, I, \ 34., heute woyditen, 
woyharitz s. wayha-rayhis, 
woyhclle, wayhelle^ nom. viri, identisch mit dem folg., NPBl, a.F, VI, 

174, 3. F, V, 302., daher Gut wokcllcn. Kr. Preuss. Eylau. 
ivoyTccllo^ Knecht, 6rr. ; vgl. waix,, tvayklis, 
tvoyniten, woyniUen campus^ CdP, II. 21. 82. IV, 109. MhW. I.\ 

heute Dorf woinitt Kr. Braunsberg. 
woyploc campus, Busb, III, 310. s. wope-lauke, 
woyskaynis s. weiscaynys, 
woytis s. waite, caria-woytis, 

wokcsscliitz (a. L. ivoltschitz) villa in Pomesanien. CdP, 36 flgg. 
wolistian im Voc, Schreibfehler für wosistian, 

wolitte, Flüsschen beiBalga, daselbst das Gut wolitnik, Hennenb. 11.24.28. 
woliten villa bei Fischhausen. CdP, II, 59. 
wolping s. wulping, 
wolti, Aehre, Voc, 276 (\\\X. waltis, Rispe, Haferähre, bulg. ?^'Zaf, serb. 

wlat, slov. lat, böhm. laV, latka, dass.) Pott Beitr. VI. 121. 
woltis, Unterarm, Voc, 112; s. woaltis. 
wöltscliitz s. wokesschitz, 

womenyn lacus CdP, IV, 186. MhW, IIL 67 (a. L. tvo^^nicnyn), 
womes, Name eines Ackerstücks, NPBl, XI, 74. 
wongoy s. ivangoy. 
wonzen, Prov., ver hochdeutscht tvunzcn, Schnurrbart, auch einzeln 

stehende lange Barthaare wie bei der Katze; s. ivansa. 
woppc, Dorfname, CdP, III. IGO. MhW. IL 524; Dorf woppcn im 

Kr. Braunsberg; s. tvuppe. 



— 211 — 

wope-lauke, ivopc-lauken campus, MhW, L 387., bei Dusb, III. 310 
ivoyploCj in SrP, L 176 die Varianten lope-lauken, papi4ouken, 
Dorf und Gut woplauhen Kr. Rastenburg. 

wora-s, Nebenform zu ur-s, alt, hat sich erhalten in den Localnamen 
tvor-ape, ivor-kaym, tvor-lauk, vielleicht auch in warit, wor-tvells u. a* 
(litt, ivoras, obsol. alt). 

ivoragmvus (wynher) Voc. 389., entweder Weinbeere, Weintraube 
(Nemnich Pol.-Lex. s. v. vitis vinifera: indisch origur), oder, wie 
Pierson vorschlägt, Weinbier, d. h. besseres Bier, als das un- 
mittelbar voranstehende Halbbier, scinkis (vgl. litt, orikelis, Brannte- 
wcin). 

wor-a2)e, Fluss bei Angerburg. CdP. HL 40., s. tvoras und ape: 
„Altfliess". 

woria, Kammeramt zur Comturei Balga, das heutige Gut worienen bei 
Landsberg. TcG. 201. 

worit, worite (worike) lams, See im Kr. Sensburg. MhW. L TcG, 188. 

tvor-kaym, wor-kaim villa, CdP, III. 100. MhW. JI. 524., das Dorf 
ivorkeim Kr. Heilsberg. TcG. 154. liest warkaim\ s. woras und 
kaymis: „Altdorf". 

wor-lauk, wor-lauks, wiir-lauks, wur-lauke, ivmr-lawken camptts, MhW. 
I. 11^ das heutige Dorf warlack Kr. Heilsberg, auch worlack Kr. 
Preuss. Eylau; s. tvoras und laukas: „Altfeld, Altfelde". 

tvormedyth, wormeditJie, Stadt Wormdit. CdP. II 172. NPBl. a, F. 
XL 183. vgl. tvarmia. 

wornicnyn s. womenyn. 

wormyan, roth, Voc. 463., s. urminan, warmun. 

Wortes s. tusa-ivortes. 

worwells, Name eines Ackerstücks. NPBl. XI. 74. 

wosee, Ziege, Voc. 676. (litt, o^ys^ Ziegenbock, würde nach sonstiger 
Sprachanalogie das fem. ole, Ziege, bilden, dem preuss. wosee ganz 
entsprechend; der litt. Sprachgebrauch hat dafür aber die Form 
oSkä, oszkä sanctionirt; lett. ist ahsis Ziegenbock ;' das vorgesetzte 
w findet sich theilweise auch in russ.-Littauen , so in einer Daina 
bei Juszka wozeli für ozele\ die slav. Sprachen setzen dem Stamme 
ein k vor, koza, was auch als Nebenform neben wosee in Preussen 
existirt zu haben scheint, vgl. oben kose)\ hieher die unten folgen- 
den Localnamen tvose-hirge, wose-kaim, wose-lauken , wose-pile, und 
vielleicht der Baumname wosi-grdbis^ möglicherweise aber steckt 
auch in einem und dem andern dieser Namen das Element woasis, 
Esche; vgl. wosistian, tvosux. 

wose-birge, wosi-hirgo, nom. loci AMS. VIL 599., s. wosee u. Urge: 
„Ziegenlager". 

wosegotviS'kapnis s. wosgotvs-cappis. 

wosegowiske s. wosgowiske. 

14* 



— 212 — 

wose-Jcaim, wose-Jcaym villa CdP. III. 160. MhW. IL 523. „Ziegendorf '. 
wose-lauJcen, wose-lawTcen, wose-laukin, wuse-lauke, wuse-lauJcen, silva et 

campus, CdP. III. 161. MhW, IL 526., Kirchdorf wuslack, Kr. 

Heilsberg: „Ziegenfeld". 
wose-pille, woses-pile, wosis-pele mons, AMS, VIL 303. 314., durch 

dginburg glossirt. 
wosgow villa, AMS. VIL 303., Vorwerk wosegau Kr. Fischhausen. 
wosgowiske, wosegowiske, wosigowiske, -wiszke, rivus, AMS, VII. 303., 

jetzt die Bledausche Beek genannt, bei dem vor. 
wosgows-cappis, wosegowis-kapnis, wosogoms-kepynes monticulus, locus 

AMS. VII. 303., ebendaselbst gelegen. 
wosi-birgo s. wose-hirge. 
wosigowiske s. wosgowiske. 
wosi-gräbis (spilboem), Spindelbaum, evonymus europaeus, Foc. 611. 

(litt, ozeksnis, dass., ebenfalls von ozp, oU, Ziege, abgeleitet; vgl. 

kslav. grabU, russ. poln. grab, grabine, Hagebuche, Spindelbuche, 

carpinus betulus, daher z^^osi-^mfei« wörtlich „Ziegenbuche"). Burda 

Beitr. VI. 395. Pauli VH. 213. 
wosis-pele s. wose-pille. 
wosistian, Zicklein Voc. 677., wo sich der Schreibfehler wolistian 

befindet; vgl. wosee und eristian. 
wozo campus, MhW. L 
wosogowis-kepynes s. wosgows-cappis. 

wosux, Ziegenbock, Voc. 675. (litt, oziükas, Dimin. zu ozys), s. wosee. 
wotis-dorf, Ortname, NPBl. a. F. XI. 289. heute voigtsdorf, Dorf im 

Kr. Heilsberg und im Kr. Rössel. 
wozo s. an der Stelle von woso. 

wracke, brücke, Prov., Kohlrübe, (russ. brjukwa, poln. brukiew, pl. bruktvi). 
wubri, Wimper, Braue, Voc. 82. (sanskr. bhrü, bhruva, litt, bruwis, 

kslav. bruwt, russ. brouri, pl., poln. brew\ pl. brwi, böhm. brtvy, obrwi, 

ahd. bräwa; das preuss. tmbri mit beginnendem Hilfsvocal m, wie 

griech. 6-(pQv-g, böhm. obrun, und vorgesetztem w wie wundan neben 

undan) Pott Beitr. VI. 118. 
wugeram schreibt Joh. Freiberg für wogrym, NPBl. a. F. L 88. 
umysis (wacker), Wachthund, Hofhund, Voc. 704. (böhm. loyzel, 

poln. wyzel, litt, wyszlas, wyszlis, Spürhund) Pierson VIL 590. 
\wukaut, fordern, rufen] wükauns, part. act. (mit per-); wükaune, 

er fordert. Fnch. 44. 
wulping, wolping, wlpinc lacus, MhW. IL HL 
wumbaris, Eimer, Voc. 556. (poln. wqborek, Dim. zu einem nicht 

mehr gebräuchlichen Stamme t^^^tor; kslav. qborükü, serb. uborak, modii 

genus, böhm. oubar, ouborek, polab. vumberak, fiscilla, ahd.em6ar,Eimer). 
wummeling lacus, MhW. IL LH. 
wummeriten silva. MhW. L LI., s. wungerithen. 



— 213 - 

wundan, Wasser, Voc, 59., wunda, Gr,^ vgl. und-s\ hieher die Ort- 
naraen po-wunden, wund-lacJcen. 

wungerithm silva, MhW. IL, s. wummeriten. 

wuntcnowe, wutenouwe NPBl. a, F. X. 223. XL 73. die heutige 
huntenau bei Brandenburg. 

wuppe campus MhW. L,, wohl identisch mit wcppe. 

wupyan, Wolke, Voc. 9., wo das deutsche plur. Wolken wohl irr- 
thümlich ist. 

wur-s, Teich, Voc. 61. (die Anlehnung an litt, wers-me, Quelle, das 
aber in Form und Bedeutung doch wohl zu fern liegt, würde für 
das preuss. die Form wurs-s, d. i. wi(^sis^ \g\. pallaips, voraussetzen; 
näher läge kslav. wiru, piscina, wenn dieses nicht wie litt, wyrus, 
russ. wyr\ poln. wir, böhm. wyr, zunächst Strudel, Wasserwirbel, 
bedeutete; am einfachsten scheint der Hinweis auf sanskr. vär,väri, 
Wasser, zu sein); vgl. Pauli Beitr. VIT. 197. 

wurkm stagnum, See zwischen Marienwerder und Christburg CdP. L. 
50., heute orhusch. 

wur-lauks^ wur-lauJce, wur-lauken campus s. wor-lauks. 

wuse-lauhe, wuse-laukin s. wose-lauken. 

wusen^ Kirchdorf wusen im Kr. Braunsberg an der Passarge. CdP. IL 
21. NPBl. a. F. XI. 295. 

wuschen (seh = z) , Prov., aus Tuchkanten geflochtene Schuhe, 
auch weite warme Filzschuhe; verb. wuschaJcen^ auf solchen 
Schuhen gehen, auch, einen leisen schleichenden Gang haben, als 
ginge man auf solchen Schuhen; (lautlich wohl identisch mit litt. 
W0OS, lett. wihsas^ nur dass diese aus Bast, meistens aus Linden- 
bast geflochten sind; zu russ. wjaht\ binden?) 

tvuschts s. uschts, 

wutenouwe s. tvuntenowe, 

wutris, Schmied, Voc. 513., neben autre, Schmiede; die Lautver- 
schiebung von wu und au ist zwar nicht unmöglich, aber es könnte 
auch das a in autre aus w verschrieben sein, so dass die Schmiede 
wutre hiesse; die Form wutris wird nämlich aufrecht erhalten durch 
den Namen wutrienen^ Kirchdorf im Kr. Alienstein, und durch kslav. 
wutri, wotri, Schmied, Zimmermann; in wutrienen steckt wutris 
vielleicht als Personenname. 

vuttwin lactis, MhW. L 



z, Cz, c. 

mntir, czantir, csanter, santerium, santirium castrum, Bush, HL 45. 
208., eine von Herzog Swantopolk an der Montaner Spitze 1245 
erbaute Burg, die 1280 vom Orden zerstört und deren Material zum 



— 214 — 

Auftau der Marienburg verwendet wurde. Zantir insula, santerii 

insula ist das sogen, grosse Werder, die Insel zwischen der Weichsel 

und der alten Nogat. GDK L 19. 77. MhW. L SrP. III. 550. 

TcG. 13. 14. 
mrm, zerm, Prov,, Gastmahl, bes. Begräbnissmahl; s. sirmen. 
zeeh, Kette, kettenartig geflochtenes Gebäck, Bretzel, s. hay tan, 

Voc. 346., das daselbst in der deutschen Columne durch ^ee?^ erklärt 

wird ; vgl. die Analogie von damerau, wepe, hobbel. (kslav. czepX, russ. 

cjep\ Kette). 
ernsten lacus, MhW, IL 
cierJcin, a. L. für gerkin, 
czilix s. csisix. 

dnyanguSy Panier, Fahne, Voc, 417.; vgl. AMS. VII, 590. 
cmix, Zeisig, Voc. 735.; es steht daselbst m/i.r, aber alle verwandten 

Sprachen weisen auf ein mittleres s hin; (kslav. csizlM, xuss, czlzik, 

poln. czyzyk, böhm. csizek, mhd. zlsc, ztsic, nhd. zeisig, niederd. 

zieske), Burda Beitr. VI. 405. Pauli VII. 197. 
zoche, f., Frov,^ der polnische Pflug ohne Räder (russ. sochä^ Pflug, 

poln. socJia^ slov. soha, Gabelholz, Pflugsech, kslav. socha, fustis, 

vallus). 
zuduu s» sudowia, 

zuris, Prov., eine Gattung grosser dwarge, Hennig ;]13., s. suris, 
Zwickel, zwichel, Prov,, rothe Rübe. Hennig 314. AMS, VIIL 693.; 

(litt, swlklas, lett. swikls, russ. swekla, poln. cwikla,) 



Anhang. 



Provinzialismen zweifelhafter Nationalität. 

hackel^ ein kleiner schwarzer Käfer, der sich in Kellern aufhält; so in 
Saniland; nach Müh ling NPBl VIIL 167 bedeutet hackel um 
Drcngfurt und. Barten einen Käfer im allgemeinen, wofür ich keine 
Bestätigung habe ermitteln können. 

basclieln (seh = z), viel und unsinnig schwatzen (lett. hahschay 
Lustigniacher , bahscMtees^ umherschlendern , Nachbarn besuchen, 
schmarotzen; s. ÄMS. VIL 594. VIII. 674. 

honschel (seh = 8), grobes dickes harthäriges Tuch, in verächtlichem 
Sinne gebraucht. 

howhe, unbeschäftigter Herumtreiber, Wegelagerer, Strolch, im plur., 
gefährliches Gesindel; so in Königsberg und Danzig; anderwärts 
soll es in dem milderen Sinne gebraucht werden : muthwilliger kecker 
Bursche, selbst in halbliebkosender Bedeutung. In letzterem Sinne 
halten Seidel NPBl. a, F, L 29 und Pierson AMS, IX, 675. 
höivke, hofkc für plattd. Dimin. zu hübe (im brem. nieders. Wtbch. 
lautet dieses Dimin. aber höfkCy iößen); mir war nur die erstere 
schlimmere Bedeutung des Wortes bekannt, daher leitete ich es 
A3IS. VIIL 675. ab von litt, howytis, poln. hawic sie, die Zeit 
hinbringen, sich aufhalten, müssig tändeln, zumal die Leute, die ich 
als böwken habe bezeichnen hören, keine Bübchen, sondern schon 
recht arge Buben, ja Verbrecher waren. 

bröchj jpröeh, (verhochdeutscht hrüeh, prüch)^ Bauch, bes. strammer 
mit Speisen gefüllter Bauch, (russ. hrjv^ho, poln. hrmch, böhm. 
hrieho, Bauch). 

hidler, Bären w icke, ein Unkraut im Wintergetreide, mit schwarzen 
Samenkörnern. AMS. VIII. 676. 

hümken, unbekannt; in dem Inventarium von Sehesten 1652, NPBl. 
a. F. III. 269 werden unter dem vorhandenen Eisengeräthe auf- 
gezählt: 8 schlechte hümken. AMS. VIIL 676. 



— 216 — 

huscher, Laus. ÄMS, VIIL 676. (ob zu kslav. wUszi, russ. wosz\ 
poln. wesz, böhm. tveSj slov. «*s, wus, serb. w?05-sf, kroat. t<?ws^, illyr. 
ousz?) 

buMke, Laus, Engerling, (zu litt. lett. ute?)\ Mühling NPBl, 
a. F. VIIL 169. 

dremel, nach Hennig 52. ein kurzer, dicker (daher auch wohl un- 
beholfener, ungeschickter) Mensch; ich wies AMS. VIII 61. auf 
litt, drlmelis, Flegel, Tölpel, ungeschlachter Mensch hin; Förste- 
mann in Aufrecht und Kuhn Zeitschrift L 416 weiset auf niederd. 
drummeln, schlummern, dem man noch kslav. drjemati^ russ. dremat\ 
poln. drzymaö^ schlummern, poln drzymala, Träumer, hinzufügen 
könnte. 

es (öhsj, est, fein, zart, weiss, z. B. von der Leinwand, vom Teint, 
besonders aber in der Verbindung es-hrot, Brot von feingebeuteltem 
Roggenmehl, ilennig 56. 174. (an poln. jasnt/, russ. jäsny'i, hell, 
glänzend, klar, kslav. jastnit, clarus, dürfte wohl kaum zu denken 
sein.) 

gamm, ein an der Stuben- oder Stalldecke angebrachter Bretterverschlag, 
der als Schlafstätte für das Gesinde dient; so im Ermlande; in Na- 
tangen nennt man dieselbe Vorkehrung hotz, anderwärts kordbll 
(im brem. Wtbch. VL 106. hilje)\ s. AMS, VIIL QU, 

gersteln, Strohseile, mit denen die Garben ides Sommergetreides, bes. 
der Erbsen und Bohnen gebunden werden. Hennig 83.; gegen 
eine Ableitung von Gerste, da solche Seile von Gerstenstroh gemacht 
werden, spricht die Länge des Vocals e. 

gludern, begehrlich nach etwas hinsehen, bes. auf das Essen eines An- 
dern. Hennig 86. — Pierson AMS, VII 595. weiset auf litt. 
gludoti, mit angelehntem Ohr lauschen (von glustu, gludau, glusti, 
anlehnen), aber ich acceptire das Fragezeichen, welches er paren- 
thetisch dahinter setzt. 

greidig, von ansehnlicher Gestalt, hoch, schlank, gerade gewachsen, von 
Menschen und Bäumen gebraucht, in Samland und Natangen. 
Hennig 89. giebt die Bedeutung: sonderbar, seltsam, auch ekel- 
haft, die nicht wohl mit jener ersteren, thatsächlich gebräuchlichen 
und von mir selbst gehörten zu vereinigen ist; vielleicht liegt bei 
Hennig ein ähnliches Versehen vor, wie ich es AMS. VIIL 678 
bei den Artikeln pomager und pomtichel nachgewiesen habe, dass 
nämlich bei H. die Bedeutung von pomager und das Artikelwort 
pomtichel ausgefallen, und die Bedeutung des letzteren an das Artikel- 
wort pomager gerathen ist. 

groppe, Kaulquappe, Mühling NPBl, a. F. VIIL 171. 

hot0 s. gamm. 

Jcappeln, koppeln, Kreuzhölzer, welche auf die First der Stroh- 
dächer zu Befestigung derselben gelegt werden, deutsch auch spa- 



— 217 — 

nische Reiter genannt; nach Hennig 116. 326. heissen diese Kreuz- 
hölzer auch Hängeis, Hangelte, in manchen Gegenden auch Auf- 
hängel. (polu. kobylica, höbylenie, spanischer Reiter, Holzbock, Schlag- 
baum, Brustwehr, litt, hdbalnycza, Schlagbaum, kahl^s^ Haken, Pflock, 
alles Gekrümmte, von der Wurzel kabü^ kaheti, preuss. kahit, hangen, 
litt, kallnti, aufhängen). 

kareikel, karekel, Saatkrähe; Mühling NPBl a. F. VIII. 173. 
ÄMS. VIIL 680. 

karmaüs^ kramaüs, Unordnung, unordentlich durch einander ge- 
worfenes Hausgeräth, Verwirrung, Lärm. Hennig 117. (litt, gra- 
mozdaiy gramzdai, alter Hausrath, russ. gromozd, grotnada, kslav. 
graniada, grm^iada, böhm. hro^nada, acervus, cumulus, litt, grumddas, 
grumödas, eine Menge Menschen, Fliegen und dergl.) 

karnickel s. korniekel, 

karnüll, Krickente, in Natangen und Barten üblich. 

karwamn, ein klagendes Geschrei erheben. 

keywen, m. Aeta Bor. L 604 wird erzählt, wie eine im verschlossenen 
Zimmer befindliche Magd einer draussen heftig frierenden und um 
Einlass bittenden zuruft, „sie solle am Keywen die Sehmarge (s. d.) 
nehmen", bis jene von der Herrschaft den Sclilüssel werde geholt 
haben. Man könnte an niederd. kiewen, d. i. kufe, Wasserfass, 
Wasserbehältniss denken, aber was hat die schmurge, der Pelz, an 
der Wasserkufe zu schaffen? 

keutel, keidel, kidel, n. 1) nach Hennig 121. eine Art von Fischer- 
böten, die insonderheit auf dem frischen Haff gebraucht wird; 2) 
der unterste Sack an den Fischernetzen, worinnen die Fische liegen. 
Prätorius XIV. 28. nennt ohne Erklärung das keutel-gam, und 
nach Hennig 302. ist mnd-keutel ein Netz von 160 Klaftern 
Länge, auf beiden Seiten mit einem Sack versehen, das von zwei 
Kähnen gezogen wird; in dem Privil. der Stadt Frauenburg von 
1318. CdP. IL 106 wird mtel als ein zum Aalfange gebrauchtes 
Netz genannt: volumus tarnen ut nullus cum retihus angmllarum 
qite haiwaten et cütel nominantur piscari possit 

klönen, nach Hennig 125: mit dem Kleppgarn am Ufer entlang 
fischen ; mir ist das Wort völlig unbekannt, vielleicht ist es identisch 
mit dem folgenden. 

klungen (i^g weich gesprochen, wie im Hochd. klingen), im Wasser, 
im Sumpfe waten, s. das vor. ; (zu litt, kldnas, Wasserpfütze, Monis, 
niedrige Stellen im Acker?). 

kodder, Lappen, Zeugflick; davon adj. kodderig^ zerrissen, zer- 
lumpt, und die verb, ab-koddern, zer~koddern, (litt kitderis, küduris). 

kokoske, polnischer Weichselkahn, nach Förstemann in Aufrecht und 
Kuhn Zeitschrift L 419., mir unbekannt. 

kordbll s. gamm. 



— 218 - 

honner, Mischgetreide, Grünfutter von zwei zusammen gesäeten 
Getreidearten. 

Jcornickel, karnickel, das kleinste hier übliche Holzmass, Vi 2 Klafter 
oder 1,3912 Cub. Meter. 

kratnaus s. Tear maus, 

hrassel, Einen beim krasscl kriegen, d. i. ihn beim Kopf, beim Kragen 
fassen. Hennig 134. 

krepp, eine Pferdekrankheit, die mit Husten verbunden ist, Schnaube, 
Rotz. Hennig 134. 

kresching (seh = l>, eine Tunke aus Speck, P]ssig und Mehl bereitet, 
worin der gemeine Mann seine Kartoffeln tunkt, Hen n ig 132, noch 
in Natangen üblich. 

kronmnke, eine Art Weissbrot, die in der Fastenzeit gebacken wird. 
Hennig 136. 

kwatsehe, grosse breite Gartenbohne, Hennig 208. 

lodder ig, unordentlich in der Kleidung, schlotterig. 

lomm, f. kleiner flacher Handkahn, Boot; bes. nennt man Entenlomm 
einen ganz kleinen Kahn von Manneslänge, in welchen sich der 
Jäger der Länge nach niederlegt, die Flinte neben sich, und sich 
mittels ganz kurzer schaufelartiger Handruder dem Entenvolke un- 
bemerkt zu nähern sucht. Nach Seidel NPBl. a, F, L 32. soll 
lomm in Danzig einen grössern Flusskahn bedeuten, dessen sich die 
Nerunger bedienen zum Transport von Getreide und Vieh. 

lorhe (im Ermland), lorke (um Nordenburg), ein Keil, den die Brettschnei- 
der vor den Stützen ihres Gerüstes in die Erde einschlagen, damit 
diese nicht ausgleiten. AMS. VIII, 683. 

lunkern, Einem etwas ab-lunkern, d. h. abschmeicheln, durch Schmeicheln 
abdringen. Pierson AMS, VII. 594. vergleicht litt, lünginti, 
schmeicheln; ich fügte ebend. VHI. 683. dem hinzu litt, lüngwrü 
in derselben Bedeutung, lünguro zödzei^ Schmeichelworte, lett. Iwiikis, 
Schmeichler, lunkains, gelenkig, schmeichlerisch, und mit Uebergang 
des k in z lunsinaht, sich anschmiegen wie eine Katze, ee- und 
pee-lmmnatees^ sich einschmeicheln, und wies die Identität mit dem 
niederd. lungern, lauern, engl, long, lüstern sein, wegen der ab- 
weichenden Grundbedeutung zurück ; aber der inzwischen erschienene 
Bd. VI. des brem. nieders. Wtbchs. bringt af-lungern ganz in der 
Bedeutung unseres ab-lnnkern; so könnte dann allerdings lunkern 
auf niederd. lungern zurückgeführt werden. 

maddern, schlecht oder Unnützes arbeiten. Hennig 151. 289., auch, 
sich mit etwas zu schaffen machen, das man nicht versteht, daher, 
ver-maddem^ durch ungeschickte Behandlung verderben ; litt, mddaras^ 
schlechte Arbeit, Sudelei, madarüti, unnütze Dinge vorhaben, mada- 
renka, m. f., ein Nichtsnutz, Sudeler; trotz dieser Belege aus dem 
Littauischen dürfte doch das niederd. maddeln, ver-maddeln mit 



— 219 — 

seiner Lautverschiebung nicht ganz von der Hand zu weisen sein. 
Vgl. Pierson AMS. VIIL 366. 

nuitkrilUs, der Wassertreter, Wasserläufer, totanus. 

inaue, Handschuh ohne Finger, von Wolle oder Pelzwerk, der über 
das Handgelenk hinaufreicht, etwa Pulswärmer; holl. ist mauw, 
brem. motte, niaue, Aermel; aber maue, heisst hier nie Aermel, son- 
dern Handschuh; die Wurzel liegt wohl in litt, mduju, maw^i, strei- 
fen, aufstreifen. 

mikhan, Gefängniss, Hennig 161. 

murscJieniau (seh = z)^ Immergrün, lycopodium, Natangen; bei Prät. 
mlrsman, nach Pierson. 

miisehe (seh = ^), miisehe-kuh, Schmeichel- und Kinderwort für die Kuh. 

newedr'uj, verstimmt, übel gelaunt, missmuthig. 

nörgeln, ah-norgeln, durch vielen Gebrauch abnutzen, auch, ein Kind 
durch handgreifliches Liebkosen ermüden und abquälen; Hennig 
4. 171., litt, niürhjü, su-niürhyti, quälen, zerquälen; dieses *ior(/c?w 
hat zwar mit dem hochdeutschen nörgeln, nergeln^ mäkeln, kleinlich 
hadern, nichts zu schaffen, ob es aber wirklich preussisch sei, dürfte 
noch zweifelhaft erscheinen. 

oseh, was schwer zu behandeln ist, z. B. ästiges Holz, das sich schwer 
spalten lässt, im Ermlande üblich. AMS. VIIL 684. 

paphe, puphe, Wasserhuhn. NFBl a, F. VIIL 172. 173. AMS, 
VIIL 684. IX, 164. 

parusel, Fladen, Flammwecke, in Westpreussen AMS, VIII, 084, 

pasern, mit Feuer spielen, im Feuer wühlen oder schüren, Hennig 
179. Förstemann in Aufrecht und Kuhn Zeitschrift I. 422. Pier- 
son AMS, Fi/. 584. 596. {pasern klingt nahe an an litt, pä-hriu, 
pa-zerti, Simpl. zeriü, zerti, in den Kohlen, im Feuer schüren, wo- 
mit audi preuss. pa-ssortes, Schürstange, zusammenhängt.) Die hier 
provinziel auch vorkommenden Formen päsern, pösern, scheinen ver- 
stümmelt; vgl. A3IS, VIIL 684. 

pergcl, Kienspan zum Anzünden des Feuers. AMS. VIIL 367. 

pletscliken, pletsehclien, die jungen Hülsen der Garten- und Felderbsen, 
die zunächst nach der Blütlie sich ansetzen, aber noch keine Kerne 
gebildet haben; bei Hennig 188. ungenau beschrieben. 

poddente, Pfütze, in Westpreussen. AMS, VIIL 687. 

jwss, m., possle, n., Kuss, Küsse hen; das hier ganz übliche Wort 
lindet sich sonst nirgend genau wieder; wir haben einerseits litt. 
iuczhis. Küsschen, huezuti, küssen, lett. hutsehoht, küssen, poln. huzla, 
biiziaJc, Kuss, Küsschen; auf der andern Seite tritt das in ver- 
schiedenen Gegenden Deutschlands übliche buss, Kuss, hassen, küs- 
sen, huss-händchen , Kusshändchen mit seinen Ansprüchen heran, 
so dass es zweifelhaft bleibt, welcher Seite unser j^oss, possTce eigent- 
lich angehört. 



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m 

poschke (verhochdeutscht puschchen)^ Ferkel, posch posch oder pmch 
pusch ruft man die Schweine zum Fressen. Hennig 192. 

prassely f., in der Elbinger Niederung die grosse weissliche Garten- 
erdbeere, in Natangen die Bergerdbeere, fragaria collina. 

prems, Mehlsuppe, Muhs; Hennig 196 hdX pröms. 

2>r6!^scÄ, adj., trotzig, naseweis, widerspenstig. Hennig 195, auch heute 
noch in Samland und Natangen üblich. 

pupke s. papke, 

purzel, pörzel, ein in Ost- und Westpreussen übliches Neujahrsgebäck, 
eine Art lockerer kugelförmiger in Schmalz gebratener Kuchen. 
AMS. VIIL 688. 

rasaunen, von Frauenzimmern, in der häuslichen Wirthschaft geräusch- 
voll thätig sein; man sagt: sie rasaunt im havse umher, 

rodel, Sumpfläusekraut, pedicularis palustris. 

rosmok, rozmok, ein mit Gewürz abgemachter Brassen. Hennig 214. 

ruzzen, ein Fischerhamen, Hennig 216; wohl schwerlich das deutsche 
reusen, wie Hen n ig meint. 

saw, sewe^ seue^ zeuwe, Fischerboot mit durchlöchertem Behälter 
zum Aufbewahren der Fische, findet sich in wechselnden Formen wieder- 
holentlich in dem D.C, z. B. in der Willkühr der Stette in Königs- 
berg 1420. § 80. 82. 88.; vgl. auch Hirsch Handelsgesch. S. 210. 
307. und oben seken ; ob zu deutsch seien^ sickern^ wie Hirsch meint, 
ist wenigstens zweifelhaft. 

singe^ f., lange Angelschnur zum Aalfang, Hennig 255 und S. 1 
s. V. aalwathen; davon verb, singen, mit der singe Aale fangen. 

Schalk, nach Hennig 216. eine Kohlgattung; dem ist aber nicht so; 
Schalk ist nicht eine besondere Kohlart, sondern eine Erecheinung, 
die sich bei mehreren kohlartigen Pflanzen findet ; Weisskohl, Wrucken, 
Kohlrabi, Runkelrüben u. a. sind zweijährige Pflanzen, die nur im 
ersten Jahre brauchbare Köpfe, resp. Wurzeln bilden, wogegen sie 
im zweiten Jahre Blüthen- und Fruchtstengel treiben; wenn diese 
Pflanzen nun ausnahmeweise bereits im ersten Jahre Stengel treiben, 
so kommen die brauchbaren Köpfe und Wurzeln nicht zur Aus- 
bildung, und die Pflanzen heissen alsdann schalken, litt, szälkei; das 
Wort ist in dieser Bedeutung vielleicht auch in Deutschland bekannt. 

schesche (zeze) Milch topf ohne Henkel; Natangen. 

Schill (seh = z), Rufname der Ente; Natangen. 

schmag-ostern, schmack-ostern,^ eine in der Provinz ziemlich allgemein 
verbreitete Sitte, die darin besteht, dass am Morgen des zweiten, 
in manchen Gegenden auch des ersten Ostertages die jungen Leute 
einander im Frühschlafe überraschen und mit eingegrünten Birken- 
oder Weidenruthen schlagen; auch thun dasselbe wohl die Guts- 
oder Dorfkinder im Herren- oder Pfarrhause, wofür sie ein kleines 



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Geschenk erwarten und empfangen; Hen n ig 175; (wohl zu litt. 
smagöti, smögti, poln. smagac, lett. schmatigt, schlagen). 

schmarge, kurzer Weibermantel, Pelzmantel, der um den Hals befestigt 
bis an die Taille faltig herabhing; Hennig 237. Acta JBoruss, L 604. 
Sache und Name sind heute ausser Gebrauch. 

sch(yrmbrr, schurmürr, altes durch einander geworfenes Geräth; Hennig 
249. NFBl a, F. L 34. 

Schrats, adv,, schräge, in diagonaler Richtung. Hennig 245. 

schrile, eine Art Fischernetz, Hennig 1. s. v. aalwafhen, 

schuhe^ verhochdeutscht schauhe, langer Mantel, von Männern und 
Frauen getragen. Hennig 213. NPBl a, F. IL 427. VIL 372.; 
das Wort ist in den baltisch-slavischen Sprachen weit verbreitet, 
litt. S0uhä, szühas, kostbares Kleid, Frauenpelz, lett. schuhbe, Sommer- 
kittel, kslav. smha, vestis pellicea, poln. s^uba, ein mit Pelz ge- 
fütterter Oberrock, russ. smba, Pelz, szubnik, Kürschner; aber es 
findet sich auch bereits im mhd. schoube, längerer Rock, Mantel, 
Talar, sube, ein ritterliches Kleid, nhd. schaube, Tracht vornehmer 
Frauen, die z. B. nach der Rostocker Kleiderordnung von 1587 den 
Hand Werks weibern gänzlich verboten war; s. Frisch Teutsch-lat. 
Wtbch. H. 165; im brem. nieders Wtbch. VI. 352. findet sich sube, 
ein Weibermantel, Schaube; die Heimath des Wortes ist daher 
zweifelhaft. 

solge, niedrige Stelle auf Aeckern und Wiesen, an denen sich das 
Regen Wasser ansammelt; Natangen. 

sparte, Spiess, Hennig 257. 

sternicJcsel, stornicksel, Schlag oder Stoss in den Nacken. Hennig 264. 

tater, ein Prügelinstrument von zusammengedrehten Stricken. Hennig273. 

tellelks, töUelks, eine Art Kuchen; ein Stück Butter wird in einiger 
Entfernung von einem gelinden Feuer ununterbrochen umgewendet 
und unterdessen mit geriebenem Weissbrot bestreut. Hennig 277. 

urinar, Brandstifter, Mordbrenner, ein räthselhaftes Wort; in 
dem Zeugenverhör über die im Jahre 1331 von dem Ordensheere 
in Polen verübten Gewaltthätigkeiten, SrP. IL 728, heisst es: 
Quidam crucifer presbyter propria manu incendebat domus et ponebat 
ignem in eis in Pisdr (Stadt Peisern), didus Ja>cobus, et extunc 
vocatus est per omnes Vrinar, quod didtur latine incendiarius, Vrinar, 
urinar klingt denn doch stark an latein. urere an. Eine Bemerkung, 
die Hoffheinz zu diesem Worte macht, s. AMS. VIII 691. 

waJcen, auf dem Felde zerstreut liegende kleine Steine, Hennig 66. 
s. V. Feldwaken; vgl. inde^s wacker-steinern Grimm's MähTchen von 
dem Wolf und den sieben Geislein. 

wesseln, ver-wesseln, aus der Art schlagen, ausarten; Hennig 291. 
(litt, weisle, Gattung, Art, Race ; lett. waisla, Art, Zuzucht, Zuwachs, 
vom Vieh, is-waislotees^ aus der Art kommen). 



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wibranzen, Landmiliz, von poln. wybraniec, Rekrut, im plur., aus- 
gehobene Mannschaften, wj/brac, russ. tvybrat\ tryhiraf, auswählen; 
Hennig 299; Sache und Wort sind wohl verhältnissmässig moderne 
Eindringlinge in Preussen, und jetzt wieder gänzlich ausser Gebrauch. 

wisfe, wüste, Schnür leib, litt, wystc, 

witjöl, eine Milch sup pe, wohl schwerlich deutsch, wie Hennig 304. 
annimmt 

wolm, Geländer, Barriere, Hennig 305, und heute noch allgemein 
im Gebrauch: bes. auch Barriere vor den Gasthäusern auf dem 
Lande und in kleinen Städten, mit eisernen Ringen zum Anbinden 
der Pferde versehen. In der Sprache der Bauverständigen heisst 
der horizontale Oberbalken eines Geländers der Holm. 

mgge, altes Pferd, das kaum mehr auf den Füssen stehen kann. 
Hennig 307. 

zanteler, sanzeler, Zauberer, mnzcln, zaubern. Hennig 308. AMS. 
IX. 163. 

zapp, zupp, Wasserhuhn; in Natangen. (lett. Tcuhpis, dass., während 
sonst umgekehrt preussisch-littauischem k lettisches z zu entsprechen 
pflegt). 



Zusätze und Berichtigungen. 



S. 4. Z. 15. 1. in dem Compos. 

6. - 4. V. u. füge hinzu: rumän. apü, Wasser. 

- 32. - 14. I. draudieiti, 

- 44. - 25. 1. Braunsberg. 

- 46. - 27. böhm. gerdb. 

- 49. - 20. 1. ab-glopte. 

- 53. - 16. füge hinzu: nach der Stellung im Voc, ist gröbis wohl 

der Schlund. 

- 59. zu Art. juriay füge hinzu: jacut. juricLch^ Fluss, Meer, esthnisch 

jö/rwy ein See, litt, jüra, Nebenfluss des Niemen. 

- 61. Z. 12. 1. kailüstiskun, 

- 69. - 1. V. u. 1. ausgeschossene. 

- 81. - 18. 1. [cristionisca] cristionisco, 

- 84. zu Art. kupsins füge hmzn : (vgl. lett. kuhpeht, rauchen, russ. 

kbpof, poln. kopec, Rauch, Dampf). 

- 9 1 . Z. 4. 1. [iattaka] lattako. 

- 95. - 18. 1. mit dem folgenden. 

- 102. - 8. V. u. 1. Wettererscheinung. 

- 104. - 12. 1. kslav. 

- 107. - 16. 1. wisse-mükin. 
-108.-12. 1. mtischinsch, 

- 118. - 5. \. pa-laischu, 

-118.-21. füge hinzu: Das deutsche bore ist vielleicht /bre, forelle. 
-118.-24. 1. Fisch. 

- 120. - 19. l, passalucense, 

-127.-11. flgg. perwios ist wohl einfacher zurückzuführen auf litt. 

tvejü, wijaü, wpi, jagen, also: das darüber hinweg 
Reia&rte. 

- 136. Ort polauwen i Tc G. 2\\. 

- 1 37. Z. 8. 1. unam villam. 

- 139. - 16. 1. poln. pastwa, 

- 142. - 2. AMS. VII. 597. 
-143.-12. 1. preweringiskan. 

- 153. - 6. V. u. 1. szekszta, 

- 155. Zu Art. sarg-s füge am Ende hinzu: smgalion. 



S. 155. In dem Art. sarate ist „(^^^y^- ^«^«w)" zu streichen 

- 156. Zum Art. sawayte füge hinzu: (kslav. mwjetU, testanientum, 

pactum, russ. mwjet, dass., kslav. sUwjetU, pactum). 

- 156. Z. 3. V. u. 1. cyprinus. 
-157.-28. 1. nirseüewingis. 

- 160. - 26. 1. sielacken. 

- 161. - 6. 1. oenas statt venas. 

- 168. - 26. 1. poln. szyj^. 

- 172. - 28. 1. Heiligenbeil. 

- 172. - 30. 1. Voc, statt V. 
-175.-10. V. u. 1. lyiko statt lyhs. 

- 180. - 24. 1. lett. statt litt. 

- 185. Art. tarktie 1. hinter Bindriemen: nach der Stellung im 

Voc. vielleicht Sattelgurt. 

- 1 86. Z. 25. 1. tamskan. 
-199.-18. 1. wengaiten. 



Weimar, — Hof- Buchdruckerei.